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werden kann, oder was sie daraus herleiten wollen. Mit den Mystikern ist es anders.

Sie werden schwerlich irgend Eine bei ihren Ansichten zum Grunde liegende Wahrheit so allges mein ausgedrückt finden, wie ich sie Ihnen geben muß, wenn Sie zufrieden seyn sollen. Ihre Grunds fåße sind eigentlich Das nicht, was man gewöhns lich so nennt, nicht Wahrheiten oder Behauptungen, die man durchgedacht hat, und die man zu bea weisen sucht. Es sind eigentlich Grundanfchauungen, Grunderfahrungen, die keines Beweises fåhig sind, aber auch keines Beweises bedürfen. Sie wissen, es gibt manche Wahrheiten, und gerade die höchsten und tiefsten, deren Wahra heit man nur begreift, wenn man sie hat; von deren Möglichkeit man Nichts abnet, bis sie in uns find. Und auch dann kann man sie nur fů hlen, und vermag sie nicht zu fergliedern. Man muß sie sich ganz und im Ganzen zum Bewußtseyn bringen. So ist Glaube, Liebe, neue Geburt, wovon Jesus sagt: „Der Wind wehet und du håreft sein Sausen wohl, aber du weißt nicht, wo er entstand, und wie weit er geht. So ist jeder Mensch, der aus dem Geiste geboren wird.“ Wenn man sie in fich zur Anschauung bringt, oder wenu sie zum innerlichen Anschauen kommen, so hat man sie darum auch. Unschauen des Schönen, des

Wahren, des Göttlichen ist augenblickliche Besiks nahme dieser Güter. Diese Fåhigkeit des Ana schauens fekt so viel Lehnlichkeit mit diesen Eigen: schaften voraus, oder entwickelt diese Aehnlichkeit so sehr, daß wir Eigenthümer einer Tugend, Ur: heber einer Handlung, Erfinder einer Wahrheit, Inhaber einer Glückseligkeit werden, indem wir sie anschauen. - Ich sage: anschauen, nicht ein kala tes Erkennen. Darum sagt der tief - mystische Johannes: „Wenn Alles vollendet ist, dann wer: den wir Gott gleich seyn; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.“ *). Wenn auch die verkehrten Menschen manchmal eine hohe Begeisterung für das Vortreffliche anwandelt, so ist es eine unnatürliche, durch einen Schwung der Phantasie hervorgebrachte, die flüchtig dahin schwindet und das Herz den niedrigen Leidenschaften nur ermatteter überläßt. Von der Richtigkeit der mystischen Grundanschauuna gen muß man also ausgehen; sie muß man vora ausseßen, wenn man die Mystiker verstehen will, wie man ja auch, nach Jacobi, und sogar nach Hume, gewisse speculative Wahrheiten ohne Beweis vor: ausseben oder glauben muß, wenn die Philosoa phen uns Etwas geben sollen.

*) 1. Joh. 3, 2..

Eine andere Bemerkung, die ich Ihnen machen muß, ist: die alte Mystik und sogenannte Theosophie find durchaus verschieden, ob sie gleich håufig mitein: ander verwechselt werden. Zwar kann ein Theosoph zugleich Mystiker seyn; aber der Mystiker ist darum nicht Theosoph. Der bekannte Jacob Böhme war Theosoph, aber nicht Mystiker. Eben so Schweden: borg, St. Martin und Mehrere. Wenigstens sind es ihre Schriften nicht. Theosophen und Mystiker gehen auch als solche einen ganz verschiedenen Weg. Jene bliden nach außen hin ,. wirken nach außen. Ihre Anschauungen haben die Natur in ihren innerften Geheimnissen und den geheimen Sinn der Bia bel zum Gegenstand: Diese, die Mystiker, blicken nur in sich. Ihr innerer Mensch ist die Welt. von ihm aus blicken sie nach außen. Er ļðset ihnen manche Råthsel der Natur und der Bibel. Und so machen sie freilich auch manchmal eine Ana wendung von der Bibel, die besonders unseren flachen Eregeten ein Gräuel seyn muß. Manchmal wird auch ihre Erklärungsart gemißbraucht, wenn der historische Sinn bei Seite gesekt, und alles blos auf den Gang und Fortgang, auf die Umschwunge und Schicksale des innern Menschen bezogen wird.

Und nun hören Sie die Grundanschauungen, worauf sich in aller Mystik Alez bezieht.

1) Der göttliche Logos ift über alle Menschen ausgegossen. Quen ward etwas Göttliches eingehaucht. Sie tragen das Ebenbild Gottes. Ihr hoher Adel besteht in einer ganz besondern Sipfchaft mit Gott. Auf die verschiedenste Art drůden sich darüber Plato , Clemens von Alerandrien, Pythagoras, die ersten römischen und griechischen Schriftsteller, auch manche Cabbaliften, bis auf Nußbroch, Tauler, Arndt aus. Immer bleibt aber in den Vorstellungsarten die Hauptidee, daß in den Menschen etwas Göttliches gelegt sey. Ihre Vora stellungen unterscheiden sich aber sehr von einer gea wissen, in sich consequenten, aber darum nicht richa tigern Philosophie, nach welcher die Menschen ein Stůd der Gottheit seyn. „Wir haben zwar Ale," schreibt Rußbroch, „über unser erschaffenes Wesen auch ein ewiges Leben in Gott (darunter verstehen sie nicht einen 3 ust and, sondern eine Eigen: schaft), als in unserer lebhaften (belebenden) Ursache, der uns aus dem Nichts geschaffen hat. 2ber doch sind wir nicht Gott selbst, haben uns auch nicht selber gemacht, sind auch nicht natürlia cher Weise aus Gott ausgeflossen; sondern weil uns Gott von aller Ewigkeit her erkennt, und in sich selbst gewollt oder begehrt hat, so hat er uns erschaffen, nicht aus Natur- oder inniger Nothwendigkeit, sondern nach seinem freien Wohlgefallen."

Und Tauler beschreibt die Seele als ein Licht Got: tes, das nach dem Bilde des Worts (logos), als des ersten Meisters, geschaffen und mit Gottes Wesen und Siegel beståtigt ren, 'dessen Charakter das ewige Wort (Logos) ift.

2) Vereinigung mit Gott durch das Mittelme: Ten, den logos, muß also das höchste Streben des Menschen seyn; Dies ist durchaus nöthig. „Des Dienschen hohe Volfоmmenheit in diesem Leben," sagt der treffliche Bonaventura, vift, in Gott also bleiben, daß die ganze Seele mit allen ihren Kraften und Vermogen in Gott versammelt und Ein Geist mit ihm werde, also daß sie nichts denke, empfinde und verstehe als Gott, und alle Affecte, in der freudigen liebe gereinigt, in dem Genuß des Schöpfers füßiglich ruhen. Denn Gott ist die Form der Seele, welcher er eingedrückt werden muß, als ein Sieger dem Wachs." Man sieht, wie das tiefe Gemüth mit Bildern und Ausdrucken ringt, um auszusprechen das Unaussprechliche, wovon indeß Niemand eine Sylbe versteht, der nicht tief in sich empfunden hat, was Liebe ist. Wie unaussprechlich und unerklärlich indeß diese Vereinigung sey, davon zeugen die Alten, Theodorikus, Grea gorius von Nysia, Theophylaktus und Andere. Selbst Luther sagt: „Unsere Vereinigung mit Gott ist ein solch kundbar groß und entseßlich

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