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d. i. nichts Wirkliches weiß? Aber was ist die Allmacht, was alle übrigen göttlichen Bestimmungen, wenn der Mensch nicht ist? Der Mensch ist nichts ohne Gott; aber auch Gott nichts ohne den Menschen^); denn erst im Menschen wird Gott als Gott Gegenstand, wird er erst Gott. Erst die verschiedenen Eigenschaften des Menschen setzen Verschiedenheit, den Grund der Realität in Gott. Die physischen Eigenschaften des Menschen machen Gott zu einem physischen Wesen — zum Gott Vater, welcher der Schöpfer der Natur, d. h. das personifieirte, vermenschlichte Wesen der Natur ist*^) — die intellectuellen Eigenschaften zu einem intellectuellen, die moralischen zu einem moralischen Wesen. Des Menschen Elend ist der Triumph der göttlichen Barmherzigkeit; der Sünde Schmerzgefühl der göttlichen Heiligkeit Wonnegefühl. Leben, Feuer, Affect kommt nur durch den Menschen in Gott. Ueber den verstockten Sün> der erzürnt er sich; über den reuigen Sünder erfreut er sich. Der Mensch ist der offenbare Gott — im Menschen erst realisirt, erplicirt sich das göttliche Wesen. In der Schöpfung der Natur geht Gott aus sich heraus, verhält er sich zu einem Andern, aber im Menschen kehrt er wieder in sich

*) „Gott mag unser als wenig entbehren als wir sein". Predigten etzlichcr Lehrer etc. p. Iö. S. über diesen Gegenstand auch Strauß christl. Glaubens!. I. B. §. 47., des Vers. ?. S«?!« p. 104 — 107 und die deutsche Theologia e. 49.

**) „Dicß zeitliche vergängliche Leben in dieser Welt (d. i. natürliche Leben) haben wir durch Gott, der da ist allmächtiger Schöpfer Himmels undderErdcn. Aber da« ewige unvergängliche Leben haben wir durch unsers Herrn Iesu Christi Leiden und Auserstehung ... Iesus Christus ein Herr über jenes Leben." Luther (XVI. Th. S. 45»).

zurück: — der Mensch erkennt Gott, weil sich Gott in ihm sindet und erkennt, sich als Gott fühlt. Wo keine Presse, keine Noch, ist kein Gefühl — und das Gefühl nur die reale Erkenntniß. Wer kann die Barmherzigkeit erkennen, ohne das Bedürfniß derselben, die Gerechtigkeit, ohne das Unrecht, die Seligkeit, ohne Noch zu empsinden? Fühlen mußt Du, was ein Ding ist; sonst lernst Du es nimmer kennen. Erst im Menschen werden die göttlichen Eigenschaften zu Gefühlen, zu Empfindungen, d. h. der Mensch ist das Selbstgefühl Gottes — das Gefühl Gottes der reale Gott; denn die Qualitäten Gottes sind ja nur als vom Menschen empfundene, als Empfindungen erst wirkliche Qualitäten, Realitäten. Wäre die Empsindung des menschlichen Elends außer Gott, in einem von ihm persönlich abgetrennten Wesen, so wäre auch die Barmherzigkeit nicht in Gott, und wir hätten daher wieder das beschaffenheitslose Wesen, richtiger Nichts, welches Gott vor dem Menschen oder ohne den Menschen war. Ein Beispiel. Ob ich ein gutes oder mittheilendes Wesen bin — denn gut ist nur, was sich selbst hingibt, mittheilt, bonum est eommuuiestivum 5ui — weiß ich nicht, ehe sich mir die Gelegenheit darbietet, einem Andern Gutes zu erweisen. Erst im Acte der Mittheilnng erfahre ich das Glück der Wohlthätigkeit, die Freude der Freigebigkeit, der Liberalität. Aber ist diese Freude unterschieden von der Freude des Empfängers? Nein; ich freue mich, weil er sich freut. Ich fühle das Elend des Andern, ich leide mit ihm; indem ich sein Elend erleichtere, erleichtere ich mein eignes — das Gefühl des Elends ist auch Elend. Das freudige Gefühl des Gebers ist nur der Refler, das Selbstgefühl der Freude im Empfänger. Ihre Freude ist eine gemeinschaftliche Empsindung, die sich daher auch äußerlich durch Vereinigung der Hände, der Lippen versinnlicht. So ist es also auch hier. So gut die Empsindung des menschlichen Elends eine menschliche, so gut ist die Empsindung der göttlichen Barmherzigkeit eine menschliche. Nur das Gefühl der Noth der Endlichkeit ist das Gefühl der Seligkeit der Unendlichkeit. Wo das Eine nicht ist, da ist auch das Andere nicht. Beides ist unabsonderlich — untrennbar die Empsindung Gottes als Gottes und die Empsindung des Menschen als Menschen — untrennbar von der Erkenntniß des Menschen die Selbsterkenntniß Gottes. Selbst ist Gott nur im menschlichen Selbst — nur in der menschlichen Unterscheidungskraft, in der inner n Differenz des menschlichen Wesens. So wird als Ich, als Selbst, als Kraft, d.i. als etwas Besonderes die Barmherzigkeit nur empfunden von ihrem Gegentheil. Das Gegentheil Gottes qualificirt, realisirt, verselbstet Gott. Gott ist Gott nur durch das, was nicht Gott ist. Hierin haben wir auch das Geheimniß der Lehre I. Böhms. Nur ist zu bemerken, daß I. Böhm als Mystiker und Theolog die Empsindungen, in denen sich erst das göttliche Wesen verwirklicht, aus Nichts zu Etwas, zu einem qualitativen Wesen wird, abgetrennt von den Empfindungen des Menschen —wenigstens seiner Einbildung nach — außer den Menschen setzt und in der Gestalt von natürlichen Qualitäten vergegenständlicht, so jedoch, daß selbst diese Qualitäten wieder nur die Eindrücke, die sie auf sein Gemüth machen, repräsentiren. Dann ist nicht zu übersehen, daß Das, was das empirisch religiöse Bewußtsein erst mit der wirklichen Schöpfung der Natur und des Menschen setzt, das mystische Bewußtsein schon vor der Schöpfung in den vorweltlichen Gott verlegt, aber eben damit auch die Realität der Schöpfung aufhebt. Wenn nämlich Gott fem Andres schon hinter sich hat, so braucht er es nicht vor sich zu haben; wenn Gott, was nicht Gott ist, schon in sich hat, so braucht er nicht dieses nicht Göttliche erst zu setzen, um Gott zu sein. Die Schöpfung der wirklichen Well ist hier ein reiner Lurus oder vielmehr eine Unmöglichkeit; dieser Gott kommt vor lauter Realität nicht zur Realität; er ist schon in sich dieser Welt so toll und voll, so überladen mit irdischen Speisen, daß höchstens nur durch einen umgekehrten motus periditaltieus im Welt verzehrenden Magen Gottes, gleichsam durch ein göttliches Erbrechen das Dafein, die Schöpfung der wirklichen Welt erklärt werden kann. Dieß gilt insbesondere auch von dem Schellingschen Gotte, der, obgleich aus unzähligen Potenzen zufammengesetzt, doch ein durchaus impotenter Gott ist. Weit vernünftiger ist daher das empirisch religiöse Bewußtsein, welches erst mit dem wirklichen Menschen, mit der wirklichen Natur Gott sich als Gott offenbaren, d.i. verwirklichen läßt, welchem zufolge der Mensch gemacht ist lediglich zu Gottes Lob und Preis. D. h. der Mensch ist der Mund Gottes, welcher die göttlichen Qualitäten als menschliche Empfindungen articulirt und aecentuitt. Gott will verehrt, gelobt sein. Warum? weil erst die Pafsion des Menschen für Gott das Selbstgefühl Gottes ist. Aber gleichwohl trennt wieder das religiöse Bewußtsein diese beiden unzertrennlichen Seiten,. indem es vermittelst der Vorstellung der Persönlichkeit Gott und Mensch zu selbstständigen Eristenzen macht. Die Hegel'sche Speculation' identisicirt nun diese beiden Seiten, so jedoch, daß selbst noch der alte Widerspruch zu Grunde liegt, — sie ist daher nur die consequente Ausführung, die Vollendung einer religiösen Wahrheit. So verblendet war der gelehrte Haufe in seinem Hasse gegen Hegel, daß er nicht erkannte, daß seine Lehre, wenigstens in dieser Beziehung, nicht der Religion widerspricht, — nur so widerspricht, wie überhaupt der ausgebildete, consequente Gedanke der unausgebildeten, inconsequenten, aber dennoch das Nämliche aussagenden Vorstellung widerspricht.

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Wenn nun aber erst in den menschlichen Empfindungen und Bedürfnissen das göttliche Nichts Etwas wird, Qualitäten bekommt, so ist auch das Wesen des Menschen erst das reale Wesen Gottes — der Mensch der reale Gott. Und wenn das Bewußtsein des Menschen von Gott erst das Selbstbewußtsein Gottes ist, so ist per se das menschliche Bewußtsein göttliches Bewußtsein. Warum entfremdest Du also dem Menschen sein Bewußtsem und machst es zum Selbstbewußtsein eines von ihm unterschiednen Wesens, eines Objects? Warum vindicirst Du Gott das Wesen, dem Menschen nur das Bewußtsein? Gott hat sein Bewußtsein im Menschen und der Mensch sein Wesen in Gott? Das Wissen des Menschen von Gott ist das Wissen Gottes von sich? Welch ein Zwiespalt und Widerspruch! Kehre es um, so hast Du die Wahrheit: das Wissen des Menschen von Gott ist das Wissen des Menschen von sich, von seinem eignen Wesen. Nur die Einheit des Wesens und Bewußtseins ist Wahrheit. Wo das Bewußtsein Gottes, da ist auch das Wesen Gottes — also im Menschen; im Wesen Gottes wird Dir nur Dein eignes Wesen Gegenstand, tritt nur vor Dein Bewußtsein, was hinter Deinem Bewußtsein liegt.

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