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der aufsatz von Rochholz ist gar zu weitläuftig und was er gutes enthält, könnte auf ein paar seiten stehn. Holzmann dagegen trägt seine paradoxien immer angenehm und einschmeichelnd vor, ein unerfahrener Leser wird ihm unbedenklich beipflichten, ergötzlich ist, dasz er die gemeinschaft der Celten und Germanen aus zwei zahlen beweisen will, die wir wissen nicht wie bei den Galliern lauteten, bei den wirklichen Überresten der Celten, den Iren und Welschen aber gerade auf undeutsche weise gebildet werden; und doch soll unser XI und XII druidisch sein! alles was er über tehund vorträgt scheint unhaltbar, ich will Ihnen fürs nächste lieft ein paar bemerkungen dagegen zusenden, auch der gute Grieshaber hat mir eine nachzutragende berichtigung überschickt.

Der Zeitschrift fürchte ich wird schaden thun, dasz sie zu parteiisch aussieht. Ihre bemerkungen gegen Lachmann im ersten heft gehen hin. wozu aber die von Holzmann herbeigezogene lobpreisung Hagens am Schlüsse der anzeige der kreuzfahrt? dasselbe hat er ja schon in seiner Zueignung der Nib. schrift ausgesprochen, wozu es wiederholen? wenn ieh mir im geiste Lachmann neben Hagen denke, musz ich augenblicklich zu Lachmann treten. Hagen hat sein lebenlang fleiszig und eifrig, oft aber oberflächlich und | immer vorlaut und groszsprecherisch, nie bescheiden gearbeitet, so dasz er sich sein lob selbst im voraus weggenommen hat. sieht jener schlusz nicht einer auffbrderung an Hagen gleich, dasz er Ihnen beitrage liefern solle? er und N. würden Ihnen ganze hefte füllen. Auch die recension des Köne spielt ins ungerechte, das buch ist breit und ungeschickt, aber mit einer art von begeisterung gemacht, der Verfasser lebt abgeschieden von der übrigen lit. weit, sammelt emsig an einem münstersehen idioticon und war für diese arbeit wie entzündet, ein paar triftige und feine Wahrnehmungen wird er doch gegeben haben. —

Ein Baier, namens Kelle, der den Otfried neu herausgibt, ist seit einem halben jähre hier, auch Feifalik aus Wien, der altdeutsche predigen, Wernhers Maria und eine Nibelungcnhs. zum druck vorbereitet, wenn Ihre Zeitschrift, vielleicht unbewust, einen süddeutschen ton anschlägt und einen gegensatz zum nord|deutschen betrieb ausdrückt, so sehen Sie wie natürlich der schwerpunet nach Süden zieht, ich bin vom Main her und liege ziemlich in der mitte, fühle mich aber nach langer gewohnheit sehr norddeutsch.

Diesmal und sobald nicht wieder von einem gegensatz, den ich vertilgen möchte, wenn ich könnte *).

Mit fortwährender freundschaft
7 mai 1856. Ihr Jac. Grimm.

*) Antwort auf vorstehenden Brief, nach einem Concept. Zu meinem großen Bedauern ersehe ich aus Ihrem Briefe, daß das zweite Heft der Germania in mehrfacher Beziehung Ihre Unzufriedenheit erregt hat. Daß der Inhalt gegen den des ersten Heftes zurücksteht, habe ich mir selbst nicht verhehlt. Aber ich hänge von meinen Mitarbeitern ab: für diese ist das vierteljährliche Erscheinen eben so angenehm und bequem, als für mich eine Last und der sorgsamen Auswahl hinderlich. Gleichwohl enthält auch das zweite Heft nach meiner Ansicht nichts ganz werthloses, und getreu meinem Programm habe ich kein Recht, „Ansichten, die mit Liebe, Fleiß und Kenntnis« gewonnen und vorgetragen sind, die Aufnahme zu versagen", auch wenn ich selbst mit diesen Ansichten nicht einverstanden bin. Im Programm ist ferner ausdrücklich gesagt, „wir erwarten von unsern Mitarbeitern, daß sie ohne Empfindlichkeit Ansichten, die nicht die ihrigen sind, sich aussprechen lassen". Die hier niedergelegten Grundsätze sind keine leeren Phrasen, wie das so oft zu geschehen pflegt, und wer nach Lesung

IS.

1 sept 1856.

Lieber freund, heute empfange ich vom Verleger das dritte lieft, und in unbeschnittenem exemplar, welches mir lieber ist als das beschnittene, früher von Ihnen gesandte, dies folgt also hier zurück, dasz Sie anderweit damit schalten können.

Holzmann in allem was er schreibt läszt es nicht paradox zu sein, um in einziger stelle den sonst unerhörten weiblichen instrumental zu behaupten *), leugnet er lieber den acc. bei mit, der beinahe überall auftritt und emendiert die einschlagenden belege oder dreht sie. das scheint nicht begründeter als sein neulicher aufsatz über das duodecimalsystem. ich mag aber kein gezänke er

des Programms mein Mitarbeiter wird, von dem glaube ich nicht wegen dessen strenger Beobachtung Vorwürfe befürchten zu müßen.

Ihre in Aussicht gestellten Bemerkungen gegen Holtzmanns Aufsatz heiße ich willkommen; H. wird sie entweder annehmen oder bekämpfen, ohne Empfindlichkeit, die eben so wenig zu seinen schwachen Seiten gehört uls zu den meinen, weshalb ich denn auch dem zum größten Theil gegen meine Auffassung gerichteten Aufsatz von Bartsch (die metrischen Regeln des H. Hesler und Nie. v. Jeroschin: Germ. I, 192 ff.) ohne das geringste Bedenken Aufnahme gewährt habe.

Holtzmanns Sympathien für v. d. Hagen theile ich nicht; wie wenig mir sowohl in der Form als auch in der Sache seine Arbeiten zusagen, habe ich nie verhehlt. Wenn jedoch H. am Schlüsse seiner gehaltvollen Kec. seine Verdienste um die altd. Litteratur wiederholt hervorhebt und denjenigen gegenüber, die gar nichts an ihm wollen gelten lassen, betont, so mag ich dem Manne, dem viel unverdiente Unbill widerfahren ist, diese Anerkennung am Abende seines Lebens wohl gönnen. Diese Stelle zu streichen hatte ich kein Recht; wollte ich solche Kritik üben, so hätte ich meine Mitarbeiter ohne Zweifel bald gezählt.

Die Bemerkung am Schlüsse Ihres Briefes hat mich schmerzlich überrascht. War es denn nöthig mir zu sagen, daß der Schwerpunkt der altdeutschen Wissenschaft im Norden , bei Ihnen liegt? Steht nicht in meinem Programm Ihr Name obenan und gibt nicht in den beiden Heften fast jedes Blatt Zeugniss, daß, wie die ganze deutsche Alterthumskunde, so auch meine Zeitschrift auf Ihnen und Ihren Werken ruht? Wie könnte oder wollte die Germania einen Gegensatz bilden zu Ihrem Betrieb des Altdeutschen? Die Befürchtung ist ebenso unbegründet als un veranlasst von meiner Seite.

Obwohl an der südlichsten Gränze deutscher Zunge geboren und mit Norddeutschland aus eigener Anschauung unbekannt, bin ich persönlich dem norddeutschen Wesen so wenig abhold, daß mein hiesiger Umgang vorzugsweise aus Norddeutschen besteht. Und in wissenschaftlicher Hinsicht habe ich mich immer lant und freudig als Ihren und selbst als Lachmanne Schüler bekannt, und lasse mich darin nicht beirren, auch wenn ich nicht allem beistimmen kann, was Sie und Lachmann lehren und gelehrt haben.

Es hat also keine Gefahr, daß ich, einen süddeutschen Ton anschlagend, durch meine Zeitschrift den unseligen Riss vermehren helfe, der leider Gottes zwischen Nord und Süd klafft.

Über die Richtung, welche die Germania einschlagen würde, spricht sich das Programm so bestimmt und klar wie möglich aus. Der Gegensatz, den sie bildet, ist nicht gegen Norddeutschland und norddeutsche Wissenschaft überhaupt, er ist gegen den undeutschen und verderblichen Geist und Ton gerichtet, der unter den blinden Anhängern Lachmanns herrscht, die ihren Meister in seinen Fehlern wo möglich noch zu überbieten suchen. Dieser Geist und Ton ist aber so wenig norddeutsch, daß er im Norden sogar noch zahlreichere Gegner zählt als im Süden, nur mit dem Unterschied, daß dort der rechte Muth zu fehlen scheint, mit Entschiedenheit dagegen aufzutreten.

Stuttgart 10. Mai 1856. Pf.

*) Dem übrigens Grimm kurze Zeit nachher selbst zustimmte, s. Germania Ш, 154. Pf.

heben, denn Sie äuszerten letzthin, er werde wenn uniibcrzeugt erwidern; ohne zweifei würden alle meine gegenbemerkungen ihn doch nicht in seiner ansieht stören, schade dasz sein Scharfsinn und seine darstellungsgabe diese unpositive richtung haben.

Etwas breit zu werke geht Rochat über das merkwürdige Alexanderlied, wäre nicht einfacher 75 zu verstehen: que altre emfes del soyen treyr, als ein auch es kind in seinem dritten? soyen = son, sien. Macedonor 32 ist gen. pl. wie Francor, poienor anderwärts, da ich mich nicht entsinne Ihnen meine bemerkungen über solche gen. geschickt zu haben, so lege ich die betreffenden drei bogen aus unsern acad. berichten bei.

Den feldbauer hatte ich mir längst in Heidelberg | ausgeschrieben, biberans 466 ist buchstäblich biberbalke und der biber zimmert mit balken, die bergleute desgleichen und könnten nach dem aussehen eine grübe so benannt haben.

p. 383 schrieben Sie nieder, bevor Sie meine abhandlung eingesehen hatten, in der ich gar nicht darauf ausgieng die beispiele der einzelnen fälle zu erschöpfen, doch das seltsame min Muscapluot, mit dem sich dieser dichter oft selbst anredet, hätte ich nicht sollen zurückhalten, haben Sie in Ihrer schweizerischen schule kein wir für du gehört? die schelte mit dem dein kann ich jetzt auch merkwürdig mythologisch bestätigen und so greifen form und sache immer in einander, zum unser teerscher knabe aus Parz. p. 26 gibt es auch stellen in Tristan und Lanzelot. hauptzweck beim abfassen des artikels war mir der unterschied zwischen sagen und denken und das vorausgehende nur beiwerk.

Zu den philologen nach Stuttgart gehe ich nicht, fliege aber diesen monat noch anderswohin, | wenn es das ungetreue wetter zugibt.

Ihr Jac. Grimm.

19.

Berlin 20 apr. 1857.

Lieber freund, vor vierzehn Tagen sandte ich Lauremberg, heute attraction *). das gerücht aber ist zu mir gedrungen, dasz Sie nach Wien an Hahns stelle unter den vortheilhaftesten bedingungen gerufen seien. Ihnen, als katholischem, steht nicht entgegen was jetzt den Protestanten, die der geist des concordats allmälicli aus Ostreich herausbeiszen wird, der talentvolle Schleicher könnt es nicht länger zu Prag aushalten und geht nach Jena. Kelle, ein Baier und freilich kein ultramontanisch gesinnter, tritt zu Prag an. der arme Weinhold zu Grätz bleibt unbeachtet.

Sie melden mir sicher bald was an der sache ist. Neulich beim wiederlesen Ihrer vorrede zu Jeroschin fand ich, dasz meine ansieht, die sich von der Ihrigen immer noch entfernt, nicht hätte unausgesprochen bleiben sollen. damals Stack ich über die ohren in andern arbeiten, jetzt antworte ich vielleicht doch noch.

Haben Sie von neuen fänden gehört? Veldeckes Servatius tritt zu Lüttich ans licht und Haupt wird einen schönen bogen von Albrecht von Halberstadt drucken lassen.

In eile mit schlechter feder. Ihr

Jac. Grimm.

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20.

Berlin 30 apr. 1857.

Hochgeehrter freund, von ganzem herzen wünsche ich glück zu der verdienten beforderung, die Ihnen zu theil geworden ist und vortheile und ehre die fülle nachbringen wird, mir geschah als bibliothecar zu Cassel ähnliches, da ich nach Göttingen zur professur berufen ward, schon war ich einige jähre älter als Sie jetzt sind, hatte ebenfalls nie einen lehrstuhl betreten, hätte ich voraussehen können, was mir dort bevorstünde, ich würde mich mit händert and füszen gesträubt, den geliebten boden der hei mat nie verlassen haben, mögen Sie vor allen Unfällen bewahrt bleiben, mir ist das Unglück hernach zum heil ausgeschlagen und hat mir hier in Berlin freie musze verschaft, nach der ich begehrt.

Sie haben recht, in der nähe schwinden von der ferne aus gesehne nebel; ich glaube und hoffe, die ausbreitung und das gedeihen gründlicher Wissenschaft wird Ostreich aus aller gefahr reiszen, an guten antrieben und reichen mittein mangelt es dort nicht.

Sie melden noch nicht wann und ob Sie erst im Spätsommer, wie ich mir denke, abreisen werden, mir war unbekannt, dasz Sie zwei knaben mit überführen; grüszen Sie Ihre frau von mir.

Sobald sich freie stunden finden, will ich meine ansichten von hochdeutsch und mitteldeutsch niederschreiben und Ihnen senden.

Ob Wilhelm seine liebhaberei von Freidank und Walther sogleich fahren lassen wird, kann ich nicht sagen, da er noch kein wort darüber mit mir gesprochen hat. dasz ich längst Ihrer ansieht war, wissen Sie, und was ich im archipoeta s. 10 sagte, e. 113. 114. hinzufügte stimmt ja genau zu Ihren ergebniesen.

Über sein keltisches buch hat Holzmann viel auszuhaken und zu Brandes ist nun auch Glück und zwar so aufgetreten, dasz seiner heftigkeit beinahe persönliches unterliegen musz.

Sind denn Albert und Edmund Höfer ein und derselbe? beide haben gesammelt- wie das volk spricht.

Den Servatius hat Bormans in Lüttich, ich habe ihn zu schnellem druck angetrieben, kaum dasz Liebrecht dazu gelangt. Liebrechts tadel der marchen ist gegründet, nur sind seine zusätze und ausstellungen unbedeutend, es hätten ganz andre sein müssen, zu meinen lieblingsplänen und samlungen gehört eine ausführliche arbeit über marchen und viel dazu steht mir bereit.

Bei der attraction vergasz ich einige griech. beispiele hinzuschreiben, ich kanns bei der correctur nachholen, wenn Sie den setzer anweisen wollen, fünf oder sechs zeilen irgendwo im aufsatz frei zu lassen, die ich ausfüllen werde.

Ich trage aber hiermit auch eine recension bei *), die Ihnen vielleicht willkommen ist.

Jac. Grimm.

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ZUM SPIELE VON DEN ZEHN JUNGFRAUEN.

INSBESONDERE EIN GRAMMATISCHER UND KRITISCHER NACHTRAG ZU LUDWIG BECHSTEINS WARTBURG-BIBLIOTHEK I.

VON

RELNHOLD BECHSTEIN.

Das Drama des Mittelalters ist im Vergleiche mit den andern Richtungen der Poesie bis jetzt augenscheinlich vernachlässigt worden. Zwar fehlt es keineswegs an geschichtlichen Darstellungen, zwar haben manche Herausgeber die dargebotenen Texte mit eingehenden Untersuchungen sachlicher und sprachlicher Art begleitet, aber im Einzelnen ist doch noch eine nicht geringe Anzahl litterarischer und kritischer Fragen zu lösen, ehe wir uns auf diesem Gebiete einer gleichen Sicherheit erfreuen können, mit welcher wir im Großen und Ganzen der Epik und Lyrik gegenüberstehn. Und dazu bedarf es noch der Erschließung von Quellen, sowohl für einzelne Gattungen als auch für einzelne Perioden, namentlich für die frühere des 13. und 14. Jahrhunderts.

Allerdings mag der geringe poetische Werth unserer alten Dramen, die Einseitigkeit ihrer Stoffe, die Kunstlosigkeit ihrer Form wenig Anziehungskraft ausüben; allein die neuere Richtung unserer Philologie, welche ihr Augenmerk nicht bloß auf das ästhetisch Werthvolle richtet, sondern sich auch lediglich durch die litterarische und culturgeschichtliche Bedeutung der Sprachdenkmäler bestimmen lässt, gibt uns die Bürgschaft, daß künftig auch das Drama des Mittelalters nach den verschiedensten Richtungen hin untersucht und ausgebeutet werde. Geschiebt dies, dann wird sich auch im Einzelnen zeigen, daß diese gering geschätzten Erzeugnisse einer volkstümlichen Poesie doch nicht so ganz des tieferen Gehaltes und der dichterischen Schönheit entbehren, wie sie sich auf den ersten Blick darstellen. Und diejenigen dramatischen Dichtungen, welchen man auch jetzt schon poetischen Werth nicht abzusprechen vermag, werden gewiss in noch günstigerem Lichte erscheinen, wenn für sie die Thätigkeit der Textkritik begonnen

GERMANIA XI. 9

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