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verloren, trotz seiner falschen Haut erkennt, ihm jedoch eine Lebensfrist bis zum nächsten Morgen gewährt (905—1453). Durch Einschläferung der Wächter und vermittels anderer Listen entkommt er nach 36 Tagen (oder nach 7 Jahren)*) wieder nach Jerusalem (1454 —1850), wo ihn sein Bruder, der König, nur mit Mühe erkennt (1851—1999). Beide fahren dann mit einem Heere übers Meer nach der Burg zu Wendelsee, in welche sich Salomon verkleidet und mit verborgenen Waffen begibt und wo ihn als Pilger Pharo's Schwester freundlich empfängt. Ihre Muthmaßung, es sei König Salomon, theilt sie ihrer Schwägerin Salme mit, will ihn aber gegen den gedrohten Tod schützen. Salme läßt ihn vor sich holen und verräth ihn ihrem Gemahl Pharo, während dessen Schwester über Tisch ihn auffordert, dem Salomon sein Weib wiederzugeben, und letzterem hinterher auf seinen Antrag, ihn nach Jerusalem zu begleiten, erklärt, sie thäte es, wenn es, ohne ihm ans Leben zu gehen, geschehen könnte (2000—2330). Hierauf vor Pharo tretend und von diesem befragt, was er zu erwarten hätte, wenn er in Salomons Gewalt wäre, erklärt dieser, er würde ihn in diesem Falle hängen laßen, und spricht sich so sein eigenes Urtheil unter Beistimmung Salme's. Er soll dann bis zum Morgen in ein eisernes Gefängniss gesperrt werden, wird jedoch auf Bitten der Schwester Pharo's und auf Gefahr ihres eigenen Lebens die Nacht über deren Obhut überlaßen, während welcher sie ihn entfliehen laßen will, was er jedoch nicht annimmt (2331—2550). Am anderen Morgen wird Salomon, von der jammernden Schwester Pharo's begleitet, an den Rand des Waldes zum Galgen geführt (2551—2653). Auf sein Bitten und trotz Salme's Abrathen, wird ihm gestattet vor dem Tode dreimal ein Hörn zu blasen, worauf Morolf und seine Schaaren aus dem Walde hervorbrechen und den seiner verborgenen Waffen sich nun tapfer bedienenden Salomon befreien. Nachdem sie den Sieg errungen und den König Pharo an den Galgen gehenkt, kehren sie mit der wider Morolfs Rath am Leben gelaßenen und Beßerung gelobenden Salme und der gern folgenden Schwester Pharo's übers Meer nach Jerusalem zurück, woselbst letztere in Folge des erhaltenen Versprechens, nach Salme's Tode des Königs Frau zu werden, sich taufen läßt und den Namen Affre erhält (2551—3224). Sieben Jahre nachher hört König Princian von Abers Salme's Schönheit preisen und entführt sie, als Pilger sich zu ihr begebend, mit ihrem Willen und trotzdem Morolf

*) Aus dieser und anderen Stellen scheint zu erhellen, daß dem Verf. des Gedichtes zwei oder mehrere von einander abweichende Versionen vorgelegen haben.

den Bruder warnt, übers Meer in seine Heimat (3225—3270). Morolf sucht Salme auf und, obwohl unter vielfachen Vermummungen (auch als Krämer) von ihr erkannt, gelingt es ihm gleichwohl endlich zu entkommen und dem König Salomon Nachricht von ihrem verborgenen Aufenthaltsort zu hinterbringen (3271—3309). Morolf zieht dann wiederum mit einem Heere übers Meer, tödtet den König Princian in der Schlacht, schlägt dem Leichnam das Haupt ab*) und bringt Salme nach Jerusalem zurück, worauf er nach früher von Salomon erhaltener, später freilich wieder bereuter Erlaubniss sie alsobald ohne dessen Wißen im Bade erstickt**), Salomon aber Pharo's Schwester zur Frau nimmt (3310—4215).

Die kürzere Fassung hat nach Abzug des Spruchgedichtes folgenden Inhalt:

Nachdem Morolf von Salomons Hof verjagt worden, schenkt des letzteren Frau ihre Liebe einem fernewohnenden Heidenkönig und dieser sendet zwei Spielleute zu ihr, welche sie durch ein Zauberkraut in einen Scheintod versenken, aus dem sie der unter Versprechen der Sicherheit herbeigeholte Morolf zwar auch nicht vermittels geschmolzenen durch ihre Hand hindurchgegossenen Bleies zu erwecken vermag, jedoch verspricht er, sie trotzdem wieder zu beleben; allein die Spielleute entführen sie schon vorher in der dritten Nacht (1605—1700). Morolf, als Krämer verkleidet, sucht die Königin dann auf und bringt, nachdem er sie gefunden, dem Könige Salomon Nachricht von ihrem Verbleib (1700—1765). Auf seinen Rath begibt sich Salomon in Pilgertracht zu ihr, nachdem er sein Heer und Morolf im Walde zurückgelaiien, wird aber von seiner Frau erkannt und soll gehenkt werden da er nach eigener Aussage im umgekehrten Falle dem Heidenkönige gleichen Tod bereitet hätte. Man führt ihn nun, damit er sich einen Baum wähle, in den Wald, gestattet ihm aber trotz dem Abrathen der Königin wegen seines hohen Geschlechts sein Hörn dreimal zu blasen, worauf die verborgene Schaar mit Morolf herbeieilt und den Heidenkönig nebst all den Seinen erschlägt, die Königin aber, nach Jerusalem

*) S. hierüber mein Bach „Zur Volkskunde" S. 40, Anm.

**) Morolf läßt die Königin ein Bad nehmen, da sie mit einem anderen Manne Umgang gehabt (nach der fremden mynne). Es heißt dann höhnisch weiter: „Vor sie knyete Morolff der kune man, An der riemen ädern er ir ließ, Er druckte sie so lyse, Das ir die sele ußging", d. h. er ließ ihr mit einem (ihr um den Hals gelegten) Kiemen zur Ader und drückte sie damit so leise, daß ihr die Seele ausging. — Baden und Aderlassen geschah ehedem zu gleicher Zeit und darauf wird hier angespielt.

zurückgebracht, im Bade durch Blutlaßen den Tod erleidet (1765 bis 1875).

Daß diese beiden Versionen mit einander im Ganzen übereinstimmen, ersieht man leicht, und ihre Abweichungen beweisen eben nur, daß die kürzere keineswegs eine Abkürzung der längeren ist, sondern einer anderen Gestaltung des Grundstoffes folgte. Beide aber gehen auf eine gemeinschaftliche Stammform zurück, und diese gehört wieder augenscheinlich dem Sagenkreise an, den ich in meinem Buche „Zur Volkskunde" S. 33 ff. (zu den Nugae Curial. des Gualterus Mapes Dist. III, Cap. 4) behandelt habe und der ohne Zweifel auf Indien zurückweist. Von den dort angeführten Sagen will ich hier zur Vergleichung nur zwei, die eine aus den Nugae, die andere aus Boguphals Chronicon hersetzen; letztere nach Grimms Auszug. Erstere lautet so:

„Raso ist ein Christ und Valvassor, der in der Nähe eines heidnischen Admirals (admirabilis, quod nomen dignitatis est) eine feste Burg erbaut hat und oft mit seinen Nachbarn streiten muß. Er besitzt einen Sohn und eine zweite Frau, welche letztere einst den von ihm gefangenen Admiral zur Bewachung erhält, indeß mit demselben in Raso'8 Abwesenheit auf dessen Lieblingsroß entflieht. Baso, den Verlust seines Lieblingsroßes beklagend, schleicht sich als Bettler in die Heidenstadt, wird von seiner Frau erkannt, durch sie verrathen und zum Tode geführt, jedoch von seinem herbeieilenden Sohne befreit, der den Admiral tödtet, während die Treulose entkommt. Wiederum sich verkleidend, begibt sich Raso, der noch immer den Verlust seines Roßes nicht verschmerzen kann, aufs neue in die feindliche Stadt und behorcht sein untreues Weib, wie sie mit einem Ritter verabredet, bei Tagesanbruch mit ihm zu entfliehen. Er selbst wacht nun die ganze Nacht an dem festgesetzten Orte des Zusammentreffens, wo die Buhlerin, von Ungeduld getrieben, früher anlangt als sie soll, so daß sie, wegen der Dunkelheit den Irrthum nicht gewahrend, mit dem eigenen Gatten davoneilt, der nun, weil sie die Pferde getauscht, auf sein Lieblingsroß zu sitzen kommt. Vor Müdigkeit entschlafen, wird er von ihr am Schnarchen erkannt und gebeten, abseits ein wenig schlummernd sich auszuruhen, was er auch thut, jedoch ohne abzusteigen und auf seine Lanze gestützt. Indeß verfolgt der sich getäuscht glaubende Heidenritter die Fliehenden. Durch das Wiehern und Stampfen des kampfmuthigen Roßes geweckt, ruft nun Raso den in der Nähe mit einer Kriegerschaar harrenden Sohn herbei, besiegt seine Gegner und kehrt in seine Burg zurück, nachdem sein Sohn im Kampfgewühl seiner Stiefmutter den Kopf abgeschlagen, den er als Trophäe davonführt."

Grimms Auszug aus Boguphal lautet:

„Walgerzs besiegt Wislaw den Schönen, Herrn von Wislicz und legt ihn in seiner Burg gefangen. Mit diesem entspinnt Helgunda einen Liebeshandel, löst ihn aus den Banden und begibt sich mit ihm auf die Flucht, während ihr Gemahl abwesend war. Die Treulose weiß hernach Walgerzs in Wislaws Gewalt zu locken (sie sagt ihm nämlich, letzterer habe sie wider ihren Willen fortgeführt), und der Held wird an die Wand des Speisesaals festgeschloßen, von wo er Wislaw und Helgunden täglich anschauen muß. Seine besondere Bewachung ist Wislaws häßlicher Schwester anvertraut; diese, von Liebe zu ihm gerührt, schafft ihm eines Nachts ihres Bruders Schwert, mit welchem sie erst Walgerzs seine Feßeln löst*), worauf er Wislaw und Helgunden überfällt und beide mit einem Streich tödtet."

Diese beiden Sagen werden zur Vergleichung mit der epischen Erzählung imSalomon undMorolf genügen, um die Identität der letzteren mit jenen und also auch mit allen anderen von mir a. a. O. beigebrachten Sagen aufs deutlichste zu zeigen. Der Hauptinhalt ist überall der nämliche, und was Einzelheiten betrifft, will ich beispielsweise nur hervorheben, daß wie in dem deutschen Gedichte Cyprian von Salme aus dem Gefängniss entlaßen und Salomon später der Obhut von Pharo's Schwester übergeben wird, die er schließlich zu seinem Weibe macht, gleiches in der polnischen Chronik mit Bezug auf Wislaw und Helgund so wie auf Walgerzs und Wislaws Schwester stattfindet, die ersterer gleichfalls heiratet. (Diese dem jedesmaligen Gefangenen ihres Bruders geneigte und endlich von ihm geheiratete Schwester kommt auch in anderen Versionen der in Rede stehenden Sagen vor.) — Raso's wiederholte Verraummungen, um wieder in den Besitz des ihm von seiner entflohenen Frau entführten Lieblingsrosses zu gelangen, finden sich wieder in denen des Salomon und des Morolf, wobei letzterer auch als Krämer auftritt und seine Waare feilbietet, wie der seine treulose Frau aufsuchende Ehemann in der Historia infidelis mulieris (s. Zur Volkskunde S. 41). Auch der Umstand, daß in S. und Mor. die untreue Königin zwei Buhlen nach einander hat (erst Cyprian,

*) Bei Grimm steht: „mit welchem Walgerzs seine Feßeln löst", bei Boguphal lautet aber die Stelle: Que mox ense apportato dauern cuiuslibet böge seu ferree ligature in parte extrema, ut Walterus jusserat, [de] ense precidit, ensemque inter dorsum Walteri et parietem reposuit, ut temporis opportunitate captata securius abscedere possit cet,

dann Pharo) findet sich in der Erzählung der Nugae Cur. Doch wäre es überflüßig auf dergleichen Einzelheiten noch weiter einzugehen; der Satz, den ich beweisen will, ist einleuchtend genug, und mir bleibt nur noch ein Umstand zu erwähnen. Sophus Bugge hat nämlich auch auf eine hierhergehörige nordische Version hingewiesen (Zur Volkskunde S. 42; German. XI, 172 f.), die mir jedoch leider nicht vollständig, sondern nur aus Müllers Sagabibliothek 2, 448 ff. (dän. Ausg.) bekannt ist, und wiederhole ich hier den kurzen Auszug der betreffenden Stelle. „Hjorleif hatte den Beinamen der Weibertolle (Quindekisere) weil er auf einmal drei Weiber hatte. Trolle und Seegeister weissagten, daß es übel ergehen würde, und kurz nachher wurde er von einem seiner Schwiegerväter überfallen, weil derselbe ihn in Verdacht hatte, seine plötzlich gestorbene Tochter getödtet zu haben. Hjorleif entkam aus seiner Burg und begab sich auf einem Schiffe nach Hreidars Wohnsitz, wo er jedoch von emer seiner Frauen alsbald erkannt und auf ihren Befehl an seinen Schuhbändern zwischen zwei Feuern (wie Odin in Grimnismäl) aufgehängt wurde. Nachdem aber alle im Trinksaal eingeschlafen waren, goß seine andere Frau Oel*) ins Feuer und durchhieb mit einem Schwerte die Schuhbänder, worauf Hjorleif sich an seinem Feinde rächte." Hieraus ersehen wir, daß der dem Hjorleif von seiner treulosen Frau zugedachte Feuertod dem Zug entspricht, daß in der Hist. infid. mul. dieselbe ihren gefangenen Gatten an eine Säule binden und glühende Kohlen unter ihn setzen läßt, die ihn langsam verzehren sollen. Das Einschlafen der im Trinksaale anwesenden Personen in der nordischen Sage findet sich wieder in der Einschläferung der Wächter Morolfs (V. 1483 ff. der ersten Vers.), die zweite Frau Hjorleifs in Pharo's oder Wislaws Schwester und das Entzweihauen der Schuhbänder Hjorleifs durch jene in dem Entzweihauen der Bande des Walgerzs durch Wislaws Schwester. Der Bericht über Bugge's Mittheilung in den Verhandlungen der Videnskabs-Selskab zu Christiania schließt mit folgenden Worten: „Gegen Liebrechts Meinung, daß die Quelle die indische Erzählung sei, die wahrscheinlich durch die Mongolen nach Europa gekommen wäre, spreche namentlich die altnordische Sage, die bei uns kaum jünger sei als das Heidenthum. Das Alter derselben erhelle aus mehreren Versen in der Sage, von denen eine in berichtigtem Text mitgetheilt wurde. Es fände sich ferner kein Zug in der Sage, der mit Bestimmtheit auf einen indischen Ursprung hinweise; daß sie aber aus dem Orient zu uns gekommen sei, wäre gleichwohl möglich." Allerdings und zwar nicht nur möglich,

*) Steht im altn. Text vielleicht öl (Bier)?

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