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noch heidnischen Westgothenkönig. Dadurch aber pflegte immer das Ansehen der neuen Religion vielmehr zu steigen als abzunehmen. Von großer Wirkung mußte die Übersetzung der Bibel in die Volkssprache sein. Nun erfahren wir aus einem Briefe des Hieronymus, der in Martianays Ausgabe (Tom. II, 626) mit Recht unter die exegetisch kritischen gestellt ist, und der vom Jahr 403 oder 404 herrührt, daß zwei Gothen, Sunnia und Fretela, eine Anfrage an ihn gerichtet hatten über Verschiedenheiten zwischen der lateinischen und griechischen Übersetzung der Psalmen, um die Wahrheit aus dem Hebräischen zu erfahren, dessen unter allen Kirchenvätern nur Hieronymus kundig war, damals in Bethlehem wohnend. Seine gelehrte Antwort, die wir allein besitzen, hatte sich fast über den ganzen Psalter hin zu erstrecken. Es kann nicht lange zweifelhaft sein, welchem gothischen Stamm diese wissbegierigen Männer angehörten. Denn der Kirchenvater, der im Eingang seines Schreibens Gott preist für dieses Siegeszeichen des Christenthums unter den Barbaren, fügt hinzu: „Wer sollte es glauben daß die barbarische Zunge der Gothen nach dem reinen Sinn der hebräischen Urschrift forschen würde, und daß während die Griechen schlafen oder vielmehr mit einander streiten (es war der origenistische Streit, der 400 die Verdammung des Origenes herbeigeführt hatte, und der mit der Absetzung des Chrysostomus 404 fürs erste endigte), gerade Deutschland das göttliche Wort erforschen würde." Zu Deutschland konnten damals in der Ferne wohl die Donaugegenden, aber nicht Ulyrien gerechnet werden. Man darf also Sunnia und Fretela mit Wahrscheinlichkeit für Ostgothen erklären, und annehmen, daß auch sonst in diesem Stamm die Mission des Chrysostomus bereits Früchte getragen hatte *). Dies wird um so mehr erlaubt sein, wenn wir die Entstehung der Inschriften jener Goldgefäße — die griechische hat schon starke Abbreviaturen — in die zweite Hälfte des 5. Jhds. setzen, welches auch die Zeit der burgundischen Runeninschrift auf der Spange von Charnay ist.

Nach dem Sturz des Hunnenreiches 453 wohnten die Ostgothen in den Strecken zwischen Wien und Belgrad. Letztere Gegend wäre nicht weit entfernt von dem Ort, wo der Schatz gefunden wurde. Unter der Annahme, daß die Goldgefäße unter einer christlich gewordenen Verzweigung dieser Ostgothen, defen Häuptlinge und Fürsten so oft in Constantinopel ihre Bildung erhielten, entstanden, würde sich

*) Für Ostgothen stimmt auch W. Krafft, wenn er a. a. O. S. 406 die Absender des Briefes in Constantinopel als orthodoxe Christen lebend voraussetzt.

selbst ein Jahr, welches man nicht überschreiten dürfte, das Jahr 481, als Grenze ihrer Anfertigung angeben lassen, denn in dieser Zeit führte der zweite westgothische Theodorich, der sicher ein Christ war, und für Befestigung des Christenthums eifrig sorgte, sein Volk aus den genannten Gegenden heraus nach Italien. Im folgenden, dem 6. Jhd., finden wir unter den Ostgothen schon einen heftigen Eiferer für das arianische Christenthum, den Zalla, den Gregor dial. II, 31 einen Zeitgenossen des Totila nennt.

Zur Bestätigung aber der bisherigen Ergebnisse dient der ungemeine Reichthum an Gold, den wir auch nach dem Thatbestand des Fundes bei einem Stamm voraussetzen müßen, in dem auch Häuptlinge, die nicht gerade Könige sind, ihr Trinkgeschirr aus reinem Gold anfertigen lassen können, welches gerade so gut als das des Kaisers Valens ist, weshalb Arneth, wie schon bemerkt, unter Vergleichung der Verzierung der Medaillen dieses Kaisers, eben seine Zeit für die der Goldgefäße vermuthen konnte. Nun wurde aber das Gold der oströmischen Kaiser den Gothen in den jährlichen Summen, womit sie ihnen den Frieden abkauften, schon weit über hundert Jahre vor Valens ausgezahlt. Davon sagt Leo a. a. O. S. 259: „Bereits Alexander Severus zahlte den gothischen Fürsten Jahrgelder für den Frieden; diese Jahrgelder aber scheinen besonders den ostgothischen Königen die Mittel gewährt zu haben, ihre Macht zu verstärken; ihr Reich erscheint bald als das mächtigste." Die gedachten Friedensgelder steigerten sich aber je länger desto mehr; von dem älteren ostgothischen Theodorich, dem Sohn des Triarius, ist bekannt, daß er jährlich 2000 Pfund Gold vom Kaiser Leo im Jahr 471 forderte und erhielt (Manso Gesch. der Ostgothen S. 19,), jeder König aber war in unserm Altherthum ein Goldgeber, und mit Goldringen und Goldgefäßen wurden die Edlen seiner Gefolgschaft ausgestattet, vgl. Beov. 81. 622. 1200. Parz. 10, 4. 5.

Es ist daraus klar, daß sich bei den Ostgothen massenhafte Goldschätze anhäufen mußten, und wenn dazu der Fund von Pietraossa gehört, der nach Arneth S. 14 40 Leipziger Pfund Gold beträgt, und wie noch wahrscheinlicher der Banater Fund, der vielleicht nahezu die Hälfte jenes Goldwerthes erreicht, so sind darin nur geringe Reste von dem bedeutenden Goldbesitz der Ostgothen übrig und in alter Form erhalten.

Daß auch die Gepiden reich an Gold waren oder wurden, kann nicht geleugnet werden, sie empfiengen nach ihrem Einzug in Dacien 453, wie Jordanes c. 50 berichtet, ebenfalls jährliche Friedensgelder und dasselbe; Kaisergold. Es wäre daher möglich, sie für die Anfertiger der besprochenen Runeninschriften und die Besitzer der Goldgefäße zu erklären, wenn sich beweisen lässt, daß sie wenigstens seit 453 alsbald Christen waren. Dem oben angeführten Zeugniss des Salvianus, der unter den Barbaren zwei Classen macht, Arianer und Heiden, und die Gepiden den Heiden zuzählt, steht die Nachricht der Historia miscella lib. XIV p. 94 bei Muratori entgegen, welche zum 16. Jahr Theodosius des zweiten gegeben ist, daß von den Gothenstämmen .rationabiliores quatuor sunt, Gothiscilicet, Hypogothi (Westgothen), Gepides et Vandali, nomen tantum et nihil aliud mutantes, unaque linguautentes, omnes autem fidei erant Arianae malignitatis.“ Es müßte aber diese Angabe einer sehr viel spätern Zeit, nämlich des neunten Jahrhunderts, erst durch ein älteres Zeugniss bewährt werden, welches ich nicht kenne. Außerdem schildert sie Jordanes als tardiorisingenii, sie könnten deshalb doch freilich allmählich zum Christenthum gelangt sein, aber alle diejenigen Goldgefäße, worauf Bildwerk mit Figuren vorkommt, verlangen daß man Anfertigung durch nichtgriechische, die antike Kunst nur nachahmende, jedoch darin bewanderte Goldschmiede annehme, denen größtentheils die Bildgegenstände zu phantastisch und romantisch ausgeführten Zierrathen, fast könnte man sagen zu Arabesken wurden, wie wir sie auf dem Weinstock des Kreuzes von Ruthwell finden; immerhin setzt dies alles aber die Kunstfertigkeit und Phantasie eines gutbegabten, länger bei den Griechen in die Lehre gegangenen Volksstammes voraus, und so wird man zur Zeit bei den Ostgothen stehen bleiben müßen. Daß aber unter den Gefäßen des Banater Schatzes, die alle offenbar Trinkgefäße waren, so viele Schalen vorkommen, ist nicht etwa eine dem germanischen Alterthum fremde Erscheinung zu nennen. Nicht etwa nur Griechen und Römer tranken aus Schalen, und nicht waren etwa die Trinkgefäße der alten Germanen auf Thierhörner und hölzerne Becher beschränkt. Leider fehlen uns die eigens gothischen Wörter für Krüge und Schalen, da im Ulfila die Übersetzung der Apocalypse und des alten Testaments fehlt, worin der Trinkschalen öfter erwähnt wird. Ulfila hat Marc. 7,4 für den Krug das lateinische Wort urceus behalten, für Trorjotov aber, sei es ein Becher Wassers oder Weins, oder der geweihte Kelch, immer das Wort stikls, ahd. stechal (calix), doch ist skalja Schale wenigstens vorhanden, und die Sitte des Trinkens aus Schalen bezeugt schon von Paul. Diac. 1, 27 mit Angabe des deutschen Worts scala, was der Verfasser des Heliand ohne Veranlassung in seinem Texte Joh. 2, 6 gebraucht, wenn er in der Schilderung der Hochzeit zu Cana sagt: es giengen die Schenken mit Schalen, He). 61, 7. In goldenen Schalen aber wird der Wein geschenkt noch Nib. 1750, 3. Parz. 794, 23.

Eine eigentümliche Einrichtung haben mehrere der Banater Schalen. Die einfachsten tragen nämlich an sich einen in einer Schnalle befindlichen Stachel zum Anhängen auf Reisen. Arneth verweist zu Nr. 18, S. 22 des erklärenden Textes auf die allgemeine persische Sitte, die Trinkschale beim Ausreiten an den Sattel des Pferdes zu heften. Warum sollte diese Sitte nicht auch die der stammverwandten Gothen gewesen sein? Nach meiner Meinung ist das gothische Wort stikls am einfachsten daraus erklärlich, daß es ursprünglich die Schale bezeichnete, die durch Stechen angeheftet oder angesteckt wurde, dann erst den aus der Schale entstandenen Becher; — wie wir das mit einem' Stachel zum Einstechen versehene hörnerne Tintengefäß einen Stecher nennen. — Im ahd. gilt stechal ebenso für Becher als für Stachel und stechend, Graff IV, 637 *).

Die beiden sächsischen Dialecte haben ein Wort, welches noch zu gleicher Zeit die Schale und den Becher bezeichnet, und bei J. Grimm unter den Trinkgefäßen III, 457 fehlt; es lautet alts. wSgi und loagi, beides aus waigi entstanden, und ist Hei. 165, 1 von einer Wasserschale, sonst vom Becher angewendet, im ags. heißt es vage, veg, und ist in der alten Poesie für Becher das herrschende Wort, es ist das ahd. weiga Schale, welches in bahweiga (Beckenschale) erhalten ist und nächst der Wagschale auch die Schüssel und daher auch das Gericht bedeutet, Graff 1, 740; die Grundvorstellung ist dabei das Flache, welches wie in ndtaxvov, xcctavov, patina und patera aus der Anschauung des Schiagens (««Ta'ffffoj) hervorgeht. Denn Schlagen, Stoßen und Stechen wie nazüaottv muß einst auch WIG bedeutet haben, nach altn. vigr Spieß, Lanze, und nach ahd. weigjan, alts. vegian, ags. viegan (affligere, craciare), altn. vig (intcrfectio) das Erschlagen. Doch von Wichtigkeit ist hier nur zu sehen, daß die germanischen Benennungen des Bechers aus denen für Schale hervorgegangen sind. Die Anschauung dazu liegt in den Bechern des Banater Fundes vor. Die Becher Nr. 199 und Nr. 231 sind, wie bei Arneth auf der Tafel G VIII zu sehen ist, noch völlige Schalen, die auf einem Fuß stehen. Das spätere ags. Wort der Prosa ist Icefei, z. B. bei Älfric Gen. 44, 2 vom silbernen Becher Josephs gebraucht, das congruente ahd. labal (läbal?) ist noch Schale und besonders das Becken. So ist unser Becher aus Becken, ahd. bechi, becchin, verständlich, und wird ahd. bechar auch zur Übersetzung von phiala gebraucht, Graff III, 46. Wir haben also in diesen Analogien alle Wahrscheinlichkeit dafür, daß auch goth. stikh auf den Becher nur übertragen, zuerst die Schale bedeutete, und zwar die oben beschriebene Art derselben. Silberne und goldene Schalen oder Becher aber, verziert mit getriebener Arbeit finden sich wenigstens im Beovulf in dem fceted-vcege B 2253. 2282 (von goth. fötjan schmücken) und sonst erwähnt; später genannt sind auch Rosenbecher (Thork. dipl. II, 99 von 1284).

*) Ags. ist sticol, stechend, sticel Stachel, wie auch sticeh; altn. stikill Spitze, Stecken (nicht etwa Hörn); mikill gullhringr var i stikli hornsins, Fornald 3, 140. Unhaltbar ist daher Grimms Vermnthung II, 27. III, 381 das goth. stikls möge eigentlich Hörn bedeutet haben, ein altn. stikill cornu (III, 381) gibt es nicht. Für das wirklich vorhandene stikill gab B. Halderson: pars tilrema cornu, apex; worin aber com« Genetiv, nicht Nom. ist. Die andere Bedeutung Stecken erweist sich in stikill, pl. stiklar dadurch, daß das davon abgeleitete Verbum slikta mit einer Stange (übers Wasser) springen bedeutet.

Somit bestätigt sich auch von Seiten der Alterthümer wie der Geschichte, was die besprochenen Inschriften fordern, daß das nach Aussage der letzteren bereits christliche Volk, von dem die kostbaren Trinkgeschirre des Banater Fundes stammen, ein germanisches war, und zwar nach Ort, Zeit und Sprache zu schließen, ein gothisches

ZUR KRITIK UND ERKLÄRUNG DES HELIAND.

VON

C. W. M. GREIN.

Die so eben erschienene Ausgabe des Heliand von Moritz Heyne hat das große Verdienst, den Heliand einem größeren Leserkreis, namentlich auch unter der studierenden Jugend, zugänglich gemacht und die Textkritik sowie das Verständniss dieser herrlichen Dichtung bedeutend gefordert zu haben, wenn man auch keineswegs durchweg mit den Resultaten einverstanden sein kann. Vor allen Dingen ist es sehr zu beklagen, daß der Herausgeber den unglücklichen Gedanken gehabt hat, seinem Texte die jüngere und schlechtere und noch dazu sehr lückenhafte Münchner Handschrift zu Grunde zu legen und die ältere und bessere Handschrift, den Cottonianus, bloß für die Lücken eintreten zu lassen, während er gleichwohl auch da, wo M. zu Grunde gelegt ist, an zahllosen Stellen dessen Lesarten durch solche aus C. ersetzt hat, nicht selten ohne zwingenden Grund: dadurch hat sein Text, mehr als gut war, etwas Ungleichmäßiges angenommen. Doch es ist gegenwärtig nicht meine Absicht, näher auf diesen Cardinalpunkt

UK1.HAMA XI 14

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