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das Weib unter den Menschen ist, das ist das Menschengeschlecht in der Geisterwelt. Nun ist aber Glaube das einzige Medium, modurch geistige Mittheilung möglich wird, das Auge, wodurch man Licht sieht, das Ohr, wodurch man Tóne hört. Habe ein Wesen alle mögliche Kraft, alle mögliche Liebe, fer du ihm åußerlich noch so nahe, bedarfst du noch so viel. – Ohne Glauben kann das reiche Wesen Nichts geben, und das dürftige Nichts empfangen. Ohne Glauben ist also auch kein Dank und keine Liebe möglich. Aber durch Glauben, durch festes Zutrauen geht die Kraft des Starken in den Schwachen über. Seine Kraft wird unsere Kraft, seine Weisheit unsere Weisheit, fein Licht unser Licht. Je reicher und liebevoller das Wesen ist, an das wir glauben, und ie empfänglicher für Mittheilung wir sind, desto mehr empfangen wir. Das Gefühl unserer Dürftigkeit macht uns reich, das Gefühl unserer Schwåche macht uns stark. Wir sind fchwächer in dem Maße, als wir uns für stark halten, und ármer, je mehr wir auf unsern Reichthum rechnen. Durchgehen Sie einmal Ihre Geschäfte von Einem Jage, von Einem Morgen, und achten Sie darauf, wie oft Sie dabei auf andere rechnen, sich auf Andere verlassen müssen, und Sie werden finden,

wie Iacobi sagt, daß Sie ohne Glauben nicht vor die Thüre gehen, weder zu Tisch noch zu Bett kommen können.

Lassen Sie uns denn an einander glauben. Wer Menschen nicht glaubt, die er sieht, wie will der Gott glauben, den er nicht sieht?

In diesem Glauben leben Sie wohl.

#cht und zwanzig ft er Brief.

un denselben.

Sie wissen, verehrter Mann, daß jeder religiose Mensch in sein Inneres blickt, genau auf sein Ina neres achtet, sich wohl gewisse Zeiten bestimmt, um dies Innere zu prüfen, es mit seinen Handlungen zu vergleichen, und daraus für sich gewisse Resultate zu ziehen, die ihm heilsam find. Dies Blicken in sein Inneres hat einen doppelten Zweck. Einmal, um sich zu erinnern, wie er gehandelt hat, sich selbst eine Beichte abzulegen und auf die Triebfedern zu merken, die ihn zu gewissen Handlungen brachten. Diese heilsamen Uebungen haben alle christliche Kirchen in ihren Einrichtungen zu befördern gesucht. In der katholischen sollen wenigstens alle begangene Sünden' dem Beichtvater bekannt, dessen Rath gehört und befolgt, auch diese Befolgung vorausgesekt, um den Reuigen

nicht muthlos zu machenihm Vergebung seiner Sünde angekündigt, oder wie man es nennt, ihm die Abfolution ertheilt werden. So groß auch die Mißbräuche, die mit dieser Einrichtung bekanntlich getrieben wurden und manchmal noch jest getrieben werden; so großen Nußen könnte, besona ders die Privatbeichte, noch jest stiften und stiftet sie wirklich, wenn der beichthorende Priester ein religioser und weiser Mann ist. Bei den Protestanten ist alle Privatbeichte so gut wie abgeschafft; allein, wenn der Prediger das Zutrauen seiner Gemeindeglieder hat, so ist er ein freiges wählter Beichtvater; etwas an sich Besseres, wenn es nur allgemeiner wåre und in innigerer Verbindung mit dem Christlichreligiösen stånde. Ohne alle åußere Einrichtung hat dies Bliden in rein Inneres indeß bei Nichtreligiosen noch einen andern Zwed. Sie wollen nicht blos darauf achten, wie sie handelten gegen Gott, sondern auch wie Gott handelte gegen sie, wie er sie durch ihre Schicksale leitete und führte, zurichielt und antrieb, erinunterte und besdirmte. Sie woüen ver: stehen lernen, was er mit ihnen wolle, und glau: ben lernen, daß er ihr Bestes wolle, auch wo sie es nicht verstehen. Vielleicht erinnern Sie sich des treffenden Worts von Herder: „In der Natur und Bibel spricht Gott allgemein zu den Menschen. Aber in unseren Schicksalen nimmt er uns bei Seite und sagt uns, was kein Underer versteht, Keiner aber auch zu verstehen braucht.“ Das ist der feste Glaube, besonders der Mystiker. Schon in den Auszügen, die ich Ihnen aus einer Schrift der Guyon gegeben habe, werden Sie Spuren davon finden; in dem Briefwechsel zwischen ihr und Fenelon finden sich viele; auch in den bekann: ten Schriften von Tauler, Arndt und Underen. Vor einiger Zeit bin ich aber in der Büchersamm: lung eines Freundes auf einen mir bisher ganz unbekannten Mystiker gestoßen, der nach meiner Meinung viel Wahres und Gutes über die gött: liche Führung sagt. Er nennt sich Bertot und Directeur mystique, über welchen Titel ich Ihnen, keine weitere Aufklårung geben kann. Ich gebe Ihnen einige Auszüge aus seiner Schrift: ,,Welcher Gestalt die Seelen von Gott geführt werden, weil ich Ihnen wirklich nichts Besseres zu geben weiß.

Es gibt eine mittelbare und unmittelbare Füh: rung, (durch Menschen oder blos durch Schicksale, ohne das Mittel von Menschen). Alle Dinge find in der Hand Gottes ganz gleich, und wenn die Seelen nur ganz treu sind, um den ewigen Rath

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