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wo man Nachmittags noch gewöhnlich die Fluren mit den Pferden zu umreiten und mit Salz und Wasser zu besprengen pflegt.

Dem am Stephanstage geweihten Brod und Salze wird eine besondere Kraft zugeschrieben; in Krankheitsfällen gibt man kleine Dosen davon dem Viehe ins Futter; durch den Genuß desselben bleibt es jahrüber gesund. Darum fehlt es auch in keinem ordentlichen Haushalte. Auch beim Schweineschlachten gibt man manchmal etwas von diesem Salze in den Kreuzschnitt.

Anmerkung 1. Zur Verbreitung der Sitte vgl. Panzer Beiträge zur deutschen Mythologie II, 233 u. 283. Wolfs Beiträge 125. Düringsföld Festkalender aus Böhmen 596.

Anmerkung 2. Zur Geschichte der Sitte. Mit dem Christenthum ist an die Stelle des germanischen Licht- und Friedensgottes Fro (Freyr), dem auch das Pferd geweiht war, an manchen Orten St. Stephanus getreten; vieles, was mit dem Cult des erstem in Verbindung stand, gieng daher großentheils auf letztern über, so besonders dessen Patronat über die Pferde. Vgl. Frz. Pichler, Über das Stephanreiteu, Grazer Zeitung 31. Februar 1861. Grimm, Deutsche Mythologie 1184. Simrock, Deutsche Mythologie, 2. Auflage 560. 571. Wolfs Beiträge I, 117, 125. H, 92. Quitzmann Die heidnische Religion der Bai waren S. 91.

2. Das Windfüttern.

(Mündliche Mittheilung aus dem Drau-, Gurken- und Lavantthale.) Wenn der Wind im Sturme durch Bäume und Dächer saust und den Rauchfang des Hauses zwingt, die Rauchwolke an sich zu halten, da pflegt die Hausmutter gerne, um die rasende Windsbraut zu versöhnen, derselben ein Opfer zu spenden. In Eierschalen oder in kleinen Schüsseln gibt sie Milch oder andere Speisen vor die Thüre oder stellt dieselben auf einen Balken, der eigens zu diesem Zwecke bei dem Erker des Daches hervorragt. Besonders beliebt ist dieser Brauch um die Zeit der heiligen Nächte vom Christabend bis zu Heiligendreikönig, während welchen Zeitraumes im Gebirge der Wind oft eine schreckliche Herrschaft übt.

Anmerkung 1. Über die Verbreitung dieser Sitte vgl. Leoprechting, Sagen aus dem Lechrain 101. Virgil Gr oh mann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen S. 3. Kuhn, Westphalische Gebräuche II, 93. Zingerle, Sitten, Bräuche und Meinungen aus Tirol 74. Paumgartner, Das Jahr und seine Tage, Kremsmünsterer Gymnasialprogramm 1860, 9. Becker, Otscher und sein Gebiet, I, 381.

Anmerkung 2. Der Cult des Windes ist uralt und nicht bloß germanisch Über die Vorstellung des Windes bei den Germanen vgl. Grimm, Deutsche Mythologie 515. Simrock, Deutsche Mythologie, 2. Auflage 508. Norwegische Märchen, übersetzt von Bresennann, I, S. 49. Frz. Pichler, Das Wetter, in deutscher, besonders steirischer Volksüberlieferung, Graz 1860, 15. Mannharts Germanische Mythen 754.

3. Das Klöckln und die Klöcklerabende.

(Vgl. Weinhold, Weihnachtsspiele S. 43. Lexer, kärntisches Wörterbuch S. 161. Carinthia, Jahrgang 1853 Nr. 81 u. 82. Jahrgang 1861 S. 26—27.)

An bestimmten Abenden der heiligen Adventzeit — meist Dienstags, Donnerstags und Freitags — ziehen im Dran- und Mollthale junge Bursche von Haus zu Haus und verlangen, an die Hausthüren klopfend, Einlaß. In der Vorlaube beginnen sie nun, während die Hausleute in der Stube versammelt sind, ihren Gesang. Hell klingt aus dem sie begleitenden Chore eine jugendliche Stimme vor; sie singt:

Heint is d'r heilige klöcklcräb'nd,

den gott d'r hear erschäßu hat.

Mier wünsch'n den bauer an güldenen hof,

zwä rücklate ochs'n, zwa zikate schaf; ')

mier wünsch'n d'r bäurin an güldenen hert,

äfl't däz *) sie kann koch'n, was ir herz'l begert:

mier wünsch'n d'r tochtar a" güldenes radl,

äfft däz sie kann spinnan a'gär a'feins fadl; *)

mier wünsch'n d'r dirn a" güldene stieg'n,

und äff iedem stapfl a* kint in d'r wieg'n;

mier wünschen den knecht a~ güldene zang'n *),

äfft daz er si kunat den himm'l d'rgläng'n;

mier wünsch'n den kindern an güldenen tisch,

äff äll'n vier eck'n an" gebratenen fisch.

Mier hearn schon die Schlüssel klingen,

passt's auf!5) die frau muoter wirt uns was aussar bringen. Allein ihre Ahnung hat sie betrogen; noch rührt sich die Hausmutter nicht, um sie ablohnen zu kommen. Man erwidert vielmehr von innen:

Meine liab'n klöckler! mächt's enk nix draus,

foarts hin ze des nachbers haus;

da göb'n's enk de löne heraus;

foarts übern perg auf und nidar,

foart's hin ze d'r mollprugg'n,

stoass't se oacher in den sänt,

schaugg't's wia se aufar in enk zänt. Der Spott findet in dem redegewandten Munde des Klöcklers schnell seine Entgegnung; er zahlt mit barer Münze heim und so entspinnt sich ein langer Dialog improvisierter Keime, in denen sich beide Par

■) Lexer hat die Variante zwä tpieglaU pfert. ') In Lexer's Fassung erscheint statt äfft daz, = damit daz. 3) Lexer schreibt ihr feinatle» pfadl. *) In Lexer's Leseart lautet es u güldene hak'n damit . . . himm'l einhak'n. *) Lexer hat ja! ja! statt pattt't auf.

teien in Witz und Spott zu überbieten streben. Die nnzählichen kleinen Skandalgeschichten und Lächerlichkeiten des unmittelbaren Lebens der Gegenwart, alte Erinnerungen liefern eine nie versiegbare Quelle des Stoffs zu diesen gereimten Sticheleien. Die Natur der Improvisation, welche den Gedanken des Moments zu ergreifen und auszubeuten nöthigt, duldet es nicht, daß diese Verse, welche man im Möllthale Lisnerreime nennt, lange im Curs bleiben und auf diese Weise typisch und traditionell werden. Sie kommen und gehen wie Eintagsfliegen und werden stets von neu nachwachsenden verdrängt.

Hat dieser poetische Wettkampf eine Weile gewährt, so erhebt sich endlich die Bäuerin und begibt sich nach dem Gadeu, der Speisekammer, um den Klöcklern in Eßwaaren eine geringe Belohnung zu bringen. Befriedigt von dem Erfolge, ziehen diese wieder weiter, ihr Glück bei einem andern Hause zu versuchen.

Anmerkung 1. Die Herrschaft dieses Brauches erstreckt sich über einen weiten ausgedehnten Bezirk. Vgl. Weinhold, Weihnachtsspiele 43 Schneller, Wörterbuch II, 361. Meier, Sagen aus Schwaben 457—461. Woeste, Volk.-überlieferungen 24. Kuhn, Westphälische Sagen II, 119. A. Paumgartner, Dus Jahr und seine Tage in Meinung und Brauch der Heimat, Krcmsmünsterer Gymnasialprogramm 1860, S. 18.

Anmerkung 2. In der Gestalt, in welcher der Brauch in Kärnten auftritt, dürfte derselbe nun kaum mehr als eine Posse sein, bestimmt, den Burschen Gelegenheit für Zusammenkünfte und Neckereien mit den Dirnen zu bieten. Allein die unzählichen Variationen und Abarten, welche derselbe in den verschiedenen deutschen Gegenden aufweist, und in denen sich alte ursprüngliche Formen erhalten haben, lassen uns denselben als Abschwächung einer uralt heidnischen Feier erscheinen, die sich an eine bestimmte Erscheinung des Naturlebens anlehnend nach und nach von ihrer primitiven Tendenz entfernte und in eine Feier des Neujahrstages oder des Winterfestabschlusses übergieng. Vgl. Oskar Schade, Klopfan, Beitrag zur Geschichte der Neujahrsfeier in Weimarschen Jahrbüchern II, 75 ff. Simrok, Deutsche Mythologie, 2. Auflage 558. 561. 563.

GERNDE LEUTE IN SCHWEDEN.

In Afzelius' Swenska Folkets Sagohäfder Bd. IV 8. 135 f. (2. Aufl. Stockholm 1851) findet sich eine Stelle, welche sich auf die Schauspiele, die bei Gelegenheit der im Jahre 1307 gefeierten Vermählung des schwedischen Königs Birger mit der dänischen Prinzessin Martha statt fanden, bezieht und folgendermaßen lautet:

rWie die Schauspiele jener Zeit beschaffen waren, lässt sich nicht leicht sagen; jedoch melden die Chroniken, daß Personen, die man gärande nannte, derartige Spiele aufführten. In Gothland wird allgemein 78 FELIX LIEBRECHT, GERNDE LEUTE IN SCHWEDFN.

gära statt göra gesagt und die Redensart gära sek sjuk bedeutet „sich krank stellen". Garande waren diejenigen jungen Leute oder selbst Ritter, -welche verkleidet vor die Zuschauer traten, um die in den Sagen und alten Volksliedern erwähnten Begebenheiten zu spielen. So wurde Helge's und Swawa's, Sigurds und Brynhilds Liebesgeschichte gesangweise und mit lebendigen Geberden vorgestellt, wie auch noch heutzutage hie und da auf dem flachen Lande Gesellschaftspiele mit Gesang und Tanz aufgeführt werden. Aus jener Zeit stammt ferner die Sitte, daß man auf dem Lande den zweiten Tag der Hochzeit mit einer Art Schauspiel vermummter garande beginnt, welche mit verstellten und bemalten Gesichtern und in umgedrehten Kleidern zur Belustigung der Zuschauer allerlei Possen treiben. Oft auch wird zu diesem Zweck ein großer Ochs herausgeputzt, im Sommer mit Blumenkränzen, im Winter mit bunten Bändern und Papier um die Hörner; auf demselben sitzt ein garande in lächerlicher Tracht mit einem alten rostigen Säbel oder dergleichen in den Händen. So wird der Ochse mit seinem Reiter in dem Dorfe umhergeführt, begleitet von einem Haufen verkleideter Knaben und Mädchen, die sammt und sonders nach Kräften ihr loses Spiel treiben; vor ihnen ziehen einige noch burlesker vermummte Musikanten einher, und unter diesen sind mehrere, die mit Ofenklappen und Bratpfannen den Takt schlagen und so einen entsetzlichen Lärm machen. Auf diese Weise gelangt die ganze Gesellschaft in die Hochzeitstube, wo der reitende Held zuvörderst meldet, wen er vorstellt und dann sein Spiel weiter fortführt."

So weit Afzelius. Das von ihm Mitgetheilte ist nicht ohne Interesse, besonders deswegen, weil man daraus ersieht, daß es auch jetzt noch in Schweden gernde gibt, wenn auch etwas verschiedener Art. Daß die Bezeichnung garande von dem mhd. Ausdrack herkommt, der dort also in dieser speciellen Bedeutung sehr früh eingedrungen ist und sich in Gebrauch erhalten hat, während er bei uns nicht mehr der lebenden Sprache angehört, ist gar nicht zu bezweifeln, und man muß sich nur wundern, daß Afzelius dies nicht erkannt hat, sondern das betreffende Wort (garande), wie wir gesehen, von göra (machen, thun und provinciell göra sig, sich stellen) herleiten will, und doch ist es in der Bedeutung begern auch schwedisch, freilich jetzt nur noch in der abgeleiteten Form begära, gerade wie im Deutschen.

LÜTTICTT. FELIX LIEBRECHT.

BRUCHSTÜCKE.

I. Aus der Chronik des Eike von Repgow.

Ein Pergamentblatt, gr. Fol., in Spalten zu 32 Zeilen, mit zahlreichen größern und kleinern Bildern auf Goldgrund. Die Schrift ist eine feste Minuskel und gehört noch ins 13. Jahrhundert. Der Text stimmt mit der Bremer Handschrift, welche Maßmann seiner Ausgabe (Stuttgart 1857 = Bibliothek des lit. Vereins XLII) zum Grunde gelegt hat und der sie auch sonst, durch Alter und Ausstattung, nahe tritt, fast buchstäblich überein, so genau jedesfalls, daß, wenn nicht die eine unmittelbar aus der andern geflossen, doch beide Abschriften einer und derselben Handschrift sind. Und zwar gleichzeitige, in derselben Gegend gefertigte, denn unter den verschiedenen Federproben von Händen des 16. 17. Jhds., die auf den Rändern des als Umschlag verwendeten Blattes geschrieben sind, lese ich: „Bremen-Adwin Administrator zu Verder" und „Administrator des Stifftes Verden in Hertzo. zu Braunswieg".

Das Blatt, einst zu D. K. F. W. Hasselbachs Bibliothek gehörig, wurde erst in diesen Tagen durch J. A. Stargardt in Berlin (s.Nr. LXXI. Bibliotheca theologica S. 42, Nr. 1290) zum Kauf ausgeboten und ist nun in meinem Besitz.

WIEN, December 1865. FRANZ PFEIFFER.

(s. Maßmanns Ausgabe S. 53- 58.)

a ioden to babilonie warede seuentich iar. Do de koning fedechiaf gevangen waf. uil ierl'm tovort was. man let de armen iode imme lande, dat fe den akker buweden. uil deme koninge uan babilonie tins dar af gauen. Do fcop man to houetmanne godolyam. den (loch en uorfte dot. des koningef van babilonie. dat urochten de armen ioden alfo fere. dat fe ulogen in egiptü. uii togen mit in iheremiä den propheten. unde baruch finen iungeren. weder er beider willen. Dar na uor de koning nabugodonofor in egiptü uil beduanc dat lant. uO veng de ioden alle, de eme vntulogen waren, un uorde fe to babilonie. duf belef dat lant to ierl'm gare wofte. Do he to huf quam, he makede en grote hogtit. to der let he de ioden halen. un den

b koning Tedechiä alfo blint. un at mit en urolike ') | uil dranc. Binnen des let he bringen enen rore dranc dem koninge fedechiafe. de rordene alfo fere. dat he vor aldeme volke fic unreine makede.

') Bild, das Gastmal darstellend.

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