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MISCELLEN.

Nochmals die Bibliographie.

Die Gesellschaft für deutsche Philologie in Berlin hat auf meinen Angriff (S. 121 ff. dieses Jahrgangs) erwidert und die darin enthaltenen Beschuldigungen zu entkräften versucht. Sie beklagt sich zunächst über den Ton meines Artikels , der in ihren Augen ein unter gesitteten und anständigen Menschen unerhörter ist. Nun, ich meine, die Herren müßten an viel stärkeres gewöhnt sein. Haben sie, um nur ein paar Beispiele von der in jenem Lager geführten Sprache zu geben, haben sie nie Müllenhoffs Nibelungenpamphlet oder die Nibeluugenschrift eines gewissen Richard von Muth gelesen? Was ist denn an der Sprache meines Aufsatzes so unerhört? Ich gebrauche einmal den Ausdruck erfrechen und habe ein wiederholtes Plagiat als Diebstahl bezeichnet. Diese Behauptung halte ich auch jetzt aufrecht. Nur bei einem der 75 von mir angeführten Fälle waltet ein Irrthum ob (Weishaupt, Namenbuch); alle andern sind vollkommen richtig, an der Sache wird dadurch nichts verändert. Botkine, über den Beovulf, ist ebenfalls richtig, wiewohl die Herren es bestreiten. Sie übersehen dabei oder verschweigen, daß sie unter der betreffenden Nr. 196 zwei Schriften von Botkine aufführen, von denen die eine aus dem Jahre 1877 ist (und diese steht in meiner Bibliographie von 1877), die andere von 1876 (bei mir 1876, Nr. 782) haben sie verschämt, wie sie auch sonst zuweilen thun (Bibliographie 1878, Nr. 357), hier nachzutragen. Auch Wackernagel ist mit Recht aufgeführt, denn das erste Heft erschien 1876, auch wenn es erst die Jahreszahl 187 7 trägt. Ferner sind von ihnen übersehene Zeitschriftenartikel, wie Nr. 157, 158 (sie hätten auch noch Nr. 11, 79, 284 hinzufügen können) mit Recht erwähnt, denn wenn sie diese Artikel, ehe die Germaniabibliographie erschien, schon kannten, warum haben sie sie dann in ihre Bibliographie von 1876 nicht aufgenommen, da die betreffenden Hefte 1876 erschienen, die Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung, aus welcher Nr. 157, 158 stammen, sogar in Berlin selbst? Es ist also für jedermann ersichtlich, daß sie bei der Zusammenstellung für 1876 übersehen und dann, als meine Bibliographie erschienen war, nachgetragen wurden. Daß die Herren dann die Zeitschriften nachgeschlagen und aus ihnen die Artikel notirt haben, will ich gern glauben, aber es ist doch eitel Sophistik, dann zu behaupten, daß meine Bibliographie nicht die Quelle s.ei, welche sie auf ihr Übersehen aufmerksam gemacht habe.

Weiter will die Gesellschaft diejenigen Bücher aus meinem Register ausgeschloßen wißen, die zwar die Zahl des nächsten Jahres tragen, aber schon im Vorjahr erschienen sind. Wenn ich ihnen nur solche als übersehen nachgewiesen hätte, dann wären sie scheinbar im Rechte. Und auch dann nur scheinbar, denn der Einblick in ihre Arbeit lehrt, daß sie nicht nur Bücher, die 1877 (1878) auf dem Titel tragen, aber schon 1876 (1877) erschienen, aufnahmen, wo sie ihnen bekannt wurden, sondern auch solche, die wirklich erst im folgenden Jahre erschienen sind. Daß die hier übersehenen Bücher aus jedem Kataloge entnommen werden konnten ist ganz richtig; nur wird man fragen, warum wurden sie dann nicht entnommen? Man wird vielleicht antwovten sie waren uns nicht zugegangen*. Wenn ein Bibliograph darauf warten will, daß ihm alles zugeht und nicht selbst die Initiative ergreift, dann wird er immer ins Hintertreffen kommen, auch vorausgesetzt, daß er vom Sortimenter noch so gut bedient wird. Will er sich zum Grundsatz machen, daß er nur Bücher verzeichnet, die er selbst gesehen, dann muß er nach Durchmusterung aller bibliographischen Hülfsmittel sie sich verschaffen.

Nach dem negativen Theile ihrer Erwiderung, der versuchten Abwehr des Angriffs, folgt ein positiver: Aufführung von Versehen in meiner Bibliographie. Von solchen meine Arbeit freizusprechen ist mir nie eingefallen (vgl. Germania 23, 256). Sie sind auch, wenn man nicht streng den Grundsatz festhält nur zu verzeichnen was man selbst in Händen gehabt hat, kaum zu vermeiden. Dieser Grundsatz ist aber, wenn man Vollständigkeit anstrebt, gar nicht durchzuführen, zumal bei einer Arbeit, die einen nicht unbeträchtlichen Theil ihres Stoffes aus nicht in Deutschland erschienenen Büchern schöpft. Ich hatte also nur die Wahl, etwas unvollständiges zu liefern, oder auch Bücher, die ich nur aus bibliographischen Hülfsmitteln oder Anzeigen kannte, aufzunehmen. Der Nachtheil des letzteren Verfahrens, den ich nicht leugnen will, ist immerhin viel geringer als die im andern Falle unvermeidliche Unvollständigkeit, und jeder einsichtige Benutzer meiner Bibliographie wird die aus Nichtautopsie etwa entsprungenen vereinzelten Fehler, die, wenn er im einzelnen Fall das betreffende Buch benutzt, sich ihm herausstellen werden, lieber in den Kauf nehmen als eine sehr mangelhafte und unvollständige Bibliographie haben wollen. Von den drei durch meine Gegner angeführten Fällen beruhen zwei auf Druckfehlern in den sonst durch Correctheit sich auszeichnenden Hinrichsschen Katalogen. Ein Alemannus statt Alcmannus macht freilich so unkenntlich wie etwa Christ statt Obrist in der Berliner Bibliographie 1878, Nr. 79, und ist, wenn man das Buch nicht vor sich hat, nothwendig irre leitend. Es gereicht mir übrigens zu einigem Trost, daß meinem bibliographischen Collegen, Dr. Müldener in Göttingen, der als Beamter an einer reichen Bibliothek in viel günstigerer Lage ist als ich, dasselbe Missverständniss begegnet ist. Daß man bei einem als Carmen bezeichneten Gedichte, wenn die betreffende Vereinszeitschrift nicht zugänglich ist, an ein lateinisches denkt, ist wohl nicht so unnatürlich.

So beweisen diese Beispiele nur, daß ich jene Bücher und Aufsätze nicht in der Hand gehabt habe. Aber die Berliner Bibliographen urtheilen nur nach Autopsie, und da passiert es ihnen denn, daß sie z. B. die Partalopa Saga zu deutschen Volkssagen, Nicolaus Manuel unter die mhd. Literatur, den Prosaroman von Tristrant zu Gottfried stellen !•

Endlich beweisen sie mir auch, daß ich sie benutzt habe. Habe ich das je in Abrede gestellt? Aber die Berliner Gesellschaft stellt in ihrem zweiten Jahrgang — dadurch daß sie nur bekennt, Recensionsnachweise mir entlehnt zu haben, dagegen die in ihrem ersten Jahrgang übersehenen Schriften und Aufsätze, ohne ihres Vorkommens in meiner Bibliographie zu gedenken, stillschweigend in den nächsten Jahrgang einreiht — eine Benutzung der Germaniabibliographie nach dieser Seite hin in Abrede. Diese Unehrlichkeit war es, die mich zu meiner Kritik ihres Verfahrens veranlaßt hat (und was kann unanständiger sein als Unehrlichkeit?); nicht etwa die vermeintliche Clique, zu welcher za gehören die Gesellschaft leugnet. Nun, so nennen wir es Partei; den ParteiStandpunkt der Gesellschaft laßen die von mir angeführten Beispiele von Beurtheilung deutlich erkennen.

Anknüpfend an meine Bemerkung über ihre nachgeäffte Beileidsbezeugung, bei welcher Gelegenheit ich andern Germanisten einige Belege des ganz gleichen ihnen passirten Versehens nachwies, bemerken die Herren, sie hätten ganze Säcke voll solcher Fälle. Aus meinen Beispielen ist ersichtlich, daß ich nur den Fall, und nur auf altdeutschem Gebiete, im Auge hatte, daß ein nach derselben Handschrift gedruckter Text nochmals, ohne Renntniss des früheren Druckes, veröffentlicht wird; denn auf diesen Fall bezog sich sowohl Scherers Artikel wie die Bemerkung seiner Nachahmer. Und da vermuthe ich denn stark, daß die Säcke der Herren größtentheils voll — Wind sind. Sie führen derartiger Fälle keinen einzigen an. Wohl aber, mit Zuhilfenahme meiner romanischen Arbeiten, einige Versehen, die mit dem hier in Rede stehenden Falle gar nichts zu thun haben. Denn was hat Trevrizents magetuom mit dem Wiederabdruck eines Textes gemein? leb will aber zum Ergötzen meiner Leser noch einen hübschen Fall auftischen. Haupt ließ in den altd. Blättern 2, 336 ff. Predigtbruchstücke drucken, im 16. Bande seiner Zeitschrift S. 281 ff. wurden dieselben durch K. Hildebrand nochmals veröffentlicht. Da wir nun im Anzeiger 4, 135 belehrt werden, daß, als der 16. Band erschien, die thatsächlichen Herausgeber' längst die Herren Müllenhoff und Steinmeyer waren, so ist an deren Adresse der Vorwurf des Mangels au Umsicht zu richten.

Zum Schluß möchten die Herren Berliner in dem Germania 24, 508 angekündigten Vorhaben, in der Bibliographie von 1879 und weiterhin kurze Bemerkungen beizufügen, eine Nachahmung ihrer Bibliographie erblicken. Daß ich dazu die Gesellschaft für deutsche Philologie nicht brauchte, lehrt ein Einblick in die früheren Jahrgänge meiner Arbeit. Ich führe beispielsweise aus meiner Bibliographie von 1864 die Bemerkungen zu 7. 9. 12. 30. 33. 58. 67. 71. 152. 188. 189. 195. 195. 256. 292. 30t. 308. 311. 334. 345. 374. 398. 419. 446. 449. 470. 474. 477. 485. 491. 496. 508. 517. 519. 521 etc., aus der von 1865 die Nr. 2. 15. 16. 17. 18. 34. 69. 71. 72. 143. 204. 276. 277. 296. 321. 325. 378. 419. 442. 443. 448. 449. 472. 482. 486. 487. 495. 502. 503. 506. 510. 511. 514. 515*. 518. 519.523. 525. 529. 538. 539. 544. 550. 552 etc. an. Daß in den spätem Jahrgängen diese Bemerkungen spärlicher wurden, hat hauptsächlich seinen Grund in dem jährlich wachsenden Material und dem in Folge dessen mehr und mehr beengten Raum. Aus dem Bestreben Raum zu gewinnen ist die Gründung des Literaturblattes für germanische und romanische Philologie hervorgegangen, ilessen Plan ich im Frühjahre 1878 faßte und damals mit meinen jungen Freunden Behaghel und Neumann zuerst besprach. Die dadurch ermöglichte Einschränkung des kritischen Theiles gestattete die früher eingestreuten Bemerkungen wieder aufzunehmen und gegen früher zu erweitern. Wer ist denn da der Nachahmer?

Und endlich: das eben erschienene erste Heft des Jahresberichts der Gesellschaft führt den Titel Jahresbericht über die Erscheinungen auf dem Gebiete der germanischen Philologie. Meine Bibliographie betitelt sich Bibliographische Übersicht der Erscheinungen auf dem Gebiete der germanischen Philologie . Auch hier bin doch wohl nicht ich der Nachahmer.

HEIDELBERG, im Februar 1880. K. BARTSCH.

Ein neuer dänischer Verein für alte nordische Literatur.

Nachdem der „Nordiske litteratursamfund" (gegründet 1843), der sich um die nordische Alterthumsforschung so verdient gemacht hat, sich aufzulösen beschloßen hatte, traten einige seiner Mitglieder mit etlichen jüngeren Leuten zusammen und gründeten bei einer Zusammenkunft am 24. Mai v.J. einen neuen Verein für alte nordische Literatur („Samfundet til udgivelse af gammel nordisk litteratur"), welcher von dem aufgelösten „Nordiske litteratursamfund" zum Erben seines Capitales (c. 1000 Kronen) und seiner Schriften eingesetzt wurde. Der Verein, der bei seiner Gründung 68 Mitglieder zählte, hat am 21. Sept. seine Gesetze angenommen und die Herren Svend Grundtvig, K. Kälund, Markus Lorenzen, Vilh. Thomsen und L. Wimmer als Direction gewählt; der erste ist Präsident, der zweite Secretär.

Im Prospectus heißt es vom Ziele des Vereines: Theils sind viele der ältesten und merkwürdigsten altnordischen Handschriften noch nicht in diplomatischen Ausgaben erschienen und folglich nicht völlig der Wissenschaft zu Gute gekommen, theils gibt es mehrere Zweige der nordischen Litteratur, die bisher beinahe völlig unbeachtet gewesen sind, z. B. die große und in vielen Hinsichten merkwürdige Litteratur von „rimur", viele in der ältesten nordischen Versart (kvictuhättr) verfaßte Sagenlieder, die Überreste alter christlicher Poesie und eine große Menge von romantischen Prosasagen und Erzählungen. Ebenso von der verhältnissmäßig kleinen altdäni sehen Litteratur ist sehr viel entweder niemals herausgegeben worden oder nur in unbefriedigenden Ausgaben erschienen, z. B. die alten Prosachroniken, die einzige Handschrift der gereimten Chronik, alte Arzeneibücher u. s. w.

Der neue Verein wird bereits im Jahre 1880 sowohl eine alte isländische Handschrift als eine nur in einem Exemplare erhaltene altdänische Schrift herausgeben.

Die Schriften des Vereines (welche die Mitglieder umsonst bekommen) werden nur zu sehr erhöhtem Preise im Buchhandel zu haben sein. Das jährliche Contingent ist 5 Kronen (c. 5, 50 M.) und wird das erste Mal im Jahre 1880 bei der Zusendung der oben erwähnten Schriften eingefordert.

Wir fordern alle germanistischen Fachgenoßen dazu auf, das Ziel des Vereines zu fördern, indem sie sich möglichst bald als Mitglieder bei dem Herrn Prof. Dr. S. Grundtvig (Kopenhagen V. Platanvej 12) anmelden.

Personalnotizen.

Dr. J. Baechtold hat sich an der Universität Zürich, Dr. P. Franck an der Universität Bonn für germanische Philologie habilitirt.

Am 28. November 1879 f in Leipzig Dr. Ludwig Bock im 29. Lebensjahre.

Am 7. December 1879 f in Kopenhagen J6n Sigurdsson im 69. Lebensjahre.

ZUR tlBREKSSAGA.

IV.

Es lag in meiner Absicht, an dieser Stelle zunächst eine eingehende Untersuchung über das Verhältniß von AB zu M zu bringen und zusammenzustellen, was für eine gemeinsame Quelle beider (das Original der rs. nämlich) und gegen die Zurückfuhrung der Redaction AB auf unsere Hs. M spricht. Inzwischen aber habe ich, wie im Anhange ausgeführt wird, mich überzeugt, daß dazu eine vollständige Collation (bezw. Abschrift) von A und B nöthig sein wird. So verspare ich mir denn solche zusammenfaßende Arbeit für später und stelle hier nur übersichtlich zusammen, was von Storm und mir bisher in dieser Richtung geltend gemacht ist, indem ich nur einige neue Belege hinzufüge.

Storm hat p. 302 f. einzelne Stellen angeführt, wo AB gegenüber dem sinnlos entstellten Text von M einen beßeren und vollständigeren bietet, ohne daß man anzunehmen Grund hätte, der Redactor habe hier sinnreich geändert oder ergänzt*). Namentlich fällt aber ins

*) Als weitere Belege, aber nur beispielsweise für sehr zahlreiche andere, mögen hier noch folgende erwähnt werden:

109, Anm. 14 Nv vill hann [geraz binn maclr. tak nv AB] vid honum vel. — 174 * skiolld blan oc a markadr {AB, markad M) [hestr med AB] bleikum lit. — 186 ' oc [hans andlit er sva mikit. at AB] a milli hans avgna var [vel sva M] alnar, vgl. die Parallelstelle p. 6, 10—12 (*. oben p. 166**). — 186,s En Vidga leypr i mot hanom. oc flygr atgeirrinn ivir hann oc sva i iordina at ecki stod vpp af [ok misti i ishin Vidga i bessu siuni AB], bestätigt durch die Parallelstelle p. 366, 28 f. (vgl. oben p. 156 f.). — 187 5 [En Vidga leypr aptr i milli fota hanom. ba er hann reidir sie til l'allz. oc sva helt Vidga sinv lifi AB] bestätigt durch die Parallelstelle p. 367,4—7 (vgl oben p. 156). — 226 ** hon haevir [hana opt heyrt AB] nefhda [Heppu AB] faranda vif. — 251 ,6 Erminrikr konungr er kominn a ferd med sinn her oc vill drepa ycr [gern sua vel. farit sem hvatast AB] oc fordit ycr. — 253" Ver hofum skatt gefit .. . bann er uer attnm [at greida AB]. Der Zusatz ist unentbehrlich.

Kaum zu entbehren ist ferner der Zusatz 224 27. Die wichtige Stelle 190' ist von mir schon früher besprochen. Den richtigen Text, wo M sinnlos ist, gibt AB beispielsweise 264 u. 255 ,0. Dali das offenbar eingeschobene Capitel 194, welches Vidga's vorher erwähnte Verwandtschaft mit Aetgeir auseinandersetzt und übrigens auch in Sv. fehlt, in AB sich nicht findet, ist sehr beachtenswerth.

GERMANIA. Neue Uoilic. XIII. (XXV.) Jahrg. 17

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