Denkmäler Deutscher Poesie Und Prosa Aus Dem VIII-XII Jahrhundert (Classic Reprint)

Fb&c Limited, 02/05/2017 - 696
Excerpt from Denkmäler Deutscher Poesie und Prosa aus dem VIII-XII Jahrhundert

Sobald die verschiedenen deutschen stämme im reich Karls des grafsen zu einer politischen und religiösen einheit verbunden wurden, konnte auch fr die sprache die entwickelung zu gröfserer einheitlichkeit nicht ausblei ben. Darauf fhrte schon das bedrfnis des reichs. Zunächst die franki schen mundarten am Main und Mittelrhein in der mitte des damaligen Deutschlands erlangten damit eine hervorragende bedeutung und durch ihre geographische stellung sowohl als ihre ganz damit bereinstimmende sprach liche beschaffenheit waren sie berufen ein bindeglied zwischen dem norden und sden abzugeben. In ihrem ganzen habitus berwiegend hochdeutsch hielten sie doch dadurch dass sie die tennis k im anlaut, die einfachen mediae b und g berall und wenigstens noch im anlaut das th, zum teil auch das alte d bewahrten, die mitte zwischen den rauheren oberdeutschen und den noch ganz auf der alten lautstufe verharrenden niederdeutschen mundarten; so auch in ihrem wortvorrat und wortgebrauch, und einwr kung und aneignung, entlehnung und austausch war fr sie nach beiden seiten hin leicht. Aus ihnen gieng die karlingische hofsprache hervor, die sprache des höheren lebens dessen mittelpunkt der kaiserliche hof war, das ihm von allen seiten zustrebte und wiederum von ihm ausstralte. Gegen die volksmundarten war die neue sprache noch weniger abgeschlossen als später das mittelhochdeutsche, geschweige denn das neuhochdeutsche, und ihr abstand nach unten hin war wohl nur gering. Eine neue litteratur und poesie, die ihr festigkeit, abgeschlossenheit und gleichmäfsige ausbildung gegeben hätte, blhte nicht mit ihr auf. Daher kommt es dass kaum ein denkmal in allen sprachlichen merkmalen mit einem andern völlig ber einstimmt und fast jedes die sprache in einer andern gestalt zeigt. Eine gleichmäfsigkeit in den grammati'schen formen ward nicht erreicht und alte und neue erscheinen im gebrauch neben einander. Nicht einmal die ortho graphie und lautbezeichnng stellte sich fest: sie artete nach art und zeit verschieden, wie die sprache selbst. Tritt eine mischung ein, wie in dem merkwrdigen We4'f3enburger katechismus (lvi), wo kaum noch ein be stimmter typus vorherseht, oder auch nur wie in dem lied von Christus und der Samariterin (x), so lässt sich ber die herkunft eines denkmals schwer entscheiden. Der schwankende zustand der sprache brachte vielleicht den kaiser selbst auf den gedanken eine deutsche grammatik zu schreiben. Hätte er ihn ausgefhrt, so wäre daraus wohl eine art capitulare geworden.

About the Publisher

Forgotten Books publishes hundreds of thousands of rare and classic books. Find more at www.forgottenbooks.com

This book is a reproduction of an important historical work. Forgotten Books uses state-of-the-art technology to digitally reconstruct the work, preserving the original format whilst repairing imperfections present in the aged copy. In rare cases, an imperfection in the original, such as a blemish or missing page, may be replicated in our edition. We do, however, repair the vast majority of imperfections successfully; any imperfections that remain are intentionally left to preserve the state of such historical works.

 - 

.

-