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iz belfihtc dich und alle Christenheit,

dû in den ungolouven was verre vcrlcit.

iz vant dich, iz lîz dich bit alle lfiter,

aise du sunne deit daz glasevinstcr. Auch in einem lateinischen Hymnus, der bezeichnet wird als „vetus et vulgaris", heißt es (M. I, 47, 41 ff.):

Ut vitrum non lacditur

sole penetrante,

sie illaesa creditur

virgo post et ante; welche Stelle unverkennbar grosse Ähnlichkeit mit v. 35 und 36 unseres Leiches hat.

v. 37—39 bringt ein neues Bild der Jungfräulichkeit Marions trotz ihrer Mutterschaft, nämlich den brennenden und doch nicht verbrennenden Dornbusch. Die Stelle (2 Mos. 3, 2): „Apparuitque ci (Moysi) dominus in flamma ignis de medio rubi: et videbat, quod rubus arderet et non combureretur" gilt nämlich dem Dichter zugleich als Vorbild Mariac als „maget und muoter":

Namque rubus incombustus,

Moysen qui terruit,

haec est virgo, quae pudorc

salvo deum genuit (M. II, 326, 19 ff). Ferner: Flagrare cernens et Moyses rubum,

nullis adustum viribus ignium,

partum notavit virginis inclitum,

nullo virili germine conditum (M. II, 573, 29 ff). v. 38 hat Laehmann und nach ihm mehrere andere Herausgeber: „breit unde ganz"; und Wilmanns sucht den etwas auffälligen Ausdruck „breit" folgendermaßen zu erklären: „Breit ist im Mhd. überhaupt groß. Man spricht von breiter werdekeit, breiter tugent, breiter gewalt u. s. w." Der Sinn unserer Stolle würde also sein: „Ausgedehnt (weithin leuchtend) und unversehrt war sein Glanz." Für diese Leseart spricht eine ähnliche Stelle im Melker Marienlied (MSD. XXXIX, Strophe 2), die jedoch Wilmanns entgangen zu sein scheint:

Jû in deme gespreidach

Môyses ein nur gesach,

daz daz holz niene bran.

den louch sah er oben an:

der was lanch unde breit.

Mir scheint aber doch die Leseart Pfeiffers nach к „grüen unde ganz" einen passenderen Sinn zu geben. Es soll ja unter dem Bilde des brennenden Dornbusches die Empfängnis des Sohnes Gottes unbeschadet der Jungfrauschaft Mariae versinnbildet worden, und dieses geschieht am besten dadurch, daß hervorgehoben wird, das frische glänzende Grün des Busches (Sinnbild der Jungfrauschaft) habe durch das Feuer (Ueberschattung durch den hl. Geist) nicht gelitten. Für diese Auffassung spricht eine hieher bezügliche Stelle im Arnsteincr Marienieich (MSD. XXXVIII, 56 ff.):

gruonede daz louf in deme füre,

bluode dîn mageduom in der geburte.

der busch behielt die sîne scônecheit,

dîn heilig lîf die sîne reinicheit. Zu v. 40 ff. vgl. M. II, 360, 13 ff:

Ave domina coelorum,

inexperta viri thorum,

parens maris nescia;

Fecundata sine viro

genuisti modo miro

genitorem filia.

In v. 45 scheint mir die Leseart „wol ir", welche Lachmann, Bartsch und Wilmanns haben, besser zu passen, als „wol uns", wie Pfeiffer mit к liest. Im Vorausgehenden und Nachfolgenden sind ja Lobsprüche auf Maria enthalten, so daß sich ein Segenswunsch auf Maria, mit „wol ir" eingeleitet (vgl. „beatus venter, qui te portavit, et ubera, quaj suxisti." Luc. 11,27), besser in den Context fügt, als die Bemerkung, daß die Erlösung für uns etwas Segensreiches war.

v. 46. Die Überwindung des Todes durch Christus ist in vielen Stellen der hl. Schrift betont, z. B. 2. Tim. 1, 10: Christus „destruxit quidem mortem." Demnach heben dieses auch viele Osterlieder hervor und verwenden dabei gerne Wortspiele. So hat z. B. die Sequentia der Ostermessc, allerdings in etwas verschiedener Weise von unserem Leich: „Mors et vita duello conflixere mirando: dux vitse mortuus régnât vi vus."

In v. 48 hat man bei „ungefuoc" nicht an eine „Übermengo" von Sünden zu denken. Denn wie aus dem folgenden Verse hervorgeht ist hier zunächst die Erbsünde gemeint, mit der unsere Stammeltern uns belasteten. Zu vergleichen wäre zu v. 47—49 das prseconium paschale (missale Romanum), das bei der Weihung der Osterkerze gesungen wird: „Qui pro nobis Adae debitum solvit; et veteris piaculi ciiutionom pio cruorc doterait."

Der Sinn des Verses 50 ist: Du bist eine liehrc Wohnung, in welcher der wahre Salomon (= Friedensfürst d. i. Christus) seinen hohen Thron würdiger Weise aufschlagen konnte, und vermagst als dessen (Salomons) Mutter alles über ihn. Es ist angespielt auf 3 Reg. 10, 18: „Fecit etiam rex Salomon thronum de ebore grandem: et vestivit cum auro fulvo nimis." Da der weise König Salomon als Friedensfürst stets als Vorbild Christi gegolten, hat man obige Schriftstelle im mystischen Sinne auf Maria gedeutet. — „gebietcrinne" bezieht sich auf 3 Reg. 2, 19. 20: „Vcnit ergo IScthsabeo ad regem Salomonem, ut loqueretur ei pro Adonia: et surrexit rex in oecursum cius, adoravitquo cam, et sedit super thronum suum: positusque est thronus matri regis, quae sedit ad dexteram cius . . . Dixitque ei rex: Pete mater mea: ñeque enim fas est, ut avertam faciem tuam."

Wie man in Salomon Christus vorgebildet sah, so betrachtet die katholische Kirche in der Mutter Salomons Bethsabee ein Vorbild Alarias, der auch ihr Sohn nichts abschlägt, so daß sie in gewissem Sinne scino Gebieterin ist. Anklänge an unsere Stelle finden sich M. II, 524; 37 ff:

Tu es thronus Salomonis, cui nullus par in thronis arte vel materia; und M. 11,508,210:

Salvo throni o sedilc.*) v. 51. Zu „balsamite" vgl. Eccl. 24, 20: „Sicut cinamomum et balsamum aromatizans odorem dedi", welche Worte in der katholischen Liturgie auf Maria bezogen werden. Mit demselben Namen wird Maria begrüßt M. II, 508, 66:

Salve odor balsamorum.
Zu „margante" vgl. M. II, 508, 72:

Salve mira margarita. Hiczu bemerkt Mone: „Da Christus mit einem Kaufmanne verglichen wurde (No. 25, 85), so hat man die Stelle bei Matth. 13,45,46 auf Christum bezogen, und Maria die Perle genannt." Die angezogene Stelle lautet: „Iterum simile est regnum coelorum homini negotiatori,

*) [Dieses Citat macht J. Grimm's Vormuthung, es sei statt selde liêre, wie Hss. und Ausgaben haben, zu lesen stdclacre, sehr wahrscheinlich. Vgl. noch zu dieser Stelle die von mir bei Pfeiffer angeführte Abhandlung von Piper. K. H |

quaerenti bonas margaritas. Inventa ¡intern una pretiosa margarita, abut, et vendidit omnia, quae habuit, ct emit cam."

„Ob allen magdcn bist dû, maget, ein maget, ein kiiuiginne": vgl. die Titel Mariae in der ältesten kirchlichen Litanei, der Allerheiligen-Litanei: „Virgo virginum" und „regina virginum" in der Lauretanischen Litanei.

v. 52. Zu „gotes amme" vgl. M. II, 420, 3 f.:

Qui te creavit provide,

lactas sacrato ubere. Ebenso aus der Sequentia de saneta Maria (MSD. XLH, 44 f.):

daz was got, der selbe

den sînen munt zuo dînen brüsten bot. Der Gedanke: „eç was dîn wamme ein palas etc." kehrt in dem von Venantius Fortunatus stammenden Hymnus in purificatione s. Mariae dreimal, allerdings etwas modificiert, wieder (M. 11,419):

Trinam regentem machinam

claustrum Mariae baiulat (v. 3. 4.).

Cui luna, sol et omnia

deserviunt per témpora,

perfusa coeli gratia

gestant puellae viscera (Strophe 2).

Beata mater muñere

cuius supernus artifex

mundum pugillo contineus

ventris sub area clausus est. (Strophe 4.) Auch in der Prosa de b. virgine (M. II, 402, 40) wird Maria genannt: „verbi dei celia".

Die Reinheit des Lammes Gottes, das in v. 52 erwähnt wurde, gibt dem Dichter Veranlassung zu einer gelegentlichen Bemerkung, daß die reinen Jungfrauen, deren erste ja Maria ist (v. 51), sein nächstes Gefolge bilden, im Anschluß an Apoc. 14, 4: „Hi sunt, qui cum mulieribus non sunt coinquinati: Virgines cnim sunt. Hi sequuntur agnum, quoeunque ierit." Dieselbe Schriftstelle wird ausgeführt in einem dem hl. Ambrosius zugeschriebenen Hymnus „Jesu corona virginum" (Pauly III, S. 30):

Qui pergis inter lilia

septus choreis virginum. (v. 5. 6.)

Quoeunque tendis, virgines

sequuntur etc. (v. 9. 10.)

„maget" ist jedoch hier, wie in den obigen Stellen das lateinische „virgo" in biblischem Sinne von unvermählt und keusch Lebenden überhaupt gebraucht, nicht blos von solchen weiblichen Geschlechtes. v. 68 — 70 bezieht sich auf die Begebenheit, welche Jud. 0, 36 — 38 erzählt wird, daß nämlich ein auf der Erde ausgebreitetes Fell allein vom Thaue benetzt wurde, während die Erde ringsherum trocken blieb, als Vorbild auf Maria, welche allein durch himmlische Einwirkung (himeltou) einen Sohn empfieng. Denselben Vorgang wenden auf Maria an die Hymnen (M. II, 372, 11 f.): Gedeonis vellera ros infudit. (M. II. 360, 22 ff.):

Fusa coeli rore tellus, fusum Gedeonis vellus deitatie pluvia. Melker Marienlied (MSD. XXXIX): Gedeon dux Israel nider spreite ein lamphel: daz himeltou die wolle betouwete almitalle. v. 71. „Ein wort ob allen Worten", vgl. v. 51 „ob allen magden" = ein Wort, erhaben über alle Worte, gemeint ist das göttliche Wort (iôyoç), die zweite göttliche Person.

Zu v. 71. 72 vgl. Walther 89, 9 ff.:

Durch die hoechsten freude dîn, die dir der heilig engel z' ôron brâhto, dô er dir den ze tragenne kuntc etc. ЛЫ weitere Belege für die mittelalterliche Anschauung, daß Maria Christum durch das Thor ihres Ohres empfangen, mögen dienen: M. II, 419, Strophe 3:

Mirantur ergo saecula, quod ángelus fert semina, quod aure virgo coneipit et corde credens parturit. MSD. XLII. Sequentia de Sta. Maria: dir kam ein kint, frouwe, dur dîn ore. (v. 35 f.) v. 77 hat С „ze worte", к „von kinde"; Lachmann vermuthet, es sollte heissen „ze gote" und vergleicht hiezu Sunburg (HMS.3. 75'): rUz einem worte wuohs ein got, der doch ie wesendc was: er wart

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