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AUGENBLICK UND HANDUMDREHEN.

Um den flüchtigen, kürzesten Zeitpunkt zu bezeichnen, sagt das Volk: "im Augenblicke oder im Handumdrehen'. Dem ersten sprichwörtlich gewordenen Ausdrucke begegnen wir zuerst bei Notker: in slago dero bráwo Ps. 2, 12 dem Wesen nach, obwohl in anderer Form. Diese ist noch lange Zeit hindurch die gang und gäbe, z. B.:

als schiere ein brá ze der andern slahen mach. Fundgruben I, 199, 45. chumt der jungiste tac alsó sciere ein bráslach. Diemer 287, 9. alsó schiere diu ober brá die nideren gerüeret. Bonus 163. biz man geruorte die brá. Servatius 342. deheiner riuwe mir got erbeit biz ein brá die andern ruorte. Servat. 3458. é ich die hant umb kérte oder zuo geslüege die brá. Erec 5172. und halt eine wle als lange als ein bráwe die andern möhte gerüeren. Berthold I, 527, 25. daz leben niht geherten mac wan als ein kurzer bráwenslac. Barl. 213, 36. daz was als ein bráwenslac, niht baz ich ez gelchen mac. Martina 256, 35. biz ein brá zer ander sich wol gähes sf und nider zucket. J. Tit. 3080, 2. antequam supercilium superius inferiori jungi posset. Caesarius Heisterb. 12, 5.

Augenblick begegnete mir erst in der Kaiserchronik:

daz er einis ougenblickes langer muge geleben. M. 9990. Andere Belege sind:

als ein gahir ougenblic
gën den staeten fröuden wiget. Martina 102, 28.
diz ist ein kurzer ougenblic. Martina 254, 95.
eines ougenblickes gedrucket. Martina 269, 86.
sneller danne der ougenblic. Myst. I, 385, 18.

als lange gelebet unz man ein ouge üf getuot unde wider zuo getuot. Berthold I, 124, 10.

Auch der Ausdruck Mm Handumkehren' war dem Mhd. schon geläufig:

e ich die liant umb leerte. Erec 5172.

als lange, als ein hanl mac umbe gekSret werden. Berthold I, 30, 34.

niuwen als lange als einz sine hant inöhte umbekeren. Berthold I,

388, 28.

$ man die hant gewende. Tristan 349, 32.

Dasselbe bezeichnet knapper einer hende wile, hantwile, z. B.:

bi einer hande wile. Leyser's Predigten 42, 19.

da mite er alle dine sunde

in einer hantwtle hete verbrant. Litanei 1233.

joch eine hantlange wile. Berthold I, 275, 16. und in dieser Bedeutung ist es wohl auch Kudrim 384, 3 zu nehmen:

si heetens waerliclie niht einer hende wile,

ob er solte singen, daz einer mühte riten lüsent mile. Vollmer.

si hetenz niht geahtel einer hende wile. Müllenhof.

sie hetens niht enphunden einer hande wile. Bartsch, dessen Erklärung mir sehr gesucht scheint.

Die kürzeste Zeit (Moment) ist auch gemeint, wenn es heißt:

etlicher unz an den morgen vruo

slief niht einer hende breit. Biterolf 9568.

I. V. ZINGERLE.

PHENICH.

Das mhd. Wörterbuch setzt zur Erklärung dieses Wortes (II1, 491) 'Buchweizen?' bei. Dieser kann aber nicht gemeint sein. Phenich ist eine Hirseart, als setaria italica oder panicum italicum den Botanikern bekannt. In Leoniceri Kräuterbuch (1630) finden wir die drei Hirsearten aufgeführt: 1. Hirsen, 2. der welsch Hirsen, den man Sorgsamen nennet, vulgo Sorgi vnd Milium Indicum, 3. Fench oder Pfenich oder Fuchsschwanz, latine Panicum (S. 527). Der mhd. Ausdruck für die zweite Art war 'surch', der im Tiroler Urbar von 1280 öfters vorkommt, heutzutage nennt man diese Pflanze im deutschen Südtirol 'Zürch'.

I. V. ZINGERLE.

RUNENINSCHRIFTEN

EINES GOTHISCHEN STAMMES AUF DEN WIENER

GOLDGEFÄSSFN DES BANATER FUNDES.

VON

FRANZ DIETRICH.

Die prächtig ausgestatteten, auf Kosten der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften gedruckten und mit gelehrten Abhandlungen von Arneth hegleiteten Monumente des k. k. Münz- und Antikencabinets zu Wien vom J. 1850, dargestellt auf XLI Tafeln im größten Format, geben unter andern auch Abbildung und Beschreibung von über zwanzig goldenen Tischgeräthen, es sind Schalen, Becher und vasenähnliche Krüge, nebst einem goldenen Trinkhorn, die zusammen im Banat gefunden, und sämmtlich noch im Wiener Antikencabinet vorhanden, abgesehen von ihrem beträchtlichen Werth und ihrem Bildwerk, die Aufmerksamkeit deshalb zu erregen und im hohen Grade zu fesseln im Stande sind, weil sie außer drei Aufschriften in griechischen Unzialen auch zwölf Inschriften in nicht antiken Schriftzügen enthalten, deren Aussagen noch unenthüllt sind, und von denen wegen ihres zum Theil fremdartigen Aussehens früher selbst zweifelhaft schien, ob sie zum Kreis der Runen germanischer Art zu rechnen seien.

Wie man beim Auftauchen der burgundischen Runen auf der Spange von Charnay sich um Auskunft über die Inschrift nach Kopenhagen wandte, als den vorzüglichen Sitz der Runenkunde, und von dem um nordische Litteratur vielverdienten Rafn den Versuch einer Deutung, freilich nur der Hälfte dessen, was da geschrieben steht, erhielt und veröffentlichte, so wusste der Herausgeber der Wiener Monumente, wie man S. 36 des Textes erfährt, selbst einen König, den dänischen König Christian VIII. für die Denkmäler zu interessieren und auszuwirken, daß dieser von einem nicht genannten Gelehrten, wahrscheinlich vom Piäfect des Kopenhagner Museums, dem kürzlich verstorbenen, in weiten Kreisen beliebten und geachteten Conferenzrath Thomsen, von dem auch S. 12 eine Nachricht erwähnt wird mit seinem Namen, eine Untersuchung über Bild- und Schriftwerk der Goldgefäße veranstalten ließ. Dieser übergab die Inschriften einem in Runen sehr erfahrenen Mann', — wir können nicht im Unklaren sein, wer es war — in der Erwartung, eine gelehrte Erklärung von ihm künftig GERMANIA xi. 12

mittheilen zu können, wozn Arneth bemerkt, daß die Hoffnung sich nicht erfüllt habe.

Auch seitdem ist mir bis jetzt keine Deutung der genannten Inschriften bekannt geworden. Um darüber sicherer zu werden, wandte ich mich an Herrn Prof. Pfeiffer und durch ihn an die Vorgesetzten des Wiener Antikencabinets, erfuhr aber eben nur dies, daß es weitere Litteratur über diesen Gegenstand nicht gebe. Nach einer ersten oberflächlichen in Hannover gemachten Bekanntschaft mit dem kostbaren Werk von Arneth gerieth ich schon auf den Gedanken, besonders mit Hinblick auf die sechste Inschrift, daß hier etwas Altgermanisches vorliege, das übrige sieht fremd au3, und weil man leicht fehlgreift, wenn man über Denkmäler spricht, die man nicht gesehen hat, erbat ich mir die Beihilfe Pfeiffer's, die ich reichlich erfahren habe und nicht hoch genug schätzen kann.

Durch seine gütige Vermittelung habe ich nun von den Wiener Inschriften Darstellungen, welche die Anschauung vollkommen ersetzen. Es gibt davon zwei Arten, die einen sind in breiten Zügen eingehauene (Nr. 1—5 und 9), von diesen erhielt ich Staniolabdrücke, die anderen sind in dünnen Linien eingeritzte, davon bekam ich Durchzeichnungen. Mit der größten Dankbarkeit habe ich es anzuerkennen, daß die Vorstände des Wiener Antikencabinets, Herr Director Bergmann, und die Herren Freiherr v. Sacken und Dr. Kenner, nicht nur mir diese wichtigen Hilfsmittel haben zukommen lassen, sondern mich auch mit andern gelehrten Nachrichten freundlichst und zuvorkommend unterstützt haben. Möge es ein auf immer der Wissenschaft geleisteter Dienst heißen können, durch den sie mich erfreut haben.

Ehe ich indessen von den Abdrücken Gebrauch zur Erklärung machen kann, muß ich der allgemeineren Frage Rede und Antwort geben: sind denn die Zeichen wirklich Runen, und, da auch Slaven und andere Völker dergleichen hatten, sind es germanische? Ein Bedenken dagegen entstand schon aus dem Fundort und aus der einen der griechisch geschriebenen Inschriften.

Gefunden sind die wie es scheint die Zahl von ein und zwanzig betragenden Goldgefäße mit einem Kloß geschmolzenen Goldes im alten Dacien *). Sie wurden 1799 ausgegraben in einem Bauernhofe von Groß-Szent-Miclos im Torontaler Comitat des Temeser Banates,

*) Wie Parz. 10, 5 der guldtne kloz neben den goltvaz erscheint. Die Zahl der gefundenen Stücke gibt Arneth anf der letzten Seite des Textes unter dem Banater Fund auf 20 an, aber bei den dort aufgezählten Nummern ist Nr. 3 und Nr. 200, wie die Schrifttafel S. XIV ausweist, nnr durch Versehen übergangen.

also Moesien gegenüber nördlich von der Donau, wo einst slavische Völker hausten, zeitweilig auch germanische.

Die in den gewöhnlichen griechischen Capitalen geschriebene Inschrift auf der Schale Nr. 18 des Banater Fundes schien Arneth (S. 22) von den ersten christlichen Zupanen der Slaven an der Theiß im zehnten Jahrhundert zu sprechen, was ich dahingestellt lasse. Die späte Zeit dieser Inschrift hat übrigens Arneth selbst vom Zeitalter des aus dem fünften Jahrhundert herrührenden Denkmals unterschieden. Die goldene Schale gewährt nichts von der hier zu untersuchenden Schrift, und ist daher von geringerer Wichtigkeit. Mir scheint die Inschrift derselben durch ungehörige Interpunction aus einer im barbarischen Griechisch geschriebenen Anrufung Gottes als des allweisen, alles verbindenden Lebens entstellt zu sein, die etwa durch ihren Gebrauch als Zauberformel zu der verwilderten Gestalt kam, in der so viele Zaubersprüche vorliegen.

Was nun das Volk betrifft, unter dem die Hauptmasse der Goldgefässe, natürlich zugleich mit ihren Inschriften, entstand, welche auch auf den goldenen Ringen des walachischen Fundes von Pietraossa doppelter Art sind — der eine Ring sagt ja XAIPE KAI IIINE, der andere Guta niothi hailag in deutschen Runen — so spricht auch bei dem Banater Funde die doppelte Schriftart wie das gesammte Bildwerk der künstlerischen Ausstattung dafür, daß darin griechische Kunst und zwar die von Byzanz nachgeahmt wurde von einem germanischen Stamm, der nicht gerade im Banat selbst braucht gewohnt zu haben; denn es gibt deutliche Spuren, daß die ersten Inhaber einem christlichen Volk zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert angehörten.

Für das beanspruchte Alter kann ich mich auf einen Kenner, wie Arneth ist, berufen. Überzeugend belehrt er uns darüber aus der Vergleichung der bis auf Valens, Gratianus und Valentinianus II. herabgehenden Medaillen des Wiener Cabinets, durch die Angabe, daß der Goldgehalt der Gefäße eben derselbe, wie in den Schmuckmünzen des Valens ist, und die Kunst der Verzierung bei beiderlei Gegenständen völlig ähnlich ist. Ich finde nur, daß das Gold wie die Nachahmung des Griechischen auch noch ein paar Jahrhunderte nach Valens Zeit fortdauern konnte.

Dafür aber, daß das Volk ein christliches war, erbringe ich den Beweis aus der Übereinstimmung der vielfältigen Verzierung und Interpunction durch das einfache Kreuz der Form + mit dem Inhalt der doppelt vorhandenen, in griechischer Schrift eingeschlagenen Inschrift. Gerade solche Kreuze nämlich erscheinen mit und ohne Verzierung überaus häufig auf den Gebrauchsgegenständen der früh zum

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