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willenlosen Maschinen gebildet werden, und die Naturphilosophie ist eine Vernunftschwårmerei, nach welcher Tugend und Laster, Religiosität und Atheismus, Grund und Ungrund Eins sind. Mir ist dies schon ein Wink, daß in folchen Månnern, Schriften, Anstalten irgend etwas Anziehendes und Abstoßendes für manche Subjecte liegen müsse. Etwas Gemeines, Autågliches kann es nicht seyn. Das liebt und haßt man nicht; man übersieht es oder verachtet es. Beides, das Abstoßende wie das Anziehende kann indeß in dem Menschen, in der Schrift, dem System, der Anstalt selbst, liegen; daß bei Einer Partei Menschen das Anziehende so stark anzieht, daß das Abstoßende nicht bemerkt wird, also nicht abstoßen kann, oder daß man es duldet, wie man gewisse Sdwadhheiten an großen, ehrwürdigen Menschen duldet, und bei einer andern das Abstoßende so hervorspringt, daß das Unziehende in Schatten gestellt, sohin übersehen wird. Es kann indeß auch fern, daß es in der Organisation der Beobachtenden, Lesenden, Prüfenden liegt, wenn sie das Anziehende, Treffliche in manden Menschen, Schriften, Systemen, Kirchen nicht schätzen, wohl gar für Thorheit, Schwärmerei, oder gar für gefährlich halten, weil sie, im eigentlichsten Ver: stande, keinen Sinn für solche Sachen oder Wahrheiten haben. Man kann nåmlich ein großer Gelehrter, Sprach- und Alterthumsgelehrter seyn, ohne darum ein philosophisches System übersehen und beurtheilen zu können. Man kann noch eher ein tiefer, scharfsinniger Philosoph seyn, ohne darum Shakspeares Philosophie zu verstehen, oder an Ossians Natur- und Heldengemålden Geschmack zu finden. Der größte Mathematiker mag vielleicht Gluk’ $ Iphigenie oder Henders Messias nicht hören. Sind nun folche einseitig organisirte oder gebildete Menschen bescheiden; kennen sie sich genug, um zu wissen, wofür sie Sinn haben, und wofür ihnen der Sinn fehlt; so sagen sie offen: inir ist diese oder jene Unsicht, diese oder jene. Schrift nichts; Musik, Malerei, Poesie ist meine Sache nicht, und Niemand hat etwas dagegen einzuwenden. Aber wenn sie wähnen, sie verstån-, den den hohen Geist, oder das zart und tief Gemúthliche einer Schrift, weil sie den Buchstaben derselben vielleicht besser als hundert Undere verstehen; wenn sie über dies tief Gemüthliche, als über Schwärmerei oder Unsinn absprechen, weil sie keinen Sinn dafür haben; wenn sie innere und aus dem Innersten gegebene Erfahrungen leugnen, weil sie von diesen Erfahrungen nichts wissen; so sind sie nicht weiser, als jener Laubgeborne, der nicht begreifen konnte, daß vibrirte Saiten gewisse Zone von sich gåben,

und dem Tonkünstler sagte: Faites moi vos sons visible, ou je doute à leur existence. So gut Mangel des Gesichts bei dem zartesten Tonsinn bestehen kann, so gut man blind und ein Dúlon reyn kann; so gut kann Gelehrsamkeit, philosophischer Scharfsinn bei Stumpfheit des Gefühls bestehen; aber Důlon müßte sich nicht anmaßen, eine Madonna von Rafael zu beurtheilen. Und eben so wenig sollten bloße Sprach- und Buchstaben - Gelehrte über Leußerungen des tiefsten Ges můthe urtheilen oder sie gar verurtheilen, weil ihnen der Sinn dafür fehlt. Dies gilt von keinen Leußerungen mehr, als von so vielen Heußerungen der Bibel. Sie ist nicht für den Sprachforscher, den Philosophen, sondern für das Tiefste, Heiligste unseres Gemüths, für das Innerste, wo Denk- und Gefühlvermogen noch Eins ist, für den religiösen Sinn. Der Spracha gelehrte kann uns den buchståblichen Sinn mana cher Stelle verståndlich machen; der Philosoph kann eine Theodicee aus den Leußerungen der Bibel construiren, wenn er noch kindlich genug ist, das Gegebene wieder zu geben, also nicht Men: fchen und Gott - reßen will. Aber ohne religiösen Sinn wird er nie verstehen, was dem religiosen Sinn allein gegeben ist. Eine Zeitlang konnt ich nicht begreifen, wie manche tiefgelehrte Exegeten

manche tiefe, heilige Stellen der Bibel so verdrehen, verwåssern, zu einer Autagsphrase herabdeuteln konnten, um nur irgend einen Sinn darin zu finden. Ich begriff's aber, so bald ich sie gesehen, persönlich kennen gelernt hatte. Trodene, eiskalte, zerstudirte Gesichter, grobsinnliche, mit Fleisch überwachsene Physiognomieen oder vielinehr Unphysiognomieen, von Stolz und Eitelkeit auf geblasene Figuren, ohne Theilnahme, ohne eine Spur von feinem Sinn! – Freilich diesen Gesichtern hätt' ich auch nichts aus dem Innersten meines Wesens geben können, weil ich voraus ges wußt håtte, daß sie es nicht verstanden. So konnte sie auch Paulus und Johannes nicht an: sprechen. Sie hätten dem Taubgebornen oder Taubgewordenen Musik machen, dem Blinden einen Sonnenaufgang zeigen wollen. Ich verstand nun, wie weit die Eregese dieser Männer reichen konnte, daß es ihnen wie Luthern ging, wenn er all die reinen und unreinen Thiere jener Gegend vorführen, oder uns den Puktisch einer israelitischen Kokette commentiren wollte. Er verstand selbst nichts von jenem Puz. Wie oft fåūt mir bei manchen unserer gelehrten Gregeten das Wort Scaligers ein: non omnibus datum est, habere nasum!

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Ich hab' Ihre Frage vorausgesehen, verehrter. Mann, Sie sprechen mir so viel von Mystik und Mystikern, ohne mir bestimmt zu sagen, was denn eigentlich Mystik sey, die man, wie Sie selbst am Ende Ihres lekten Briefs bemerken, so verschieden ansieht und so sehr ungleich würdigt. Was ist denn eigentlich Mystik? Ich frage nåmlich nicht, wie sie der blos trođene Denker, und wie sie der enthusiastische Kopf befchreibe, sondern wofür Sie sie halten.

Vor Allem erlauben Sie mir die Bemerkung, daß man gewisse Erscheinungen und Menschen am besten durch ihre Umgebungen und Leußerungen kennen lernt, daß man am besten darauf achtet, wann, wo, und auf welche art sie sich entwickeln, wie sie wirken, um zu erfahren, was

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