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Petit valt noiz qui ne l'esquaille,
Li noeax gist dedenz l'eschaille.

GAUTIER DE COINSI.

Die auf den folgenden Blättern mitgetheilten und erläuterten

Lieder sind im Wesentlichen den in Adelbert Kellers Romvart enthaltenen Abdrücken altfranzösischer Lieder nach italienischen Handschriften entnommen. Anderweitig veröffentlichte Abdrücke eines Theiles derselben sind zur Vergleichung herbeigezogen worden.

Der Versuch einer kritischen Behandlung dieser Dichtungen kann sich nur durch sich selbst rechtfertigen. Die Schwierigkeiten derselben werden diejenigen zu würdigen wissen, welche erwägen, dafs es sich hier um eine Sprache handelt, die nie zu einer allgemein fixirten Schrift gelangt ist, in welcher Laut und Buchstabe.stets mit einander im Kampfe blieben, und die eben so wenig in der Beugung und Abwandlung ihrer Worte feste Grundsätze durchgeführt hat. Und ausser der individuellen Färbung nach Seiten der Orthographie und Flexion, welche jede altfranzösische Handschrift aufzuweisen hat, tragen diese litterarischen Denkmäler im Wesentlichen auch die Farbe der Provinz, in welcher sie nachgeschrieben wurden, ohne gerade diesen provinziellen Charakter durchzuführen. Nimmt man dazu die Unkunde oder Gedankenlosigkeit einzelner Abschreiber, so darf man sich nicht wundern, wenn hier zuweilen eine seltsame Mischung des kritisch zu läuternden Stoffes vorliegt, welche einer durchgreifenden Wiederherstellung spottet.

Dafs die Deutung dieser dichterischen Ueberbleibsel mit der kritischen Behandlung derselben eng zusammenhängt, liegt so sehr am Tage, dafs man sich mit Recht über die vielfachen, anderweitig schätzbaren Abdrücke von altfranzösischen Handschriften wundern mag, die an vielen Stellen jedes Verständnifs unmöglich erscheinen lassen, und gleichwohl mit einer Unbefangenheit veröffentlicht werden, welche das Verständniss von Seiten der Leser ohne Weiteres vorauszusetzen scheint. Auch fehlt es nicht an neufranzösischen Uebertragungen, welche mit offenkundiger Willkür den Worten bald diese, bald jene Bedeutung unterschieben, und selbst sinnlosen Wortkörpern ohne Bedenken Begriffe andeuteln.

Ich bin mit gewissenhafter Sorgfalt zu berichtigen wie zu deuten bestrebt gewesen. Wie nahe indessen der Irrthum der Wahrheit liegt, wissen die Werdenden besser, als die Fertigen; von jenen darf ich, wo ich irre, Nachsicht hoffen.

Die Interpunktion, welche lediglich den Zweck hat, durch Sonderung der Sätze und Satzglieder das Verständniss zu unterstützen, gehört dem Herausgeber an; eben so die Sonderung der vokalischen u und i von den konsonantischen v und j, mit Rücksicht auf spätere Orthographie, wenngleich hierin Einzelnes zweifelhaft erscheinen mag.

Zur Erläuterung, theilweise selbst zur Wortkritik, habe ich die altitalienischen, wie die provenzalischen und mittelhochdeutschen lyrischen Dichter herbeigezogen. Dals zwi schen allen diesen eine mehr als oberflächliche Verwandtschaft statt findet, kann in Frankreich, Italien und Deutschland nur von dem geläugnet werden, welcher mit befangenem Sinn die Ursprünglichkeit seiner heimathlichen Lyrik nun einmal nicht aufgeben will. Die mittelalterliche Kunstlyrik Europas, so

sehr sie auch in den verschiedenen Ländern durch örtliche Verhältnisse und die Natur der verschiedenen Sprachen ein eigenthümliches Gepräge erhält, hat gleichwohl wesentliche Züge gemein, welche nicht anders als durch Verkehr und Uebertragung gewonnen werden konnten. Ich habe mich be

müht solche Züge zu verfolgen. Die Geschichte der mittelalterlichen Lyrik, ihre Wanderung von Volk zu Volk und die damit zusammenhangende Rückwirkung von Volk auf Volk, die Darstellung des litterarischen Verkehrs der europäischen Nationen im Zeitalter der Kreuzzüge und der Entwickelung der lyrischen poetischen Elemente setzen noch eine Reihe von Forschungen voraus, welche ein künftiger Geschichtschreiber zusammenzufassen haben wird, um diese dunkele Stelle der Litteraturgeschichte zu erhellen. So viel ist gewifs, dafs Nordfrankreich, Deutschland und Italien in dieser Beziehung dem französichen Süden vielfach verpflichtet sind; eben so gewifs ist, dafs ihre lyrischen Erzeugnisse alle einander erläutern.

Auch über die Verfasser der Dichtungen habe ich Nachweisungen zu geben versucht. Es liegt in der Natur der Liederdichtung des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts, dafs die Verfasser der einzelnen Gedichte zweifelhaft werden konnten. Man findet sich in der That in nicht geringer Verlegenheit, wenn man bei den meisten dieser Dichter, deren Dichtungen einzeln verbreitet werden mochten, einen eigenthümlichen, den anderwertig schon bekannten Verfasser verrathenden Charakter sucht. Der Kreis von Ideen ist bei den Lyrikern jener Zeit im Allgemeinen wesentlich derselbe, die eine Gattung von Liedern scheidet sich wohl von der anderen, die dichterische Persönlichkeit aber tritt selten durch Eigenthümlichkeit, Neuheit und Ursprünglichkeit der Anschauungsweise und Auffassung hervor. Ja die Lieder gelten so sehr für Gemeingut, dafs sie in Abschriften verkürzt oder verlängert, und selbst im Inhalte, meist jedoch mit Schonung des Reimes, verändert werden. So mochte denn manches Lied bald diesem, bald jenem Dichter, oder auch wohl einem Neuerer beigelegt werden, während eine anderweite Ueberlieferung den ursprünglichen Verfasser nennt. Aehnliche Erscheinungen hat das liederreiche Nordfrankreich auch noch in späteren Jahrhunderten aufzuweisen.

Das Glossar mag geeignet sein, minder Geübten das Studium einer veralteten Sprache zu erleichtern, ohne deren gründlichere Erforschung die Kenntnifs des Neufranzösichen lückenhaft bleiben mufs. Unser Wörterverzeichnifs berücksichtigt die Abstammung der Worte und giebt zugleich die nächst verwandten Wortformen der westromanischen Idiome, so wie des Englischen. Die Lexikographie des Altfranzösischen steht noch in ihren Anfängen, und jeder nur einigermassen gelungene Beitrag dazu ist wenigstens keine vergebliche Arbeit.

Verbesserung.

p. 70. XLI. 18. lese man statt.mis. . . mise; K. hat mis.

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