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Die betreffende Handschrift (AM. 657 B, 4'°) hat 56 Blätter, die ursprünglich Bruchstücke von zwei*) ungefähr gleichalterigen Büchern desselben Formates bildeten; zum ersteren Buche (ich nenne es im Folgenden A) gehören die Blätter 1—6, 35—42, 49—56, zum letzteren (= B) die übrigen 34 Blätter. Wegen der Gleichartigkeit des Inhalts sind, wie es scheint, in späterer Zeit diese beiden Bücher zusammengefügt worden, so daß die Blätter von B unter die von A übrigen eingereiht wurden **); eine charakteristische Eigenthümlichkeit der Sammlung A kann man darin finden, daß ihr Redacteur die einzelnen Erzählungen in einen gewissen Zusammenhang zu bringen sucht (vgl. Nr. 35, 36, 37, 39, 41). Das Ende von A ist auf p. 112 erhalten, wo der Sammler in einer Art von Nachrede***) sagt, daß er die aefintyri aus dem Lateinischen übersetzt habe. Da die Nachrede gleich nach der Clarus Saga folgt, welche aus guten Gründen als von dem Bischöfe J6n Halldorsson (1322—39) übersetzt betrachtet wirdf), darf man wohl daraus schließen, daß dieser Bischof auch die übrigen Geschichtchen der Sammlung A übersetzt habe. Beiläufig möchte ich auf die eigenthümliche Localisierung des 38. Abenteuers aufmerksam machen. („Ein Däne" etc.), da doch auch dies eine Übersetzung zu sein scheint (vgl. Gesta Romanorum ff) Cap. 118); bemerkt sei auch, daß in der Sammlung B die Abenteuer 15, 43 und 44 „Dänen" besprechen, und daß die erstgenannte dieser Erzählungen einige Spuren nordischen Ursprungs zu tragen scheint. — Für „aefintyri" im engeren Sinn des Wortes kann das interessante Stück von der Karlamagnüs Saga (Nr. 42) ebensowenig wie Nr. 2 und Nr. 3 gehalten werden.

Wir wollen jetzt jede einzelne der Erzählungen betrachten.

1. (Sammlung A) [p. 1 der Handschrift.] Eine Erzählung (deren Anfang fehlt) von einem Kaiser Heinrich in Deutschland, welcher den Glauben eines unkeuschen Klerks prüft. Derselbe Kaiser befindet sich einmal in Mainz, als die Diener des Erzbischofs von Köln mit denjenigen des Abtes vom Kloster des h. Gallus über den Vorrang ihrer Herren in der Kirche in blutigen Streit gerathen. Nachher sucht der Satan den Gottesdienst zu stören, der Kaiser aber verscheucht

*) Durch die Spuren früherer Bindung ebenso wie verschiedene Schreiber und Orthographie leicht zu unterscheiden.

**) Die richtige Ordnung der Blätter von B ist vielleicht nicht immer beobachtet (vgl. Nr. 5 und Nr. 50).

***) Gedruckt in der Einleitung meiner Ausgabe von Clarus Saga, p. III, not. 2.

t) Vgl. angef. Schrift p. II.
ff) Ich citiere nach der Ausgabe Österleys (Berlin 1872).

ihn durch das Gelübde Nichts zu eßen, bevor er die Armen der Stadt bedient habe, was er auch vollbringt.

2. (A) [pag. 2.] Erst wird erzählt von dem gelehrten Meister „Lanfrancus", der aus Demuth Mönch wird, dann Abt des „Cadonis" Kloster in Nordmandi. — Herzog Wilhelm der Bastard zankt sich mit seinem Oheim, dem Erzbischof Malgerius (oder Malgeirus), dessen Absetzung er zuletzt vom Papste erlangt. Erzbischof nach ihm wird der fromme Maurelius; sein Tod wird (nach einem „heiligen Buche") erzählt, wie er, schon gestorben, von seiner Fahrt nach dem Paradiese spricht. — Als Wilhelm England erobert hat, wird Lanfrancus Erzbischof von Canterbury; um seine Heiligkeit zu beweisen wird angeführt, wie er einen vom Teufel beseßenen Klerk bändigte. — Ein Jüngling Wilhelm in York sieht im Traume die Hölle und das Paradies, und bekommt eine Warnung für den König [der Zusammenhang ist nicht klar; vielleicht fehlt hier ein Blatt; vgl. das Ende]. Der König verachtet die Warnung, wird aber bald darnach, zur Strafe seiner vielen Sünden gegen die Kirche, auf der Jagd getödtet [es ist also Wilhelm der Rothe hier gemeint]. Dagegen wird der h. Anseimus hochgepriesen und von ihm erzählt, wie er einen sterbenden Mönch von Teufeln in der Gestalt zweier Wölfe rettete. — „Jetzt aber wollen wir von Robert, dem Sohne Wilhelms, reden, den wir auf dem Kreuzzuge verließen."

3. (A) [pag. 8.] Vom ersten Kreuzzuge, besonders von dem Verhalten Roberts in Constantinopel, in den Schlachten vor Antiochia und bei der Erstürmung Jerusalems; nach dieser weigert sich Robert, trotz heiliger Wahrzeichen, die Krone anzunehmen; zur Strafe kann er nicht König in England werden und stirbt im Gefängniss. — Balduin, der König Jerusalems, wird von den siegenden Heiden gerettet dadurch, daß Arnald sich aufopfert.

4. (A) [pag. 12.] Der Anfang einer Erzählung vom h. Furseus, wie er zum Priester erzogen ward [über Furseus vgl. „Själens Trost"*) 497—8].

5. (B) [pag. 13.] Ende eines Abenteuers: ein Engel ist mit einem Einsiedler umhergezogen und hat dabei Vieles scheinbar ungerechtes gethan; er erklärt, wie dies Alles von der Weisheit und Barmherzigkeit Gottes befohlen sei [der Anfang befindet sich vielleicht in Nr. 50; vgl. Gesta Romanorum Cap. 80].

*) Herausgegeben von G. E. Kleraming, Stockholm 1871—3; ich citiere diese altschwedische Übersetzung, da mir die deutschen Originale derselben nicht bei der Hand sind.

6. (ß) [pag. 13.] Eine Witwe, der Blutschande schuldig, wird jedoch vom Papste (Urbanus IV) freigesprochen; ein Cardinal, der dies Urtheil zu tadeln wagt, wird sogleich vom Teufel geholt.

7. (B) [pag. 14.] Im „Süden" lebt ein Graf, der so mächtig ist, daß ihm sogar Könige Tribut bezahlen; er wird hierdurch sehr übermüthig. Ein frommer Einsiedler, Freund des Grafen, unterhält sich einmal mit ihm über die Macht Gottes, der leicht die Reichen arm machen könne; der Graf zweifelt. — Desselben Tages begibt sich der Graf in seine Badeanstalt um sich durch ein Bad zu erquicken, wird von einem Diener entkleidet, der sich dann auf seinen Befehl entfernt. Als der Graf ihn wieder ruft, ist er fort; die Kleider sind auch verschwunden, kein Mensch hört sein Rufen. Er muß nackt nach Hause gehen und unterwegs von einem Aussätzigen ein Kleidungsstück leihen. Im Schloß wird er von Niemand erkannt, man erwidert ihm, der Graf sitze jetzt bei Tisch; er kommt endlich nach vergeblichen Versuchen in die Halle, wo er einen ansehnlichen Mann auf dem Throne sitzen und sich mit seiner eigenen Gemahlin leise unterhalten sieht. Er bekommt ein geringes Almosen und begibt sich dann zum Einsiedler, welcher ihm ins Gewissen donnert wegen seiner früheren Hoffart. Er kehrt zum Schloße zurück, wo eben sein Doppelgänger von der Trinkhalle nach dem Schlafzimmer (wo die Gräfin schon ruht) aufbricht, dem Grafen aber entgegengeht und sagt, er sei der Engel Gabriel, ausgesendet um ihn über die Allmacht Gottes zu belehren. Der Graf tritt wieder in seine Rechte ein [vgl. Gesta Romanorum Cap. 59].

8. (B) [pag. 16.] In der Stadt „Tremonensi" in Frankreich gebiert eine sehr vornehme Dame ein Knäblein, das sie sogleich insgeheim vor die Thüre einer Kirche aussetzen läßt. Eine andere vornehme Frau findet den Knaben und erzieht ihn, läßt ihn aber nicht taufen; er wird ein sehr frommer Priester. Nach seinem Tode wird seine Geschichte Völlig bekannt. Die Bürger der Stadt streiten heftig, ob der ungetaufte Priester selig sei oder nicht, und fragen endlich den Papst, Innocentius IV., darüber. Dieser äussert sich dahin, daß der Mann unsichtbarer Weise die Taufe empfangen habe, und beruft sich dabei auf „De civitate Dei" des h. Augustinus, Buch VIII, und auf das Buch des h. Ambrosius vom Tode Valentiniani.

9. (B) [pag. 17.] Kaiser Constantinus der Große kommt zufällig zu einem kleinen Bauernhofe; er wünscht daselbst die Messe zu hören, die auch ein Priester, der sich dort befindet, ihm vorsingt. Nach der Epistel blickt der Kaiser auf, und da er bemerkt, daß der Priester sehr klein und häßlich sei, wundert er sich in seinen Gedanken, daß Gott solche zu seinen Dienern auswähle. In demselben Augenblicke singt der Priester den Vers: „Ihr müßet wißen, daß Gott selber ist Gott, er schuf mich und nicht ich mich selber". Betroffen von dieser Antwort auf seinen Gedanken läßt der Kaiser ihn zum Bischof machen. — Im Bisthum jenes Bischofs war einmal ein reicher Mann, der wiederholt doppelten Incest beging; alle Warnungen des Bischofs sind vergeblich. Endlich ladet ihn der Bischof auf die Mittagsstunde eines gewissen Tages vor sein Gericht ein, stirbt aber vor jenem Tag. Der Sünder frohlockt, fällt aber in der anberaumten Stunde todt nieder.

10. (B) [pag. 18.] Guibertus, der einige Zeit statt des Radulfus Erzbischof zu Rheims gewesen, wird später Papst (Silvester II.) durch Mithilfe des Teufels; dieser sagt ihm, er werde so lange als Papst leben, als er vermeide in Jerusalem die Messe zu singen. In der Jerusalemskirche zu Rom sieht er seinen Wahn ein, thut Buße und stirbt.

11. (B) [pag. 19.] Vom Papste „Formatus" oder „Formosus" und seinen Nachfolgern, deren einige ihn verdammten und seine Leiche ausgraben ließen, andere ihn wieder beerdigten [vgl. „Fornsvenskt legen darium" herausgeg. von Stephens, pag. 759].

12. (B) [pag. 21.] Der h. Dunstan, Erzbischof in London, bestellt bei einem Goldschmied einen goldenen Kelch zum Altargebrauch. Der Teufel kommt zweimal in Gestalt einer vornehmen Jungfrau, wünscht den Becher zu sehen und verdirbt ihn. Als die Jungfrau zum dritten Male wiederkommt, hat Dunstan den Platz des Schmieds eingenommen, faßt mit einer glühenden Zange an ihre Nase, und läßt den Teufel nicht eher los, bis er verspricht nimmer Dunstan selbst noch den Schmieden Schaden zu thun, wenn auch diese sich mit ihren Werkzeugen verwunden; „man sieht auch, daß die Wunden von Schmiedwerkzeugen selten gefährlich sind".

13. (B) [pag. 22.] Als Erzbischof Remigius König Ludwig bei dessen Krönung ölen wollte, ward das h. Ol unzulänglich; doch eine Taube kam von oben mit einem von Ol gefüllten „Ampli", aus welchem später alle französischen Könige geölt worden sind; davon haben sie auch die Gabe Aussätzige durch Auflegen der Hände zu heilen. [Das Ende fehlt; diese Erzählung befindet sich nicht in der Remigius saga, Heilagra manna sögur II, 222—7; vgl. aber „Fornsvenskt legendarium" S. 689.]

14. (B) [pag. 23.] Schluß einer Erzählung von einer Seele, die ein Engel durch Fegefeuer, Hölle und Himmel führte und dann in den Leib des Mannes zurückkehren ließ.

15. (B) [pag. 23.] Ein reicher und unwiß ender Priester in Dänemark zankt mit seinem Küster (Glöckner oder Klerk); beide sind berauscht und geben einander Ohrfeigen. Sie glauben so unter den Bann des Papstes gerathen zu sein. Um Absolution zu erhalten schreibt der Priester einen Brief an den Papst, womit der Küster, nur spärlich mit Reisegeld versehen, nach Rom sich begibt; dort angekommen hat er Nichts übrig von seinem Gelde, er weiß keinen Rath, denn „man sagt, daß viel Geld nöthig sei am Hofe des Papstes". Einmal gelingt es ihm jedoch im Gedränge in den großen Saal hineinzudringen, wo der Papst nebst den Cardinälen hinter einem Gitter sitzt. Er wickelt den Brief um einen Stein, den er über das Gitter in die nächste Nähe des Papstes wirft, trifft aber einen Cardinal hart auf die Nase. Ein großer Tumult entsteht, der fremdartig gekleidete, vor Furcht zitternde Mann wird ergriffen und vor den Papst geführt. Er erzählt Alles. Der Papst verzeiht ihm, gibt ihm eine strenge Bulle an den Priester mit und sendet ihn, reichlich mit Reisegeld ausgestattet, zurück. In seiner Heimat wird er nachher weit mehr geehrt, als er früher war. [Vgl. Biskupa sögur II, 121—4.]

16. (B) [pag. 25.] Die bekannte Erzählung von einem Mönche, der das kleinste Wunder des Paradieses sehen zu dürfen bittet, einmal im Walde dem entzückenden Gesang eines Vogels eine Weile lauscht, und, als er nach seinem Kloster wiederkommt, erfährt, daß inzwischen drei Äbte nach einander geherrscht haben.

17. (B) [pag. 26.] Unsere Frau Maria hilft zwei im Walde verirrten Predigermönchen dadurch, daß sie die Beiden in einem Scheinkloster von Teufeln bewirthen läßt. [Dieselbe Legende ist nach einer ziemlich verschiedenen Redaction gedruckt in Mariu saga, Christiania 1868—71, S. 249—52; vgl. auch die Legende vom h. Germanus, Själens Trost S. 284—6 und Klosterläsning, Stockholm 1877—78, S. 168—9.]

18. (B) [pag. 27.] Von zwei Brüdern, die Räuber werden, später aber sich beßern; das Ende fehlt. [Nach einer anderen, von dieser abweichenden Handschrift in der Mariu saga S. 608—22 gedruckt.]

19. (B) [pag. 29.] Die letzten Zeilen einer Erzählung von einem Priester, dem beim Messelesen ein Wunder geschehen war.

20. (B) [pag. 29.] Marina, die schöne Tochter eines reichen Mannes, geht, als Mann gekleidet, mit ihrem Vater ins Kloster, wo sie Marinus genannt wird; auch nach dem Tode des Vaters bleibt M. im Kloster und steht in hohem Ansehen als Mönch. Doch eine Bauerstochter in der Nähe wird schwanger und gibt dem M. die Schuld. Auf die Frage

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