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dieser gibt den Äsen die Ahnung des endlichen Weltuntergangs; daher sind die Aussprüche der Zwerge im Spätjahr oder ihr vermindertes Wirken (wie) dunkle und schwere Träume.

Daß der Winter als Zeichen oder Vorgang des Weltendes aufgefasst wurde, beweist unter anderem auch die Äußerung „Weltwinter" (Fimbulwinter) in der 44. Strophe der Vafthrudhismäl. Str. 4. Den Zwergen schwindet die Stärke. Die Himmel

Neigen sich nieder zu Ginnungs Nähe (Ginnungs nidi).

Alswidr lässt sie oftmals sinken,

Oft die sinkenden hebt er aber empor. Unter Himmel ist hier der herbstliche Wolkenhimmel verstanden, welcher die Erde oftmals zu berühren scheint. Ginnungs nidi, Ginnungs Sohn oder Abkömmling; Ginnung, wohl auf Ginnungagap (Vol. 3) Abgrund, Chaos hinweisend, wäre mit nicti als Abkömmling des Chaos aufzufassen, wie die Erde gedacht werden konnte. Alswidr, das Sonnenross, lässt sie, die Wolken, oft sinken, oft hebt es (nämlich die Sonne) dieselben wieder empor.

Str. 5. Nirgend haftet Sonne noch Erde,

Es schwanken und stürzen die Ströme der Luft.

In Mimirs klarer Quelle versiegt

Die Weisheit der Männer. Wisst ihr was das bedeutet? Der wolkenbedeckte Himmel lässt die Sonne, der Schnee die Erde nicht schauen. Unter Stürmen stürzen Regen und Schnee aus der Luft. Kathlos sind die Götter bei diesem Zeichen, welche das Herannahen des Weltuntergangs bedeuten könnten.

Wenn die 5. Strophe wörtlich genommen oder mit unregelmäßigem Sonnenlauf, Erdbeben u. s. w. erklärt werden könnte, so wäre der Anfang vom Ende gekommen und die Frage: wisst ihr was das bedeutet, eine müßige Frage; denn was diese Erscheinungen bedeuten würden, wäre jedem klar. Das Entblättern der Bäume müßte nach dem Geschehenen so unwichtig werden, daß nicht weiter davon die Rede sein könnte. Aber eben weil erst Strophe 6 das Herabfallen Iduns von der Esche Yggdrasil erwähnt wird, kann in den vorangegangenen Strophen 3, 4 und 5 nur das Hereinbrechen des Herbstes und des Winters anzudeuten beabsichtigt sein (vgl. Str. 21 u. 22). Str. 6. Im Thale weilt die vorwissende Göttin

Herab von Yggdrasils Esche gesunken,

Alfengeschlechtern ldun genannt,

Die jüngste von Iwalts altern Kindern.

Str. 7. Schwer erträgt sie dies Niedersinken,
Unter des Laubbaums Stamm gebannt.
Nicht behagt es ihr bei Nörwis Tochter (der Nacht),
An heitere Wohnung gewöhnt so lange.

Liining S. 519 meint, nach diesem allgemeinen Vorzeichen des die Welt bedrohenden Unheils komme das Gedicht nun zu seinem eigentlichen Thema. Idun die verjüngende Göttin ist verloren gegangen und weil die Äsen untergehen mi'ißen, so muß auch Idun vorher untergehen, versinken und nicht wiederkommen (S. 526). Da nun in den übrigen Strophen weder von diesem Untergang, noch von einer Zurückkehr die Itede ist, so nimmt Liining und, wie wir oben gesehen, auch Uhland einen zweiten fehlenden Theil des Gedichtes an. Uhland (Thor 130) erinnert an die Ballade von Ilind Etin und Lüning findet in dieser eine Hinweisung auf einen Mythus, der mit dem Gedichte, nach seiner Auffassung, übereingestimmt haben könnte. Aber die Ballade Ilind Etin liegt dem Jotun (ags. Eoten) Thiassi, und Margret mit ihren Nüssen der Idun mit ihren Äpfeln und ihrer Heimfiihrung als Nuß in Sn. Edda (Bragaroedhur 56) so nahe, daß die von der Esche Yggdrasil herabgefallene Idun mit ihren Thränen kein weiteres Moment in der Ballade zu ergänzen hat; denn der Balladendichter mußte auch Idun bei dem Kiesen Thiassi trauernd und weinend denken.

„Hätten wir diesen Mythus in seiner ursprünglichen dichterischen Fassung, sagt Liining schließlich, dann hätte die Überschrift Forspiallsliodh einen ganz andern Sinn; dann enthielt das Gedicht ein Vorspiel zur Götterdämmerung''. Idun aber ist nicht verloren gegangen; ihr Herabfallen von der Esche Yggdrasil bedeutet die jährliche Entblätterung der Häume u. s. w., nicht die vor dem Weltuntergang, wie auch Uhland dieses Herabfallen auflagst und erklärt, indem er freilich ein, wie wir sehen werden, nicht nothwendiges Wiedererscheinen derselben in einem fehlenden Stück des Liedes voraussetzt.

Idun ist Göttin des frischen Sommersgrüns in Gras und Laub (Uhland 120), wie die Nanna, unter deren Namen sie Str. 8 erscheint, die Biüthengöttin ist. „Darin, sagt Uhland (Thor 125), daß sie von Yggdrasil herabsinkt, fallen Bild und Gegenstand fast gänzlich zusammen. Das Sommergrün erscheint hier als Laub der großen Esche, des Sinnbilds der lebendigen Natur; wann die Erde zu grünen aufhört, dann ist Yggdrasils Blätterfäll, dann sinkt Idun vom Laubbaum. In Thälern im tiefen Grunde, unter dem Stamm des Baumes festgehalten, weilt sie jetzt; die zuvor in Luft und Licht lebte, ist nun von Nacht umgeben, in schlummerähnliche Betäubung, in dumpfe Trauer versenkt. Str. 8. Die Sieggötter sehen die Sorge Nannas

Um die niedre Wohnung: sie geben ihr ein Wolfsfell. Damit bekleidet verkehrt sie den Sinn, Freut sich der Auskunft, erneut die Farbe. Das Wolfsfell, das der Idun von den Göttern gegeben wird, deutet Simroek (Edda 3. A. 415) auf den Reif und Schnee des Winters, von dem bedeckt, Stauden und Bäume von neuem zu blühen scheinen. Sie gefällt sich im trügerischen (laeviss) Kleid und in der neuen Farbe und freut sich in ihrem nothwendig veränderten, traurigen Zustand des erhaltenen Ersatzes.

Str. 9 sendet Odhin (Widrir) den Wächter der Brücke, den Giallarertöner, nämlich Ileimdall mit Loptr (Loki) und Bragi zu der herabgesunkenen Idun, um sie zu fragen, ob ihr Fall der Welt und den Göttern Unheil bedeute *). Str. 10. Weihlieder sangen, auf Wölfen ritten

Die Herrscher und Hüter der Himmels weit. Odhin spähte von Hlidskialfs Sitz Und wandte weit hinweg die Zeugen. Auf Wölfen wurden die Zauberer noch im 15. Jhd. reitend gedacht**). So scheint es auch bei den Äsen in Übereinstimmung mit dem Singen der Weih- oder Zauberlieder angenommen worden zu sein, um der Botschaft glücklichen Erfolg zu bewirken. Str. 11. Der Weise (Bragi) fragte die Wäehterin des Tranks, üb von den Äsen und ihren Geschicken Unten im Hause der Hei sie wüssten, Anfang und Dauer und endlichen Tod. Str. 12. Sie mochte nicht reden, nicht melden konnte sie's: Wie begierig sie fragten, sie gab keinen Laut. Zähren schössen aus den Spiegeln des Haupts, Mühsam verhehlt, und netzten die Hände.

In den folgenden Strophen 13, 14, 15, 16 und 17, welche, wie die vorstehenden vier, keiner weiteren Erläuterung bedürfen, erscheint die harmvolle Idun den Göttern wie schlafbetäubt; all ihr Fragen und Forschen ist vergebens. Heimdali, der Vormann der Botschaft, fährt dann mit Loki, dem Sobn dor Nal, zu Odhin beim. Beide von Forniots Freunden (Wind: Ubl. Tb. 32. Luft und Meer: Simr. Edda 416) getragen, und lassen Bragi (Odbins Skalde) bei der Schemen als Wächter zurück.

*) Über die Wahl der Boten siehe Uhland der Mythus von Thor 126.
**) Tlieatrum de venefkis. Ulr. Molitor Von Hexen vnd Vnholden S. 79, Frank-

furt 158Ü.

Unter Begrüßen und Glückwünschen setzen sich die Boten zum Mahl der Götter und speisen von Sährimnir (dem immer sich erneuernden Eber), wo die Walküre Skogul den Meth aus Mimirs Horn in die Schalen Hnikars (Odhins) schenkt. Str. 18. Mancherlei fragten über dein Mahle

Den Heimdall die Götter, die Göttinnen Loki,
Ob Spruch und Spähung gespendet die Jungfrau —
Bis Dunkel am Abend den Himmel deckte.
Str. 19. Übel, sagten sie, sei es ergangen,

Erfolglos die Werbung, und wenig erforscht.
Nur mit List gewinnen ließe der Rath sich,
Daß ihnen die Göttliche Auskunft gäbe.
„Nur mit List gewinnen ließe der Rath sich" u. s. w., wie dann auch
Odhin in der Vegtamskwidha, unter falschem Namen, zum Hause der
Hei reiten mußte, um durch Zauber die Wala zu der gewünschten
Auskunft zu zwingen.
Str. 20. Antwort gab Omi (Odhin), sie Alle hörten es:
„Die Nacht ist zu nützen zu neuem Entschluß.
Bis Morgen bedenke, wer es vermag
Glücklichen Rath den Göttern zu finden."
Str. 21. Über die Berge von Walis Mutter
Niedersank die Nahrung Fenrirs.
Vom Gastmahl schieden die Götter entlassend
Hroptr(Odhin)und Frigg, alsllrimfaxi (dasMondross) auffuhr.
Walis Mutter, über welche die Nahrung Fenrirs, nämlich, nach Vaf-
thrudhnisinill 46, die Sonne niedersank, ist Rinda die winterliche Erde.
Dies und der Inhalt der ersten Hälfte der Strophe 22, ferner die dritte
Zeile der Strophe 23 bestätigen weiter die Behauptung, daß in Strophe
3, 4, 5, 6, 7 und 8 nur der alljährig wiederkehrende Herbst und Winter
gemeint sein können; denn bei dem Gefühl des bevorstehenden Welt-
untergangs wären Kälte und Frost, welche die Asen zu erdulden hätten,
so nachträglich keiner Erwähnung werth.

Str. 22. Da hebt sich von Osten aus den Eliwagar
Text Str. 13. Des reifkalten Riesen dornige Ruthe,

Mit der er in Schlaf die Völker schlägt,
Die Midgard bewohnen, vor Mitternacht.

Von Osten aus den Eliwagar (Eisfluthen) hebt sich die dornige Ruthe des reifkalten Riesen. Die Ruthe ist ein Bild der Strahlen *), von welchen der Mond, wie die Sonne, umgeben angenommen und dargestellt wurde. Sie heißt dornig, weil das Moudlicht im Winter, oder der Winterfrost beim Mondschein, durch seine beißende Kälte, wie dornige Ruthe wirkend, gedacht werden konnte. Das Bild der Ruthe scheint aus den Fiölsvinnsmäl entlehnt zu sein, und ist etwas gezwungen. Was die Strahlen als Ruthe betrifft, so liegt deren Auffassung als solche, namentlich bei der Sonne, nicht ferne; denn nach Ad. Kuhn, die Ilerabkuni't des Feuers u. s w. S. 180, 201 u. 8. w., 213, 236 wurde der Zweig oder die Ruthe des Paläcabaums, der Mimosa catechu, der Eheresche und nach diesen die Dorn- und Hasel-Zauber- und Wünschelruthen von den Indern und Germanen als Verkörperung des himmlischen Feuers oder des Blitzes betrachtet. Man könnte bei der dornigen Ruthe, mit welcher der reifkalte Riese die Völker in Schlaf schlägt, auch an den Schlafdorn denken, mit welchem Odhin die Sigrdrifa (Brynhild) nach der Edda (Sigrdrifumal 4) sticht, oder die eben erwähnten, in der Sage oft vorkommenden Zauber- und Wiinschelruthen von Kreuzdorn u. s. w. in Betracht ziehen; aber die angeführte Strophe spricht nicht im Allgemeinen von schlafbewirkenden Ruthen, sondern von der dornigen Ruthe des reifkalten Riesen, die sich von Osten aus den Eliwagar erhebt. Sie ist also, ohne Zweifel, als winterliche Naturerscheinung aufzufassen. Der reifkalte Riese ist Nörwi, der Vater der Nacht, der damit — da die Ruthe zur Zeit des Schlafengehens erscheint — die Völker, welche Midgard bewohnen, nämlich die Menschen, in Schlaf schlägt, und zwar vor Mitternacht, weil zu dieser Stunde feindlichen Wesen Gewalt gegeben ist, die Menschen in gewissen Verhältnissen zu schädigen, wie wir dies noch in unziihlichen Sagen nachklingen hören.

Str. 23. Die Kräfte ermatten, ermüden die Arme,
Text Str. 14. Schwindelnd wankt der weiße Schwertgott.

Ohnmacht befällt sie in der eisigen Nachtluft,
Die Sinne schwanken der ganzen Versammlung.
Str. 24. Da trieb aus dem Thore wieder der Tag

Sein schön mit Gestein geschmücktes Ross;
Weit über Mannheim (Midgard) glänzte die Mähne:
Des Zwergs Uberlisterin (die Sonne: Alvism. 36) zog es

im Wagen.

*) s, Germania X. 442.

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