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wahrscheinlich, wobei man sich erinnere, daß zu Rom (Carseoli) im April (also auch im Ostermonat) an den Cerealien Füchse mit angezündetem Fell in die Felder gejagt wurden, Ov. Fnst. 4, 681 ff.*). Auch dies deutet auf ein altes, irgend einer Frühlingsgottheit dargebrachtes Opfer. Man hat längst auf die augenfällige Ähnlichkeit hingewiesen, welche zwischen dieser Sitte und der bekannten That Simsons (Richter 15, 4) statt findet. Bochart wollte sogar erstere von letzterer herleiten; vgl. Raskoff, Die Simsonssage, Leipzig 1860 S. 104 3). Daß bei den Griechen einst ein dem römischen ähnlicher Gebrauch vorhanden war, lässt sich aus Babrius Nr. 11 ("^vSQtonog xal ukajciji) mit größter Wahrscheinlichkeit folgern. Die hebräische Sage, die römische und deutsche Sitte, so wie die griechische Fabel weisen offenbar auf gleichen Ursprung, der auf das fernste Alterthum zurückfuhrt. Der all' diesen Überlieferungen zu Grunde liegende gemeinschaftliche Zug ist aber der angezündete Fuchs, statt dessen auch das Eichhörnchen eintritt und zwar nicht bloß der gleichen Farbe wegen, sondern auch weil es ihm in dem buschigen Schwänze ähnlich ist; wozu dann vielleicht noch kommt, daß es zahlreicher und leichter anzutreffen ist als der Fuchs, der allem Anschein nach das eigentliche, ursprüngliche Opferthier war *), wenn er nicht selbst etwa in zoomorphischer Götteranschauung für irgend ein mit Feuer, Sonne u. s. w. in Verbindung stehendes Wesen galt oder dasselbe repräsentierte *). Wie dem auch sei, jedenfalls möchte ich die Frage aufwerfen, ob nicht mit den bisher besprochenen Sagen und Gebräuchen eine altitalische Mythe in irgend welchem Zusammenhang steht, wonach bei der Gründung Laviniums ein Fuchs sich mit seiner in den Fluß getauchten Ruthe einen großen Brand auszulöschen bemühte, zu welchem ein Wolf Holz herbeitrug, während ein Adler ihn mit seinen Flügeln anfachte. Dion. Hai. 1, 59. Auf die genaue Übereinstimmung dieser Sage mit mehrfachen indischen und andern habe ich in meiner Anzeige von Preuners Hestia-Vesta in den Gott. Gel. Anz. 1866 hingewiesen und hebe ich hier besonders noch nachträglich hervor, daß in dem von Benfey Pantschat. 1, 236 mitgetheilten buddhistischen Dsckätaka zwar statt des in den meisten andern Versionen eintretenden Brandes von einer Sturmflut die Rede ist, dagegen an der Stelle des Fuchses der lavinischen Legende ein Eichhörnchen erscheint, welches mit seinem Schwänzchen den Ocean auszutrocknen unternimmt. Also auch hier sehen wir wie schon oben Fuchs und Eichhörnchen einander vertreten. Ob diese beiden Hilfebringer sich übrigens in letztgenannten Sagen an ihrem rechten Platze befinden, möchte ich jedoch bezweifeln, wenigstens finden wir statt ihrer in den übrigen Wendungen auch andere Thiere genannt und in der ältesten Form, älter als die buddhistische und lavinische, dürfte der Fuchs (das Eichhorn) das Feuer genährt, dagegen ein anderes Thier dasselbe zu löschen gesucht haben. Wenn dem so war, dann müßen in dieser weitverbreiteten Mythe Fuchs und Eichhorn ebenso gedeutet werden, wie in dem hier zu Anfang besprochenen deutschitalischen Gebrauch, welcher Art auch sonst diese Deutung sein möge. Man darf hierbei wohl fragen, ob das Ganze vielleicht ursprünglich einen Kampf zwischen Sommerglut und Regenzeit vorgestellt haben und der die erstere repräsentierende Fuchs verbrannt worden sein mochte, welche letztere Sitte sich später in einigen Ländern allein erhielt.

') Die wichtigsten Stellen lauten so:

Cur igitur miasee vinctis ardentia ttrdis

Terga ferant vulpes, causa docenda mihi... Der Sohn eines Landmannes zu Carseoli fängt einen Fuchs, der den Federviehhof oft geplündert hatte. Dann heißt es weiter:

Captivam stipula ftenoque involvit et ignes

Admovet. Urentes effugit illa manus.
Qua fugit, incendit vestitos messibus agros.

Damnosis vires ignibus .iura dabat.
Factum abiit: monumenta manent. Nam vivere captam

Nunc quoque lex vulpem Carscolana vetat. Utque luat peenas, gens hsec, Cerealibns ardet; Quoque modo segetes perdidit, ipsa perit. 3) Kosenmiiller, Altes und neues Morgenland 3, 50 ff., auf den Roskofi' verweist, kann ich leider nicht nachsehen.

') Über die rothe Farbe des Fuchses und seinen Schwanz vgl. Grimm BF. XXIX f. XLI.

') Grimm RF. XXX bemerkt: „Ich finde, daß die Finnen für das Nordlicht den

Namen rewon tulet die Lichter oder Feuer des Fuchses haben, sei es von der bloßen

:< JCflil^ diesgr Erscheinung oder einem Mythus" Einen japanesischen Volksglauben über den Fuchs s. DM. (>34 Bei den Peruanern fand sich ein Gott in Gestalt eines Fuchses. Müller, Amerikanische Urreligionen S. 320, und die Tapuya's besitzen einen Mythus, wonach einmal ein Fuchs sie bei dem Gestirn des großen Bärin in Ungnade gebracht habe. Vorher hätten sie ein gar bequemes Leben geführt und nicht nöthig gehabt, für die Nahrung zu sorgen. Von nun aber müßten sie ihr Leben in Mühe und Anstrengung zubringen; ehendaB. S. 256. F. L. W. Schwartz in seinen Naturanschauungen u. s. w. Berlin 1864, Bd. I. 130 ff. 220 f. fasst Simson als Sonnenheld und die an die Schwänze der Füchse gebundenen Feuerbrände als Gewittererscheinungen. Herakles, mit dem andere Forscher den Simson zusammenstellen (s. Roskoff a. a. O. S. ICO ff.), ist gleichfalls ein Sonnengott.

Schließlich noch die Bemerkung, daß unter den das Feuer löschenden Thieren in einigen Versionen auch Vögel genannt werden, nämlich in der talmudischen Schwalben, in der deutschen Störche und in einer buddhistischen (Benfey a. a. O. I, 237) ein Haselhuhn, welches in einen Fluß taucht und das Wasser aus seinen Flügeln auf den brennenden Wald spritzt. Hierbei nun ist zu bedenken, daß die Gründungssage von Lanuvium der von Lavinium gleich gewesen zu sein scheint, wie aus Münzen erhellt, aus denen allein wir sie kennen; s. Preuner, Hestia-Vesta S. 399. Auf dem Avers nämlich zeigen sie in der Mitte ein Feuer, rechts einen Wolf mit einem Span im Maul, links einen Adler, mit den Flügeln das Feuer anfachend. Der Fuchs also fehlt hier trotz der übrigen Übereinstimmung mit der lavinischen Sage. Man darf daher vielleicht annehmen, daß in der letztern, die zur Zeit des Dionysius hauptsächlich nur noch aus Münzen bekannt sein mochte, der Adler ursprünglich die Rolle des buddhistischen Haselhuhns spielte und gleich diesem von seinen Flügeln Wasser aufs Feuer spritzte, was in plastischer Darstellung leicht als ein Anfachen des letztern erscheinen mußte. In diesem Falle wusste die lavinische Gründungssage statt von zwei anfachenden und einem löschenden vielmehr nur von einem anfachenden und zwei löschenden Thieren, während die lanuvische nur ein löschendes kannte oder darstellte, dabei aber immerhin in so weit vollständig war, als sowohl Anfachen wie Löschen sich in ihr repräsentiert fanden.

LÜTTICH. FELIX LIEBRECHT.

LITTEMTÜK.

Die historischen Volkslieder der Deutschen vom 13. bis 16. Jahrhundert gesammelt und erläutert von R. von Liliencron. Erster Band. Leipzig 1865, F. C. W. Vogel. (XXXIX, DJ und 606 SS.) gr. 8.

Von der seit Jahren vorbereiteten auf Veranlassung der historischen Commission in München von Liliencron unternommenen Sammlung historischer Lieder liegt der erste stattliche Band nunmehr vor. Das ganze Werk wird vier Bände umfassen, die in Zwischenräumen von je einem Jahre erscheinen werden. Dem ersten Theile hat der Herausgeber in der Vorrede die Grundsätze vorausgeschickt, nach welchen er bei der Bearbeitung und Auswahl der Lieder verfahren. Auch gibt er darin in kurzen Zügen die Geschichte des historischen Volksliedes, die mit einem vergleichenden Blicke auf die Poesie der nordischen Skalden schließt.

Was die Auswahl betrifft, so sei zunächst bemerkt, daß auch das niederländische geschichtliche Volkslied in seinem ganzen Umfange aufgenommen worden ist, was keiner Rechtfertigung bedarf; ausgeschlossen sind die sprachlich und sachlich weiter abliegenden Volkslieder der Dänen. In Beziehung auf die ältere Poesie entstand die Frage, ob die politischen Dichtungen der Minnesänger mit in den Kreis des historischen Volksliedes fielen. Von dem strengeren Sinne des Wortes Volkslied ausgehend, konnte genau genommen diese Frage kaum aufgeworfen werden; da jedoch, wie wir nicht leugnen wollen, ein gewisser Zusammenhang zwischen der volksthümlichen Poesie und der politischen der Minnesänger besteht, und da der Herausgeber, wie wir bald sehen werden, auch sonst die Grenzen des Volksliedes ziemlich weit gezogen hat, so ist jene Erwägung begreiflich, wir stimmen aber Liliencron ganz darin bei, daß er sieh bewogen gefunden, die politischen Gedichte der Minnesänger nicht in seine Sammlung aufzunehmen. Ausgeschlossen sind ferner Dichtungen, welche zwar zum Lobe geschichtlicher Personen verfasst sind, aber in aller ihrer Weitschweifigkeit gar keinen wirklich historischen Stoff enthalten (S. XXXVI), wie die beiden Todtenklagen auf Johann von Brabant und Wilhelm von Holland (Hagens Germania 3, 116. 6, 251). Daß Suchenwirts historische Gedichte, die nach dem Grundsatze des Herausgebers, die Dichtung der Fahrenden, sobald sie die vom höfischen Gesang gezogenen Schranken wieder verlässt', auch wenn sie nicht in strophischer Form sind, mit hineinzuziehen, in die Sammlung gehört hätten, trotzdem nicht in derselben sich finden, hat seinen Grund in dem Umstände, daß wir dieselben in der Ausgabe Primissers schon besitzen. Indess, da die historischen Gedichte Suchenwirts nur einen Theil seiner Werke ausmachen, da zudem eine Anzahl derselben als Todtenklagen und Wappendichtungen ebenso wie die beiden vorhin erwähnten Gedichte nicht in Betracht gekommen wären, so hätten wir gewünscht, der Vollständigkeit wegen sie der Sammlung einverleibt zu sehen. Ausgeschlossen wurden ferner diejenigen Dichtungen, die in viel späterer Zeit als die Begebenheit fallt nicht nach mündlicher Überlieferung, sondern nach einer schriftlichen Quelle verfasst sind. Eine Reihe solcher Lieder führt die Vorrede S. XXXVI fg. an. Nur wo der Nachweis nicht zu führen war, wo aber angenommen werden kann, es habe die Tradition von dem Ereigniss sich noch durch Jahrhunderte erhalten, und sei dann wieder Gegenstand der volksthümlichen Poesie geworden oder es sei etwa ein älteres uns verloren gegangenes, im Volke lebendig gebliebenes Lied benutzt worden, sind die betreffenden Lieder aufgenommen. Hier scheint uns nun freilich das Verfahren nicht überall ganz consequent zu sein: denn wenn das dritte der die Schlacht bei Näfels (1388) betreffenden Lieder, welches anfängt: Herr Gott, du seist gepriesen', nicht mitgetheilt wird, weil es jedenfalls ein späteres Machwerk' sei (S. 198), so würde das auch von manchen anderen der Sammlung gelten, die zum Theil mehrere Jahrhunderte nach den Begebenheiten, die sie behandeln, entstanden sind. Daß sich in diesem Falle gerade zwei ältere auf denselben Gegenstand bezügliche Lieder erhalten haben, berechtigt noch nicht zur Ausschließung eines dritten jüngeren, von dem nicht nachgewiesen werden kann, daß es auf einer schriftlichen Quelle, einer Chronik oder einer ähnlichen, beruhe.

Am meisten anstößig in Hinsicht der Auswahl wird vielleicht die Aufnahme von manchen Gedichten sein, auch wenn sie nicht in strophischer Form verfasst sind. Liliencron hat hier den Grundsatz aufgestellt, von derartigen Gedichten nur solche aufzunehmen, welche in engster Verwandtschaft mit den Liedern, unter dem augenblicklichen Eindruck der Begebenheiten entstanden sind und nicht sowohl die Absicht haben, bloß zu erzählen und zu schildern, als mit der mehr oder minder tendenziös und vom Parteistandpunkt aus gefärbten Erzählung im Volke zu wirken (S. XXXVII). Ich muß gestehen, daß ich mit dieser Erweiterung des Planes mich nicht befreunden kann: von einer Sammlung historischer Volkslieder waren derartige Dichtungen nach meiner Ansicht auszuschließen. Die tendenziöse Richtung wird bei den meisten der hierher gehörigen zwar nicht bestritten werden können, wohl aber, und zumal gilt das von den umfangreicheren, die beabsichtigte Wirkung auf das Volk; denn diese hätte schon die unsangbare Form vereitelt. Vor allem durften, glaube ich, solche lange Machwerke , wie das Gedicht vom Würzburger Stadtekrieg, Nr. 4U, und das vom Concil zu Constanz, Nr. 50, nicht aufgenommen werden; das letztere umfasst 1860, das erstere sogar 2178 Reimzeilen. Wäre das Ganze eine Sammlung historischer Gedichte, so würde sich gegen jene Erweiterung nichts einwenden lassen; nur würde dann freilich noch manches andere Werk unter denselben Gesichtspunkt fallen, und selbst manche Reimchronik, die gleichzeitig mit den Begebenheiten fällt und auch tendenziös gefärbt ist, würde dann haben Berücksichtigung finden müßen.

Der vorliegende erste Band enthält 124 Nummern (ausschließlich einiger Schaltenummeru), welche die Jahre 1243 —1469 umfassen. Die äußere Einrichtung ist die, daß jedem Liede die historische Grundlage vorausgeschickt und dadurch der Leser in die Begebenheiten hineinversetzt wird, auf denen das Lied selbst fußt. Unter dem Texte stehen theils sprachliche, theils sachliche Erläuterungen. Am Schlüsse jeder Nummer folgen in kleinerer Schrift die Angaben über die benutzten Quellen, handschriftliche wie gedruckte, und der Variantenapparat. Es würde sich mehr die Einrichtung empfohlen haben, welche in den Chroniken der deutschen Städte beobachtet ist: daß die Varianten wie die erklärenden Anmerkungen unter dem Texte ständen, für das Auge durch verschiedenen Druck gesondert. Denn da z. B. Verbesserungsvorschlägc verderbter Stellen bei Liliencron sich ebenso unter dem Texte wie am Schlüsse der einzelnen Lieder bei den Varianten finden, so ist man häufig genöthigt, an zwei verschiedenen Stellen nachzuschlagen. Auch in Beziehung auf das, was, abgesehen von den Varianten, voraufgeht und nachfolgt, wäre etwas mehr Gleichmäßigkeit zu wünschen; denn Bemerkungen über das Alter und die Beschaffenheit der handschriftlichen Überlieferung der Lieder finden sich bald an der ciuen, bald an der andern Stelle. Auch von den historischen Beziehungen gilt theilweise dasselbe und erschwert die Übersichtlichkeit. Wir sind überzeugt, daß der Herausgeber mit geringer Mühe bei den folgendeu Bänden eine größere Gleichmäßigkeit der Behandlung wird herstellen können, wenn auch andere Desiderata, wie daß die Varianten unter dem Texte ständen, sich nun nicht mehr werden befriedigen lassen. Daß Liliencron in Mittheilung der historischen Beziehungen nicht allzukarg gewesen, dafür kann man ihm nur dankbar sein, da dem Buche von verschiedenen Seiten Interesse entgegen kommen wird. In wie weit der Herausgeber überall das historische Material erschöpft hat, darüber werden andere besser urtheilen als ich; vom philologischeu Standpunkte interessiert natürlich am meisten die kritische Behandlung der Texte und der Sprache.

Daß diese keine leichte war, wird jeder einräumen müßen; und daß bei der nach verschiedenen Seiten gerichteten Aufmerksamkeit das Auge nicht auf alle Punkte immer gleich scharf achtete, begreift sich leicht. Es liegt in der Art der Überlieferung der Lieder, wie schon in ihrer ursprünglichen Beschaffenheit,

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