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Seimo 66.) — übrigens, auch ganz abgesehen von dem Haß gegen die Ketzer, der so häusig die heilige christliche Kirche inspirirte und so weltklug machte, aus Gründen, aus denen keineswegs die Anerkennung der Natur als solcher folgte, und unter Beschränkungen, d. i. Negationen, welche diese Anerkennung der Natur zu einer nur scheinbaren, illuforischen machen. Der Unterschied zwischen den Ketzern und Rechtgläubigen ist nur der, daß diese indirect, verschlagen, heimlich sagten, was jene unumwunden, direct, aber eben deßwegen auf eine anstößige Weise aussprachen. Von der Materie läßt sich die Lust nicht absondern. Die materielle Luft ist nichts weiter als, so zu sagen, die Freude der Materie an sich selbst, die sich selbst bethätigende Materie. Jede Freude ist Selbstbethätigung, jede Lust Kraftäußerung, Energie. Iede organische Function ist im normalen Zuftande mit Wohllust verbunden — selbst das Athmen ist ein wohllüstiger Act, der nur deßwegen nicht als solcher empfunden wird, weil er ein ununterbrochener Proceß ist. Wer daher nur die Zeugung, die fleischliche Vermischung als solche, überhaupt das Fleisch als solches für rein, aber das sich selbst genießende Fleisch, die mit sinnlicher Lust verknüpfte fleischliche Vermischung für Folge der Erbsünde und folglich selbst fürSünde erklärt, der anerkennt nur das todte, aber nicht lebendige Fleisch, der macht uns einen blauen Dunst vor, der verdammt, verwirft den Zeugungsact, die Materie überhaupt, aber unter dem Scheine, daß er sie nicht verwirft, daß er sie anerkennt. Die nicht heuchlerische, nicht verstellte — die offenherzige, aufrichtige Anerkennung der Sinnlichkeit ist die Anerkennung des sinnlichen Genusses. Kurz wer, wie die Bibel, wie die Kirche, nicht die Fleischeslust anerkennt — versteht sich die natürliche, normale, vom Leben unzertrennliche — der anerkennt nicht das Fleisch. Was nicht als Selbstzweck — keineswegs darum auch als letzter Zweck — anerkannt wird, das wird nicht anerkannt. Wer mir den Wein nur als Arznei erlaubt, verbietet mir den Genuß des Weines. Komme man nicht mit der freigebigen Spendung des Weines auf der Hochzeit zu Cana. Denn diese Scene versetzt uns ja unmittelbar durch die Verwandlung des Wassers in Wein über die Natur hinaus, auf das Gebiet des Supernaturalismus. Wo, wie im Christenthum, als der wahre, ewige Leib ein supernaturalistischer, spiritualistischer Leib gesetzt wird, d. h. ein Leib, von dem alle objecliven, sinnlichen Triebe, alles Fleisch, alle Natur weggelafsen ist, da wird die wirkliche, d. i. die sinnliche, fleischliche Materie negirt, als nichtig gesetzt.

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Allerdings hat das Christenthum nicht die Ehelosigkeit — freilich später für die Priester — zu einem Gesetz gemacht. Aber eben deßwegen, weil die Keufchheit oder vielmehr die Ehe-, die Geschlechtslosigkeit die höchste, überschwänglichste, supernaturalistischste, die x«? himmlische Tugend ist,

so kann und darf sie nicht zu einem gemeinen Pflichtobject erniedrigt werden; sie steht über dem Gesetze, sie ist die Tugend der christlichen Gnade und Freiheit. Llnistus Kortstur ickoneos s6 «oelibstum, ut üonuin recte tuesntur; iaem LKristus iis, <rui puritatem extra eonzu»ium nov retinent, mseeipit, utimre in eoi^n^io vivant. NelsneKtilvv. (Kesponsio s6 Lolonienses. Oeolsm. 1". III.) Virfinitas non estjusss, seck sckmonits, riuis niinis est ex

celsa. De m«6o bene viv. (8crmo 21.) Lt qui

mstrimunio zungit virginem susm, benesseit, et qui non jnngit, melius iseit. (Zuoc k i^itur bonum est, non vitsn6um est, et cmoc k est melius, eligenckum est. Its<me non imponitur, seck proponitur. Lt ickeo bene ^postolus 6ixit: De virginiuus'sutem prseeeptum non IisKe«, eonsilium sutem ck«. Ilbi prseeeptum est, ibi lex est, nbi

consilium, iln grstis est ?rsecevtum enim csstitstis

est, consilium integiitstis 8ec k nee vickus prseee

ptum aecivit, se6 eonsilium. Konsilium sutem non semel ckstum, se6 saeve repetitum. Ambrosius (leider cke vickuis). Das heißt: die Ehelosigkeit ist kein Gesetz im gemeinen

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zu beschränken, zu unterdrücken, zu tödten, – um durch den Teufel den Teufel auszutreiben. Quae res et viris et feminis omnibus adestad matrimonium et stuprum? Commixtio carnis scilicet, cujus concupiscentiam Dominus Stupro adaequavit. . . . . Ideo virginis principalis sanctitas, quia caret stupri affinitate. Tertullianus (cke exkorl. esst. «. 9). Lt cke ipso conjugio melius sIiquick, quam covcessisti, inonuisti. Augustinus (Lonsess. X. e. 30). „Es ist besser freyen, denn Brunst leiden." 1. Korinther 7, 9. Aber wie viel besser ist, sagt Tertullian,

diesen Spruch entwickelnd, weder freyen noch Brunst leiden

I'ossum ckicere, <zu«6 nermittitur bonuin non est (s6 llxnrein I. I. e. 3). O« minorikus bonis est eonjugium, cmoc k

nan meretur pslmsni, seck est in remeckium ?rims

institutio Kabuit prseeeptuin, secun6s inckulZgntism. Li6iOimus enim sb ^postol«, Iiuinsn« generi nropter vitsn6sm sorniestionem inckultum esse co<i^vgium. Petrus I^oinb. (I. IV. ckist. 26. c. 2). „Magister Sententiamm saget recht, der Ehestand sey im Paradiese geordnet zum Dienste, nach der Sünde aber zur Artzeney." Luther (I. I. p. 349). „Wo man Ehe und Iungfraufchaft gegen einander hält, so ist freilich die Keuschheit eine edlere Gabe denn die Ehe." Ders. (I.X.i>.319). „Welche die Schwachheit der Natur nicht zum Ehestande zwinget, sondern sind solche Leute, daß sie des Ehestands entrathen können, die thun recht, daß sie sich vom Ehestande enthalten." Ders. (I.V.p.538). Die christ. liche Sophistik wird dagegen erwiedern, daß nur die nicht christliche Ehe, nur die nicht vom Geiste des Christenthums consecrirte, d. h. mit frommen Bildern verblümte Natur unheilig sei. Allein wenn die Ehe, wenn die Natur erst durch die Beziehung auf Christus geheiligt wird, so ist eben damit nicht ihre Heiligkeit, sondern nur die Heiligkeit des Christenthums ausgesprochen, so ist die Ehe, die Natur an und für sich selbst unheilig. Und was ist denn der Heiligenschein, womit das Christenthum die Ehe umgibt, um den Verstand zu benebeln, anders als eine fromme Illusion? Kann der Christ seine ehelichen Pflichten erfüllen, ohne nolens volens der heidnischen Liebesgöttin zu opfern? Ia wohl. Der Christ bat zum Zweck die Bevölkerung der christlichen Kirche, nicht die Befriedigung der Liebe. Der Zweck ist heilig, aber das Mittel an sich selbst unheilig. Und der Zweck heiligt, entschuldigt das Mittel. ^«ujugslls covcudirus gever:uM grstis Q«u Ksdet culpsm. Der Christ, wenigstens der wahre, negin also, wenigstens wll er negiren die Natur, indem er sie befriedigt; er will nicht, er verschmäht vielmehr das Mittel für sich selbst, er will nur den Zweck in abstrscto; er thut mit religiösem, supranaturaliftischen Abscheu, was er, aber widerwillig, mit natürlicher, sinnlicher Luft thut. Der Christ gesteht sich nicht offenherzig seine Sinnlichkeit ein, er verläugnet vor seinem Glauben die Natur und hinwiederum vor der Natur seinen Glauben, d. h. er desavouirt öffentlich, was er im Geheimen thut. O wie viel besser, wahrer, herzensreiner waren in dieser Beziehung die Heiden, die aus ihrer Sinnlichkeit kein Hehl machten, während die Christen läugnen, daß sie das Fleisch befriedigen, indem sie es befriedigen! Noch heute halten die Christen theoretisch an ihrer himmlischen Abund Zukunft fest; noch heute verläugnen sie aus supranaturalistischer Affectation ihr Geschlecht und gebehrden sich bei jedem derb sinnlichen Bilde, bei jeder nackten Statue, als wären sie Engel, noch heute unterdrücken sie, selbst mit polizeilicher Gewalt, jedes offenherzige, freimüthige Selbstbekenntniß selbst auch der unverdorbensten Sinnlichkeit, aber nur um durch das öffentliche Verbot sich den geheimen Genuß der Sinnlichkeit zu würzen. Was ist also, kurz und gut gesagt, der Unterschied der Christen und Heiden in dieser delicaten Materie? Die Heiden bestätigten, die Christen widerlegten ihren Glauben durch ihr Leben. Die Heiden thun, was sie wollen, die Christen, was sie nicht wollen, jene sündigen mit, diese wider ihr Gewissen, jene einfach, diese doppelt, jene aus Hypertrophie, diese aus Atrophie des Fleisches. Das specisische Lafter der Heiden ist das ponderable, sinnliche Laster der Unzucht, der Christen das imponderable theologische Lafter der Heuchelei — jener Heuchelei, wovon der Iesuitismus zwar die auffallendste, weltgeschichtlichste, aber gleichwohl nur eine besondere Erscheinung ist. „Die Theologie macht sündhafte Leute", sagt Luther — Luther, dessen positive Eigenschaften einzig sein

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