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sieht die meinige im Einzelnen zn erhärten, so scheint mir hierfür das Spiel von den zehn Jungfrauen, an welches doch zunächst anzuknüpfen wäre, nicht besonders günstig zu sein. Zwar der Gebrauch in der Hs. würde durchaus zur Unterstützung dienen, allein das Stück selbst bietet kein recht geeignetes Beispiel dar, indem es wegen seines vorherrschend lyrischen Charakters arm ist an Handlung und darum den Scenenwechsel nur selten eintreten lässt. Ich verspare daher eine genauere Erörterung auf die Einleitung zum Spiel von St. Katharina, weil gerade dieses Stück es ist, welches unter allen Dramen des Mittelalters am unzweideutigsten über Silete Aufschluß gibt.

Wenn es erwiesen sein wird, und ich hoffe sicher auf allgemeine Zustimmung, daß Silete scenische Bedeutung hat, dann wird künftig in kritischen Ausgaben hierauf gebührend Rücksicht zu nehmen sein: aus dem allgemeinen Gebrauche der Handschriften müssen sich Kriterien für einzelne Änderungen und Ergänzungen der Überlieferung finden lassen. Dies vorausgesetzt, wird es sich fragen, in wie weit für unser Spiel kritische Nachhülfe in Anspruch zu nehmen ist. Leider sind wir bei dieser Frage nur auf Hs. A angewiesen, da hs. b wie öfters jüngere Hss. jene Formel durchaus unberücksichtigt lässt.

Streng genommen dem Principe nach sollte S. 16 vor V. 11 [17] und S. 20 vor V. 9 [b abw. nach V. 170] Angeli: Silete! stehen, doch kann in der Praxis das Gebot sehr wohl deshalb unterbleiben, weil beide Auftritte mit Gesang beginnen und sich zeitlich unmittelbar je an den vorhergehenden anschließen. Eine Scenerieangabe wird vermisst S. 21 nach V. 28 [274]. Wir müssen annehmen, daß Christus die ersten Worte (V. 21—28) noch auf der Erde spricht; erst nachdem er den Jungfrauen verheißen hat: ich wel (ich selben brenge üz deseme endende zu der Steigen selikeit di ü min vater hat bireit begibt er sich mit ihnen und mit der begleitenden Engelschaar nach dem Orte, welcher den Himmel vorzustellen hat, und dann erst richtet er an seine Mutter die Bitte: ich bevele di dese jnncvrouwelin : du sah su bi dich setzen und ungemachs ergetzen. Und den Beginn dieser letzten Scene im Himmel, welcher nothwendig eine Pause vorhergeht, müsste der Ruf Silete! anzeigen. Jene Anrede an Maria fehlt allerdings in hs. b; aber wenn sie auch jüngere Interpolation sein sollte, so wird die Scenerie dadurch nicht verändert. Soll aber die Auffassung gelten, wie sie L. Bechstein im Anschlüsse an die Handschrift in seiner Übertragung (S. 59) zur Anschauung bringt, dann fehlt in Hs. vor V. 21 [vor 269] Silete. Einer solchen Auffassung, welche allerdings durch die in Hs. ununterbrochen fortlaufende Rede des Herrn, sowie durch die Scenerieangabe nach V. 20 Quinta prudens ducms eng, welche in hs. b fehlt, äußere Anhaltspunkte finden mag, kann ich mich nicht anschließen. Der Sinn jener Worte Christi und namentlich der Wendung: ich wel uch brenge Hz deseme endende spricht nicht dafür, daß sie schon im Himmel gesprochen seien. Ein Fehler des Schreibers oder vielleicht auch schon seiner Vorlage ist an dieser Stelle nicht zu verkennen; und was jene Scenerieangabe betrifft, so wird sie im Verein mit einer andern, die eben ausgelassen ist, nach V. 28 hingehören. — Im Übrigen findet sich in unserem Spiele das Gebot des Stillschweigens stets an rechtem Platze, also bei jedem Scenenwechsel vorgeschrieben.

ZUR SAGE VON ROMULUS UND DEN WELKEN.

Gleich am Anfange seiner Einleitung zu RF. hat Grimm das vertrautere Verhältniss zwischen Menschen und Thieren, wie es in der ältesten Zeit wahrscheinlich bestanden, näher besprochen und dasselbe auf sehr anziehende Weise dargelegt. Unter anderm bemerkt er: 'Es ist nicht bloß die äußere Menschenähnlichkeit der Thiere, der Glanz ihrer Augen, die Fülle und Schönheit ihrer Gliedmaße, was uns anzieht; auch die Wahrnehmung ihrer manigfaltigen Triebe, Kunstvermögen, Begehrungen, Leidenschaften und Schmerzen zwingt in ihrem Innern ein Analogon von Seele anzuerkennen, das bei allem Abstand von der Seele des Menschen ihn in ein so empfindbares Verhältniss zu jenen bringt, daß, ohne gewaltsamen Sprung, Eigenschaften des menschlichen Gemüths auf das Thier und thierische Äußerungen anf den Menschen übertragen werden dürfen.... Blieben nun in der Wirklichkeit immer Schranken gesteckt und Grenzen abgezeichnet, so überschritt und verschmolz sie doch die ganze Unschuld der phantasievollen Vorzeit allenthalben. Wie ein Kind, jene Kluft des Abstands wenig fühlend, Thiere beinahe wie seinesgleichen ansieht und als solche behandelt; so fasst auch das Alterthum ihren Unterschied von den Menschen ganz anders als die spätere Zeit. Sagen und Mythologien glauben an Verwandlungen der Menschen in Thiere, der Thiere in Menschen, und hierauf gebaut ist die wunderbare Annahme der Seelenwanderung u. 8. w.' So z. B. also verwandelt sich der Hund, mit welchem nach einem indianischen Mythus das erste Weib Umgang pflog, des Nachts in einen schönen Jüngling, s. J. G. Müller, Gesch. der amerik. Urreligionen S. 134; vgl. S. 65, wo es heißt: 'Überhaupt werden die Thiere in Menschen verwandelt', nämlich nach indianischer Vorstellung. Einmal im Jahre auch erscheinen nach faröischer Sage die Seehunde in Menschengestalt, s. Grundtvig, Danmarks Gamle Folkeviser 2, 76 Anm., vgl. DM. 1049 Anm., s. auch zu Gervasius von Tilbury, S. 137 Anm. Viel häufiger jedoch begegnen wir der Annahme von Thiergestalt durch Menschen oder auch Götter und wäre es überflüssig, hiervon Beispiele anzuführen; nur des Wolfes will ich erwähnen, an den sich bekanntlich vielfache Sagen knüpfen, die W. Hertz in seiner schönen Abhandlung über den Werwolf, Stuttg. 1862, zusammengestellt hat*). Aber auch von geschlechtlichen Verbindungen zwischen Menschen und Thieren ist oft die Rede, sowie von daraus entspringender Abstammung der einen Voh den andern. Wie weit verbreitet diese Vorstellungen waren, erhellt aus vielfachen Sagen bei den verschiedensten Völkern, s. die indianischen bei Müller a. a. O. S. 64 f., die irische zu Gervas. S. 64, die türkische bei Gibbon, Decline and Fall c. 42, nach welcher letztern der Gründer dieses kriegerischen Volkes von einer Wölfin gesäugt und dann später von ihr zum Vater einer zahlreichen Nachkommenschaft gemacht wurde, wovon die Abbildung dieses Thicres in den Fahn ;: der Türken Zeugniss ablege. Ferner führt Müller S. 108 an, daß die Indianer in den neuen Niederlanden neben dem Schöpfer oder der männlichen schöpferischen Kraft eine weibliche als seine Gattin aufstellten, welche vom Himmel gestiegen, einen Hirsch, einen Bären und einen Wolf gebar, die sie säugte und groß zog und mit denen sie sich sogar vermischte, woraus die verschiedenen Geschöpfe und zuletzt auch die Menschen entstanden; und ebend. S. 134 heißt es: 'Dem Mingostamm der Arikarras (in Nordamerika), der im Ganzen mit den Mandans dieselben Vorstellungen hat, ist der erste Mensch der Wolf, gerade wie der Herr des Lebens sich auch als Wolf zeigt. Sie nennen den ersten Menschen Ihkochu oder Szirit8ch, was auch Wolf bedeutet, oder Pakatsch, Präriewolf.' Eine ähnliche Beziehung des ersten Menschen zu einem Hunde, wie dort zu dem Wolfe spricht sich in dem bereits oben angeführten indianischen Mythus aus, nach welchem das erste Weib mit einem Hunde Umgang gepflogen habe. Hier also sehen wir, wie außerdem noch oft in Sage und Poesie, statt des Wolfes den in Gattung und Wesen verwandten Hund eintreten (vgl. Mannhardt German. Mythen 198) und auch sonst erscheint er nicht selten als Stammvater von Völkern und Geschlechtern oder selbst der Menschen im Allgemeinen. So erzählen nach Lindan die bereits erwähnten japanesischen Ainos, daß als die Welt aus dem Schlamme hervorgetreten war, sich eine Frau auf der schönsten Insel derselben, welche die Ainos bewohnen sollten, niederließ; sie kam auf einem Schiffe an, welches Wind und Wellen vom Abend nach Morgen getrieben hatten. Eines Tages bemerkte sie einen großen Hund, der mit großer Eile auf sie zugeschwommen kam und ihr, als sie aus dem Bade, in dem sie sich befand, floh und sich versteckte, zurief: 'Laß mich bei dir bleiben, ich werde dein Gefährte und Beschützer sein und du wirst nichts mehr zu fürchten haben.' Sie willigte ein und aus dieser Verbindung entstanden die Azinös, d. h. die Menschen. — Die schwarzen Kirgisen (Kara-Kirghis) in den Bergen von Issik - keul und in Khokand leiten ihren Namen Kirgisen von dem Umstand her, daß sie von vierzig Mädchen (Kirk Kize) herstammen, welche eines Tages von einem Ausfluge zurückkehrend, die Wohnung ihrer Eltern verwüstet und weder von den letzteren, noch von den Heerden irgend eine Spur fanden; die Feinde hatten Menschen und Vieh fortgeführt. Nur einen rothen Hand entdeckten sie in der Umgegend, mit dem sie sich vermischten und von welchem die jetzigen (schwarzen) Kirgisen, wie sie sagen, entsprungen sind; s. Journ. asiat. VI"" ser. 2, 311. — Ein chinesisches Werk, angeführt von Klaproth im Nouv. Journ. asiat. 12, 288 berichtet: „Dans le royaume des chiens les hommes ont le corps de chien; leur tete est couverte de long poils, ils ne sont pas habilles et leur langue ressemble ä l'aboyement des chiens. Leurs femmes sont de race humaine et comprennent la langue chinoise. Lenrs habits sont faits de peaux de martres zibelines. Ce peuple vit dans les cavernes. Les hommes mangent les comestibles crus, mais les femmes les fönt cuire; elles contractent des mariages avec ces chiens." Klaproth führt ferner eine ähnliche mongolische Sage nach Flancarpio an. Auch in einem armenischen Werke ist von diesen mit menschlichen Frauen lebenden und Kinder zeugenden Hunden die Rede; von diesen Kindern sind die männlichen den Vätern, die weiblichen den Müttern gleich. 1. c. — In Betreff der Hundsrippindianer berichtet Jones, Traditions of the North-American Indians 2, 19, daß sich einer von den Indianern der Urwelt an den Ufern des Great-Bear-Sees niederließ. Er hatte einige junge Hunde und immer, wenn er von der Fischerei zurückkehrte, hörte er, indem er sich dem Zelte näherte, innerhalb desselben ein Geräusch, welches dem Plaudern, Lachen, Schreien und Weinen von Kindern glich, jedoch fand er beim Eintreten immer nur die jungen Hunde. Eines Tages nun verbarg er sich in der Nähe und stürzte, als er wieder das Geräusch hörte, plötzlich in das Zelt, wo er einige schöne Kinder lachend und scherzend fand, mit den Hundebälgen neben sich. Letztere warf er rasch ins Feuer, worauf die Kinder ihre Gestalt behielten und später die Stammeltern der Hundsrippindianer wurden. Auch die Chippewaeer wollen aus einem Hundsfell hervorgegangen sein. Müller S. 65. Hierher gehört auch die Erzeugung Attila's durch einen Hund*), die ich in den Gott. Gel. Anz. 1865, S. 1149 ff. als eine acht hunnische Sage nachzuweisen suchte, eine Ansicht, die durch das Obige und noch Folgende weitere Bestätigung erhält. Aus dem Bisherigen lässt sich nämlich auch mit hinlänglicher Sicherheit schließen, welches die ursprüngliche Gestalt und Bedeutung der Welfensagc gewesen sein muß, nach welcher eine fürchtende Mutter oder böse Schwiegermutter die auf einmal geborenen sieben, neun oder zwölf Knäblein für blinde Weife (junge Hunde) ausgiebt, worauf sie den Namen Weife, Hunde, oder Eitelweife, Eitelhunde empfangen und Stammherren berühmter Geschlechter werden; s. Grimm DS. Nr. 515. 534. 571. E. Meier, Schwab. Sag. Nr. 371. 372**). Meiner Ansicht nach berichtete nämlich die ursprüngliche Sage die wirkliche Abstammung jener Ahnherren von Hunden, wodurch sich auch das Epitheton ihrer Abkömmlinge der 'blinden' Hessen und Schwaben

*) Vgl. über den Wolf als Thier Grimm BF. XXXV ff. LIV ff. und über den ihm in der Fabel und Volksanschauung nahestehenden Büren ebend. XLVII. LVI ff. 446. Zu dem dort in Betreff der Heiligkeit des Bären bei den Ostjaken Angeführten füge man noch, was Rodolphe Lindan, Voyage autour du Japon. Paris 18b'4 über dieses Thier bemerkt, daß es nämlich die oberste Gottheit des Urvolks der Ainos und die Zerlegung eines auf der Jagd getödteten Bären etwas höchst Sonderbares sei; sie wird mit den größten Achtungsbezeigungen, Gebeten und Kniebeugungen vorgenommen; der Kopf ist geheiligt und wird als ein Talisman gegen den Einfluß der bösen Geister über der Thür aufgehängt. Auch bei den Giliaks an den beiden Ufern des Amur, wie ein Herr Gortschakoff in der Petersburger Zeitung 18G4 berichtet, gilt der Bär für einen Abgesandten (apötrc) des obersten Gottes Kur, der im Himmel wohnt. Jedes Dorf besitzt wenigstens Einen Bären, der an einer Kette liegt. Wenn er sterben will, was man an seiner zunehmenden Fettigkeit erkennt, tödtet man ihn, nachdem man ihn von der Kette freigelassen, haut ihm den Kopf ab und steckt diesen auf eine Stange, um welche sich das ganze Dorf versammelt. Das Fleisch des Thieres wird zerschnitten, gekocht und unter alle Gegenwärtige vertheilt. Hat der Bär bei dem letzten Kampf um sein Leben einen Giliak erstickt, so gilt dies für ein gutes Zeichen und das Dorf für heilig. Vgl. auch DM. XXVIII. Über Bären menschen ebend. 1051. Hertz, Werwolf 58. Bär und Wolf sind nach indianischem Glauben Kinder und Gatten der ersten Frau; s. oben, und in beider Gestalt wird der große Geist gedacht. Müller S. 12,5. W. Grimm's Abhandlung über die myth. Bedeutung des Wolfes in Haupt's Zeitschrift, Bd. XH, kenne ich nur aus Anführungen.

*) Auf diese scheint sich auch zu beziehen Gesta Rom. c. 38, in welchem Fall« jedoch Heinrich II. irrthümlich statt Heinrichs I. genannt wäre.

**) Hierher gehört die Sage von der Frau, welche Buden säugen muß, s. Kuhn, Westph. Sag. 1, 73 Nr. 62; ferner die von Hackelberg's Frau, deren sieben ermordete

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