صور الصفحة
PDF
النشر الإلكتروني
[merged small][merged small][merged small][merged small][ocr errors][ocr errors][merged small][ocr errors][merged small][merged small][merged small][ocr errors]

8 ,

2 „ „ 2 11 (?) , ~ 1 ~ ~ 1 ~ Der Vers von vier Hebungen mit männlichem Ausgang, an den das metrische Gefühl von alters gewöhnt war, überwiegt also bei weitem. Der Vers von drei Hebungen mit klingendem Ausgang, der mit jenem in dem höfischen Epos die Herrschaft teilt, steht ihm, aber freilich in weitem Abstande, zunächst, und neben ihm der aus dem romanischen Zehnsilber entlehnte fünfmal gehobene Vers. In den dreiteiligen Liedstrophen bewegen sich die Stollenverse zwischen drei und sechs Hebungen, nur einmal (13, 33) kommen sieben vor; die kürzeren und längeren Verse begegnen nur im Abgesang, der also eine grössere rhythmische Beweglichkeit zeigt. Ganze Strophengebäude aus Versen von fünf und mehr Hebungen werden nur in der Spruchpoesie gebraucht, die aber auch die kürzeren Verse keineswegs verschmäht.

4. Strophe.

a. Wiederkehrende Formen. Die schöne Mannigfaltigkeit ihrer Masse verdankt die ältere deutsche Lyrik ihrer Verbindung mit der Musik. Indem die Dichtung sich einem kunstmässigen Gesange anschmiegte und den wechselvolleren Gängen der Musik folgte, entwickelte sie ihre Formen rasch und fest. Der Sänger

cesang,

strophe in der

1) Die Zahlen beziehen sich auf das metrische Schema, nicht auf die Strophen, die nach demselben gedichtet sind. — Unberücksichtigt sind in der Tabelle der Leich, die Elegie 124, 1, das Lied 39, 11 und das unechte 122, 24.

war zugleich Dichter und Komponist, eine neue Weise zu ersinnen war

ein wesentlicher Teil seiner Aufgabe und mit neuen Weisen entstanden -- von selbst neue Strophenformen. Die Weise galt als geistiges Eigentum

des Dichters und wer sie sich widerrechtlich aneignete, wurde als dænediep gescholten.

Daraus folgt aber natürlich nicht, dass es schlechterdings unerlaubt gewesen wäre, sich einer vorhandenen Melodie zur eignen Dichtung zu bedienen. Mehrere Töne Walthers erhielten sich bis zu den Meistersängern in Gebrauch, und Ulrich von Lichtenstein erzählt uns, dass er auf Bitten einer Dame ein deutsches Lied nach romanischer Weise verfasste. Dergleichen wird nicht selten geschehen sein. Wir haben keinen Grund anzunehmen, dass die Originalität und Selbständigkeit der Sänger in der Musik grösser gewesen sei als in der Poesie, wenn wir auch nicht in der Lage sind, ihre Abhängigkeit in der Musik zu verfolgen. Denn die Weisen ihrer Lieder sind verklungen; in den Strophenformen haben wir gleichsam nur ihre Schatten, die uns über das Wesen der Körper sichere Auskunft nicht zu geben vermögen.

Die Strophenformen zeigen bei aller Mannigfaltigkeit auch viel Übereinstimmendes, sowohl im Mass als in der Verbindung der rhythmischen Sätze. Oft sind die Strophenformen verschiedener Dichter in einzelnen Teilen ganz gleich, nicht selten lässt eine Strophenform sich als eine leise Modification einer andern auffassen, zuweilen herrscht völlige Übereinstimmung. Man kann daraus nicht beweisen, dass auch die Melodien in demselben Grade ähnlich und übereinstimmend waren. Dieselbe Strophenform lässt sich mit ganz verschiedenen Melodieen bekleiden,1 und die Übereinstimmung verschiedener Dichter in einem metrischen Schema kann durch den Zufall herbeigeführt sein. Die Sitte, die Strophen dreiteilig zu bilden, auf zwei gleiche Stollen einen abweichenden Abgesang folgen zu lassen, die daraus entspringende Gebundenheit in der Reimstellung, die im Herkommen begründete Vorliebe für gewisse rhythmische Sätze mussten von selbst dazu führen, dass die Strophen oft in einzelnen Teilen übereinstimmten, sie konnten bei Strophen von einfachem Bau völlige Gleichheit bewirken; nur für künstlicher gebildete Masse scheint die Annahme eines Zufalls ausgeschlossen.?

1) Heinrich von Müglin bezeichnet eine ziemlich künstliche Strophenform einmal als seinen Ton, ein andermal als Boppes Hofton (ZfdĀ 14, 160 f.). Die sieben Strophen des Meisters Zilies von Saine haben gleichen Bau, sind aber durch die beiden Sangweisen unterschieden (MSH. 3, 738").

2) In des MF. haben dieselbe Strophenform: Albr. von Johansdorf 93, 5 und Reinmar 193, 22; Engelh. von Adelnburc 148, 25, Reinmar 191, 34 und Hartmann 211, 20; Heinrich von Morungen 137, 17 und Reinmar Aber trotz der Unsicherheit, in die uns der Mangel der musikalischen Überlieferung versetzt, wird man doch annehmen können, dass, wenn bei Dichtern, die nachweislich auf einander gewirkt haben, dieselbe Strophenform begegnet, auch dieselbe Weise von ihnen benutzt war, und ebenso, dass, wenn Töne desselben oder verschiedener Dichter nur unerheblich von einander abweichen, auch die Melodien nur wenig verschieden waren. Walther stimmt in seinem Liede 91, 17 mit Reinmar 177, 10; in 113, 31 mit Reinmar 182, 37 überein; Walther 71, 19 unterscheidet sich von Reinmar 153, 5 nur durch eine Hebung in der fünften Zeile, Walther 49, 25 von Hartmann 211, 20, Engelhart von Adelnburc 148, 25, Reinmar 191, 34 nur durch den Mangel eines regelmässigen Einschnittes in der letzten Zeile.1 Die Strophenformen von 39,1 und 51,13 finden sich auch in den Carmina Burana, und das erste dieser beiden Lieder ist dem lateinischen wahrscheinlich nachgebildet. Von den Tönen unseres Dichters selbst sind 45, 37 und 46, 42; 69, 1 und 70, 1; 91, 17 und 113, 31; 116, 33 und 117, 8 nur in einer Zeile und in ihr nur um eine Hebung verschieden; 117, 29 und 118, 12 nur durch die Cäsur in der ersten Zeile des Abgesanges verschieden, 16, 36 und 18, 1 durch zwei Hebungen in der zehnten Zeile (vgl. auch die Anm. zu 18, 1); sie werden auch in der Weise ähnlich gewesen sein.

b. Bau der Strophe. Die meisten Strophenformen Walthers ? sind dreiteilig (83 gegen 15). Die Stollen bestehen gewöhnlich in 61 Tönen) aus je zwei Reimzeilen. Stollen aus drei Reimzeilen kommen 18 mal vor (darunter die Strophe mit Schlagreimen), aus vier Reimzeilen dreimal, einmal (101, 23) gar aus fünfen. In den zweizeiligen Stollen ist die Reimstellung regelmässig ab ab, in den mehrzeiligen kann sich eine grössere Mannigfaltigkeit entfalten (abc abc, aab ceb; abcd abed, aabc ddbc, aaab cccb; abcde abcde); die Grundanlage bleibt dieselbe.

Die Reimstellung des Abgesanges gestattet grösseren Wechsel; am häufigsten ist die Form ab ba (19 mal), dann die Formen aa

203, 10. Dietmar von Eist 36, 16, Heinrich von Veldeke 65, 13. 67, 9 und Heinrich von Rugge 103, 3; Rudolf von Fenis 81, 30, Bligger von Steinach 118, 19 und Hartwic von Rute 116, 1. – Vgl. Grimm, Meistergesang S. 111 f. Wackernagel, Vorr. zu Walther S. XXVIII.

1) Lachmann zu 91, 17. Burdach S. 20 f.

2) Die Töne 36, 11-37, 23. 106,17 — 108, 13. 122, 24 sind als unecht nicht mit gerechnet.

und aabb, je 13 mal. Seltner findet man die korrespondierende Reimstellung der Stollen, die bald den ganzen Abgesang beherrscht (ab ab 93, 20. abc abc *11, 6. *18, 29. aab ccb 95, 17. aaab cccb 16, 36. *103, 13. aaab cccb dddb * 76, 22), bald nur einen Teil desselben (ab ab a *58, 21. aab ccb 6 *82, 11. aabc ddbc b *20, 16. ab ab cc *53, 25. aab ccb dd *105, 13. ab ab cc dd *47, 36. *92, 9. abcde abode ff gg *47, 16. Die Töne, in welchen die durch den Reim gebundenen Verse auch gleiches Mass haben, sind durch ein Sternchen bezeichnet, in ihnen wiederholt also der Abgesang das Verhältnis der beiden Stollen. Dreimal ist dieser Teil des Abgesanges den Stollen ganz gleich: 76, 22. 53, 25. 92, 9.

Der Abgesang hat gewöhnlich andere Reime als die Stollen;" viermal nimmt seine erste Zeile einen Stollenreim auf: 13, 5. 120, 25. 114, 23. 85, 25; ebenso oft schliesst er mit demselben Reim wie die Stollen: 101, 23. 112, 3. 116, 33. 117, 8, aber nur in einem Tone wird, nach romanischer Weise, im Abgesang gar kein neuer Reim hinzugefügt: 118, 24.

Den dreiteiligen Tönen ist vermutlich noch das Vokalspiel 75,25 hinzuzurechnen; zwar geben hier der Reim und das Mass der Verse keine Auskunft, denn in beiden fehlt der Wechsel, aber das regelmässige Fehlen des Auftaktes in der fünften Zeile lässt schliessen, dass hier der Abgesang beginnt. — Aus zwei gleichen, aber in den Reimen nicht korrespondierenden Hälften, besteht die Strophe des Tageliedes 88, 9; zweiteilig ist auch das Palindrom 87, 1; in den Spruchtönen 8, 4. 10, 1. 26, 3. 31, 13. 37, 24. 37, 34. 78, 24. 124, 1 und in den Liedern 39, 1. 44, 35. 66, 21. 94, 11 ist eine regelmässige Gliederung nicht oder nicht mit Sicherheit zu erkennen. Wiederholungen musikalischer Sätze werden auch in ihrem Vortrage statt gefunden haben, aber es ist ergebnislos, darüber zu reflektieren. Am wenigsten gegliedert er scheinen die Sprüche: Ich saz úf eime steine und die Elegie 124, 1; nur die letzte Zeile bezeichnet in beiden Tönen durch eine eigentümliche Form den Abschluss.

1) Burdach S. 20. 121.

2) In dem Tone 26, 3 bezeichnet die Colmarer Hs. Strophenteile hinter v. 3 und v. 7. Dieser Gliederung entsprechen die Sinnesabschnitte in den meisten der unter Walthers Namen überlieferten Strophen;. jedoch fehlt der Abschnitt in Str. 27, 17 hinter v. 7, in Str. 30, 29 und 31, 3 hinter v. 3 und v. 7; auch in Str. 29, 35 fällt der Abschnitt nicht hinter v. 7 sondern hinter v. 8. Die Echtheit dieser vier Strophen ist nicht unbestritten.

Es liegt nicht fern, die grössere Ungebundenheit in der Strophenform als etwas Altertümliches anzusehen; jedoch ist dies, wenigstens innerhalb der Kunstübung Walthers, nicht der Fall. Grade die Lieder, die wir für die ältesten halten müssen, haben sämmtlich dreiteilige Strophen; die abweichenden und freieren Bewegungen gehören der späteren Zeit an. – Über den Leich s. die Anm, zum Text.

c. Strophenzahl. Die Zahl der Strophen, die Walther nach demselben Schema gedichtet hat, ist sehr verschieden; für manches haben wir nur eine einzelne Strophe, in andern Tönen steigt die Strophenzahl auf 17, 18 und 19, und würde vermutlich noch höher kommen, wenn unsere Überlieferung vollständiger wäre. Diese häufige Wiederholung derselben Weise findet aber nur in Spruchtönen statt, von denen Walther nachweislich bei verschiedenen Gelegenheiten Gebrauch machte, um neue Gedichte nach bekannten Weisen vorzutragen. Dass er in gleicher Weise auch auf ältere Liedertöne zurückgegriffen habe, lässt sich kaum beweisen, und ! in manchen Fällen, wo wir früher glaubten dies annehmen zu müssen, war die Annahme jedenfalls irrig. Freilich stehen zuweilen einzelne Strophen mit andern desselben Tones nicht in unmittelbarem, engeren Zusammenhang, aber sie können doch zugleich mit diesen entstanden und vorgetragen sein. Der Fall, dass zwei selbständige in sich abgeschlossene Lieder nach derselben Weise gehen, begegnet nur einmal: 63, 8 und 112, 17, vorausgesetzt, dass das zweite echt ist. 1

Die Liedertöne Walthers erreichen höchstens die Zahl von sieben Strophen (im Tagelied 88, 9 und im Kreuzlied 14, 38), gewöhnlich halten sie sich in dem Umfang von 3 — 5 Strophen.

1) Das Umgekehrte, dass Strophen, die durch ihren Inhalt eng zusammenbängen, in ihrer Form verschieden sind, kommt bei Walther nicht vor; er hat die ältere Art, Strophen von verschiedener Länge und Form zu einem Liede zu verbinden, oder mit andern Worten dieselbe Weise im Zusammenhang eines Liedes nach Bedürfnis zu variieren, aufgegeben; denn die kunstvolle Wiederholung des Abgesanges in der Str. 74, 10 ist etwas wesentlich anderes.

« السابقةمتابعة »