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I.
Zur Streitschrift des Cardinals Deusdedit.

1. In den Antiquae lectiones des Canisius findet sich ununmittelbar hinter dem Schreiben des Anselm von Lucca an Wibert von Ravenna ein Streitschriftfragment, durch die Ueberschrift als Buch II. der vorangegangenen Schrift bezeichnet, obgleich es, wie man sofort sieht, nicht die geringsten Beziehungen zu dem Briefe aufweist. Canisius hatte die beiden Stücke so zusammenhängend in seiner jetzt verschollenen Regensburger Handschrift gefunden, und so finden sie sich noch heute in zwei Codices der Stiftsbibliothek von Admont ? und der Ambrosiana” zu Mailand, nur dass in der Admunter Handschrift die Ueberschrift "Liber secundus fehlt. Da das Fragment schon der Form nach unmöglich eine Fortsetzung des Anselmbriefes sein kann“, war es von Werth, dass W. v. Giesebrecht in demselben grössere Theile der ersten zwei Capitel von Deusdedits Libellus contra invasores et symoniacos'" wiedererkannte. Dadurch blieb aber die Frage nach dem Verhältnis des Bruchstücks zu dem ganzen Werke noch unerörtert: ob jenes nur ein Auszug aus der Streitschrift oder diese eine erweiterte Bearbeitung des Fragmentes war, ob dasselbe in dem letzteren Falle Deusdedit angehört oder doch etwa Anselm von Lucca zuzuschreiben ist – das soll erst in den folgenden Blättern untersucht werden.

Man wird fürs erste sicher geneigt sein, das Bruchstück für ein Excerpt zu halten. Und in der That lässt sich manches dafür anführen. Schon der Uebergang: Et ne diutius exordium protrahamus' scheint eine längere Einleitung vorauszusetzen, als die ist, welche das Fragment bietet, während er nach dem längeren Prolog der Streitschrift selbst besser passen dürfte. Aber dass wir es überhaupt mit keinem blossen Auszuge zu thun haben, beweist schon die stark abweichende Form der Uebergangsworte bei Deusdedit: Ne autem ulterius exordium protelemus. Man könnte ferner auf einige Canones verweisen, welche in b – wie der Ä wegen das Fragment im Gegensatz zu a, der vollständigen Schrift, genannt werden mag – nicht ganz vollständig wiedergegeben werden. So fehlt in der Decretale Leos I. ": "De persona consecrandi episcopi et de cleri plebisque consensu metropolitanus fraternitati tuae referat, ut ordinationem tuam quoque firmet auctoritas et quod in provincia bene placuit scire te faciat der Finalsatz: “ut – faciat. In einer anderen des Papstes Coelestin* fehlen in dem Satze: “Habeat unusquisque fructum militiae suae in ecclesia, in qua suam per omnia officia transegitaetatem: in aliena stipendia minime alter obrepat nec alii debitam alter se audeat vendicare mercedem die Worte “nec – mercedem'. Die dritte derartige Lücke begegnet in einer Decretale des Papstes Marcellinus”: “Non licet imperatori vel cuiquam pietatem custodienti aliquid contra divinitatis mandata presumere mec quicquam quod evangelicis prophetisque ac apostolicis regulis obviatagere, wo ähnlich wie in dem sonst übereinstimmenden Canon Calixt I. die Worte nec – agere vermisst werden. Ganz besonders schlagend scheint eine angeblich ganz aus Hieronymus“ entnommene Stelle zu sein. Sie lautet in a: “Non enim sacrificiorum magnitudinem, sed offerentium merita causasque diiudicat et mon ea quae offeruntur, sed offerentium respicit voluntatem'. Die Worte et non ea – voluntatem' finden sich nicht mehr bei Hieronymus; wenn nun in b: “sed offerentium merita – offeruntur fehlen, so scheint doch zweifellos eine Auslassung vorzuliegen, die durch das doppelte sed offerentium sehr leicht erklärlich ist. Man könnte für die Annahme, dass b nur ein Excerpt aus a ist, auch den Umstand heranziehen, dass im 2. Capitel in a einige Mal sich genauere Quellenangaben finden, als in b; indes lassen sich gerade hier an einigen Stellen spätere Nachträge resp. Interpolationen in a nachweisen. Aber auch die vorher betonten Lücken in b sind thatsächlich ohne jede Beweiskraft, denn einmal wissen wir, dass alle drei Handschriften des Fragments auf eine einzige", die unmöglich die des italienischen Autors sein kann, zurückgehen, dass also diese Handschrift fehler- und lückenhaft gewesen sein kann, andererseits würde die Annahme durchaus nichts Unwahrscheinliches haben, dass Deusdedit in einer erweiterten Bearbeitung den Text einiger vorher weniger vollständig wiedergegebenen Canones ergänzte. Da wir nur späte Handschriften von a haben, lege ich, um die Priorität von b zu erweisen, kein Gewicht auf die Menge besserer Lesarten, die b bietet, oder die kleinen Interpolationen in a. Die Verschlechterung des Textes könnte erst in späterer Zeit eingetreten sein. Nur an einigen wenigen Stellen hat die Beweisführung einzusetzen. Der Verfasser erörtert das sacerdotium und sacrificium der Häretiker und Simonisten. In b heisst es nun (Ant. Lect. ed. Basnage III, p. 386): Hactenus de symoniacorum sacerdotio, nunc de eorum sacrificio patrum sententias perscrutemur. Cyprianus in epistola ad Cornelium”. Existimat aliquis summa et magna aut non sciente aut non permittente Deo in ecclesia Dei fieri, et sacerdotes, id est Dei dispensatores, non erunt de eius sententia ordinati? Hoc est fidem non habere, qua vivimus, hoc est Deo honorem non dare. Sed de eius sententia non ordinantur sacerdotes, qui extra ecclesiam fiunt, qui contra dispositionem et traditionem evangelii fiunt, sicut ipse Dominus in duodecim prophetis pomit et dicit: “Sibimet ipsis regem constituerunt et non per me". Et iterum: “Sacrificia eorum tanquam panis luctus. Omnes, qui manducant ea, contaminabuntur". Et per Esaiam spiritus sanctus clamat et dicit: “Vae vobis filii desertores, haec dicit Dominus: habuistis consilium et non per me et fecistis conventionem, non per spiritum meum, adicere peccata super peccata". Der Canon stellt ein zusammenhängendes Stück aus einem Briese Cyprians an Cornelius dar. Wie steht es nun mit a? Der erste Theil bis zu den Worten constituerunt et non per me steht noch in dem Abschnitt über das sacerdotium der Simonisten (II, § 2), offenbar, weil er von den sacerdotes handelt; ihm folgt noch in demselben Absatz eine Decretale des Pelagius. Dann 3) beginnt erst die Reihe der Belegstellen über das sacriicium mit dem zweiten Theil jenes Briefes, aber unter einer anderen Firma: als “Cyprianus in epistola ad Magnum, während die dem echten Text angehörenden Worte et iterum verloren gegangen sind. Nun wird allerdings derselbe Gegenstand auch in einem Briefe an Magnus behandelt, in dem auch das auf non per me folgende Oseacitat: “Sacrificia – contamimabuntur begegnet, ein Stück, das mit dem Rubrum: “Item exemplar eius Ä ad Magnum' in der Coll. can. des Deusdedit I, c. 215 ed. Martinucci p 147 sich wiederfindet. Ausgeschlossen ist meines Erachtens die Annahme, dass der Excerptor den Zusammenhang der beiden in a getrennten Briefstücke erkannt und nach Beseitigung des falschen Titels mit Hülfe des Cyprian wieder zusammengeschweisst hätte. Die einzig mögliche Erklärung ist die, dass Deusdedit, indem er b bearbeitete, den ersten Theil des Briefes noch für den Abschnitt über das sacerdotium heraushob und dem zweiten dann irrig den Titel gab, unter dem er den Anfang des zweiten Brieftheiles in seiner Coll. can. oder seinen Excerpten fand. Man wende nicht ein, dass eben so gut wie Deusdedit nach der Collectio canonum der Excerptor mit Hülfe des Originaltextes geändert haben könne. Man müsste erst nachweisen, dass der Excerptor mit seinem Auszuge nicht bloss die Vervielfältigung einer Reihe von Gedanken, sondern die erneute canonistische Bearbeitung im Auge hatte, mit einem Wort, dass er ein Canonist war, wie Deusdedit. Eine deutliche Abweichung nach der Coll. can. begegnet in einem anderen Falle. Es handelt sich um die Vita S. Ambrosii des Paulinus c. 7: “At vero populus magis magisque clamabat: “Peccatum tuum super nos etc. Peccatum tuum super nos schreibt auch ba. a. O. p. 381. Dagegen heisst es sowohl in der Coll. cam. I, c. 219, p. 153, als in a (I, § 10): “Cum populus magis magisque [acclamaret Ambrosium episcopum'. Conc. Laodic. c. 13 giebt bp. 381 entsprechend dem Text der Dionysianischen Uebersetzung: “Non est permittendum turbae electiones eorum facere, qui sunt ad sacerdotium provehen di'. Ebenso a in IV, §1. In I, 58 aber liest man hier mit Coll. can. IV, c. 18, p. 354: . . ad sacerdotium promovendi. Augenscheinlich liegt also auch in diesem Falle eine Abänderung nach der Canonsammlung vor. Aber Deusdedit interpoliert auch wieder in a den Text der Canonsammlung oder doch den seines Excerpts. Er excerpiert hier I, c. 143, p. 104: Pelagius Viatori et Pancratio inter cetera: “A scismaticorum sacrificiis, potius autem sacrilegiis abstinere debetis'. Item in ead em epistola: Non est Christi corpus u. s. w. – diviserit. Genau dasselbe liest man in bp. 387, sowie an der zweiten Stelle in a c. IV, § 11, an der die Decretale vorkommt: nur ist hier “inter cetera, dann epistola hinter “eadem weggelassen, während auf diviserit noch einiges folgt. An der ersten Stelle

1) Ingolstadt 1614, VI, p. 213–234; ed. Basnage III, p. 378–388. 2) N. 162 saec. XII. Vgl. die Ausgabe des Anselmbriefes von Bernheim, Libelli I, p. 519. 3) Vgl. Archiv XII, S. 610. 4) Bernheim a. a. O. p. 517. 5) Die Gesetzgebung der römischen Kirche unter Gregor VII, Münchener histor. Jahrbuch 1866, p. 183. 6) Gedruckt bei Mai, Nova bibl. patrum VII, p. III, p. 77–114, nach einem Cod. Ottobon. 3139 saec. XVIII. Vgl. E. Stevenson, La collectio canonum di Deusdedit, Archivio della R. società Romana di storia patria VIII (1885), p. 323. – Die beiden anderen Handschriften sind: Ottob. 705 saec. XVI. und Vallicell. C. 19 saec. XVI.

1) Epist. XIV, Opp. ed. Ballerinii I, col. 688; Grat. Dist. LXV, c. 4. 2) Epist. IV, c. 5, Hinschius, Decret. Pseudoisidor. p. 560; Dist. LXI, c. 13. 3) Epist. II, c. 4, Hinschius p. 222. Dasselbe Stück bei Calixt I, Epist. I, c. 6, H. p. 137; Symmachus, Regulae VI. syn., H. p. 683; Grat. Dist. X, c. 2; vgl. Theiner, Disquis. crit. app. II, p. 94. 4) Comm. in Amos, Opp. ed. Vallarsi VI, col. 303; Coll. can. IV, c. 129 ed. Martinucci p. 457. 5) Vgl. Bernheim in Libelli I, p. 519.

1) Alle drei Codices haben statt der italienischen Formen “Guibertus, Angilramnus' die deutschen: “Wicbertus, Engelrammus'. 2) Epist. LX, c. 5, Opp. ed. Hartel p. 672; Coll. can. IV, c. 116, p. 431. Ich berücksichtige die Varianten nicht, da sie hier bedeutungslos sind.

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1) Mansi I, col. 731; L. Holstenius, Collectio Romana bipart. 1662,

p. 223; Coll. Britt. Pelag. epist. 22, Neues Archiv V, p. 545; Grat. C. XXIV qu. 1 c. 34.

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