صور الصفحة
PDF

310 w. CRECELIUS, zEUGNISS ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE.

Seite 2, Spalte c. 18. Obtestatione, eide.

5. Inflictus, anagitaner. 19. Amplitudini, stiuri.

Beatitudo vestra etc. 21. Aestimatione, vverde. 1 1. Vivaciter, rasco. 23. Praerogativa, suntrigi. 14. Pittacio, brief. 27. Patrimonii, eigines. 15. Sacramentum, eid. 31. Mansuro, festero. 16. Sublevetur, gistivrit vvirdit. 33. Tractationis, hantalungo. 17. Sapiendos, zipidephanne. 34. Liberalitatis, manaheitigi.

ZEUGNISS ZUR DEUTSCHEN HELDENSAGE.

Ein interessantes Zeugniss für die deutsche Heldensage findet sich in einer früher der Benedictiner-Abtei zu Deutz angehörigen IIandschrift, welche kürzlich in den Besitz Sr. k. Hoh. des Fürsten zu Hohenzollern-Sigmaringen gekommen ist und deren Hauptinhalt Herr Gch. Archivrath Lacomblet im Archiv f. d. Gesch. des Niederrheins V. S. 251 ff. bekannt gemacht hat. Es steht daselbst in einer von dem Küster (Aedituus) Theoderich herrührenden kurzen Weltchronik, die mit dem J. 1 159 endet. IIieraus, sowie aus anderen unzweideutigen Angaben, hat Lacomblet mit Recht die Jahre 1155–1 165 als die Zeit angenommen, innerhalb deren der genannte Theoderich die Handschrift anlegte. Die betreffende Stelle aus der Chronik, welche der Herausgeber a. a. O., S. 322 mittheilt, lautet folgendermaßen:

De IIunis. – Quorum rex Attila quem multo potentiorem prioribus regibus habebant. adunatis milibus quingentis italiam horribilis inuasit. Galliam atque Germaniam pari formidinis horrore concussit ettotius pene europe, urbibus euersis. regionibus adnichilatis quicquid attingere poterat. uelut ignis adurens. uel ut turbo dispergens absumebat. Qui inter cetera flagitia sua exercitum XI milium uirginum dum Coloniam obsideret cum omnibus qui cum ipsis erant extinxit. Hic est Attila rex hunorum et Emmericus atque Theodericus reges Gothorum. quorum actus uel preconia ueterum narrationibus tragicorumque decantationibus orbe toto declamantur.

ELBERFELD, 21. März 1866. W. CRECELIUS.

(S. 2, Spalte c.) 17. zipideppanne. – 27. eiganes. – 31. mansura. – 33, fehlt bei Pes. – 34. liberalitati.

HRAFNAGALDR 0DH1NS.

Odhins Rabenzauber, auf dessen Deutung schon viel Zeit und Scharfsinn verwendet worden ist, hat lange für das dunkelste Lied der älteren Edda gegolten, und ist in Bezug auf Alter und Sinn sehr verschieden beurtheilt worden. Dr. Scheving zu Bessastadr in Island (Dietrich in Haupts Zeitschrift VII, 314) nennt es ein Machwerk später Aftergelehrsamkeit. Sveinbiörn Egilsson findet es für sein altnordisches Lexikon keiner Beachtung werth; aber Uliland (Mythus von Thor 128), Simrock (Edda 3. Aufl. 409), Lüning (Edda 516) u. A. beurtheilen es günstiger und suchen mit vielem Erfolg seinen Sinn zu deuten, wenn sie auch die Abfassungszeit der Jüngern Sprache, der entlehnten und der hie und da geschraubten Bilder wegen, den übrigen Liedern der älteren Edda gegenüber, als eine spätere annehmen miißen; wiewohl, nach Uhland, dem Verfasser das innere Verständniss der alten mythischen Symbolik nicht abzusprechen wäre. Simrock betrachtet das Lied wohl mit Recht als ein Vorspiel der Vegtams-kwidha, auf welche der ganze Inhalt entschieden hinweist und von späterer Hand aufgepfropft sein dürfte; er findet dies auch bestätigt durch den Namen Forspiallsliodh, der ihm in einigen Handschriften gegeben wird (vgl. Simrock Edda, 3. Aufl. 412). „Der allgemeinste Sinn des Liedes, sagt Simrock (Edda 3. Aufl. 411), lässt sich dahin angeben, daß die Götter in dem Eintritt der Winterzeit ein Sinnbild des nahenden Weltuntergangs erblicken, da sie beim Abfallen des Laubes von trüben Ahnungen ergriffen werden-, ein Gefühl, dessen auch wir uns nicht erwehren." Hiemit kann ich mich zwar ganz einverstanden erklären, aber nicht mit den Auslegungen der einzelnen Strophen, welche zu dieser allgemeinen Auflassung nicht immer als die geeignetsten erscheinen. Andere Erklärer halten das Gedicht für ein Bruchstück, wie Uhland, Lüning u. A. und kommen von diesem Standpunkt aus, zwar zu sehr sinnreichen, aber für das Ganze zu weniger überzeugenden Deutungen.

Nach Simrocks Übersetzung lautet:

Str. 1. Allvater waltet, Alfen verstehen,

Wanen wissen, Nornen weisen,

Iwidie nährt, Menschen duldee, Thursen erwarten, Walküren trachten *). Allvater (Alföffr), der über Alles erhabene Erschaffer, der auch über Ragnarökr steht (Völuspa 63, Gylfaginning 3, Simrock Hdb. 2. A. 151), wird hier waltend, also das, was geschehen soll, geschehen machend, vorangestellt. Nach ihm kommen die verschiedenen Wesen des altnordischen Glaubens angeführt, wie sie sich beim Eintreten des zu erwartenden Ereignisses verhalten werden, nicht wie sie sich bei dem gewöhnlichen Gang der Dinge zu verhalten pflegen, denn schon das „ Thursen erwarten" bezeichnet etwas Zukünftiges. Es ist dies ein Ausspruch in prophetischer Form über Ereignisse gegeben, welche auch nicht jetzt beginnen, wie mehrfach angenommen wird, sondern dereinst kommen sollen. An diese künftigen Ereignisse zu erinnern gibt Veranlassung, was in den folgenden Strophen dieses Liedes und in der Vegtamskwidha erzählt wird.

Liining Edda 517 deutet elr ivid'/a Iwidie nährt, durch ividja Riesin, worunter die Alte im Eisenwalde (Vol. 32), eine von den idrnvidjur (Sn. Edda 8), zu verstehen wäre. „Sie nährt, d. h. sie zieht ihre Brut groß; die Ungethüme, welche den Weltuntergang bereiten werden, erstarken, weil unheilvolle Zeichen verkünden, daß die Zeit des Untergangs näher kommt". Diese Auslegung hat viel für sich und scheint auch das Richtige anzugeben, doch könnte nach dem Ausspruch der vierten, von der nach Str. 1 in die Vegtamskwidha eingeschaltenen Strophen, wenn diese, wie wahrscheinlich, auch nicht älter als Hrafnagaldr selbst sind, nämlich nach dem:

„Allvater (hier Odhin) achtete das ungenügend, Verschwunden schienen ihm die Schutzgeister all", auch an die Waldgeister oder die Waldweibchen gedacht werden, welche Grimm (DM. 451) von ividr Wald, das Völuspa 15 vorkommt, ableitet. Er sagt, die Waldweibehen erscheinen, wenn die Leute Brod backen und bitten, ihnen auch einen Laib zu backen. Das Brod erstatten sie hernach zurück oder sie bringen auch von ihrem eigenen Gebäck, das sie den Ackerleuten in die Furche oder auf den Pflug legen. Hienach könnte das Iwidie nährt nach dem Sinn des oben angeführten Ausspruchs auch auf eine Zeit der Noth, während des erwarteten dreijährigen Winters, hinweisen sollen, wo in dieser Beziehung

*) Thrä valkyrjur. Liining meint, thrä sei durch trotzen besser gegeben. Thrä, pl. thrar, Scbusucht, Kummer, ist vielleicht als Verbuin durch harren entsprechender ausgedrückt.

[ocr errors]

nur die Hilfe guter Geister zu hoffen wäre, denen man sieh vertrauend erwiesen hätte. Str. 2. Die Äsen ahnten übles Verhängniss,

Verwirrt von widriger Wesen Zeichen.

Urda sollte Odhrörir bewachen,

Wenn sie der Menge des Volks vermöchte zu wehren. Die Äsen ahnten übles Verhängniss durch die Erscheinungen, welche in der Folge näher angegeben werden, verwirrt namentlich durch das anscheinlich absichtliche Aufhören der gewohnten Thätigkeit widriger Wesen (der Zwerge), mit anderen Worten durch das Stocken der Naturkräfte. Als Wesen widrig auch den Äsen erkennen wir die Zwerge in den Alvismäl. Urda sollte Odhrörir bewachen, den Kessel, der den Meth der Dichtung und Weisheit enthält. Hier könnte Odhrörir auch den Urdahrunnen bedeuten, von dem die Verjüngung der ganzen Welt ausgeht (Lüning Edda 512). Übrigens kommen aus dem Urdahrunnen auch viel wissende Frauen (Völ. 19) und insofern passt die älteste Norne als Hüterin des Kessels Odhrörir, wiewohl nach Str. 11 hier unter Urda die Idun zu verstehen ist. Die vierte Zeile der zweiten Strophe, wo die Menge des Volks als der gefährliche Feind Odhrörirs angegeben ist, führt auf den Gedanken, daß hier unter Iduns Hut mit Urdas Namen die Verjüngungskräfte des geistigen und physischen Lebens gemeint sind; denn wenn auf einer Seite Urdasbrunnen nahe liegt, weist Odhrörir oder der Behälter des Mcths der Dichtung und Weisheit auf den Mythus hin, nach welchem die Vanen, die sonst auch als Volk bezeichnet werden. rdas man Vanen nennt", Ansprüche auf den Inhalt Odhrörirs haben (Sn. Edda Bragarödur 57), und wahrscheinlich unter dem Volk gemeint sind.

Str. 3. Auf hub sich Hugin den Himmel zu suchen, Unheil fürchteten die Äsen, verweil er. Thrains Ausspruch ist schwerer Traum, Dunkler Traum ist Dains Ausspruch, Von dieser Strophe leitet Unland (Tb. 127) den Namen des Liedes Rabenzanber ab. „Raben ließ man, vor dem Gebrauche des Magnets, vom Schiffe auffliegen, um die Nähe des Landes zu erforschen. Sagenhaft werden auch sonst Raben auf Botschaft ausgeschickt. Rabenzauber hieß nun wohl die Beschwörungsformel, wodurch diese Vögel zu solchem Dienst geweiht wurden, und dann auch die Rabensendung überhaupt, womit sich der Name des Liedes erklärt." Er setzt dabei einen dem Lied fehlenden Theil voraus, der das Ergebniss des Rabenflugs und die endliche Erlösung Iduns darstellen soll, da der Name Rabenznuber durch den sonstigen Inhalt des Liedes nicht gerechtfertigt wäre. Simrock meint, der Rabe sei zurückgekehrt und babe eben von den Zwergen den Ausspruch erfahren, der schweren und dunkeln Träumen verglichen wird, und erkennt in der Vegtamskwidha, wie oben erwähnt, richtig den zweiten und wichtigeren Theil des Liedes. Wenn aber, wie Simrock annimmt, die zweite Hälfte der Strophe 3 gleich das Ergebniss der Aussendung des Raben ausdrücken würde, so wäre der Ausspruch „Unheil fürchteten die Äsen verweil er" zum mindesten überflüssig; denn offenbar liegt es nach dem Sinn des ganzen Liedes in der Absicht des Dichters, auf eine herannahende Gefahr nicht nur vorzubereiten , sondern die Äsen sogar in Angst versetzt darzustellen, wobei dem dunkeln Schicksal, wie auch aus den spätem Strophen hervorgeht, eine Hauptrolle zugetheilt ist. Ilugin kann deswegen hier nicht zurückkommen; erst in der Vegtamskwidha erscheint er, unterrichtet von der Bedeutung der Zeichen, als Odhins Gedanke, dessen Verkörperung der Rabe, wie allgemein angenommen wird, ausdruckt. Die Äsen sollen-durch das Verweilen Unheil fürchten und, wie genagt, eingeschüchtert erscheinen; auch würde wohl dieses Ausbleiben als ein Zeichen des bevorstehenden Weltuntergangs verstanden worden sein (vgl. Gylfaginning 38). Den Himmel suchen ist ohne Zweifel gleichbedeutend mit überall, in allen vier Ecken der Welt nachforschen *), Odhin sendet seine Raben Morgens aus, alle Welten zu umfliegen (Gylfaginning 38). Zu der zweiten Hälfte der 3. Strophe, nämlich zu:

„Thrains Ausspruch ist schwerer Traum,

Dunkler Traum ist Dains Ausspruch", gehört von der ersten Zeile der 4. Strophe das;

„Den Zweigen schwindet die Stärke", indem dies in Verbindung mit dem Rest der 4. Strophe, ferner mit Str. 5, 6, 7 und 8 die Bedeutung der eben angeführten zweiten Hälfte der 3. Strophe näher bezeichnet. Alle diese Strophen geben den Sinn des nahenden und endlich des angekommenen Winters. Die Zwerge sind die Werkzeuge der Naturkräfte (Uliland, Thor 125). Ihr Wirken oder gewisse Erscheinungen der schaffenden Natur galten als Kundgebungen, als Aussprüche der Zwerge, also auch von Thrain und Dain. Das Schwinden ihrer Kraft oder Thätigkeit deutet demnach, wie die weiter angeführten Erscheinungen, auf den herannahenden Winter, und

*) Der Himmel ist aus dem Hirnschsidel Ymirs gemacht mit rier Ecken, unter jeder Ecke oder Hörn sitzt ein Zwerg, die heilien: Austri, Westri, Nordri, Sudri ((Jylfaginuing 9).

« السابقةمتابعة »