صور الصفحة
PDF

in innen rehtc mir dunkel, das ö wird von Ettmüllcr unrichtig zugesetzt, der sonst p. 329 swäzen, ohne es zu verstehn, ausrinnen richtig erklart: trinkt da die jauche des pfuls aus schlechten ausrinnenden, verschüttenden köpfen, wie nun, wenn unser schwatzen, plaudern auch eigentlich bedeutete verba eirundere, fallen lassen? die schmutzige bedeutung braucht nicht vorzuherschen, effundere grenzt an effutire und unser plaudern, blödem, schwatzen gilt gerade vom geschwätzigen, rauschenden, gieszenden bach (wb. 2, 141). um wieder auf merswäz zu kommen, so wäre es maris effusio, vielmehr quod in mari effunditur a pisce, meerschmutz, meerdinte, atramentum marinum, sepia. man könnte denken, es sei in swaz ein r ausgefallen, | da schon bei Ulfila svartizla dinte ausdrückt, und merswarz sei = meerdinte. doch das schickt sich nicht zu schwätzen, plaudern, die Franzosen brauchen für os sepia; ^cume de mer, meerschaum.

was die entfallenden tuomen neben den tunewengel sein sollen, ist schwer zu sagen, die wangen neben den schlafen? Berthold führt unter den todeszeichen s. 509. 510. dieses nicht an. das wort begegnet sonst nicht, an dümen, daumen ist nicht zu denken.

buomez ist bims, pumex, ahd. pumez, tnlid. pumz. urstende bei Hahn 103, 15.

buzina ein ruortranc mir ganz dunkel, denn die zwei buzzel mit win scheinen etwas anders, vgl. franz. boisson, trank.

Wenn Sie als ein noch junger mann über krankheit und Unlust zur arbeit beschwerde führen, was soll ich, der ich im 79 jähr stehe, dem die mücke vor dem rechten äuge mit ihren fühlhörnern schwebt (doch gewöhne ich mich fast daran) und dem manchmal hände und beine ermüden? ich schreibe demungeachtet rüstig fort.

Ich bin voll von Kenaus de Montauban *) und habe lust vom altfranzösischen epos zu handeln, hier ist wirklich mehr epischer stil als in den Nibelungen.

Ich will sehen, was Sie zu Walther von Schipfe sagen, mir gefiel der gedanke und die mutige ausführung, abgesehen von der vorrede, die ich misbillige.

Grüszen Sie Vernaleken, den söhn von frau Aleke. ich weisz wirklich nicht, ob ich ihm für den zweiten theil der syntax gedankt habe, er ist ein guter freundlicher mann, meine feder will auch nicht mehr fort, ich schliesze

als Ihr aufrichtiger freund 27 febr. 1863. Jac. Grimm.

39.

Hierbei, lieber freund, ein band weisthümer, der vielleicht mehr eindruck machen würde, wenn die vorrede ausgeführt worden wäre, wie es geschehen sollte, hinterher entschlosz ich mich zu einer besonderen schrift, die mich nun eine Zeitlang vom Wörterbuch abhält. Sie können aber, bis sie erschienen ist, das buch noch ganz bei seite legen.

In Österreich wird, wenn, wie ich hoffe, Ihre Wirksamkeit anhält und sich noch erhöht, Ihnen bald eine reihe von schillern zur seite stehn. ich habe eigentlich nie schüler hervorgebracht, weil bei mir der lehre stets das lernen

») ed. H. Michclant — Bibliothek des lit. Vereins Nr. 67. Stuttg. 1862.

Oberwog, in meiner lehre also etwas unfertiges blicken muste. was ich lernte gab ich immer treu hin.

nun plage ich Sie noch mit dem beigefügten packet, das ich an Karajan zu senden bitte.

5 jan. 1863. Ihr Jac. Grimm.

40.

Lieber freund, ich habe lange nicht geschrieben und für das erste heft der forschung und kritik *) zu danken vergessen, über die örtlichkeiten des Helmbrecht ist nach den abweichenden handschriften schwer zu entscheiden, doch mag Ihre ansieht die richtige sein. Sie haben damit eins der besten alten gedichte Österreich vindiciert.

Die ziemlich langweiligen bruchstücke des gedichts für Ludwig von Baiern mit der allegorie von frau Ere, frau Venus und herrn Velox sind durch Sie sehr sorgfältig zusammengestellt und erklärt worden, es kommt mir nur zu umständlich vor, dasz man das immer schwäbisch-alamannisch nennen soll, ich meine schwäbisch reicht hin, wenn auch in der Untersuchung das schwäbische und alamannische geschieden werden musz. das Elsas: ist nicht einmal reinalamannisch, sondern mit fränkischem gemischt, bei Keisersberg wird öfters über die Schwaben losgezogen.

Weinholds alamannische grammatik ist nun erschienen, ich kann nicht sagen, dasz sie mir genug thul , es wird vieles nachzuholen und zu ändern bleiben, er hat oft nicht den rechten tact, und die alemannischen merkmale treten nicht sattsam hervor, unerläszlich war es ein Verzeichnis der characteristischen Wörter aufzustellen, meine entdeckung über die alamann. schwache eonjugation **) leuchtet ihm nicht ein und er verschmäht eins der besten kennzeichen.

Nächstens lasse ich eine abh. Ober das Schlummerlied erscheinen, wenn es mir in der akademie zu lang damit dauert, in besonderm druck, ich hoffe es soll Sie freuen.

Gegenwärtig bin ich durch Jonckbloets ötude sur le roman de Renart ***) ganz zurückversetzt in die zeit der herausgäbe des Reinhart; es gibt in der ganzen geschichte der poesie keine anziehendere Untersuchung als die der thierfabel. Ihr

26 juli 1863. Jac. Gr.

BERICHTIGUNG. Nach einer brieflichen Mittheilung meines lieben Freundes Prof. Dr. M. De Vries in Leiden gehört das oben S. 81 ff. abgedruckte niederländische Bruchstück nicht zu Maerlants Reimbibel (die übrigens in drei Bünden 1858—Gl durch Prof. David in Löven herausgegeben ist), sondern zum Lekenspiegliel von J. Boendale ed. M. De Vries (Leiden 1840—48) Buch I, Cap. 3ü, V. 124 bis Cap. 41, V. 50. F. P.

*) Forschung und Kritik auf dem Gebiete des deutschen Alterthnms. I. Wien 1863. Pf.

**) s. Germania III, 147. ***) Groningue, J. B. Wolters. 1803.

—*—

[BEILAGE ZUR GERMANIA XI, 2. HEFT.]

FÜR HERRN J. ZACHER IN HALLE.

Als Herr Zacher in den Jahrbüchern für Phil, und Päd. zu Ende des vorigen Jahres aus Anlaß meiner Ausgabe des Walther seine „kritische Wassersuppe" auftischte, hatte er, im Gefühl etwas Außerordentliches geleistet zu haben, wohl gehofft, ich würde nichts Eiligeres zu thun wissen, als hungrig darüber herzufallen und ihm damit eine Ehre zu erweisen, nach der er lüstern verlangt. Da mir jedoch Wichtigeres obliegt, als mich mit dem Gebräu kritischer Kochkünstler von dem Schlage des Hrn. Z. zu befassen, und mit einer vorläufigen kurzen Empfangsbestätigung (s. oben S. 114) ein Übriges gethan zu haben glaubte, wird er, in seinen Erwartungen geteuscht, nun frech und zudringlich, indem er die Gelegenheit vom Zaune bricht, um mich am nämlichen Orte (Jahrb. 1866, H. Abth. S. 111. 112) abermals, zum Nachtisch gleichsam, mit einem ungesalzenen Produkt aus seiner Waschküche zu regalieren.

Allerdings ist es für Jemand, der, in trauriger Selbstteuschung befangen, etwas Großes zu sein glaubt, sehr kränkend, sich geringschätzig behandelt zu sehen, und Monate lang auf eine unliebsame Eröffnung warten zu mäßen, ist auch nicht gerade angenehm. Dennoch hätte Hr. Z., statt über einen von mir vielleicht nicht genugsam überlegten Ausdruck sofort Zeter zu schreien, gewiss klüger gehandelt, wenn er, seine Empfindlichkeit unterdrückend und seine Ungeduld bemeisternd, in Ruhe das Erscheinen des 2. Heftes der Germania abgewartet hätte. Er würde dann vielleicht geschwiegen und dadurch sich und mir mancherlei Unlust erspart haben. Wie die Sache steht, muß ich ihm wohl die Ehre einer Erwiderung anthun. Ob sie ihn befriedigen wird, weiß ich nicht, kümmert mich auch nicht, er hat es ja so gewollt.

Nach seiner Behauptung enthält die ihm gewidmete einzige Zeile eine Drohung, eine Schelte und eine Verleumdung. Das ist viel auf einmal. Hr. Z. teuscht sich jedoch, er gebraucht da Worte, deren wirkliche Bedeutung ihm, der ein deutscher Sprachforscher sein will, offenbar zur Zeit noch verschlossen ist. Weder ist die vorläufige Anzeige von etwas wirklich Geschehenem eine Drohung, noch die Erwähnung einer unleugbaren Thatsache eine Schelte. Auskunft über den eigentlichen Sinn dieser beiden Wörter kann Hr. Z. im nächsten besten Wörterbuche finden.

Von größerem Gewicht ist der mir zugeschleuderte Vorwurf der Verleumdung. Es wird daher nöthig sein, sich über die Bedeutung dieses Ausdrucks genau zu verständigen. Verleumden heißt: von Jemand ohne Grund Böses oder Nachtheiliges aussagen und ihn dadurch in Übeln Ruf bringen. Habe ich mir Solches an- jener Stelle wirklich zu Schulden kommen lassen?' Ich befürchte nicht. Hat Hr. Z., wie er wiederholt versichert, in der That ganz allein, aus eignem Antrieb, den Beschluß zu jener Beurtheilung gefasst und ausgeführt, so ist meine Annahme, daß ihn Andre dazu „vermocht" haben, eine irrige uud meine Behauptung eine falsche, aber darum noch lange keine Verleumdung; behauptet doch Hr. Z., er Bei es der Wisgenschaft, der Universität, der Schule, sowie dem Andenken seines Lehrers und Freundes Laehmann schuldig gewesen, gegen mich und mein Buch aufzutreten, er habe damit eine unabweisliche moralische Pflicht erfüllt. Er bildet sich also alles Ernstes ein, der gute Hr. Z., ein tugendhaftes Werk, eine rettende That vollbracht zu haben. Wie in aller Welt kommt er dann aber dazu, mich der Verleumdung und Beschimpfung jener zu zeihen, die ihu nach meiner, wenn auch irrigen, Meinung zu deren Vollbringen vermocht haben? Seit wann pflegt man Denjenigen einen Verleumder zu heißen, der einem Andern, wenn auch ohne Grund, die Theilnahme an einem guten Werke zutraut und zuschreibt? Offenbar gebricht es Hrn. Z., trotz der Methode, deren Besitzes er sich rühmt, am einfachsten logischen Denken, oder sollte am Ende gar der Zweifel seines Herzens Nachbar und in dem schweren Vorwurf der verrütherische Zeuge einer leisen Mahnung seines Gewissens verborgen sein, einer inneru Stimme, die ihm vorhält, daß die Anzeige doch nicht aus so durchaus lautern Motiven entsprungen sei, als er sich selbst und seinen Lesern aufzureden sucht? Dann allerdings, aber nur dann, wenn er von der Lauterkeit seiner Handlung nicht vollkommen überzeugt war, ist der Ausdruck Verleumdung begründet, aber nicht ich bin es, der dann einen Vorwurf verdient. Denn meine Äußerung war ohne Arg, ich dachte entfernt nicht daran, Hrn. Z. und seinen Freunden damit etwas Böses oder Ehrenrühriges nachzusagen.

Im Gegentheil würde ich es ganz natürlich und unbedenklich finden, wenn er sieh, aus Erkenntlichkeit, durch Jene, denen er so Vieles verdankt, hätte bestimmen lassen, seiner Meinung über mein Buch, das ganze Unternehmen und dessen Richtung öffentlichen Ausdruck zu geben und Ansichten auszusprechen, die bekanntlich nicht sein alleiniges Eigenthum sind, sondern der Clique angehören, deren Mitglied er ist. Unerhört wiire dergleichen nicht. Oder verlangt Hr. Z. Beweise? Ich kann sie ihm geben, authentische, aus eben jenem Kreise. Übrigens ist er selbst es, der durch die lange Auseinandersetzung, womit er am Schlüsse seiner Anzeige die insolente Sprache, deren er sich wider mich bedient, zu motivieren, d. h. zu beschönigen bemüht war, die Veimuthung eines solchen Verhalts in mir geweckt hat. War er überzeugt, gegen Wissenschaft, Universität und Schule eine unabweisliche moralische Pflicht erfüllt, war er sich bewusst, durch Vernichtung von etwas Gemeinschädliehem um jene sich verdient gemacht zu haben, wozu elann die vielen Worte? Seine verdammte Schuldigkeit gethan zu haben, bedarf niemals einer Entschuldigung. Ich denke daher, ganz aus der Luft gegriffen war mein Verdacht nicht. In der That begreife ich heute noch, wo es mir, ihn aufrecht zu halten, nicht mehr gestattet ist, nicht recht, wie Hr. Z., dessen Name in der altdeutschen Philologie kaum bekannt ist, der auf dem Gebiete der Kritik und ENcgcse die ersten Proben noch abzulegen hat, sich konnte beikommen lassen, in einer Angelegenheit das Wort zu ergreifen, über d4e er zu reden gar keinen Beruf hat und die ihn im Grunde nichts angeht. Gegen ihn war das Vorwort wahrlich nicht gerichtet, denn mit ihm und seinen Arbeiten sich zu beschäftigen, in Gutem oder in Bösem von ihm zu reden, hat er uns kaum je Anlaß gegeben. Ist seine Liebe zur Wissenschaft so heiß, wie er vorgibt, warum hat er zu deren Förderung und Gedeihen so gar nichts bis jetzt beigetragen? Was soll das Geflunker von Wissenschaft und von angeblichen moralischen Pflichten, Männern gegenüber, die von jungen Jahren an der Wissenschaft mit Eifer und Hingebung redlich gedient und durch die That bewiesen haben, daß sie dieselbe nicht bloß auf den Lippen, sondern im Herzen tragen? , Wer ist der Hr. Zacher, der sich aufwirft, über sie Gericht zu halten? Es ist Hr. Zacher, der Professor. Sehr wohl; damit muß sich der Pedell auf einer preußischen Universität begnügen; aber auch der Leser? Wenn der Leser fragt: wer ist der Hr. Zacher? so will er wissen, was dieser Herr Zacher geschrieben hat und worauf sich sein Becht gründet, über solche Männer laut urtheilen zu dürfen. Nicht diese Männer nehmen ihn wegen dieses Kechts in Anspruch, sondern das Publicum. Die Nachsicht, die das Publicum hierin gegen einen ungenannten kritischen Schriftsteller hat, kann es gegen ihn nicht haben. Der ungenannte Kritiker will nichts als eine Stimme aus dem Publicum sein, und so lange er ungenannt bleibt, lässt ihn das Publicum dafür gelten. Aber der Kritiker, der sich nennt, will nicht eine Stimme des Publicum sein, sondern will das Publicum stimmen. Seine Urtheile sollen nicht bloß durch sich so viel Glück machen, als sie machen können, sie sollen es zugleich mit durch seinen Namen machen; denn wozu sonst dieser Name? Daher aber auch von unserer Seite das Verlangen, diesen Namen bewährt zu wissen! Daher die Frage, ob es verdienter Name, ob ea verdienter Nnme in diesem Bezirke ist! Jeder andere Name ist noch mehr Betrug als Bestechung. Und wenn Hr. Zacher Staatsminister wäre und wenn er der größte lateinische Stilist, der erste Philolog von Europa wäre, was geht uns das hier an? Hier wollen wir seine Verdienste um die deutsche Sprachwissenschaft kennen, und welche sind die? Was hat unsere Sprache von ihm erhalten, worauf sie gegen andere Sprachen stolz sein könnte? Stolz? was sie sich nur nicht schämen dürfte, aufzuweisen!" Die Worte, deren ich mich hier bedient, gehören nicht mir, sondern ich habe sie, mit einigen ganz unwesentlichen, aber nothwendigen Änderungen, Lessing entlehnt, demselben Lessing, den auch Hr. Zacher zu citieren liebt, aus denselben antiquarischen Briefen, die er ungeschickter Weise gegen mich aufruft, von denen er aber nur den letzten zu kennen scheint, auf dem er nun schon zu wiederholten Malen (s. Jahrbücher f. Phil. u. Pädag. 1858, H. Abth. Bd. 78, S. 1 75) herumreitet. Hätte er auch den unmittelbar vorausgehenden Brief, den vorletzten (56.), gelesen, so würde er obige Stelle und noch andere gefunden und vielleicht auch bemerkt haben, daß, was Lessing dort über Klotz und dessen Freunde schreibt, auf ihn und seine Schulkameraden so genau passt, als wäre es ihnen auf den Leib gemessen. Noch ist, wie man sieht, das Geschlecht der Klotze nicht völlig ausgestorben und merkwürdiger Weise ist es abermals die Hallorenstadt, wo dieser allerdings etwas dürftige Ableger des alten Klotz, der trotz alledem ein vielverdienter Mann war, zum Vorschein gekommen ist. Zum Glück fehlen aber auch heute noch die Keile nicht, wie sie auf solche Klötze gehören. Den Anstoß zur Auffindung dieser treffenden Parallele empfieng ich von Hrn. Z., was ich hiermit dankend bescheinige.

Übrigens kam seine Warnung, den Abdruck der Bricfstelle J. Grimms zu unterlassen, viel zu spät: als sie eintraf, war der Schade bereits geschehen. Gefruchtet hätte sie ohnehin nichts. Ich sehe nicht ein, w;is mich abhalten sollte, dem auf hohem Bosse dahersprengenden Hrn. Zacher aus dem Munde eines Mannes, dem ein sicheres Urtheil gewiss vor jedem Andern zustand, die Wahrheit über sich selbst sagen zu lassen. Streng genommen verstoße ich damit, da auch dieses Urtheil sich an eine litterarische Erscheinung knüpft, nicht einmal gegen den oben S. 114 aufgestellten Grundsatz, was zur Beruhigung des ängstlichen Warners in Nr. 14 der Blätter f. litt. Unterhaltung ausdrücklich hier bemerkt sein mag.

« السابقةمتابعة »