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ALTHOCHDEUTSCHE GLOSSARE UND GLOSSEN.

VON

ADOLF HOLTZMANN.

I. Glossar Ed und Ee.

Der oben (8, 395) beschriebene Reicbenauer Codex 99 enthält auf Blatt 56 bis 104, also auf den nämlichen Blättern, aufweichen Glossar Rh geschrieben ist, auf dem hintern, leergebliebenen Raum die beiden Glossare Rd und Re. Beide sind zwar von Grafi für den Sprachschatz benutzt, aber noch nirgends gedruckt. Sie gehören zu den wichtigsten Quellen unseres Wörterbuchs und sind sehr reich an seltenen Wörtern. Geschrieben sind sie noch im achten Jahrhundert, und die alte Schrift, besonders die Verbindung des a mit folgendem n. A, l u. s. w. hat häufige Lesefehler veranlasst. Ich gebe sie hier nach meinen, vor mehr als zwanzig Jahren genommenen Abschriften und in zweifelhaften Fällen nach neuer Einsicht des Codex. Weggelassen habe ich nur diejenigen nicht zahlreichen Glossen, die weder ein deutsches Wort, noch sonst etwas Merkenswerthes enthalten. Das kurze Glossar Re habe ich nach den Buchstaben mit Rd verbunden, so daß also nach dem A aus Rd gleich A aus Re folgt u. s. w. Es ist dadurch die Vergleichung mit den Glossen Jim. h erleichtert. Ich bemerke noch, daß der Schreiber von Rd die Absicht hatte, das Glossar zu vermehren; wie daraus hervorgeht, daß er nach dem A anderthalb Seiten, nach B eine, nach C sogar sieben Seiten freigelassen hat. Es ist daher wahrscheinlich, daß das Glossar keine Abschrift ist, sondern die erste Schrift desjenigen, der die Glossen eines älteren biblischen Glossars nach den Buchstaben zu ordnen suchte. Als alphabetisches Glossar ist es die Urschrift, aber die einzelnen Glossen sind doch abgeschrieben aus einem älteren Werke.

Wir besitzen eine zweite Handschrift desselben Glossars in Jun. h. gedruckt in Suhm, symbolse ad Literaturam teutonicam, Havnia: 1787, S. 193—233. Der fehlerhafte Abdruck kann aus Boxhorn, historia universalis, Lugduni 1652, wo S. 452 und folg. zuerst das Glossai Jun. A, aber alphabetisch geordnet, dann das Glossar B, aber nur bis zur Glosse cum parturiret, Jun. 198, abgedruckt ist, berichtigt werden. Doch ist der Codex, der aus Murbach im Sundgau stammt, noch vorhanden in der Bodleiana in Oxford, als codex Jon. 25. siehe Wanlei cat. libr. vet. septentr. p. 322 Vergleichen wir den Murbacher Codex nach dem Abdruck bei Suhm mit dem Reichenaner, so zeigt sich deutlich, daß der erste unmittelbare Abschrift des zweiten ist. Wie in unserem Druck hat der Schreiber von Jun. b nach jedem Buchstaben von Rd denselben Buchstaben aus Re eingetragen; damit sind zuweilen noch einige Wörter aus einem dritten Glossar verbunden. Im Buchstaben C ist es auffallend, daß alle Glossen von cicatrix (64") bis zu Ende und ebenso Re in Jun. b fehlen, an deren Stelle einige im Reichenauer Codex fehlende Wörter stehen circumquoque bis coniceri; vielleicht fällt diese große Lücke dem Abdruck zur Last und nicht der Handschrift. Ebenso mag es von dem Herausgeber herrühren, daß die Glossen bei Junius zuweilen anders geordnet sind als in Rd und Re. Im Buchstaben E nach Egregius, und im F nach Fictor stehen in Jun. einige Glossen, die in Rd nicht zu lesen sind. Öfters aber ist es nur scheinbar, daß Jun. reicher ist, z. B. im A nach Aduena hat Jun. Antrum spelunca hol; diese Glosse fehlt in meinem Abdruck, aber nur aus dem Grunde, weil sie in der Handschrift ohne das deutsche Wort hol steht. Öfter scheint zwar Jun. besser, als Reich.; aber das beweist noch nicht, daß Jun. nicht aus Reich, abgeschrieben ist; der Abschreiber konnte einen Schreibfehler verbessern. Aber gerade diese Besserungen, z. B. bei impingebant, wo man die Note sehe, zeigen deutlich, daß Jun. Abschrift aus Reich, ist.

Auch das Glossar Jun. A ist aus Reichenauer verlorenen Handschriften abgeschrieben. Zur Berichtigung des Drucks dient Boxhorn der dieselben Glossen, unter dem Namen Glossarium Caroli Magni, in alphabetische Ordnung gebracht, drucken ließ, und zwar wenn schon ohne Kenntniss der Sprache, doch unmittelbar nach dem Codex und nicht ohne Sorgfalt; ferner können verglichen werden die Anführungen die Junius selbst von diesen Glossen in seinem Glossarium Gothicum (Dordrecht 1665) und in seinen Noten zu Williram (Amsterdam 1655) gemacht hat. Ferner ist für den Theil des Glossars, der zu Juvencus gehört, der Abdruck zu benützen bei Pitra, Spicilegium Solesmense I (Paris 1852), S. 259, wiederholt durch Bartsch, Germ. 7, 239. Da jedoch der Codex selbst noch vorhanden ist, so darf man wohl, in der Hoffnung, daß uns die sämmtlichen deutschen Stücke desselben in zuverlässigen Abdrücken mitgetheilt werden, von der mühsamen und dennoch unvollkommenen Herstellung des Textes von Jun. A vorerst Umgang nehmen. Es ist nun aber ein Theil dieses Glossars, nämlich der Anfang bis zu den Wörtern aus Juvencus auf S. 179, und noch einmal ein Stück auf S. 190 nach dem Glossar Rz, und zwar nach der Reichenauer Handschrift 99 gemacht. Es würde zu umständlich sein, dies durch Vergleichung der Texte nachzuweisen; es genüge die Versicherung, daß Jun. Л in diesen Stücken ganz genau dem Text der Reich. Handschr. 99 folgt, so daß es nicht zweifelhaft sein kann, daß der Verfasser des Glossars Jun. Л in diesen biblischen Stücken nichts anderes that, als die Glossen aus Rz, der bezeichneten Reichenauer Handschrift, abschreiben und mit deutschen Übersetzungen begleiten. Wenn auf diese Weise sicher gestellt ist, daß die Murbacher Handschrift, in der die Glossen des Jun. erhalten sind, tur Jun. A aus Reichenauer Handschriften geflossen ist, so wird dasselbe Verbältniss für Jun. В um so glaublicher. Insofern das Glossar Jun. В nur Abschrift von Rd und Re ist, kann es keinen selbständigen Werth haben, und ich habe Wörter, die sich nirgends als in Rd oder Re finden, mit 'einzig' bezeichnet, wenn schon sie in der Abschrift Jun. В ebenfalls stehen; insofern aber der Abschreiber zuweilen ein lateinisches Wort seiner Vorlage übersetzte und an einigen Stellen Glossen eines dritten Glossars eintrug, hat seine Abschrift zugleich den Werth einer Quellenschrift.

Das Glossar Rd gehört zur Bibel; ich habe wenigstens kein Wort darin bemerkt, das nicht in der Bibel vorkäme oder in den Vorreden des Hieronymus. Dagegen das kurze Glossar Re gehört zu einem nichtbiblischen Buch.

Es kann gefragt werden, ob nicht das biblische Glossar, das in Rd zuerst alphabetisch geordnet wurde, in seiner ursprünglichen Ordnung noch vorhanden ist. Die Handschrift selbst, aus welcher der Verfasser von Rd schöpft, ist nicht nachzuweisen; dagegen scheint das biblische Glossar, das aus einem leider jetzt verlorenen Augsburger Codex Plac. Braun in seiner Notitia historico-literaria u. s. w. Vol. II, Augustas Vindel. 1792 beschrieb und theilweise drucken ließ, im Ganzen dasselbe Werk gewesen zu sein, obgleich beide Glossare keineswegs dieselben Wörter enthalten. Die Vergleichung wird erschwert durch den Mangel an Ordnung in Rd, wo öfters sogar Wörter nach den vorhergehenden Präpositionen geordnet werden, z. B. titulus unter in, weil es in der Verbindung in titulum vorkommt, und durch den sehr fehlerhaften Druck bei Braun, wo z. B. gumas schanan steht statt gawafisanem, Dirsgucfili statt driseuofili u. s. w. Ich gebe eine kurze Stelle mit dem Nachweis der Wörter in Rd; es ist der Schluß der Genesis, bei Braun 117, 6.

Rd 31, 27 Prosequerer Kilecti. 89 Prosequere pileitti. Fulua Eluuuaz. 76 Fuluum eluuuaz. Furua Prunat. 30,37 Populeas Salahino 89 Populeas albarino. Albarino.

30, 42 Serotinus dies Paia iton. 95 Serotina spattiu. 31, l Facultate, Possibilitate

Eichti. 30, 42 Admissura Gimisgida. 31, 35 Delusa Sobitrogen. 70' Delusa pitrogan. 32, 20 Placabo Gihuldo. 89 Placabo kihuldu. 32, 25 Emarcuit Ardorreta. 73 Emarcuit erdorreta. 34, 3 Plandicus Flehon. 60" Blandiciis flehom. 34, 3 Delinuitt Slitha. 34, 18 Oblatio Vrspotin. 88 Oblatio urbot. 34, 19 Inclitus Frambari. 79" Inclitus frambarer.

34, 19. u. 22 Differtur Giborot. 7 l Distulit kioborota.
37, 10 (increpavit). Increbuit Er- 79 Increbuit erbalc sich.
balc sich.

Die Vergleichung zeigt nicht nur die Verwandtschaft beider Glossare, sondern lässt auch die Fehler bei Braun verbessern, wie kilecti für bleit; wunderlich ist Pia iton, was doch nichts anderes sein kann als spattiu.

Es lässt sich sehr wahrscheinlich machen, daß die Vorlage von Rd nicht sehr verschieden war von A (dem Augsburger Codex), z. B. in diesem 117" steht penuria zadal, das nächste Wort mit p ist l 18“ eculium suntscas, und dann perstrepebat prassata; wirklich folgen in Ral ebenso aufeinander 90 penuria zadal, peculum suntarscaz, perstrepebat durhprastota. Für die nahe Verwandtschaft beweist ferner der Umstand, daß einige Wörter nur aus Rd und A belegt sind; so oblatio urbot, inclitus frambarer, adultis cauuahsamem, strues, felah u. a. Besonders hervorzuheben ist pitaciis tuachum ursiskim; bei Braun 120 / itacus, IIuafftastin Uuruisg; offenbar dieselben Wörter.

Manche Wörter in A stehen in Jod, sind aber von mir nicht aufgenommen, weil sie nichts Deutsches enthalten; z. B. Braun 121“ steht Bachati sunt Uuatinti uuaron. Die Glosse fehlt nicht in Rd, ist aber nicht aufgenommen, weil sie Fol. 61' also lautet: Baccati sunt discurrerunt irati sunt. Ebenso hat Braun 120“ Linguammaris Schahho; da

gegen in Rd 83 steht nur Longnam maris sonum maris. GERMANIA XI. 3

Man wird nach dieser Erörterung nicht bezweifeln können, daß eine Handschrift des Glossars A dem Glossar Rd zu Grunde liegt. Nach Braun soll die verlorene Augsburger Handschrift dem 10. Jahrhundert angehört haben, wahrscheinlich war sie älter; jedenfalls ist das Glossar selbst viel älter. Über den Verfasser erfahren wir durch Braun S. 2 nur Folgendes: Hinter den Glossen zu Ecclesiastes standen folgende Worte: Commendo tibi pater sententiola* a commentario hieronimi istas arcliidtutore. cum ingenti studore a me in vnam fiscellulam adunatas. et si aliquo modo tibi videor inaententus ut puto errare varus. veniam concedere mihi flngito et noit autor sed me biperitia> vnputemini. si sitque aliquid ad emendandum. cum pia deuotione hoc age. ut reor pande. multumqiie in domino. uale. Leider erfahren wir nicht, wer der Angeredete, noch wer der Redende ist.

Es ist aber sehr wahrscheinlich, daß noch andere und ebenso alte Handschriften desselben Glossars vorhanden sind. Die beiden St. Galler Codices 9 und 295, obwohl vielfach abweichend, enthalten doch dasselbe Werk; die deutschen Wörter derselben stehen bei Hattemer, I, 224—236, gedruckt und sind bei Graff eingetragen: aber ob sie über den Verfasser Auskunft geben und jene Dedication enthalten, erfahren wir nicht.

Dasselbe Wrerk ist in den jungem biblischen Glossenhandschriften, wie in der Stuttgarter, mit dem auf Rz beruhenden Glossar verschmolzen und mit neuen Glossen vermehrt. Die Untersuchung über die Herkunft und die Geschichte dieser wenig beachteten Anfänge der Lexicographie und Bibelerklärung in Deutschland ist nicht ohne Wichtigkeit, kann aber ohne Einsicht der zerstreuten Handschriften nicht angestellt werden, da die Herausgeber bis jetzt nur die deutschen Wörter ausgehoben, alles andere aber unbeachtet gelassen haben.

1.

Fol. 56'. Rd. Arripuit kichrifta.

INCIl'lT GLOSA. Advena qhuemaner.

Abrani pater excelsus höh Ad meditandum za lirnee.

fater. Adultis cauuahsanem.

Alienigena eliboro. 10 Adoptantes zuauunscante.

Armentum suueiga rindstal. Adjecit zuauuarf.

Anus altiu. Attigimus kirortomes.

5 Agna chilburra. Attrectaverit kifualazzit.

5 Graff 4, 392. 6 Gr. 4, 317 krifjan, mhd. kripfen ist zu scheiden von gvifan. 8 statt za liruenne, wie Jim. 193. 13 Gr. 3, 477.

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