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tersburg 1837), kehrt unser Hans mein Igel und Allerleirauh wieder. Alten-Arga, d. h. Goldmädchen, entflieht den Liebeswerbungen des Alten-Aira, d. h. Goldknoten. Mittelst eines umgeworfenen Federhemdes schwingt sie sich durch die Lüfte, wird aber von ihm erreicht und von seiner Peitsche getroffen; dadurch platzt das Federgewand mit Adlerschwingen ihr auf dem Rücken entzwei und sie stürzt als nacktes Goldmädchen auf die Steppe herunter, pag. 187. Ebendaselbst entflieht Alten-Bürtjük, d. h. das Goldblatt, vor der gewaltthätigen Bewerbung des Alten-Taktai; sie verwünscht sich erst in die zottige Gestalt einer Fischotter und entfliegt dann in einem Kleide mit Adlerschwingen. Jeder Leser vermag hiebei an das „wunderlich gewant" der Donauweiber im Nibelungenliede und an das Schwanenhemd der Walküren zu denken, durch welches man sich in Vogelgestalt verwünscht, um so den herrlichen Goldleib eines himmlischen Wunschmädchens unter rauher Vogelbefiederung zu verhüllen. Bekanntlich genügt oft schon die bloße Schürzung eines Knotens zu solcher Vergestaltung, aber auch dann blitzt ein Streifen Goldes noch durch diese schmälste Hülle. Im KM. Nr. 41 hat das in ein Rehkälbchen verwandelte Brüderchen ein goldenes Strumpfband als Halskette um, sowie ja auch Kerynitis, jenes Hind der Artemis, ein goldenes Halsband trägt und darüber vom jagenden Herakles bis zu den Hyperboreern verfolgt werden muß. Mit einer Goldkette ist die hohe Uferhecke umspannt und muß mit dem Schwerte zerhauen werden, daß Blut aus ihr hervorquillt; dann übersteigt man sie mit dem aus den fünf Brunnen heraufgeholten goldenen Apfel und gewinnt so die fünf Prinzessinnen, die der Drache zum Drachenstein entführt hat. Kuhn, westfäl. Sag. 2, 260. Daß diese Goldkette hier ganz die homerische ist, an welcher die Himmelsgötter gegen Zeus wettziehen , erweist sich aus einem Kindersprüchlein bei Montanus, Volksfeste 1, 88:

Sagt man Regenbogen,

So sagt der Teufel, ich will's mit dir wogen!

Sagt man aber Himmelring,

So sagt Maria: du bist mein Kind! Wir sollen also die Himmelszeichen nicht gröblich nach ihrer elementarischen Erscheinung, sondern ehrfürchtig nach ihrer himmlischen Wesenheit benennen und schätzen.

Beinahe überflüssig erscheint der Nachweis, daß der Körper aller den Göttern geheiligt gewesenen Thiere von Gold durchronnen war. Vergoldet man doch heute noch den zu Ostern und Pfingsten umher geführten Festochsen das Gehörne, und ist sogar der Bärendreck, jener den Kindern wohlbekannte stangenförmig gebackene Lakriziensaft, stets an beiden Enden vergoldet; denn auch Gold ist's, was solche Thiere von sich geben. Aber dasselbe wandelt sich stets zu süßem Blute, zu honigvollem Meth, zu labender fetter Milch, und eben auf dieserlei Transsubstantierung des Thierblutes soll hier als auf eine noch wenig beachtete Anschauung hingedeutet werden. Denn wie die goldene Sonne alles ausreift und würzig macht, so muß auch alle ihr geheiligte Creatur Gut und Blut bescherend für uns werden.

Ich wähle dazu unser geringstes Käferchen aus und zugleich unser größtes jagdbares Thier, den Käfer Siebenpunkt und den Hirschen.

Die coccinella septempunctata wird vom Schweizerkinde auf die Finger zum Auffliegen gesetzt und dabei um die Lebensdauer befragt: Wie lange soll ich leben? Dasselbe thut mit ihm das schwedische Mädchen, indem sie sagt: er zeichnet mir meine Brauthandschuhe. Auf Nukö bei den Inselschweden heißt er Gullhena, Goldhühnlein (Rußwurm, Eibofolke), in England Ladycow, in Deutschland Frauenkühlein, Sonnenkalb, und im Aargau wird er um Milch und Milchbröcklein angerufen, wobei ein goldenes Löffelchen nicht mangeln soll (alemann. Kinderlied Nr. 184). Dies kleine Thierchen ist also aufgefasst als eine Milch und Butter, oder eine Butter- und Zuckerbrod gebende Kuh, durch die zugleich Lebensdauer und Liebesglück entschieden wird, weil sie unserm Herrgott oder U. L. Frau im Goldhimmel zugehört. Viel bedeutsamer sind dagegen die an den Hirschen geknüpften Beziehungen, und es kostet Mühe, sich hier in Kürze darüber zu fassen. In der Oswaldlegende schmieden 12 Schmiede den Goldhirschen, kein Krieger oder Jäger vermag ihn einzufangen, er wird der Braut allein zu Theil; wie aber dieser große Hirsch gebaut und durch ihn zugleich die Hand der Königstochter erworben wird, bis sie eines schönen Knäbleins genest, das gleichfalls den Namen Goldhirsch bekommt, das erzählen J. W. Wolfs deutsche Hausmärchen, pag. 73. Als Graf Botho den Hirschen im Harz für Kaiser Barbarossa eingefangen, bekommt er dafür die ganze Grafschaft Stolberg-Wernigerode und dazu den Hirschen ins Wappen gesetzt; seitdem sind dorten die Wirthshäuser zum goldenen Hirschen geschildet. Pröhle, Harzsag. 2,195. Das würtembergische Haus führt ein Hirschgeweih im Wappen, aber als Sophia, die Tochter des Schwabenherzogs Christoph, starb, soll ein solches Geweih an ihrer Zimmerwand geblutet haben. Birlinger, schwäb. Sag. Nr. 375. Golden ist der Hirsch, weil er der Leben nährenden Sonne angehört, darum knüpft sich Machtbesitz, Eheglück und Kindersegen an ihn. Auch sein Bluten wird sich sogleich erläutern. Das Geweih des nordischen Sonnenhirschen Solarhiötr und des eddischen Himinhrjodhr besteht, wie der Name zeigt, aus Sonnenstrahlen. Darum steht der Hirsch Eikthyrnir oben auf Valhölls Dache und während er da die Gipfel der Esche Yggdrasil benagt, entspringt aus seinem Geweih solche Honigfülle, daß aus der einen Schaufel 12 Ströme durch der Asen Wohnsitz rinnen, aus der andern 13 solche zu den Menschen und bis in die Unterwelt. Wer von solcher Methfülle trinkt, wird hirschtrunken, d. h. selig. Der meth- oder begeisterungstrunkene Odhinn wird dann entweder zum waidwerklustigen Nachtjäger Muet, der selbstvergessen bis ans Weltende jagt, oder er nimmt selber Hirschgestalt an, um Jungfrauen heimzusuchen, Helden zu weisen und Begegnende zu beglücken. Nach Aufzählung aller Trunkenheitsgrade handelt Ägyd. Albertinus „De conviviis et compotationibus" (München 1601, 75) vom Hirschtrunkensein: „vnd in diese hirschtrunkene Zunft gehören alle diejenige, welche wann sie doli vnd voll sein, keine ruhe haben, sondern nur hinausjagen, pürschen vnd beißen, vnd nur des nachts reisen wollen; Gott geb, es ergehe ihnen darüber wie es wolle." Hier verwerthet sich nun erst recht jene Jägersage, welche sich in Grimms Myth. 877 den Meklenburger Jahrbüchern von Lisch nacherzählt findet. „Blut sollst du haben und ein Hintertheil vom Hirschen dazu," sagt Wuotan zum Meklenburger Bauer, der ihm jagen geholfen hat; „zieh den Stiefel aus und nun wandere mit Blut und Fleisch zu Weib und Kind!" Der Bauer gieng hinweg mit krummem Rücken, die Last ward ihm schwerer und schwerer, kaum vermochte er sie zu tragen. Endlich erreichte er seine Hütte, und siehe da, der Stiefel war voll Gold und jenes Hinterstück vom Hirschen ein Lederbeutel voll Silber.

Dies ist jener in zahlreichen Sagen abgeschilderte Hirsch, der mit brennenden Lichtern auf dem Geweih Nachts die Prinzessinnen des Weges leitet und Ursache wird, daß diese die erste Kirche, das älteste Stift in der noch heidnischen Landschaft erbauen. Aargau. Sag. 1, 246. In ihm fließt Gold, Feuer, Blut und Honigseim als in einer Quelle, weil ja sein Himmel dies Alles zusammen hat. So ist bald der glanzvoll leuchtende Blick im Heldenauge, bald die Flamme, die sich auf dem Haupte schlafender Jünglinge zeigt, bald der goldene „ritschrothe Stern" auf der Stirne Neugeborner (KM. Nr. 9 und 96) Zeichen hoher Abkunft; „es giebt aber auch Geschlechter, wo bei jedem Mitglied, wenn es heftig von Zorn oder Scham bewegt wird, ein scharf gezeichneter rother Blutstreif auf der Stirne sich zeigt, und so erzählt es von Pappenheim Schiller in der Gesch. des 30jähr. Krieges" (KM. 3, 175). Somit wäre bereits gezeigt, daß Göttern, Heroen, Gestirnen und Götterthieren ein gleiches Mischungsverhältniss des Blutes eigen ist, daß sie goldblütig und dadurch einander blutsverwandt sind. Es ist nur noch die heilige Pflanze zum Ende dieses ersten Abschnittes zu besprechen übrig. Auch der Saft der Pflanze besteht der Reihe nach aus Gold, aus Blut oder aus Milch, denn das Leben der Seele kehrt in die Pflanzenwelt zurück oder entspringt neu aus derselben. Die Zauberwurz Alraun besitzt goldausbrütende Kraft, verliert diese aber, wenn man aufhört, die Pflanze in Wein (Blut) zu baden und mit Milchbrei zu füttern. Nicht anders als nur mittelst eines Goldstückes soll das Johannisblut (hieracium pilosella) in der Nacht der Sommersonnenwende mit der Wurzel aus dem Boden gegraben werden. Freyja's goldene Thränen finden sich in der orchis mascula wieder, die wir Frauenthräne, Marienthräne nennen, gleichwie aus den Thränen der Sonnentöchter das, was vorher nur Harz der Bäume gewesen ist, zu goldenem Bernstein wurde. Myth. 1234. Die Rebe thränt oder blutet nach dem Beschneiden, es giebt ein Reben- und Traubenblut, aber zugleich auch eine Liebfrauenmilch, jenen zunächst Worms wachsenden Edelwein. Dagegen stellt sich ferner auch die Pflanzenmilch dar in der Wolfsmilch (euphorbium), in der Butterblume (caltha pallustr. und leontod. taraxac.) , welche in Angermanland trimjölksgräs heißt, weil ihr Futter die Kühe täglich dreimelkig macht; in der Mistel und in der Donnerwurz (sedum tectorum). Der weiße Saft dieses Donnerkrautes stillt Wundenblut, und so hängt auch von einem milchigen Mistelzweig, der aber bei Virgil aurum frondens, ramus au reus genannt wird, das Leben des Jugendgottes Baldr ab. Am deutlichsten fasst sich Pflanze und Baum als Mittel der Wiederauferstehung, und hier beginnt die roth- oder die weißblühende Blume ihre Farbensymbolik. Wenn Kleinchristel im schwedischen Volksliede ihren Bräutigam eingesargt vor sich liegen sieht, ruft sie jammernd über dieses unabänderliche Loos: „Wer nun bricht mir das Laub von dem Lilienbaum!" Wenn aber Joringel im Suchen nach der verlornen Jorinde die blutrothe Blume findet, in deren Mitte ein Thautropfen von Perlengröße steht, so wird alles, was er damit berührt, von Zauber frei und unter den hundert damit erlösten Nachtigallen ist auch seine Jorinde; denn ahd. bluot bezeichnet sowohl Blüthe als auch Blut, und der Begriff beider ist Art und Geschlecht. Die im eben erwähnten Märchen gemeinte Pflanze ist lythrum salicaria, aargauisch Blutströpfli. Drei Lilien, oder die Studentenblume, die Narcisse und Rose sprossen aus dem Grabe der Eltern und ihres Kindes, ebenso die Blutbuche aus demjenigen schuldlos Gemordeter, oder es fliegen aus dem Gezweige Nachtigall und Taube zusammen auf, die Seelen des hier bestatteten Paars. In der portugiesischen Romanze vom Grafen Nillo heißt es:

Aus dem Grab des Grafen Nillo

Hob sich ein Cypressenbaum,

Ein Orangenbaum erhob sich

Aus der Königstochter Grab.

Beide wuchsen, und mit Kosen

Küssten sich die Wipfel sanft.

Haut mir ab die beiden Stämme!

Rief der König; es geschah.

Edles Blut entfloß dem einen,

Königsblut dem andern Stamm,

Und geboren aus dem Blute

"Ward ein kosend Taubenpaar. So weit reicht das unserm Zwecke dienende Material und nun ist noch der Schluß daraus zu ziehen. Der seinen Tag auf der Weide und seine Nacht unter freiem Himmel zubringende Nomade sucht die Götter nicht hinter Geheg und Mauer, sondern über sich in dem unbegrenzten Himmel. Hier sind sie ihm nothwendig die Leuchtenden und Erlauchten, und so sind sie wirklich genannt in allen arischen Sprachen. Aus der Wortwurzel div, leuchten, entspringt sanskrit devas (ursprünglicher daivas), latein. divus oder deus, und ist auch für das Deutsche erhalten in dem nord. Plural tivar. In einem leuchtenden Himmel konnten nur "goldstrahlende Götter sein. Diese Naturanschauung aus der Urzeit der Menschheit erscheint uns aber bei weitem erhabener, als sie in Wirklichkeit selbst sein wollte; auch von ihr muß unser Sprichwort gelten: Es ist nicht Alles Gold was glänzt. Denn die Götter mußten ja schon längst als goldener Sternenhimmel geglänzt haben, noch ehe das Metall des Goldes bekannt, in irgend ein Werthverhältniss gebracht oder zum Tauschmittel gemacht war. Erst die selbst heruntergebrachten Spät- und Halbgottheiten, die kleinen Zwerge, bieten dem noch kunstlosen Menschengeschlechte das Metall geschmiedet an; erst mit Heidr, dem ersten Zauberweibe, ist das Böse in die Welt gekommen, denn sie ist mit dem Geldwort begabt, durch das erst der Unterschied von Böse und Gut geworden ist; erst dem sinkenden Römerreiche wird der Goldhunger zur geheiligten Mode. Aber der Hunger nach Milch und Brei war schon der unserer herdenweidenden Patriarchen, wie er noch der kindlich aufrichtigste ist; er findet Gnade vor Gott und den Menschen, ohne daß er mit Gold zu zahlen braucht. Das Gold des ältesten Götterhimmels war nicht Metall, sonst würde

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