Aus deutschen Lesebchern: Enthaltend die Erläuterungen von 251 Dichtungen fr die Oberstufe und die Mittelklassen höherer Schulen ... 7. ... Aufl. 1908

1900

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397 - Denn wer leugnet es wohl, daß hoch sich das Herz ihm erhoben, Ihm die freiere Brust mit reineren Pulsen geschlagen, Als sich der erste Glanz der neuen Sonne heranhob, Als man hörte vom Rechte der Menschen, das allen gemein sei, 10 Von der begeisternden Freiheit und von der löblichen Gleichheit!
252 - Wär' nicht das Auge sonnenhaft, Wie könnten wir das Licht erblicken? Lebt' nicht in uns des Gottes eigne Kraft, Wie könnt' uns Göttliches entzcken ? So in dem Entwurf einer Farbenlehre ( Jubiläums-Ausgabe Bd.
463 - Denn der Mensch, der zur schwankenden Zeit auch schwankend gesinnt ist, Der vermehret das Übel und breitet es weiter und weiter; Aber wer fest auf dem Sinne beharrt, der bildet die Welt sich.
462 - Denn wir können die Kinder nach unserem Sinne nicht formen : So wie Gott sie uns gab, so muß man sie haben und lieben, Sie erziehen aufs beste und jeglichen lassen gewähren. 50 Denn der eine hat die, die anderen andere Gaben ; Jeder braucht sie, und jeder ist doch nur auf eigene Weise Gut und glcklich.
200 - Ich drang so lange zu, daß ich nicht mehr vermag, ein Zug fährt ein, ein andrer aus, so Nacht als Tag: ein Wunder ist's, daß da noch jemand höret. Der Landgraf hat so milden Mut, daß er mit stolzen Helden, was er hat, vertut, davon ein jeder wohl als Kämpe stände. Mir ist sein hohes Tun wohl kund: und galt ein Fuder guten Weines tausend Pfund, doch niemand leer der Ritter Becher fände.
463 - Dienen lerne bei Zeiten das Weib nach ihrer Bestimmung; Denn durch Dienen allein gelangt sie endlich zum Herrschen, Zu der verdienten Gewalt, die doch ihr im Hause gehöret. Dienet die Schwester dem Bruder doch frh, sie dienet den Eltern, Und ihr Leben ist immer ein ewiges Gehen und Kommen, Oder ein Heben und Tragen, Bereiten und Schaffen fr andre.
453 - Poeten verleitet, in dem Werke den Dichter zuerst aufzusuchen, seinem Herzen zu begegnen, mit ihm gemeinschaftlich ber seinen Gegenstand zu reflektieren, kurz das Objekt in dem Subjekt anzuschauen, war es mir unerträglich, daß der Poet sich hier gar nirgends fassen ließ und mir nirgends Rede stehen wollte.
321 - Erde ward still von der sinkenden Dämmrung. Die Dämmrung Wurde dunkler, stiller die Erde. Schatten mit bleichem Schimmer, ängstliche trbe Schatten beströmten die Erde. Stumm entflogen die Vögel des Himmels in tiefere Haine; Bis zu dem Wurme verschlichen bestrzt die Tiere der Felder Sich in die einsame Kluft. Die Lfte rauschten nicht, tote Stille herrschte. Der Mensch sah schwer aufatmend gen Himmel. Jetzo wurd' es noch dunkler, und nun wie Nächte.
102 - Sprache, worin es gedichtet ist. Es ist eine Sprache von Stein und die Verse sind gleichsam gereimte Quadern. Hie und da, aus den Spalten, quellen rote Blumen hervor, wie Blutstropfen, oder zieht sich der lange Epheu herunter, wie grne Tränen.
284 - Aber, o Tat, die allein der Allbarmherzige kennet, darf aus dunkler Ferne sich auch dir nahen die Dichtkunst? Weihe sie, Geist Schöpfer, vor dem ich hier still anbete, fhre sie mir, als deine Nachahmerin, voller Entzckung, voll unsterblicher Kraft, in verklärter Schönheit entgegen! Rste mit deinem Feuer sie, du, der die Tiefen der Gottheit schaut und den Menschen, aus Staube gemacht, zum Tempel sich heiligt...