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welches er schliesslich auch mit einem guten Register versah. Dieses Repertorium Fabricianum vom Jahre 1582 hat neben seinem geschäftlichen Werthe für die Archivbeamten auch noch einige Bedeutimg für die Landesgeschichte, da seitdem noch einzelne, aber glücklicher Weise nur wenige Urkunden, wie z. B. unsere Nr. 275, dem fürstlichen Archive entfremdet und bisher nicht wieder aufgefunden sind. Ob und wie weit das fürstliche Archiv durch die Wallensteinsche Occupation des Landes Einbussen erlitten hat, ist jetzt nicht nachzuweisen; jene obige Urkunde und andere, die wir jetzt vermissen, hat der Secretär Joh. Friedr. Chemnitz, welcher bis zum Jahre 1648 das herzogliche Archiv verwaltete, bei der Ausarbeitung seiner (1656 vollendeten) Meklenburgischen Chronik noch benutzt Dies ergibt sich aus seinen ausführlicheren Auszügen, während man in andern Fällen freilich oft wahrnimmt, dass Chemnitz, statt die Urkunde, welche er ausschreiben wollte, selbst aufzusuchen, sich mit der Einsicht des Repertorii Fabriciani begnügte, wie später F. A. Rudioff wiederum sein Citat „Brief!. Urkunde" meistens dem Werke von Chemnitz entlehnte.

Das älteste, in den Jahren 1480—1492, wie erwähnt ist, entworfene „Registrum certarum litterarum existencium in custodia cancellarie dominorum ducum Magnopolensium", oder „Registratura der vorsigelten brieffe In der Meckelnburgischen Cantzeley zu Sweryn vorwart", wie es auf dem Umschlage genannt ist, und das Repertorium Fabricianum geben uns genauen Aufschluss über den Umfang des herzoglichen Archivs, so weit dieses aus dem Mittelalter überkommen war. Den Hauptstamm bildeten, wie natürlich, die Urkunden des fürstlichen Hauses, die Verträge mit auswärtigen Fürsten und Städten, Hausverträge, Ehepacten, Testamente, kaiserliche Privilegien, Pfand- und Schuldbriefe u. s. w.; daneben aber befanden sich auch Urkunden anderer Rubriken, Lehnbriefe, Kirchenbriefe u. s. w. Leider wurden die Conceptbücher, Lehnrollen und Register aller Art aus älterer Zeit bei diesen Urkunden nicht aufbewahrt und sind uns daher zum grössten Schaden der Landesgeschichte verloren gegangen. Ueberhaupt mangelt es uns an Schriftstücken über die Landesverwaltung in alter Zeit ganz; das älteste Actenstück über die Verwaltung des fürstlichen Haushaltes besitzen wir in des Kanzlers Bertram Behr Berechnung der Einnahmen und Ausgaben des Herzogs Albrecht aus dem Jahre 1354, welche neuerdings aufgefunden ist

Aus dem oben erwähnten Registrum ersehen wir, dass man zur Zeit seiner Entstehung die Urkunden mit Ausnahme derer, welche auswärtige Beziehungen betreffen, noch nach den Landestheileu „Meklenborg", „Wenden" und „Stargarde" gesondert hielt. Die Briefe über die Grafschaft Schwerin bildeten keine Rubrik für sich, waren also längst dem herzoglich meklenburgischen Archive völlig einverleibt Es war in dem Kaufcontract über die Grafschaft, wie wir aus der Urkunde der Herzoge Albrecht und Heinrich, seines Sohnes, vom 7. December 1358 sehen, ausdrücklich ausbedungen, es sollten die Grafen Nicolaus und Otto von Teckelnburg „alle breue, de de suluen greuen vnd ere voruarnden gi ghehat hebben vnd hebben van der greueschap weghene to Zwerin", an die Herzoge ausliefern. Dass diese Bedingung erfüllt ist, beweisen die zahlreichen Staats- und Privaturkunden im Geheimen und HauptArchiv, welche sich nur in den Händen der Grafen von Schwerin befunden haben können.

Aus diesem ehemals gräflich schwerinschen Archive stammten ohne Zweifel auch manche Urkunden über den Besitz der Grafen von Danneberg diesseit der Elbe. Dagegen hatte das herzogliche Archiv schon am Ende des 15. Jahrhunderts so wenig als jetzt eine Urkunde aufzuweisen, welche von den Grafen von Ratzeburg oder für dieselben gegeben wäre. Wenn es auch nicht Wunder nehmen darf, dass Privaturkunden aus so alter Zeit nicht erhalten sind, so befremdet es doch, dass man so wenig unter den Originalen als in den Copialbüchern des Stiftes Ratzeburg auf eine Urkunde jener Grafen stösst Ob deren Hausarchiv aber bei dem Abzuge des Grafen Adolf von Dassel und der Auflösung der Grafschaft Ratzeburg zurückgeblieben und hier im Lande untergegangen ist, oder ob die Gräfin Adelheid es mit sich fortgeführt hat, ob es später vernichtet ist oder noch irgendwo verborgen sein mag, hat bisher nicht ermittelt werden können.

Die Urkunden, welche im ältesten Register unter der Rubrik „Wenden" aufgeführt werden, sind ziemlich zahlreich. Viele Verträge der Herren zu Werle, besonders mit Brandenburg, und zwar solche, welche die meklenburgische Linie zunächst nicht angingen, sind Beweise genug, dass auch die Hausurkunden der Werleschen Herren wenigstens grossentheüs an die Herzoge der Linie Meklenburg gefallen sind.

Leider kann man von dem Archiv des Stargardschen Fürstenhauses nicht dasselbe sagen. In dem erwähnten Registrum sind allerdings 30 — 40 Urkunden aufgeführt, welche auf dem Schlosse zu Schwerin „im langen schrine, dar steyt vp B Stargerde", aufbewahrt wurden; aber zum Theil sind dies Urkunden, welche am Ende des 15. Jahrhunderts noch einen praktischen Werth hatten, zum Theil solche, die auch die meklenburgische Linie angingen, und zum Theil sind es auch nur Copien, die noch jetzt im Geh. und Haupt-Archiv zu finden sind. Das Registrum und das Repertorium Fabricianum nöthigen zu der Ansicht, dass das Stargardsche Archiv, vielleicht einzelne Urkunden ausgenommen, nicht in das Haupt-Archiv zu Schwerin gekommen ist Bestätigt und erklärt wird dieser Schluss durch einen (schon in Jahrb. X, S. 196, mitgetheilten) Bericht, welchen der „broder Joachim Herdebergh, cartuser", an den Herzog Magnus, in dessen Auftrage er Geschäftsreisen ins Stargardsche machte, im Jahre 1497 „am Sondaghe na s. Ursulen daghe" abstattete:

„Tho Stargharde stunt eyne kiste vppe dem thorne m[yt] breuen, dar „lepen, loue ick, de müse vaste yn. Ick hadde vorsath to bosende breue „myd Jachim Bardenvlyth van ghehetes willen iwer gnaden vedder hertoghen „Vlrikes [f 1471, Jul. 13], men id bleff, loue ick, na; de sake is my nu „nicht wol in dem synne. Ick hebbe, loue, wol ghehoret, dat dar b[reue] „mede weren myt vorghuldeden seghelen. Do de breue stunden, loue [ick, „stunt an] eyner andern stede eyn part iffte to hope; ick loue

„tyden id doch nicht tho male tho seggende, de jamerliken vnde str[effliken],

„alse, ick loue, ghehoret hebbe, vornichtiget worden." Nach diesem Verluste ist es um so mehr zu beklagen, dass die Briefschaften des stargardschen Adels, welche zum Schutze vor Kriegsgefahren nach Neubrandenburg geschafft waren, bei dem grossen Brande in dieser Stadt am Trinitatis- Abend 1676 untergegangen sind.

So gross aber auch die Zahl der im 16. Jahrhundert vorhandenen Urkunden war, welche wir in dem Repertorium Fabricianum verzeichnet finden, über den gegenwärtigen Reichthum des Geheimen und Haupt-Archivs zu Schwerin gibt das Repertorium bei weitem keine vollständige Uebersicht Denn um das Jahr 1580 waren die Archive der aufgehobenen geistlichen Stiftungen aus der katholischen Zeit demselben noch gar nicht einverleibt, und die Stiftsarchive der Bisthtimer standen noch zu Ratzeburg und zu Blitzow. Der Herzog Ulrich erstreckte seine eifrige Fürsorge, welche er den Kirchen angedeihen liess, auch auf die geistlichen Archive. Er verwandte zu diesem Zwecke den Notar Daniel Clandrian, welchen er am Tage Antonii 1577 zu seinem Kirchen - Visitation-Notarius bestellte und Michaelis 1584 wiederholt in diesem Amte bestätigte. Clandrian hatte auf des Herzogs Befehl schon 1576 von allen einigermassen werthvollen Urkunden des Klosters Malchow Abschriften genommen, und er hat auch später noch viele Urkunden copirt und uns dadurch, wie vor ihm der durch seine Thätigkeit bei der Kirchenvisitation vom Jahre 1552 um die Organisation der lutherischen Kirche in Meklenburg hochverdiente Secretär des Herzogs Johann Albrecht, M. Simon Leupold, den Wortlaut vieler Urkunden gerettet, deren Originale, wie weiter gezeigt werden soll, verloren gegangen sind. Aber Clandrian's Hauptverdienst beruht jetzt, da einige geistliche Archive fast ganz verschwunden sind, in den ausführlichen Registraturen, welche er auf des Herzogs Befehl von den Urkunden vieler Kirchen und namentlich von den Archiven des Domcapitels zu Güstrow und von dem Stiftsarchiv zu Biitzow entwarf. Auch seine Registratur der Dobbertiner Klosterbriefe ist nach dem Untergange vieler Originale jetzt sehr werthvoll. Uebrigens ward in Güstrow, vermuthlich schon vom Herzog Ulrich, auch ein grosses geistliches Archiv zusammengebracht, während das herzogliche Hausarchiv in Schwerin verblieb. In einer Registratur über das fürstliche Archiv zu Güstrow vom Jahre 1614, welche in Clandrian's Weise entworfen, aber etwas kürzer gehalten und nicht von seiner Hand geschrieben ist, stehen auch die Rostockschen Capitelbriefe und die Urkunden der Klöster Broda, Dargun, Neukloster, Eldena und Reinfeld verzeichnet. Es lässt sich nicht bestimmt angeben, in welchen Jahren diese und andere geistliche Archive mit dem Haupt-Archiv zu Schwerin vereinigt sind. Mit Ausnahme der Archive des Bisthums Schwerin, der Karthause Marienehe und des Domstiftes zu Güstrow wurden aber im Laufe des 17. Jahrhunderts die Stifts- und Kloster-Archive alle dem fürstlichen einverleibt, diejenigen, welche in Güstrow aufbewahrt waren, wahrscheinlich erst nach dem Aussterben der Güstrowschen Herzoge.

Doch hat das Schweriner Archiv diese Schätze nicht alle behalten. In Folge des Hambnrgischen Vergleichs vom J. 1701, durch welchen das ratzeburgische Stifteland und das Land Stargard als Herzogthum Strelitz für den Herzog Adolf Friedrich und seine männlichen Nachkommen abgezweigt wurden, ward das ratzeburgische StifteArchiv zunächst nach Ratzeburg, das Brodasche Kloster-Archiv mit andern auf das Land Stargard bezüglichen Acten und Urkunden nach Strelitz geschafft Seitdem stand der Umfang des Geh. und Haupt-Archivs zu Schwerin fest, doch sind hin und wieder noch einzelne Urkunden und kleinere Abtheilungen von solchen hinzugefügt, auch viele andere, deren Originale sich nicht erhalten haben, in Acten, welche nach und nach ins Haupt-Archiv gegeben sind, entdeckt worden.

Wir lassen nun eine Uebereicht über die verschiedenen Archive, welche im Mittelalter in Meklenburg bestanden, folgen.

I. Geistliche Urkunden.

Der reformatorische Sinn des 16. Jahrhunderts hat mit dem katholischen Kirchenschmuck zugleich auch die historisch wichtigen Denkmäler in den Kirchen meistentheils vernichtet Von den Bibliotheken der geistlichen Corporationen ist uns fast nichts übrig geblieben, als einige Fragmente, welche zu Actendeckeln verwandt sind. Es darf daher nicht auffallen, dass man bei der Abschaffung der Seelenmessen gerade die Neurologien vertilgte, deren Werth für den Historiker man nicht erkannte. Ein leider ganz unbedeutendes Blatt eines Necrologii des Dominikaner-Klosters zu Rostock ist der einzige bisher aufgefundene Ueberrest der meklenburgischen Todtenbücher, wenn man nicht das in Abschrift erhaltene Fürsten-Necrologium, welches ein Fenster im Kreuzgange zu Doberan schmückte, noch hieher zählen will. Nur auf die Erhaltung der Urkunden war man sehr bedacht, wenigstens solcher, die sich auf den reichen geistlichen Güterbesitz bezogen. Beachtenswerth ist es, besonders im Vergleich zu dem schwedischen, auch schon zu dem pommerschen und andern Urkundenschätzen, dass sich unter unsern Klosterurkunden nur sehr wenige päpstliche allgemeine Ordensprivilegien und sonstige Breven finden, überhaupt auch, einige Fraternitätebriefe abgerechnet, wenig Schriftstücke über den Verkehr unserer geistlichen Stiftungen unter sich und mit andern vorhanden sind, und dass von dem Leben des Clerus nur wenig kirchliche Statuten Kunde geben. Clandrians ausführliche Uebersicht über die Schweriner Stifteurkunden beweist uns, dass man die eigentlichen Briefe wenigstens dieses Stiftes nicht bei den Urkunden aufbewahrte, wahrscheinlich geschah es auch in den Klöstern nicht; und dies wird der Grund ihres Unterganges gewesen sein. Auffallender ist es, dass mit Ausnahme des Ratzeburgischen alten Zehntenregisters (welches die Nr. 375 unsers Urkundenbuches bildet) nur sehr wenig geistliche Heberegister, und meistentheils nur ganz späte, erhalten sind. Wahrscheinbch legte man auch diese nicht zu den Urkunden, sondern behielt sie zum täglichen Gebrauche bei der Hand, bis sie so abgenutzt waren, dass sie durch neue ersetzt werden mussten und der ferneren Erhal-
tung nicht werth schienen.

Unsere meisten geistlichen Stiftungen sind schon im 13. Jahrhundert entstanden;
einige, und gerade die bedeutendsten, ragen noch in die Zeit der Germanisirung des
Landes hinein, und eben ihre ältesten Urkunden geben uns von dieser ein einiger-
massen erkennbares Bild. In dem 13. Jahrhundert und zum Theil noch in der ersten
Hälfte des 14. Jahrhunderts hat sich der Umfang des geistlichen Güteibesitzes in
Meklenburg im Grossen und Ganzen festgestellt. Die Urkunden der Stifter und Klöster
aus dieser Zeit sind daher auch die wichtigsten; die späteren dagegen sind ihrer
grossen Mehrzahl nach Rentenbriefe oder Bewidmungen von Vicareien, Kaianden und
andern kleinen geistlichen Brüderschaften.

Im Gegensatze zu den reichen Archiven der Feldklöster (Benedictiner-, Cister-
cienser- und Prämonstratenser-Ordens) muss leider bemerkt werden, dass die Archive
unserer städtischen Bettelmönchsklöster, nämlich der Klöster der Franciscaner
zu Schwerin, Wismar, Neubrandenburg, Rostock, Parchim (und Güstrow), sowie der
Dominicaner zu Rostock, Röbel und Wismar, bis auf einzelne zerstreute Urkunden bei
der Aufhebung der Klöster gänzlich untergegangen oder von den letzten Mönchen bei
ihrem Abzüge aus dem Lande geschafft sind. Dagegen sind die Urkunden mancher
H. Geist- und Georgs-Hospitäler uns in den Stadt-Archiven erhalten.

Indem wir nach dieser Vorbemerkung zu den einzelnen geistlichen Stiftungen
übergehen, gebührt der erste Platz der ältesten unter diesen, dem

Bi8thum Ratzeburg. Das Ratzeburgische Stifts-Archiv hat sich in
grosser Vollständigkeit erhalten, Bischöfe und Capitel — denn für die früheren Zeiten
findet sich keine Andeutung von einer Trennung ihrer Archive — haben für die Auf-
bewahrung ihrer Briefe grosse Sorge getragen. Aus dem 12. und 13. Jahrhunderte
enthalten die Copiarien nur 28 Urkunden, welche 1701 bereits nicht mehr im Stifts-
Archive vorhanden waren; vier von diesen betreffen Bergedorf, andere berühren speciell
die Verhältnisse des Capitels. Für das Stifts-Archiv wurde wohl schon bei der Er-
bauung des Capitelhauses an der Kirche ein kleines, sehr festes und gewölbtes Gemach
in den oberen Räumen angelegt; und es ist daselbst allem Anscheine nach ruhig ge-
blieben, da die Urkunden und ihre Siegel im ganzen gut erhalten sind. Nur einmal,
bei den Gewaltthätigkeiten des Herzogs Magnus von Sachsen-Lauenburg, wird erwähnt,
dass es 1515 nach Lübek in Sicherheit gebracht war. (Masch, Gesch. des Bisthums
Ratzeburg, S. 420.)

Nach der Säcularisation wurden die Ratzeburger Urkunden mit den Acten zusammen
1652 zunächst nach Schönberg, dann aber in 32 Schubladen nach Schwerin ins her-
zogliche Archiv gebracht, bis sie in Folge des Hamburgischen Vergleiches im Jahre
1701 wieder nach Ratzeburg kamen. Wahrscheinlich nach dieser letzten Ablieferung
ist der alte „Index Archivi Raceburgensis, quae documenta, quibus capsulis con-
dita serventur monstrans", angefertigt; denn er gibt den Inhalt von 34 Capseln an, in

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