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Neben dem gewöhnlichen und häufigen niht reimt im Tageliede zweimal nieht : licht (88, 18. 27), in einem Spruche, der vermutlich nach Thüringen gehört niet : diet 101, 33. Einmal braucht er swâr (: jár 121, 39) statt des gewöhnlichen swære; hêr (: sêr 54, 5. mêr 56, 26) neben dem gewöhnlichen hêre; rich 64, 1. 81, 23. 92, 37 neben riche; milt 26, 35. 80, 29 neben milte.1 denne (: erkenne 49, 2) neben danne (: pfanne 34, 34. : manne 110, 10); geschrei (: enzwei 104, 2) neben schrê -(: 25, 14). Die Substantiva auf -inne haben gewöhnlich die lange Form füegerinne : inne 46, 32, gebiterinne : küneginne : inne 4, 34. küneginne : sinne 118, 27; aber einmal ist auch durch den Reim künegîn : sîn belegt 41, 1. Die Substantiva auf -ære werden im Reim nie verkürzt: klôsenere 9, 37. merkære 11, 26. 98, 16. kanzellære 85, 7. kamerære 85, 8. lechelære 30, 12. Missenere 12, 3. 106, 3. almuosenere 10, 28. lügenere 61, 4. barmenere 76, 27. gougelæren 37, 34; wohl im Jnnern des Verses : rihter 30, 19. 148, 4. süener 33, 29; statt soldener 125, 8 gestattet das Metrum soldenære, für spehere 59, 5 spehere. Zweifelhaft ist wahter 89, 35. Die Endung - lâch bewahrt ihr langes î im Adverbium ? und den flektierten Formen: bescheidenliche 70, 22. geliche 21, 2. 77, 36. 120, 30. miltecliche 17, 6. schedelîche 45, 7. sicherliche 13, 12. wünnecliche 75, 22. innecliche 40, 5. sumelîche 51, 2. ungenædeclîche 52, 13. lasterliche 12, 11. sicherliche 77, 38. lasterlîchen 21, 20. sicherlîchen 113, 4. trügelîchen 26, 24; in den unflektierten Formen hat sie gewöhnlich î : minneclich : entwich 121, 9. 10mgelich : rich 63, 37. rich : gelich 92, 37. froidehich : minmeclach 121, 7. wünnenrích : gelich 54, 27; aber zweimal i: dich : genædeclich 7, 33. ich : mich : lobelich 116, 36; auch sind die Reime lich : rich nicht ganz sicher; denn das Adj. rich reimt 81, 23 auf sich, und der Name Dietrich 82, 11 auf dich (s. Lachm. zu 81, 23.)3 – Die Adjektivendung iu ist zu e geschwächt 39, 15 beide : heide, 58, 7 tumbe : umbe (Wackern. Vorr. S. XXXIV). – Neigung die Quantität der Vokale in den . Stammsilben zu verwischen, bekunden nur die Reimbindung

1) Über milt und aht s. oben S. 30 A. über stat S. 23.

2) Das Adverbium geht immer auf - lâche oder - lâchen aus, nicht auf lich od. lich: bescheidenlîche, eigenlîchen, endelîche, êweclichen, frevell., friuntl., fræliche, gelîche, hoveliche, -en, inneclîche, -en, jâmerliche, kristenlîche, kündeclîchen, lasterlîche, -en, lieplîchen, menneschl., miltecliche, minneclîche, - en, offenliche, riuwecliche, schedelîche, stæteclîche, tougenlâche, trügenlîchen, ungelîche, ungenædeclîche, ungezogenl., unlobelîche, unminnecl., unschedel., vaterlichen, volleclîche, werdeclîche, -en, willecliche, - en, wunderlichen, wünneclîche, -en, zornecliche, - en. gelich gevar 5, 5 liesse sich auch gelîche gevar lesen, aber der Vers gehört einer unechten Stelle an; verworrenliche verkêren 109, 22 ist gleichfalls erträglich (s, ob. S. 28); 90, 24 ist mit WB zu lesen: vor mînen ougen tegeliche vert (st, teg. v. m. 0. v.), wodurch der Vers zugleich seinen Auftakt erhält.

3) In den Pron. wëlh und sulh ist das į ganz erloschen. Bartsch schreibt 94,4 ohne Wahrscheinlichkeit soliche.

-ar : -ôr in getar : wâr 62, 32, gar : jâr 124, 22, welche nächst der von -an : -ân die am weitesten verbreitete ist und wie jene begründet in der mangelhaften Artikulation des folgenden Konsonanten.1 – Umgelautetes und gebrochenes e halten sich gesondert, der allgemeine Gebrauch, das Verbum wellen (lat. velle) und das Pron. jener auf Wörter mit e zu reimen, ist in der Aussprache wenigstens des schwäbischen Dialektes begründet resp. entschuldigt (Franck ZfdA. 25, 221 f). Die breite bairisch-österreichische Aussprache des o bezeugt der Reim verwarren (st. verworren : pfarren (Weinhold § 21). – Der Umfang des Umlautes ist nicht genau zu bestimmen; jedenfalls hält der Dichter umlautbare und nicht umlautbare Wörter auseinander; ausgenommen etwa: mit hulden (huldîn) : verschulden (farskuldôn) 14, 35; s. zu 8, 12.

Der Übergang von m in n im Auslaut von Stammsilben, den die Alemannen besonders lieben (Weinhold § 198) begegnet einmal nam : spileman 63, 3. Dass die 2 Pers. Plur, auf - ent dem Dichter zukommt, lässt sich nicht nachweisen (Wackern. Vorr. S. XXXIII). Das Subst. werlt behauptete in der Sprache Walthers wohl sein r, da es nie im Reime erscheint (ebend.). Auslautendes h ist abgefallen in lộ 76, 11. 79, 16. drû 76, 16. und neben höhe (Adv.) ist in häufigem Gebrauch. So steht denn auch vervân : hân 185, 23 neben umbevâhen : gâhen 119, 31 (Lachm. zu Iwein 6444).3 Anderseits reimt h (got. h): ch (got. k) z, B. sah : brach : sprach etc. Eine schwache Aussprache des auslautenden ch ergiebt sich für ich aus dem auf S. 40 bemerkten. - Für strenghochdeutsches t tritt nach n und 1 in bekannter Weise d ein; Reime wie solde : wolde, schande (ahd. scanta) : erkande beweisen natürlich nichts, wohl aber munde (ahd. munde) : stunde (ahd. stunta), schelden (ahd. schelten) : melden (ahd. meldên); für die Verbindung rt fehlen beweisende Beispiele.4

1) Reinmar 160, 39 hâr : gar. 189, 9 lân : an. Hartmann 212, 9 undertâm : getoan. 1 Büchl. 511 max : làm. ZfdA. 16, 119. 121.

2) wëlle : helle 12, 14. 33, 35. : redegeselle 86, 28. : bestelle 26, 13 : vervëlle 33, 36. jänen : wenen 60, 38.

3) Das Praet. vie kommt auch im Reim vor, wie lie, gie.

4) Im Text haben wir Lachmanns Orthographie beibehalten, obschon es wahrscheinlich ist, dass sie in manchen Punkten der Sprache des Dichters nicht entspricht. Über einzelnes spricht sich Lachmann aus in der Anm. zu 10, 27 manigen oder menigen), 11, 3 (kilche od. kirche), 11, 34 (-ent 2 p. pl.), 18, 6 (hérre od. herre), 26, 36 (aber abe, oder ode), 92, 36 (beschehen st. geschehen), 98, 31 (dien st. den).

Die metrische Form.
1. Wort- und Versaccent (Betonung und Ictus).

Das alte Grundgesetz des deutschen Verses, nach welchem Wortaccent und Versictus zusammenfallen müssen, besteht bei Walther in Kraft. Am seltensten wird es in zweisilbigen Wörtern verletzt, und nur im Eingang des Verses, wo der Widerstreit am leichtesten überwunden wird: beitét 23, 38. singét 18, 9. höveschént 62, 21. sumér 35, 16. disé 63, 4. zwischen 13, 20. küngîn 77, 12. mâcschäft 79, 22. Auch dreisilbige Wörter, die durch Elision des auslautenden e zweisilbig werden, kommen einigemal vor: herzoge 28, 11. 32, 5. 35, 17. wolveilę 81,15, und einmal sogar im innern Verse barmunge 7, 36. Die Betonung der Eigennamen Walther 100, 33. 24, 34. Reimár 82, 29 mag auch der gewöhnlichen Rede nicht fremd gewesen sein. Die meisten dieser Stellen fallen auf die Sprüche, eine (77, 12) in ein Kreuzlied, eine andere (7, 36) in den Leich, eine dritte (Walthér 100, 33) in den Dialog mit der Frau Welt, nur zwei gehören einem Minneliede an (62, 21. 63, 4) und zwar demselben, das auch den befremdlichen Reim getar : wâr hat. –

Öfter, und auch im innern Verse, begegnet der Widerstreit zwischen Wort und Versaccent bei mehrsilbigen Wörtern, deren natürliche, absteigende Betonung den Gebrauch im regelmässigen jambischen oder trochäischen Verse ausschliessen würde. Den Ictus auf die mindest betonten Silben zu legen, meidet Walther auch in diesem Fall, nur zwei- oder dreimal trägt ihn die Flexionssilbe: júncherrén 80, 24. âmeizén (?) 13, 28. wahtære (?) 89, 35.1 einmal, in einem viersilbigen Wort, trägt ihn die Vorsilbe ge-: géfurrieret 121, 1 (Germ. 11, 445). — Gewöhnlich erhält in einem dreisilbigen Worte die zweite, in einem viersilbigen die erste und dritte den Ictus.

Dreisilbige: merkéren 98,16. ganzlicher 111, 13. manlîchiu 80, 20. wîplîche 80, 20. pfafliche 80, 21. einunge 3, 5. driúnge 3, 4. sûmunge 85, 24. künginne 56, 12. Artüses 25, 1. hôhvértic 80, 8. einletic 79, 38. insigel 82,5. abgründe 3, 12. urspringe 7, 36, althê' ren 80, 25. ellénde 44, 15. elléndet 13,5. Liupoltes 84, 13.

1) Anders ist der Fall, wenn die der Flexionssilbe vorangehende Silbe dieser an Gewicht nicht überlegen ist. Aber auch dann meidet es Walther sie die Hebung tragen zu lassen. Allgemein anerkannt ist nur édelé gesteine 74, 24. An andern Stellen nimmt Bartsch diese Betonung an: 18, 33 édelé gesteine. 18, 34 ir dewéderéz. 46, 25 wéderéz. 124, 30 vogelé. 30, 11 gewizzeném. 9, 30 légetén. Die Überlieferung gewährt dieser Annahme nicht eben sicheren Schutz.

Viersilbige: hóhvertigen 80, 4. álmuosndere 10, 28. Nur wenige von diesen Stellen fallen in die Minnelieder: merkeren (1 Cyklus), ellénde (der Sprache vielleicht nicht fremd), géfurriéret, ganzlicher und die zweifelhaften künginne, wáhtæré; unverhältnismässig viele kommen auf den Spruchton 78, 24.

Die Vorsilbe un hat in der Regel nur den Ton, wenn eine Silbe mit unbetontem e folgt: únbeschéiden, úngetriúwe etc.; steht sie unmittelbar vor der Stammsilbe, so pflegt diese den Ictus zu erhalten: unfíoge, ungerne, unhövesch etc.; auch in zweisilbigen Wörtern unfrô 31, 36. 51, 26. unkrût 103, 21. unnöt 35, 6. unwért 102, 30. unwip 49,3, und in dreisilbigen, deren letztes e elidiert ist, unébne 13, 4. unfuóge 90, 38. 64, 38. ungerne 84, 16. unmāze 47, 4. unminne 52, 6. untríuwe 8, 24. Ausgenommen ist nur 85, 24 únsâmic. In den viersilbigen únseligiu 94, 38. únsæligen 118, 15 ist die Abweichung gerechtfertigt, weil die Flexion nicht hebungsfähig ist.

2. Metrum. Jeder Rhythmus setzt eine bestimmte Zeiteinteilung voraus, welche durch den Ictus merklich gemacht wird; ein regelmässiger Wechsel betonter und unbetonter Silben, wie er durch Opitz in die Theorie der deutschen Verskunst eingeführt ist und seitdem sich ziemlich allgemein in der Praxis behauptet, ist nicht erforderlich. Der antike Vers gestattet die Auflösung von Längen und damit die Verbindung von Füssen aus verschiedener Silbenzahl, und noch grössere Freiheit waltet in dem altdeutschen Verse. Selbst in den genauesten Gedichten genügt schon eine lange Silbe, um den ganzen Takt zu füllen, und anderseits finden in einem Takt auch drei Silben Platz, vorausgesetzt, dass die erste kurz ist. Eine grössere Regelmässigkeit stellt sich erst allmählich ein, und wurde namentlich durch die Pflege der lyrischen Poesie gefördert. Die kunstgemässe Musik verlangte für die wiederkehrenden rhythmischen Reihen eine gleiche Anzahl von Noten und eine diesen entsprechende Silbenzahl, die Poesie eine bestimmte Zahl von Takten, deren Beginn durch eine betonte Silbe bezeichnet wurde; das Ineinanderwirken beider Forderungen führte naturgemäss zu einem regelmässigen Wechsel von Hebung und Senkung. Die nächstliegende und der Natur der deutschen Sprache gemässeste Form war der einfache Wechsel von Hebung und Senkung. Daneben aber sind schon im ältesten Minnesang Verse in Gebrauch, in denen auf jede Hebung zwei Senkungen folgen. Diese Verse, die man mit bequemem Namen als daktylische zu bezeichnen pflegt, stammen aus dem romanischen zehnsilbigen Verse; sei es, dass die Weisen dieser Verse einen dreiteiligen Takt erkennen liessen, sei es, dass derselbe aus der Verbindung des gangbaren deutschen Verses von vier Hebungen mit der vorgeschriebenen Zahl von 10 Silben entsprang; denn vier Hebungen auf 10 Silben verteilt, ergeben von selbst den dreiteiligen Takt. Bei Walther stehen die neuen Formen schon in voller Entwickelung, aber doch nicht so, dass sie nicht den alten Boden noch deutlich erkennen liessen.

a. Senkung fehlt. Dass der metrische Takt nur aus einer Silbe besteht, mit andern Worten, dass die Senkung fehlt, begegnet selten und nur bei solchen Wörtern, in denen zwei betonte Silben aneinander stofsen: mérkère 11, 26. lántgrâve 26, 10. 35, 7. 85, 17. 103, 35 (nie lantgrâve, wie Walther ähnlich gebildete Wörter betont). Gếrbrèhte 33, 22. Diese Stellen gehören den Sprüchen an; unter den Liedern lässt das einzige Tagelied den altertümlichen Gebrauch zu: fríuntlichen 88, 9. fríundinne 88, 21. 89, 21. úrloùbes 89, 39.2 Wenn man der Schreibweise der Hss. folgt, so würde die Senkung noch in einigen andern Wörtern fehlen; da aber alle diese Wörter zwischen den betonten Silben ursprünglich noch einen Vokal gehabt haben, so liegt die Annahme nahe, dass dieser Vokal in Walthers Sprache noch nicht verschwunden war; die Hss. jedenfalls haben in diesem Punkte keine Autorität; also suonetac 95, 7. herezeichen 12, 26. volle

1) Ich weiss nicht wie weit der Rhythmus der Verse, den wir beim Lesen wahrnehmen, im musikalischen Vortrage zur Geltung kam. Die Annahme, dass der metrische und musikalische Takt sich deckten, dass der Hebung ein guter Taktteil, der Senkung ein schlechter entsprach, liegt sehr nahe, aber sie kann nicht unbedingt als richtig gelten. Wie könnten sonst so häufig Silben, denen der logische Accent zukommt, in der Senkung stehen, während unbetonte in die Hebung treten ? , ich bin heim od ich , wil heim 31, 30., slâf unde 101, 27. ér ûf schôc 27, 4. túgent ûz kêren 81, 4. ir , in rîchet 34, 15. ouch dir zwei 63, 28. dánne er 106, 5. mán daz hất 93, 4. wil sich dirre 33, 24. mit wem sólt 79, 7. dánn ein liegen 80, 14. den zwein wol 118, 1. dér líp sólte 94, 33. wie wol dứ 51, 31 (vgl. auch Anm. zu 8, 33). Beim Vortrage brachte der Sänger sicher die Worte zur Geltung trotz der metrischen Senkung, also kann das Metrum den Vortrag nicht beherrscht haben. Besonders deutlich zeigt dies der Gebrauch der Pausen 62, 10. 66, 25. Die Wörtchen, die hier als erstes Reimwort fungieren, stehen ihrem logischen Wert gemäss in der Senkung (vgl. auch Bartsch Germ. 12, 191); beim Vortrag wurden sie ohne alle Frage sehr kräftig hervorgehoben, denn sonst hätten die Zuhörer das Kunststück nicht gemerkt.

2) Auch in dem Liede 39, 11 suchen einige das unsichere Mass der ersten Stollenverse durch Annahme einer fehlenden Senkung zu erklären. - Ob der Dichter zwischen zwei Worten die Senkung fehlen liess, ist sehr zweifelhaft. Paul (PBb. 8, 198) , liest so: 89, 6 vil liep ist mir daz. 39, 14 múget ir vinden. 39, 20 Ich kám gegangen.

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