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kommen Jahrhunderte lang als Ehrennamen fortführten. Für seine späteren Lebensjahre erscheint er 1283 als Püller (Widder geogr.-histor. Beschreibung der Churpfalz I, 65) durch König Rudolf und Pfalzgraf Ludwig in einem Rechtsstreite als Richter ernannt; als „Her Conrat der Buller von Hohenburg“ kommt er mit Friedrich von Wasichenstain (vgl. unten) 1288 in einer Urkunde des Markgrafen Hermann, Hasse und Rudolf von Baden vor, und zuletzt in einer anderen vom Jahre 1301 bezeugt er (Mone, Zeitschr. f. d. Gesch. d. Oberrheins VIII, 177): „Ich Conrat der Pullere Wrgie das ich min ingesegil dürch Frideriches bethen wyllen von Wyniftem mines hoümen an disen briefh giehinchet han Dis giesach an demme jar do man zelthe von gottis bürthe drüzenhündirt jar und ein jar an demme sunnendache Circumdederunt.“ Und mit diesem Jahre verschwindet sein Name. Ein Bruder unseres Konrads, Heinrich von H., der zugleich mit dem ersteren in der oben erwähnten Urkunde vom Jahre 1262 als „Frater Henricus de Hohenburg“ erscheint, adoptierte noch nicht seines Bruders Beinamen Puller, war zu dieser Zeit schon hochbejahrt und Mitglied einer straßburgischen religiösen Genoßenschaft. Seine religiöse Gesinnung bethätigte er u. a. 1309 durch Ankauf mehrerer Häuser und Bauplätze vor der Spitalpforte zu Straßburg behufs Aufnahme fahrender Weiber, „die sich aber wieder zu gutem sittlichem Leben bekehrt hatten“. Aus diesen Liegenschaften, die er 1315 dem Straßburger Magistrate zum Geschenke machte, wurde noch zu seinen Lebzeiten das neue Spital erbaut, er selbst wurde der erste Verwalter und Rechner dieser Anstalt, die später eines so guten Fortgangs sich erfreute, daß laut einer Straßburger Chronik „dieser Spital also zugenomen hat, vnd seind von der Statt ettliche gefell darzu verordnet worden, das Järlichen auff 20 oder 30000 frembder Menschen darinnen vber nacht gespeisset werden mögen“. Einem späteren Konrad Puller wurden durch Ruprecht von der Pfalz 1401–1407 zu seiner Veste Hohenburg noch sieben umliegende Dörfer als Lehen verliehen, wie denn die Besitzungen des Geschlechts mehrere Jahrhunderte lang in stetem Zunehmen begriffen waren, bis mit Wirich Puller (vgl. auch Heitz in der „Alsatia“, Colmar 1873, S. 324), der zwischen 1450–53 starb, der so glänzende Stern des alten und ruhmvollen Stammes unterging. Sein einziger Sohn nämlich, Richart (Trithemius nennt ihn „vir bellicosus et inquietus“ Chron. Hirs. II, 420) entzweite sich nicht nur mit seinem Lehensherrn, dem tüchtigen und einsichtsvollen pfälzischen Churfürsten Friedrich I. dem Siegreichen, so daß ihm dieser 1455 wegen seiner Widersetzlichkeit die Stammveste Hohenburg ent

zog, sondern diesem letzten Spröblinge des Geschlechtes war auch ein schreckliches Los und Ende vorbehalten. Seiner väterlichen Güter entsetzt, war er zu Strasburg in einen geistlichen Orden getreten, wurde 1482 der Sodomiterei angeklagt und Aluchtete deshalb aus dem Elsab nach Zürich. Hier erhielt er das Bürgerrecht und gelangte zu so hohem Ansehen, daß es, als die Züricher den Straßburgern wegen des durch Richart bei den letzteren verübten Frevels keine Genugthuung geben wollten, fast zu einem Kriege zwischen beiden Städten kam. Allein bald darauf wurde er auch in Zürich dieses unnatürlichen Verbrechens überführt und daselbst vor dem Stadtthore lebendig verbrannt (Leu, helvet. Lexikon 8. v. Hohenburg; Schöpflin, Alsatia illustr. II, 146). Mit ihm erlosch das Geschlecht der Puller und die Veste ,Hohenburgk gelangte in den Besitz der Sickinger Familie, als welche sie zuerst 1504 dem Schweikart v. S., dem Vater des Franz v. S., durch Heirat mit der Margaretha von Hohenburg durch Erbschaft zufiel und er scheint sowohl nach einer in G. Lehmanns Burgen der Pfalz I, 16 angeführten Urkunde Geschehen zu Hohenburgk vff Zinstagk den IX. Nouembris Anno 1546“ um diese Zeit als auch noch 1673 (ibid. S. 21) als deren Eigenthum, bis sie zuerst durch die verbindeten Fürsten in der Fehde mit Franz erobert (12. Mai 1523) und dann nach dem Abschluß des Nymwegener Friedens 1679 durch den berlichtigten französischen General Montclair vollends zerstört wurde. Das Wappen der Puller war nach dem Bilde der alten handschriftlichen Minnelieder ein getheilter Schild, rechts Gold oder gelb, links blau).

An der Hohenburg und ihrer näheren Umgebung haften viele Sagen. Der waldige ebene Platz auf der Höhe zwischen den beiden Burgen Hohenburg und Wegelnburg heißt der Stöckelgarten". Es soll dieß ehemals ein prächtiger Garten gewesen sein, wo die Ritter sich mit goldenem, noch jetzt im tiefen Brunnen begrabenen Kegelspiel vergnügten. Und nicht weit davon am Bergabhang liegen die Reste der Burg Löwenstein **), vom Volke der Lindenschmidt“ genannt. Einer der schlimmsten Junker, so sagt man, hatte da oben seinen

Vgl aucb B. Hertzog Elsås. Chron. Buch 6, 8. 198. M. Zeiller, Itiner. German. 290. Schöpflin, Alsat. Illustr. II, 263. 43A 516. Spach, Congrés 1860, 474. Fr. X. Kraus, Kanst u. Alt in Elsao-Lothr. 103. J. G. Lohmana, Burgen d. t'nter-Elabet. 8. 105 fl.

**, Cber die Burg Lowenstein (Lawenstein) vgl. Spach a a. 0. 180. 176 Schöpflin a. a. 0. 936 263. 349. Die Zerstörung der Burg im Jahre 1886, damals schon ein Räubernest, erzhlt Königshafen in seiner straburgischen Charonik, S. 342

Sitz, der seinen Pferden die Hufeisen verkehrt aufschlagen ließ, um seine Nachbarn zu täuschen. Als wilder Jäger aber muß der Ritter vom Löwenstein, gleich dem „Schnellertsgeiste“ oder dem Rodensteiner im Odenwalde, mit dem ihn auch die Sage verknüpft, als „Lindenschmidt“ von Zeit zu Zeit Feld und Wald durchstreichen mit Hundegebell und Peitschenknall, wenn aber Krieg und böse Zeiten bevorstehen, ist er beständig auf dieser wilden Jagd. Die historische Persönlichkeit aber des „Hans Lindenschmied“, Dienstmann des Pfalzgrafen Philipp um 1490, wird noch heute im Dorfe Nothweiler unten besungen: Es ist mit lang, daß es geschah, daß man den Lindenschmied reiten sah auf seinem hohen Roße. Er ritt den Rheinstrom auf und ab hat sein gar wol genoßen*).

In nicht sehr weiter Entfernung von Hohenburg liegen die Überreste der Burg Wasichenstein. Zwar taucht auch dieses Rittergeschlecht erst um 1274, also um dieselbe Zeit wie das hohenburgische, mit dem es in späterer Zeit auch in Verwandtschaft trat (Whe, Vihe, Fihe = Euphemia von Wasich. war dem oben erwähnten Wirich Puller v. H. verheiratet) in der Geschichte auf, allein was unser Interesse für diesen Namen in hohem Grade zu erregen geeignet ist, ist der Umstand, daß die Stammburg „Wasichenstain“ (Wasgenstain), so genannt, weil sie, im Wasgen oder Wasichin*) gelegen, zwar in späterer Zeit, jedoch an altberühmter Stätte erbaut wurde. Nördlich von Weißenburg auf der Straße nach Bitsch, zwischen den Dörfern Nieder- und Obersteinbach, steigt plötzlich der Doppelklotz des Wasichensteins auf, der mit den Heldensagen im Walthariliede und den Nibelungen eng verbunden ist und dessen Localität in dem ersteren genau eben so geschildert wird, wie sie noch heute sich darstellt. Ich führe die betreffende Stelle aus dem Walthariliede (Ausg. von Scheffel und Holder v. 490—96 an):

*) Liliencron, histor. Volkslieder d. Deutschen II, 289–90. Eschenburg, Denkmäler altdeutsch. Dichtk., S. 450. Erlach, Volkslieder I, 200–202. Des Knaben Wunderhorn I, 125 (aus Meißner's „Apollo“ 1794, S. 173). Uhland, deutsche Volkslieder I, 358. Schaab, Gesch. d. rhein. Städtebundes I, 523. II, 511 ff. Klüpfel, Urkunden z. Gesch. d. schwäb. Bundes, S. 91. – Über den wilden Jäger, der bald Rodenstein, bald Hackelberg, bald auch „Melac“ heißt, vgl. Dobeneck, des d. Mittelalters Volksglauben I, 62. Vulpius, Curiositäten II, 472 ff. Grimm, deutsche Sagen I, Nr. 304 ff und Mythologie 515–34. Ähnliche Sagen betreffen die büßende Jägerin zu Schlenz und den wilden Jäger zu Freistadt in Schlesien vgl. H. Godsche, schles. Historien-, Sagen- und Legendenschatz, S. 103. 146 ff., und finden sich auch in den Niederlanden: Wolff, niederländ. Sagen, S. 351 ff., und Dänemark: Thiele, Damm. Folkef. II, 113 ff.

*) Die Form des Wortes erhielt sich noch bis in das 17. Jahrh, so sagt der Straßburger Theophilus Elychnius (= Jacob Dachtler) in seiner Schrift „Relatio ex Parnasso“ (Straßburg 1619) S. 41: „Philesius Ringmann, ein Waßgauer oder am

„Venerat in saltum iam tum Vosagum vocitatum.
Nam nemus est ingens, spatiosum, lustra ferarum
Plurima habens, suetum canibus resonare tubisque.
Sunt in secessu bini montesque propinqui,
Inter quos licet angustum specus extat amenum,
Non tellure cava factum, sed vertice rupum:

Apta quidem statio latronibus illa cruentis.“

Auf die Geschichte der Burg selbst und die Schicksale ihrer Bewohner näher einzugehen, würde hier, als nebensächlich, zu weit führen. Es genüge zu erwähnen, das es ursprünglich zwei Stimme oder Familien waren, welche die Veste bewohnten. Der früher er wähnte Friedrich von Wasichenstein († um 1304), Zeitgenoße und Freund Konrad's Puller von Hohenburg, machte mit diesem zugleich den Feldzug Rudolf's gegen Ottokar mit, leistete jenem Monarchen die ersprießlichsten Dienste und erhielt von ihm 1278 zu Wien für seine erlittenen Verluste eine Verschreibung über 50 Mark Silber. Als der letzte männliche Nachkomme der Familie erscheint Cantze v. W.. der um das Jahr 1355 in die Versammlung und den Rath der Fünfzehn, die im Elsal über den Landfrieden und dessen Beobachtung zu wachen hatten, gewählt wurde; nach ihm finden wir keinen Wasichensteiner Herrn und Ritter mehr unter dem elsåßischen Adel. Die alte Familie aber erlosch gänzlich mit dem letzten weiblichen Sprößling Fihe v. Was., der kurz nach 1408 starb. Die Burg selbst gelangte nach mannigfachem Besitzwechsel im 15. Jahrh. in das Los des Grafen Symon von Zweybrücken und der Grafen von Hanau Lichtenberg. Was der verheerende dreißigjährige Krieg etwa noch verschont hatte, fand in den späteren französischen Cberfallen und Kriegen gegen das Ende des 17. Jahrb. seinen völligen Untergang. Die Wappen der beiden Familien waren: das der alteren ein mit einem Rechtsquerfaden

Wasichin bärtig.- C'ter den Verfaber dieser und anderer Schriften, damals stral burg. Rathsreferent uod Actuar, der in der allgem. d. Biographie keine Besprechung gefunden hat, vgl. u. A. Opel und Cobo, der dreinigjährige Krieg (Halle 1869. &, S. 483, und F18gel, Kom. Literatur III, 381.

belegter Löwe, dessen Tincturen jedoch nicht mehr anzugeben sind; das der jüngeren, wozu auch Friedrich v. Wasichenstein zählte, nach einem Exemplare vom Jahre 1299, sechs silberne Hände in einem rothen Schilde*).

EDENKOBEN, im November 1879. J. FRANCK.

MITTELHOCHDEUTSCHE KETTENREIME.

So viele Quodlibets in poetischer Form aus den letzten Jahrhunderten des Mittelalters sich erhalten haben, so ist die besondere Art derselben, die wir mit Wackernagel am besten Kettenreime der Kinder nennen können, doch nur ganz vereinzelt vertreten. Bisher war nur ein einziges Beispiel bekannt, welches aus einer Straßburger Handschrift des 14. Jahrhunderts Graff in seiner Diutiska 1, 314 f. abdrucken ließ*).

Ein zweites Beispiel bietet die Münchner Handschrift Clm. 16226, Bl. 298 (vgl. Catalogus cod. lat. bibl. Monac. II, 3, 63) aus dem 15. Jahrhundert. Das Gedicht führt die Überschrift Ein vierd lied, was sich unzweifelhaft auf die eigenthümliche Form des Gedichtes bezieht, in welchem in zwei aufeinander folgenden Versen zwei Begriffe zusammen viermal in der Form

a – b
b – a

genannt werden.

Für das Alter des Gedichtes maßgebend sind einige Wortformen. Vor Allem ravt, welche Form durch den Reim V. 2 verlangt wird. Das Wort kommt nach der Mitte des 14. Jahrhunderts nicht mehr vor, und scheint schon um diese Zeit ziemlich außer Gebrauch gekommen zu sein. Daß der Schreiber es nicht verstand, beweist die dem Reim trotzende Entstellung in rayfein. Ferner weist qan in Z. 1 auf gein, wofür gan steht, wie an für ain, ein; die Form gein aber findet sich kaum mehr im 15. Jahrh. Auch die Form alter ( psalter) 14 begegnet

*) Vgl. hiezu Schöpflin a. a. O. II, 218. 230. 233. 242. 248. 253. 675. Scheffel und Holder, Walthariuslied. Lat. u. deutsch. Stuttg. 1874. Scherer, Mittheil. d. Vogesen-Clubs, Nr. 2. Gödeke, Grundr. I, 6–7. J. G. Lehmann a. a. O., S. 196 ff. Vgl. auch Fabricius, Bibl. lat. med. aev. II, 236, und Literar. Blätter IV, 43–45.

*) In bereinigter Gestalt bei Wackernagel, LB.“ 967 ff.; vgl. dessen Literaturgeschichte S. 258.

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