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genügend erklärt; denn bei den erstem, welche noch im 16. Jhd. den Beinamen 'Hundhessen' führten (s. Grimm, Gesch. d. Spr. 566), werden wohl einst ebenso wie bei den Schwaben dergleichen Sagen in Umlauf gewesen sein oder sind es vielleicht noch. Über hessische und andere Weifen 8. Grimm a. a. O. 567, wo er die blinden Schwaben und Hessen durch die meiner Ansicht nach spätere Sagenform zu deuten sucht, indem dieselbe, wie er glaubt, auch schon in ältester Zeit von einem Urahn dieser Völker umgegangen sein mochte. Die Annahme von wirklichen Hunden als Stammvätern ist jedoch wahrscheinlicher und der Hund im hessischen Wappen (Grimm a. a. O. 566) weist gleichfalls darauf hin. Auch die Türken führten, wie wir gesehen, das Bild ihrer Stammmutter der Wölfin in den Fahnen und bei nordamerikanischen Indianern ist das Thier, von dem man abstammt, das Totem, d. i. das Wappen der Familie oder des Stammes. Müller S. 64. Endlich auch ist in der Sage von Romulus und Remus, welche Schwegler für die Lares praestites Roms hält, die säugende Wölfin eigentlich die Mutter der Zwillinge, als solche aber ursprünglich eine luperca, d. i. eine Hündin*). Als Vater erscheint Faustulus, d. i. Faunus, Lupercus, also gleichfalls ein Hund; s. Preuner, Hestia-Vesta. Tübingen 1864**), S. 389 f., vgl. 384. Wenn nun die Laren (Luperci), deren Mutter Acca Larentia (Fauna, Luperca) heißt, mit Hundefellen bekleidet und mit Hunden neben sich abgebildet wurden, so bedeutete dies eben nichts anderes, als daß sie ursprünglich selbst Hundegestalt hatten. Man vergleiche die oben angeführten Sagen der Hundrippindianer und Chippewaeer. Die Laren aber galten für die zu Schutzgöttern erhobenen, am Heerd verehrten Seelen der abgeschiedenen Vorfahren, welche Seelen demgemäß in urältester Zeit gleichfalls als Hunde müßen gedacht worden sein. Vgl. Mannhardt, German. Mythen S. 300—304, wo er von den Hunden = Seelen spricht, und besonders die S. 302 angeführte Sage von dem schwarzen Hündchen auf dem Fcuerheerde; vgl. Kuhn u. Schwartz Norddeutsche Sagen S. 275 f. Nr. 310, 2. Bei dieser Vorstellung lag wahrscheinlich die von einem Hunde als Stammvater zu Grunde. Wenn man also an den Luperealien Hunde opferte, so galt dies Opfer in seinem Ursprung eigentlich den Laren und wurde wahrscheinlich in ältester Zeit auch verzehrt; so pflegte auch das Volk der Arkansas, das die Hunde göttlich verehrte, an einem seiner Feste Hundefleisch zu essen; Müller S. 606 f., wo er überhaupt von der Sitte des Gottessens spricht; vgl. S. 635 ff. Über Omophagie, die im Alterthum selbst bei den Griechen sehr verbreitet war, s. ebend. S. 375 f. — Nach dem bisher Angeführten darf es daher nicht auffallend erscheinen, wenn man den Hund auch sonst in Verbindung mit der Unterwelt und den Seelen der Hingeschiedenen trifft; so z. B. erscheint er auf vielen Sarkophagen, s. Bachofen Gräbersymbolik S. 113; vgl. ferner J. Braun, Naturgeschichte der Sage 2, 474 s. v. Hund; A. Kuhn, Westphäl. Sagen im Register s. vv. Sarama *) und Sarameya. Mannhardt I. c. 198. Als Psychopompos und Todtenbestatter erscheint der Hund gleichfalls nach altpersischer Anschauung und ebenso stirbt noch jetzt kein Parsi in Frieden, wenn seine brechenden Augen nicht auf einen Hund fallen, der ihm deshalb vorgehalten wird. Dieser Augenblick heißt daher: 'Der Hund sieht.'**) Auch die nordamerikanischen Indianer und Neuseeländer kennen einen Hund als Wächter in der Unterwelt. Müller S. 87. Schwartz, Ursprung der Mythologie S. 276. Diesen Vorstellungen von dem Zusammenhang der Hunde mit der Geisterwelt gehört es auch an, wenn dieselben für geistersichtig gelten und durch Heulen Todesfälle vorherverkünden. DM. 632. Kuhn u. Schwartz a. a. O. S. 452 Nr. 392. Kuhn, Westphäl. Sag. 2,55. Müllenhof, Sagen aus Schleswig-Holstein Nr. 584. Scheible's Kloster 12, 744 u. s. w.

Kinder nach ihrem Tode als lebendige kleine Hände an ihr herumhängen, als wenn sie an ihr sögen. Schambach und Müller, Niederd. Sagen S. 421 ff. In beiden Sagen scheint ursprünglich auf einen Hund als Vater hingewiesen.

*) Man vergleiche hiermit die ganz ähnliche Sage von der Hündin, welche den Kyros gesäugt haben sollte; s. G. C. Lewis Untersuch, über die altröm. Gösch. 1, 3:*3.

**) Meine oben S. 101 angeführte Anzeige dieses Buches steht in den Göttinger Gel. Anzeigen 1866, HI. Stück, die betreffende Stelle findet sich auf S. 107.

Um aber auf die Romulussage zurückzukommen, so haben wir gesehen, daß die Zwillingsbrüder aller Wahrscheinlichkeit nach als Hunden entstammend gedacht wurden und man hierin selbstverständlich durchaus nichts Verächtliches erblickte; bei andern Völkern begegnen wir Ähnlichem, wie oben gezeigt worden, und nicht nur rühmten diese selbst sich einer solchen Abstammung, sondern auch Königen, wie z. B. dem Attila, und göttlichen Wesen, wie den armenischen Aralez, wurde sie beigelegt; bei verschiedenen Völkern erscheinen sogar Hunde als Könige, wie ich in den Gott. Gel. Anz. 1865 a. a. O. nachgewiesen. Daß auch jetzt noch altadliche Geschlechter den Namen Hund führen, ist bekannt; so die Hunde von Holzhausen, von Altenstein, von Bemtschoffen, von der Leiter u. a. Gleiches besagt ja auch der Name 'Weif. Wie also Grimm, Gesch. d. Spr. 468 nach Anführung der Namen Bikki, Sifeca, Sibeche, Edica, Wulf, Odoacar, Wolf, Weif und Eticho die Frage hinzufügt, ob man geduldig anhören wolle, daß alle diese Namen den Begriff Hund enthalten, muß ich mit der gleichen Frage schließen, ob man diese hündische Abstammung des göttlichen Zwillingspaares und der hochgeborenen Weifen geduldig anhören und als in uralten Vorstellungen begründet gelten lassen will. — Später freilich, als die ursprüngliche 'höhere' Stellung des Hundes vergessen war, oder man sich derselben zu schämen anfing, gestaltete sich die Sage anders und zwar nicht bloß mit Bezug auf Romulus und Remus, sondern wir begegnen dieser umgebildeten Form auch sonst, sowohl im Alterthum (s. G. C Lewis Untersuchungen über die altrömische Geschichte 1, 393 f.) wie in den wunderbaren Umständen, welche die Geburt Wolfdietrichs und anderer neu - europäischer Volkshelden begleiten. Vgl. DM. 363. Unlands Schriften 1, 191. 226. Die älteste Gestalt auch dieser Sagen mag wohl eine andere gewesen sein und Thiere als Stammväter genannt haben, wie wir z. B. aus der merkwürdigen symbolischen Verwandlung eines irischen Königs in ein Ross ersehen, womit wahrscheinlich ein Hengst als mythischer Stammvater des betreffenden Königsgeschlechtes gemeint war; s. die bereits angeführte Stelle zu Gervas. S. 64. LÜTTICH. FELIX LIEBKECHT.

*) Die von Kuhn 2, 138 aufgestellte Vermuthung auf Grimm's Frage DM. 633 erledigt sich durch die von J. W. Wolf, Beitr. zur deutsch. Mythol. 2, 413 gegebene Antwort. Ich benutze diese Gelegenheit, um ein Missverständniss Wolfs 1. c. S. 414 zu berichtigen. In der das. aus Nialss. c. 158 angeführten Stelle zielt Hrafn auf keine unbekannte Sage oder Legende über St. Petrus, sondern meint mit dem Ausdruck 'hundr binn' sich selbst, um sich zu demüthigen, und will sagen, er sei schon zweimal nach Kom gepilgert und verspreche im Fall seiner Rettung eine dritte Wallfahrt dorthin.

**) In gewisser Verbindung mit den Seelen der Gestorbenen scheinen auch die armenischen Aralez oder Arlez zu stehen, deren Namen bedeutet, 'lechant contiuuellement, completement' und von denen berichtet wird, daß sie waren 'une classe d'ctres surnaturels ou de divinites nees d' un chien et dont les fonetions etaient de lecher les blessures des guerriers tombes sur le champ de bataille et de les faire revenir ä la vie.' Sie werden auch noch im 4. Jhd. erwähnt, wo die Armenier schuu Christen geworden waren; s. Journ. asiat. IVTM" se'r. 19, 31.

ZUR SLAVISCHEN WALTHARIUSSAGE.

In den 'Videnskabs - Selskabets Forhandlingar' Christiania 1862, befindet sich eine Notiz *), deren Inhalt auch die Leser der Germania interessieren dürfte, weshalb ich sie hier abgekürzt folgen lasse.

„Herr Sophus Bugge theilte einige Bemerkungen mit über die auf Island aufgezeichnete Saga von König Halv und seinen Helden. — Nachdem er sich über das Alter der Saga ausgesprochen, suchte er die Meinung geltend zu machen, daß Hjorleiv und Halv vollkommen

*) Der mir zugekommene Separatabdrack trägt keine Seitenzahl.

sagenhistorische Persönlichkeiten wären. Namentlich wies er darauf hin, daß die in Ilalvs Saga cap. 8 über den König Hjorleiv (Fornald. sog. II, 33 ff.) mitgetheilte Sage ein Glied in einer ganzen Reihe von Sagen und Märchen bildet, die von Felix Liebrecht (der jedoch die nordische Version nicht besprochen) in Pfeiffer's Germ. 5, 56 ff., so wie in Benfey's Orient und Occident 1, 125 ff. zusammengestellt sind. — Es wäre ein und dieselbe Sage, die so weit umhergewandert und an verschiedenen Orten verschiedentlich modificiert worden sei. Auf die Frage, wann und w o sie zuerst entstanden und auf welchem Wege sie nach diesen verschiedenen Ländern gewandert wäre, wagte Herr Bugge keine Antwort zu geben. Gegen Liebrechts Meinung, daß die Quelle die indische Erzählung, letztere aber wahrscheinlich durch die Mongolen nach Europa gekommen sei, spräche namentlich die altnordische Sage, die bei uns kaum jünger als das Heidenthum sein möchte. Ihr hohes Alter würde durch mehre Verse der Saga dargethan, von denen einer in berichtigtem Texte mitgetheilt ward. Auch enthielte die Sage keinen Zug, der mit Bestimmtheit auf einen indischen Ursprung hinweise; jedoch wäre es wohl möglich, daß sie von Osten her zu uns gekommen ist."

So weit Bugge, dem man für diesen Nachweis der nordischen Wendung der in Rede stehenden Sage den besten Dank schuldet. Auf seine Schlußbemerkung muß ich jedoch Folgendes erwidern. Auch nach Müllers Ansicht (Sagabibl. 2, 456) scheint es nämlich, daß die Halvssaga zwar schon im eilften Jahrhundert aus alten Liedern entstand, jedoch erst zu Anfang des dreizehnten niedergeschrieben wurde; zu dieser Zeit konnten bereits aber sehr wohl indische Erzählungen durch die Mongolen und Russen nach dem Norden gedrungen sein, selbst ehe noch die vollständige Unterjochung der letzteren durch erstere eingetreten war. Daß aber die obige Sage sich bei den Russen findet, habe ich in Benfey's Orient und Occ. 3, 357 nachträglich gezeigt, so daß also meine Ansicht über den Weg, auf dem dieselbe von Indien nach Europa gelangt ist, noch immer sich als haltbar und sogar als wahrscheinlich erweist.

Bei dieser Gelegenheit will ich auch noch bemerken, daß ich über die Germ. 5, 58 erwähnte Sitte, Besiegten das Haupt abzuschlagen und als Trophäe fortzuführen, ebend. 10, 111 Anm. weitere Nachweise gegeben. Vgl. auch Grundtvig Danmarks Gamle Folkeviser 1, 209* Str. 26: 'Den anden Dyst, de sammenreed — Memring hug Rundkruds Hoved af.'

LÜTTICH. FELIX LIEBRECHT.

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DER RITTE.

Im Mittelalter bis zum 17. Jhd. begegnet uns häufig das Wort ritte, jarritt, meist in Verwünschungen, zuweilen als Personification. Grimm (Myth. 1107) und nach ihm Simrock 547 leiten es von ritan (reiten) her, indem das Fieber „wie ein Alb betrachtet werde, der den Menschen reitet, rüttelt und schüttelt". Es ist mir dies immer unwahrscheinlich vorgekommen. Wir sagen: Es beutelt mich; in Baiern wird das Fieber ausdrücklich als Beutelmann (Schmell. 1, 219) personificiert. Zu dem Begriff „schütteln" („ich erschutte ir ir gelider" sagt der ritte zur Floh bei Boner Edelst. 77) stimmt auch das in altern Dialekten mit h anlautende (z. B. angelsächs. hridhjan Gr. Gr. 1, 267) Verbum ridan, reiden (Schm. 3, 54) = torquere, mhd. riden = sieben, noch heut zu Tage in Baiern (Schm. 3, 53) und Westfalen reden = durchsieben. Das mhd. ride, reit, geriden im Sinne von drehen, wenden lebt in Nieder-Osterreich noch fort in reutern, z. B. Wenn Sie's nicht klauben (glauben) wolln, so thun Sie's reutern (= das Feine absondern), in Ober-Österreich reiten (= rütteln, s. Höfer 3, 30); die Reite nehmen (= in einer Wendung fahren); die Reiter oder Reuter = Sieb. Im mhd. rite, später rid und ritt (Genit. des ritten), d. h. das Fieberschütteln, das Fieber. Zu den Beispielen mhd. WB. 2, 698 u. Gr. Myth. 1107 füge ich noch einige aus dem 16. Jhd., woraus hervorgeht, daß der Begriff des Reitens nicht zu Grunde liegt. Unter den Flüchen bei Agricola (Nr. 473 bis 502) heißt es: „Der gäch ritten gehe dich an. Diß wort ist am Reinstram fast gemain uud ist meines dunkens der ritt das feber, das kalte oder frörer. Der gächritten aber das feber, das bald tödtet. Der gäch oder schnelle ritten ist ein underscheidener ritte von den anderen, als von dem viertegigen und dreitegigen ritten. Die weren lange, oft ein ganzes jar, oft ein halbes." Von dem dritägleichen und dem viertägleichen riten ist auch die Rede bei Megenberg (Pfeiffer S. 697). Wie es nun bei Agric. 472 heißt: 'Daß dich ein bös jar ankomme/ d. h. du sollst das Jahr hindurch keine gute Stunde haben, so gebraucht H. Sachs das Wort jarritt, z. B.: 'Nun muß ewer der jarritt walten (I. 478); die magd sprach: der jarritt schlag in das wesen, solt ich erhungern (I. 51 lb); daß euch der jarritt sehend (I. 115); der jarritt walts' (II, 4, 119). Ferner: 'Daß dich der ritt wasch! (Dialoge 15, 2). der ritt schütt dich' (I. 512). Deutlicher personificiert in dem Ausdrucke: 'Ins Ritt nam' (II. 2, 47), wie wir sagen: Ins Teufels Namen; 'warf den ins wasser ritten nam' (II. 4, 119). Eine vierte Form der Verwünschung bei H. Sachs ist endlich: 'Hab dir den ritten!' (II, 2, 49).

WIEN. TH. VERNALEKEN.

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