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§•6.
Der Dativ bei Präpositionen.

In Betreff der den Dativ regierenden Präpositionen kann ich mich äußerst kurz fassen, da Grimm dieses Capitel völlig erschöpfend behandelt hat und zwar mit größter Schärfe, Sicherheit und Feinheit des Blickes. (S. 765—800, wo auch zugleich die übrigen Präpositionen ihre eingehende Besprechung finden.) Es kann nicht meine Aufgabe sein, hier einen Auszug aus den Arbeiten Grimm's zu geben, und noch weniger kann es mir beikommen, ihm gerade in einer der trefflichsten Partien seiner Grammatik Irrthümer nachweisen zu wollen. Es genüge hier, zu bemerken, daß bei alja*") (außer), af (von), mip (mit), «* (aus), faura (vor), fram (von) lediglich der Dativ zulässig ist und daß nach ana (an, auf), at (bei, zu), afar (nach), bi (um, an), hindar (hinter), «/ (unter), u/ar (über) der Dativ gesetzt wird, wenn das Sein, Bleiben, Verweilen bei einer Person oder Sache, an einem Orte bezeichnet wird, der Accusativ aber, wenn von der Bewegung nach einer Richtung hin gesprochen wird. Ebenso verhält es sich mit der Präposition in, die außerdem noch den Genitiv zu sich nimmt in der Bedeutung „wegen" als Übersetzung von diu c. Gen. oder Acc, iitl c. Dat. Vjisq c. Gen., Heq( C. Gen., %uqiv C. Gen. Hiebei ist zu bemerken, daß in nach qiman stets den Dativ bei sich hat, mit Ausnahme von Marc. 1, 14; Joh. 6, 14. 22; 11, 27. Noch sei erwähnt, daß die Verba des Legens, Setzens, Stellens mit dem Gebrauch des Dativs und Accusativs bei den beide Casus zulassenden Präpositionen schwanken, jedoch seltener den Dativ zu sich nehmen (vgl. S. 809 f.), daß bei briggan hingegen die hinzutretende Präposition meist den Dativ verlangt (S. 811).

Eine Bemerkung sei mir noch gestattet über die Präposition du. Sowohl Grimm (S. 769) als auch v. d. Gabelentz und Lobe (Vol. II, pars I, 46) schreiben dieser Präposition die Fälligkeit zu, sowohl den Dativ als auch den Accusativ zu regieren. Es finden sich unzählige Stellen mit dem Dativ, jedoch nur zwei mit dem Accusativ, Col. 4, 10 du panei nemup anabusnins und v. 13 bi izvis jah du pans. Schon Maßmann vermuthet an der ersteren Stelle 5t statt du und setzt es sogar in den Text, an der zweiten setzt er du als verdächtig in Parenthese. Uppström nun hat bei seiner Vergleichung der mailänder Handschriften gefunden, daß Col. 4, 10 geschrieben ist bi panei und

*) alja ist ursprünglich Adverbium und, wo es als solches steht, folgt ihm der durch den Zusammenhang bedingte Casus.

v. 13 bi pans; diese Lesarten, die weit besser dem griechischen Xsqi ov und vnig vfitöv xal rtäv iv Aaodixsia xtk. entsprechen, da du sonst nirgends für neoC und vneg c. Gen. gefunden wird, widerlegen die Meinung von der accusativischen Rection der Präposition du. — Über die zweifelhafte Stelle Joh. 16, 32 bemerkt Grimm (S. 769): „Früher bekannt war schon ei dutahjada hvarjizuh du seina, Iva axoQme&rjte SXU0TOS eis Idia, in welcher Stelle ich einen Gen. Plur. doch nicht aus der Ellipse von gardim erklären mag; warum sollte das gothische du nicht auch in der Bedeutung von tlg den Accusativ regieren können?" In den Stellen aus dem Colosserbriefe steht allerdings im Griechischen Xeqi und Vicsq c. Gen.; es ist diese Johannissteile die einzige, in welcher du als Übersetzung von eig vorkommt. Im Wörterbuch von v. d. Gabelentz und Lobe ist hierüber bemerkt (Vol. II, pars I, 46): „Die Stelle Joh. 16, 32 kann nicht als Accusativ erklärt werden, weil weder du in den Evangelien je mit dem Accusativ vorkommt, noch überhaupt mit diesem Casus „zuu bedeutet. In der Anmerkung zu dieser Stelle ist seina als Genitiv genommen und elliptisch erklärt worden, vielleicht ist es in seinamma oder mit Zahn in seinaim zu ändern." Aber wir brauchen gar keine Conjecturen zu machen, sondern nur verwandte Stellen zu vergleichen, um uns von der Richtigkeit der Annahme einer Ellipse zu überzeugen. In der Anmerkung zu dieser Stelle wird verwiesen auf folgende ähnliche Stellen: Luc. 7, 32 vopjandarn seina 7nisso joh qipandam, itQog<pavov<Si.v äXAijkoig xal kiyovaiv Xtl, Wo seina wohl zweifellos als Genitiv anzusehen ist, da der Gothe, hätte er den Accusativ anwenden wollen, wohl sicher sik misso gesetzt haben würde; ferner Luc. 8, 49 gaggip sums manne fram pis fauramapleis synagogeis, fQierai zig nagä zov a.Q%iOvvuydyov, wo der Genitiv pis fauramapleis nur durch eine Ellipse von mannam erklärt werden kann, wenn man nicht eine gedankenlose wörtliche Übersetzung des griechischen Textes annehmen wollte, die aber bei Ulfilas zu den Unmöglichkeiten gehört. Noch eine andere hieher gehörige Stelle ist Luc. 19, 7 patei du fravaurhlins maus galaip in gurd ussaljan, ort naget äuaotalä avÖQi tigijAds xarukvoai, eine Stelle, die offenbar als verderbt angesehen werden muß. „Mira dicendi,u heißt es in der Anmerkung z. d. St. bei v. d Gabelentz und Lobe, „ratio, cum „duu praepositio posita sit cum genitivo, cum quo casu conjungi non solet. Locum esse corruptum, et „duu indicat et otiosum illud „in gard". Zahnius aut „du" deleri, aut ommisso „in gard" legi maluit „du fravaurhtin mann." Si de glossa in textum illata, cujus rei erempla non pauca inveniuntur, cogitari licet, glossator quidam „in gard" ad explicandam construetionem „du fravaurhtis mans" nobis videtur addidisse; ea autem ellipsis et Graeco sermoni familiarü est nee abhorret a Gothico. Sin omnia, quae leguntur, sincera sunt, certo ordo verborum mutandus est hunc in modum: „fravaurhtis mans galaip in gard du assaljan." Cum Zahnio, qui „du" at „aalaip" trahi posse arbitratur, veremur, ut intelligentes consentiant." Am Besten wird man dem von v. d. Gabelentz und Lobe Vorgeschlagenen folgen, indem man garda suppliert, wovon der Genitiv fravaurhtis mans abhängt und in gard als aus einer Glosse herübergenommen streicht, wie auch Maßmann diese beiden Worte in Parenthese setzt. Grimm selbst führt IV, 261 einige Stellen an, die ohne Annahme einer Ellipse durchaus unerklärlich sind: Luc. 6, 17 Ms allamma Judaias, wo landa, und Job. 11, 1 af Bethanias, wo baurg zu ergänzen ist. Skeir. IV, b alamanne hält Grimm eine Ellipse {kuni) für schwierig; doch ist die Annahme einer solchen gar nicht nöthig, ja unmöglich, da der Codex argenteus die bessere Lesart all manne bietet. — Zum Schluß will ich einen noch weniger zutreffenden Grund, den Grimm für die Construction der Präposition du mit dem Accusativ vorbringt, besprechen. „In dem gothischen du frijon", sagt er S. 770, „du sitan und überall so kann du nichts Anderes als die wirkliche Präposition, der Infinitiv aber nichts Anderes als ein im Neutrum unveränderliches aecusatives Substantiv sein. Aus diesem du frijon, das genau dem romanischen ad amare entspricht, fließt also ein wichtiger, unverwerflicher Grund für die früher vorwaltende Construction des du mit dem Accusativ." Warum aber soll der Infinitiv nur ein aecusatives Substantiv sein? Ein Grund dafür wird nicht angegeben, sondern einfach gesagt: „es kann nichts Anderes sein." Wir finden aber nun im Althochdeutschen den Infinitiv flectiert, mit Genitiv- und Dativformen (z. B., um nur einige wenige anzuführen, Exhortatio ad plebem christianam, bei Wackernagel, kleines altdeutsches Lesebuch, S. 14, Z. 13; S. 15, Z. 4; Notker Ps. 28; oft bei Tatian); warum sollte da nicht der gothisch flexionslose Infinitiv als ein Dativ oder Genitiv aufzufassen sein, wo das Satzgefüge einen solchen verlangt? Da er unflectierbar ist, so ist ja der Casus gar nicht zu erkennen und wird derjenige anzunehmen sein, den die Construction des Satzes gerade erfordert. — Da nun alle die Stellen, welche es als nicht unmöglich erscheinen ließen, daß du auch den Accusativ regieren könne, bei genauerer Betrachtung ergaben, daß die Annahme aecusativischer Construction auf falschen Lesarten oder unrichtiger Voraussetzung beruhte, so haben wir die Präposition du unbedenklich denjenigen zuzuzählen, welche ausnahmslos den Dativ regieren.

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Was den Gebrauch von Präpositionen neben Verben anlangt,

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das ist zum Theil schon oben besprochen worden bei Behandlung der Verba, welche den Dativ regieren; im Übrigen muß ich auf das verweisen, was Grimm darüber, S. 804–869, sagt. Ich würde nur auszugsweise das wiedergeben können, was er in trefflichster Weise ausgeführt hat. Nur eine Erscheinung hat er nicht behandelt, welche ich hier in Kürze besprechen will. Es sind dies die Verben, welche mit Präpositionen, die den Dativ regieren, zusammengesetzt sind. Bei vielen von ihnen zeigt sich nämlich, daß sie den Dativ bei sich haben, der aber nicht von dem der Zusammensetzung zu Grunde liegenden Verbum, sondern von der zur Bildung des Compositums angewandten Präposition abhängt. So finden wir z. B. afargaggan in der Bedeutung äxoMovôstv mit dem Dativ Matth. 8, 23 afariddjedun imma siponjos, in der Bedeutung öuoxsuv Phil. 3, 14 afargagga afar sigislauna bizos iupa laponais gups in Aristau Jesu, wo die Präposition afar wiederholt ist; afarlaistjan mit dem Dativ Luc. 7, 9; I. Tim. 5, 10; ufarskadtjan (értoxtagstv) mit dem Dativ Marc. 9, 7 und Luc. 1, 35, hingegen Luc. 9, 34 mit dem Accusativ varb milhma jahufarskadvida ins. – andqipan, ärotagoso Rat, entsagen, findet sich mit dem Dativ Luc. 9, 61 und in der Bedeutung ovvrvyyavstv, mit Jemand reden, Luc. 8, 19; so auch afghan, äroráooso Rat, Luc. 14, 33; diese beiden gehören aber wohl kaum hieher, da der Dativ eben so gut auch von qiban, das mit and und af zusammengesetzt ist, abhängen kann. – Ferner treffen wir ufarmunnon, éru/avôävsoðat, tagaßov/svsoðat (vergessen), mit dem Dativ Phil. 2, 20; 3, 14; afstandan in der Bedeutung darstrsiv (abfallen) II. Cor. 4, 2, ak afstobun baim analaugnjam aiviskjis, oder äporaodat (id.) I. Tim. 4, 1 afstandand sumai galaubeinai; doch finden wir es auch mit Wiederholung von af II. Cor. 12, 8 ei afstobei af mis; II. Tim. 2, 9 afstandai af unselein, und einmal mit der Präposition fairra, Luc. 4, 13 afstob fairra imma, „er stand von ihm ab, verließ ihn.“ – Hieher ist wohl auch die Construction von anahaitan, tagaxaAsiv, anrufen, zu rechnen, die sich nur Skeir. VIII, b findet, andhofun auk jainaim anahaitandam im, während sonst immer der Accusativ von ihm abhängt, Röm. 10, 13; II. Cor. 1, 23; II. Tim. 2, 22. Ebenso darf man wohl auch den Dativ nach andhaitan, öuooysiv, éZouooysioBau, bekennen, hieher zählen, Matth. 7, 23; 10, 32; Marc. 1, 5; Röm. 15, 1 l; I. Tim. 6, 12 und in der Bedeutung „danken,“ ävôouoãoysGöat, ëšouoMoystoðat, Luc. 2, 28 und 10, 31; den Accusativ nach andhaitan treffen wir Joh. 9, 22; Röm. 9, 10; 14, 11; Skeir. V, a. Es scheint gerechtfertigt, diese Dative von den zur Composition gebrauchten Präpositionen ana und and abhängig zu denken, da das Verbum simplex haiian, sowie gahaitan, athaitan den Accusativ regieren. — Besonders häufig aber ist der Dativ nach Verben, die mit der Präposition mip zusammengesetzt sind, z. B. mipskalkinon Phil. 2, 22; mipqiman Joh. 6, 22; mipinngaleipan Joh. 18, 15; mipanakumbjan Matth. 9, 10; Marc. 2, 25; Luc. 14, 10; mipushramjan, Ovvozuvqovv, Matth. 27, 44; Marc. 15, 42; Gal. 2, 20 u. s. w. Auch das substantivisch gebrauchte mipfrahun])ans, 6vvai%{uikenos, finden wir mit dem Dativ verbunden, Col. 4, 10 und Philem. 23, sa mipfrahunpans mis, 6 owaixfiäkcorös (iov. Weitere Beispiele finden sich bei v. d. Gabelentz und Lobe II, 2, 223 ff.

Cap. IL
Der ablativische Dativ.

Wir kommen nun zum Dativ in seiner Function als Stellvertreter des Ablativs. Schon oben habe ich es ausgesprochen, daß der Ablativ eigentlich der Casus des Woher? ist und daß aus dieser ursprünglichen, localen Bedeutung die causale der Relation hervorgieng; der Ablativ ist derjenige Casus, welcher bezeichnet, daß Etwas hinsichtlich einer Person oder Sache, in Bezug auf sie geschieht. Seine Form hat sich im Gothischen ebensowenig wie in irgend einer andern germanischen Sprache erbalten, seine Functionen sind andern Casus übertragen worden, und zwar dem Genitiv (z. B. sik skaman c. Gen., sich einer Sache, d. h. rücksichtlich einer Sache schämen) und dem Dativ; oft auch wird er mit Hilfe von Präpositionen umschrieben. Wir haben hier nur die Fälle zu betrachten, in denen der Dativ ablativische Bedeutung hat, und die andern Ausdrucksweisen nur insofern zu berücksichtigen, als sie bei einigen Wendungen gleichberechtigt neben der dativischen auftreten.

Ich wage es nicht, die Frage zu entscheiden, ob bei den Verben des Herrschens, reikinon, piudanon u. s. w., der von diesen abhängige Dativ ein wirklicher Dativ oder nicht vielmehr als ein Ablativ anzusehen sei (rücksichtlich eines Volkes, eines Landes Herrscher, König sein).

Ganz zweifellos ist der Dativ anzunehmen bei faginon, xalgsaftai, L Cor. 13, 6; Luc. 10, 20, woneben sich aber auch noch folgende ümschreibungeu finden: mit in c. Gen. Joh. 11, 15; I. Cor. 16, 17; mit in c. Dat. Luc. 1, 14; Phil. 1, 18; Col. 1, 24; I. Thess. 3, 9; mit ana c. Dat. Luc. 15, 5; H. Cor. 7, 13; mit fram c. Dat. II. Cor. 2, 3. Nicht hieher gehörig \stfaginop infraujin, Phil. 3, 1; 4, 4. 10; I. Thess.

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