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wil Sie jekt erinnern an das, was die besonnen: sten Theologen von Mystik gesagt, wie sie diesen Seelenzustand beschrieben haben.

,,Was Clemens von Alerandrien (bekannter Kirchenlehrer am Ende des zweiten Jahrhunderts) I'voors (Erkenntniß) nannte, das war die mystische Theologie. Es existirten nắmlich unter den Chris ften im zweiten Jahrhundert zweierlei Ursachen zu der Disciplina arcani, (geheime Lehre); Einmal die damals ziemlich herrschende Lehre von dem Untergang des römischen Staates, von den Kriegen und der Besiegung des Unti - Christs, vom legten Gericht und dem tausendjáhrigen Reiche. Wären diese Lehren allgemein bekannt worden, so würden sie den Christen den allgemeinen Haß der machtigen Römer zugezogen haben. Eine andere Ursache, warum man aus manchen Lehren ein Geheimniß machte, war, um nicht durch geheimnißvolle, der menschlichen Vernunft unbegreifliche Lehren die vom Christenthume abzuschrecken, die man noch nid)t dahin führen wollte, (oder konnte. Sehr Recht! Denn Jesus macht es auch so! Ich hått Euch noch viel zu sagen; aber Ihr konnt’s noch nicht tragen.) Die mystische Theologie war ein Theil der geheimen Lehren, (disciplina arcani,) ihr größter und edelster Theil, der auf das Leben, die Sitten, auf innere Reinigung

der Seele und Erhebung über alles Sinnliche an: gewendet werden kann, wird die mystische Theolo: gie genannt. Ihre Lehren von Gott, der Welt, der Seele pflegten die wahren, deutschen Mystia ker nur ausgewählten Zuhörern vorzutragen. Den Namen Mystiker und mystische Theologie hat man lange nach dem Anfange des Christenthums gehört. (Die Namen blos; die Sache begann mit dem Christenthume zugleich, und noch viel früher.) Vor Christus bei den Aegyptern, Essenern, Thes rapeuten, und auch bei andern Völkern wurde ges lehrt, daß die Seele aus Gott geboren sey, aber in den Körper eingeschlossen, wieder zu Gott, ihrem Vater, geführt werden müsse. Der Mensch müsse streben, daß die himmlische und der Vera nunft fåhige Seele sich über alles in die Sinne Fallende erhebe, daß fie durch Betrachtung aus dem Körper hervorgehe, und eingedenk ihres gått: lichen Ursprungs zurückkehre zu ihrem Vater. Dann verspreche sie aber der über das Eitle und Körperliche erhabenen Seele göttliches Licht und unglaubliche Wonne." So schreibt der besonnene Mos heim.

Und Reinhard, der Antipode von Alem, was nur an Schwärmerei grenzt, bekennt doch, die Mystiker haben nichts Underes gewollt, als reine Liebe zu Gott, bei der es auf keinen Genuß angesehen ist, die fich Gott ergibt, lediglich um sein selbst, um seiner höchsten Boukommenheit willen. Und kann man etwas Besseres wollen?

Solche Mystik und Mystiker hat es gegeben unter den mannigfaltigsten Namen und ohne Nas men, so lang es wahre Religiosität gab. Sie fand sich bei den Gnostikern, Pythagoråern, bei Plato und den Platonikern in jedem tief religiösen Ge: můthe, — mehr oder weniger vermischt mit Speculatismus, mit Theosophie, auch mit Schwår: merei, ohne daß sie auch alsdann ihren Werth ganz verloren håtte. Oder wollten wir die Gold

adern nicht achten, weil sie mit Blei oder mit noch · schlechteren Schlacken vermischt sind, oder das Sil

ber nicht, weil es hier und da mit Arsenik bricht? Besser doch eine edle Erzstufe mit Arsenik, als ein Sandstein, der weiter Nichts als Sand enthält. Nicht wahr?

Vierter Brie f.

2 n o enfelben.

Sie fragen mich, wann und wie doch Mystik, mystische Theologie entstanden seyn moge. Wer: thester Herr Pr.; die wahre Mystik ist nicht zu einer gewissen bestimmten Zeit durch besondere Anlåsse von Außen als Vorstellungsart wie eine Secte oder Confession entstanden. Sie hat sich aus dem Innersten des Menschen von selbst entwickelt. Mystische Theologie entstand, als die Menschen von Gott abgefallen waren und sich nach Wiederver: einigung mit ihm sehnten. Sie streckten sich aus nach Etwas, das sie nicht kannten, und das ihnen doch nöthig schien zu Vollendung ihres Wesens. Sobald sie nun in sich hineinblickten, sobald es sich in ihnen als ihre Bestimmung entwickelte, das Bedürfniß nach Gottesnähe, Gottåhnlichkeit, Zusammenfließen mit der Gottheit, das sich in ihrem Innern auf die mannigfaltigste Art aussprach, und sobald sie in sich fühlten, daß sie sich von der Gottheit entfernt haben, wenigstens ihr nicht so nahe seyen, als es das Heilige in ihnen wünschte: To mußten sie Mystiker werden, auch ohne das Wort zu kennen. Das heißt, fie mußten in sich einkehren, ihr Inneres beobachten, die Reste des Göttlichen in sich aufsuchen und jeden Gottesfunken anzufachen suchen. Dunkel anfangs, aber immer in= niger, lebendiger mußten sie fühlen, daß die Annáherung an die Gottheit nicht unmittelbar, sondern durch eine Zwischenstufe, einen Mittler gea (chehen, in ihrem Innern beginnen müsse. Manche Erfahrungen zeigten ihnen dann, daß sie durch bloße Anspannung, durch eigenwilliges Treiben nicht weiter kamen, daß nicht in Sturm und Donner, sondern nur in sanftem Såuseln die Gottheit erscheinen, daß sich der Mensch kindlich und willenlos Gott hingeben musse, nur durch stilles, ruhiges Gebet Ihm, ich möchte sagen, auf halbem Wege entgegen kommen dürfe, um nach dem heiligsten Bedürfniß seines Wesens der Gottheit immer nåber und endlich mit ihr vereinigt zu werden. Und wenn sich auch kein Wort dafür findet, und wenn es auch keins dafür gibt, fie fühlten, daß nur Liebe

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