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des Hauptes neben Händen und Füßen nicht fehlen und es muß also ein Halbvers ausgefallen sein. Ich schreibe daher:

thu haba thi selbo giwald,
frd min the gödo, fdtd endi hand$
endi rnines hobdes so sama [handun tkinun],
thiodan, te tvahanne u. s. w.

v. 4748 nimmt Heyne alothiodo als Adverbium in der Bedeutung vorzüglich, vollkommen' und zu godan gehörig Cden vollkommen guten'); diese Auffassung erscheint sehr bedenklich. Ich halte es dagegen für gen. pl. von alothioda (gleichsam Allvolk), gebildet wie ags. ülvihte, ealvundor, ealmägen. vgl. goth. allaim alamannam Skeir. VIII, b.

v. 4960 ist genower M. ginuwar C. nicht mit Schindler und Heyne in gegintcard zu ändern; es ist entstanden aus ginu-ar und entspricht fast ganz dem goth. jainar illic, mit demselben Suffix -ar gebildet, nur mit dem Unterschiede, daß jainar auf einem Stamm jaina-; j>na-, unser ginuwar dagegen auf einem Stamm ginu-, jinu- beruht; vgl. goth. jains, ahd. jener, genSr, ener, altn. inn, lith. anas ille und nnl. ginder illic, illuc.

v. 5041 ist be thiu nis manne« bdg mikilun biderbi M. vorzuziehen; mikilun, ags. miclum valde; theilt man statt mikil umbi theribi C. nur ab mikilum bitheribi, so hat man ganz dasselbe, nur daß ist C. offenbar für nist verschrieben ist.

v. 5300—1 braucht man folgddun nicht mit Schmeller und Heyne in felgidun zu ändern; denn zieht man lästar-spräkun als inst. pl. in ein Wort zusammen, so ist firinword Subject zu folgodun (folgten).

v. 5368 einfacher ef thu umbi thtnes herron [huldi] ruokis.

v. 5421 lässt sich so ergänzen:

hv$ thiu thiod habda [an thero thingstedt]

domds ddelid; tho skoldun sia thia däd frummian

v. 5499 kann röbon dem Zusammenhange nach auf keinen Fall entkleiden, 'berauben', sondern im Gegentheil nur 'bekleiden' bedeuten: sie bekleideten ihn mit einem rothen Tuche (vgl. Marc. 2728-!9).

v. 5546 [drohtines] deldun derebia man,

v. 5548: umbi thena selbon ändert Heyne in umbi that selbem, so daß that auf giwddi und girobi geht und selbon nom. pl. (ipsi) ist. Da aber nach Joh. 19*8-** die Kriegsknechte die übrigen Gewänder theilten und bloß über die tunica inconsutilis das Loos warfen, so muß in thena selbon jedenfalls der Name dieser Tunica, die v. 5550 peda heißt, gesucht werden. Köne und Eieger vermuthen selkon nach ahd.'- selacho toga, altn. silki, ags. seoloc sericum. Ich will eine andere, wenn auch vorerst nur entfernte Möglichkeit nicht verschweigen: wie, wenn selbon 216 c- w- M. GREIN, ZUR KRITIK U. ERKLÄRUNG D. HELIAND.

verschrieben wäre für das sonst freilich unbelegte slobön und dies slobo dem ags. slefa, slyfa, engl, sleeve manica, nihil, slouf, slou/e, nhd. Schlaube indumentum entspräche? vgl. ags slljfan, sie/an, mhd. sloufen, induere.

v. 5594: gibruocan kann nicht mit Heyne zu ahd. preohhan gestellt werden, sondern gehört einer Wurzel mit ao (nicht einer «-Wurzel) an. Vorerst wird man wohl, bis bessere Aufklärung kommt, bei Grimms Deutung zu Elene 1029 'gezimmert an den Baum' stehen bleiben mäßen.

v. 5629 endi so gethismdd [was]; Heyne's Änderung gethrismod ist nicht gerechtfertigt durch ags. äprysman, das, wie ags. prosm zeigt, einer «-Wurzel, nicht einer j-Wurzel angehört; ich stelle gethismod zu alts. thim (düster) und erkläre es aus *gethimsod, wenn nicht umgekehrt thitn (thimtn) aus thism assimiliert ist.

v. 5678 ist die Ergänzung [tforo] überflüssig.

v. 5791 ändert Heyne writan mit Rieger in writanan (den Geritzten, Verwundeten); weit näher liegt die Annahme, daß writan verschrieben ist für writhan, wridan (umwinden, den Verwundeten verbinden oder ihn in die Leichentücher hüllen, vgl. Beov. 2982,), da namentlich in C. der Schreibfehler t für th öfter vorkommt.

5814—15 vielleicht so zu schreiben: them idison sulica eginon tegegnes: all wurdun fan them grurie mikilun thiu fri an forahton;

v. 5891—92: die Heilung dieser corrupten Stelle liegt sehr nahe, wenn man daran denkt, daß im Evangelium des Nicodemus Pilatus dem Kaiser berichtet, die Wächter hätten zwar das Geld genommen, aber doch die Wahrheit nicht verschweigen können (sed cum accepissent pecunias, quod factum fuerat tacere non potuerunt: nam et illum resurrexisse testati sunt se vidisse et se a Judseis pecuniam accepisse). Es ist somit zu ergänzen:

dädun al so sia bigunnun, ni giweldunHro willion, [so wido] küd them Uudon a/tar them lande, u. s. w. so daß die Worte ni giweldun ird willion Parenthese sind.

v. 5949: hniuonda ändert Heyne in hriwonda, Vollmer in hiuudnda (d. i. hiubdnda) wehklagend, weinend; wie es aber da steht, so ist es zunächst hnibonda, was nach dem ags. hnifol frons, palpebrae und hnifolcrumb qui frontem caperat etwa 'stirnrunzelnd' bedeuten könnte.

Zum Schluß noch einige Worte über die vermeintlichen Composita Ebred-folk, Judeö-lindi und ähnliche, wie sie Heyne durchweg ansetzt. Sie sind sämmtlich in zwei Wörter aufzulösen, deren erstes jedesmal den starken gen. pl. vom Namen der Bewohner des Landes oder der Stadt ist; es ist also zu schreiben: Ebieö folk (land), Egi/pto (jEgypttö) KEINHOLD KÖHLER, ZU H. SACHS, DIE ACHTZEHEN SCHÖN etc. 217

land, Galileo land, Juded folk {liudi, cuning) Kananed land. Ponteo land, Romano liudi, Sidond bürg, Sodomö land (bürg). Am auffallendsten ist, daß Heyne auch für v. 704, wo die beiden Wörter, wie im Texte richtig steht, durch den Versschluß getrennt sind und land in v. 705 die Alliteration trägt, gleichwohl im Glossar das Compositum Egyptöland (/Egypted-land) ansetzt.

ZU DEM GEDICHT VON HANS SACHS DIE ACHTZEHEN SCHÖN EINER JUNGFRAUEN'.

Hans Sachs hat ein Gedicht verfasst, welches 'Die achtzehen Schön einer Jungfrauen' überschrieben ist und also beginnt: Nechten zu Abend ich spaciert Auf freiem Mark und phantasiert Zu machen ein neues Gedicht. In dem da kam mir zu Gesicht Ein Jungfrau, gar höflich geziert, Gar adelich geliedmasiert, Dergleich ich mein Tag nie het gsehen. Deß ward ich zu mir selber jehen: Warhaft die Schön der Jungfrau da Vergleicht der Schön Lucretia. Deß ich mich gleich verwundern gund Und da geleich stockstiller stund Und dacht, wer nur die Jungfrau wer. In dem die zart trat zu mir her ■ Mit leisen Tritten, Fuß für Fuß, Und grüßet mich mit Worten süß Und sprach, weß ich thet warten hie. Ich sprach: Zart Jungfrau, merket wie. Ich steh zu schauen euer Schön, Die ich ob allen Weiben krön, Wann ich sach nie schöner Figur. Der siben Schön tragt ir ein Kur, Die doch all siben traget ir. Da sprach die zart Jungfrau zu mir: Seind denn der Schön nit mehr denn siben? Wo habt ir das funden geschrieben? Ich sprach: Ich hab bei meinen Tagen Von siben Schönen hören sagen.

Sie sprach: Der Schön sind wol achtzehn),

Die natürlichen Meister jehen.

Die werden außgetheilt darbei

In sechs Theil, jeder Theil hat drei.

Drei kurz sind im ersten Anfang,

Darnach in dem andren drei lang,

Und zu dem dritten sind drei lind,

Und zum vierten drei schneeweiß sind,

Und zum fünften drei rosenrot,

Zum sechsten drei kolschwarz sind not. Im Folgenden theilt dann die Jungfrau dem Dichter auf sein Befragen mit, welchen Theilen des Körpers jene Eigenschaften zukommen, wir aber müßen dem neugierigen Leser überlassen, dieses Nähere bei Hans Sachs selbst nachzulesen *). Wenn Hans Sachs sagt:

'Ich hab bei allen meinen Tagen Von siben Schönen hören sagen', so müßen wir annehmen, daß zu seiner Zeit 'sieben Schönheiten der Frauen sprichwörtlich waren, und man sollte daher erwarten, denselben öfters in der Litteratur jener Zeit zu begegnen. Ich meinerseits kann bis jetzt nur zwei Stellen nachweisen, wo sie erwähnt werden, eine ebenfalls bei Hans Sachs, eine andere bei Fischart. In dem Fastnachtspiel des Hans Sachs 'Der alt Buler mit der Zauberei' (Werke II, 4, 22"1 der Nürnberger Ausgabe von 1590) sagt ein verliebter Alter von seiner Geliebten:

'Und wenn ich die Warheit soll jehen, Hets der sibn Schön wol dreizehen'. Und Fischart sagt in der Geschichtklitterung (Cap. 6) von der Braut Grandgosiers: 'Sie hatte die vier Schöne anstatt der vier Tugenden, ja der sibn Schöne wol vierzehen, samt dem Löchlin im Backen, wann sie lacht, und dem Grüblin im Kinn'.

Um so mehr war ich überrascht, in italienischen Liebesliedern, wie sie in neuerer Zeit aus dem Volksmund gesammelt worden sind, die 'sieben Schönheiten' zu finden, und zwar nicht nur im Allgemeinen erwähnt, sondern auch einzeln aufgeführt. Ich glaube den Lesern der Germania, denen die italienischen Volksliedersammlungen nicht zur Hand sind, einen Gefallen zu erweisen, wenn ich hier diese lieblichen und wohlklingenden Liederchen mittheile.

*) Werke I, p. CCCCCVII der Nürnberger Ausgabe von 1558 oder I, p. 380 der von 1589.

Ein toscanischer Rispettobei Tommaseo CantipopolariI, 46 (darnach auch bei Tigri Canti popolari toscani, 2“ ediz, pag. 22, Nr. 79) lautet:

Sette bellezze vuole aver la donna,
Prima che bella si possa chiamare:
Alta dev’esser senza la pianella,
E bianca e rossa senza su'lisciare:
Larga di spalla, e stretta in centurella:
La bella bocca, e il bel nobil parlare.
Se poi si tira su le bionde trecce,
Decco la donna di sette bellezze *).

Ähnlich die vicentinische Vilota bei Alverà Cantipopolari tradizionali vicentini, Vicenza 1844, Nr. 87:

Sète belezze deve aver la dona,
Prima che bèla si fäçia chiamare;
Alta da téra sènza la pianèla;
Presta e legiadra nel suo caminare;
Bianca de late sènza lavadura;
Rossa de rosa sènza farsi bela;
Coiöci möri e con le bionde drezze;
Questa è la döna de sète belezze.

Ferner das ligurische Lied bei Marcoaldi Canti popolari inediti umbri, liguri, piceni, piemontesi, latini, Genova 1855, pag. 77:

Sëtte bellesse a deve avéi 'na fija,
Prima che bella si possa chiamare:
A deve esse' bella e galantin-na,
Grasiusetta nel so' raxunare;
Larga di s'palle, s’treita di sentüra,
Quella si chiama bella di natüra:
Egli occhi neri colle biunde tresse:
Quelle si chiamu le sette bellesse.

Unvollständig sind die Schönheiten in einem zweiten bei Alverà Nr. 86:

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*) Ich erinnere die Leser an die schöne Anzeige, mit welcher Jacob Grimm in ***er Zeitschrift II, 380 die Tigrische Sammlung geehrt hat.

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