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schriftliche untersuchungen gehofmeistert werden. Seiner neigung zum ungewöhnlichen und aufserordentlichen folgt hr. H. auch p. 371, wo er die gewöhnliche und sichere erklärung des lat. perf. auf vi, ui, osk. umbr. fi aus fui zu verwerfen beliebt, und es aus dem privativen ve in ve-cors und aus griech. pero tödten enträthselt. Sehe jeder zu, ob er mit hrn. H. sich in die tiefe dieser speculativen anschauung versenken will, nach der amavi bedeutet ich bin liebe todt", oder es vorzieht auf festem boden stehen zu bleiben. Auf jeder seite des buches kann sich der leser ähnliche sträufschen pflücken aus der reichen flora des irrthums, die emporwuchert, wo der hr. verf. auf sprachlichem boden den fufs hinsetzt; ich habe genug davon. Ich möchte an dem buch gern eine gute seite hervorheben, aber ich kann nichts anderes anerkennen als dafs es vereinzelte beiträge zur kenntnifs der italischen dialekte enthält, die brauchbar sind. Denn eine gelehrsamkeit und eine lebendige combinationsgabe, die haltungslos von irrthum zu rrthum schweift, kann man doch nicht preisen. Ich kann also beim besten willen das buch im ganzen nur als eine arge verirrung eines geistreichen gelehrten bezeichnen, hervorgegangen aus dem wahn, dass man ohne eingehende im schweifse des angesichts erarbeitete sprachkenntnifs ohne strenge und besonnene methode der sprachforschung das verständnifs halbbekannter oder unbekannter sprachreste erschlieIsen könne. Wissenschaftliche ergebnisse lassen sich nun einmal nicht erschwindeln, sie wollen errungen sein, nicht mit dreisten behauptungen sondern mit feinen beweisen. Wer ohne steuer und compass auf entdeckungsreisen aussegelt, defs schifflein wird. ein spielball von wind und wellen; wer sich aber auf's hohe pferd setzt, ohne reiten zu können, der thut einen tiefen fall und wird nicht bedauert.

Pforte.

Corssen.

Wörterbuch der niederdeutschen sprache älterer und neuerer zeit,

verfafst von Johann Gottfried Ludwig Kosegarten. Ersten bandes erste lieferung. a-ai. Greifswald 1856. C. A. Kochs verlagsbuchhandlung. 4. XX. 160 seiten.

Mit dieser ersten lieferung beginnt der verehrte herr verfasser dem bedürfnisse eines gesammtwörterbuchs für das nieder

deutsche abzuhelfen, indem er den vorrat des mittelniederdeutschen und der nnd. mundarten in zweckmässiger anordnung zu vereinigen und auszulegen bemüht ist.

Die vorrede zeigt, was angestrebt und benutzt ward, gibt rechenschaft über die anordnung und schreibung der wörter und bringt einiges bei über die im ältern niederdeutsch hervortretenden mundarten, unter denen auch die kölner hier berücksichtigung findet. In dem stattlichen verzeichnisse der quellen, aus welchen geschöpft ward, wird man weniger bedeutende vermissen; doch fällt es z. b. auf, dass die reichhaltigen und mit einem glossar versehenen münsterschen chroniken nicht genannt sind. Kleinere schriften, die dem verf. ohne zweifel zur hand waren, mögen zu erwähnen nur vergessen sein.

Den vortrefflichen kern des werkes bildet, was aus mnd. schriften gezogen und erklärt ist. Wie fleifsig und sorgfältig hier gearbeitet wurde, zeigen besonders artikel wie acht, achte, achten. Möge es dem verf. gefallen, schwierige und doch nicht seltene ausdrücke, wo er es kann, mit einer gröfseren zahl von nachweisen auszustatten!

Ungeachtet der benutzten zahlreichen quellen wird billigerweise niemand vollständigkeit erwarten. Es verstehe sich von selbst, sagt der verf., dafs er seine absicht nur unvollkommen ausführen konnte; die zeit eines einzelnen reiche nicht aus, um eine solche sammlung einigermafsen der vollständigkeit zu nähern; die älteren schriften seien zum theil als handschriften oder alte drucke schwer zugänglich. Noch weniger darf man den anspruch erheben, schon hier den stoff gesammelt zu finden, der in ungedruckten urkunden allerwärts zerstreut liegt und dessen von historikern gering geschätzte stücke mannigmal für den lexikographen die reichere ausbeute liefern. Gleichwol ist es sehr wünschenswerth, dafs das begonnene wörterbuch so reichhaltig als möglich ausfalle. Möchte darum jeder, der es kann, den verfasser noch im verlaufe der herausgabe aus dem was zur hand ist mit beiträgen unterstützen!

Dringender dürfte dieser wunsch für den mundartlichen teil des werkes auszusprechen sein. Der verf. müfste der kundigen freunde, die ihm zu diesem theile seiner arbeit beisteuerten, zehnmal so viele haben, als er hat, und dann noch bliebe nachlese genug. Es kann überdies nicht zu oft daran erinnert werden, dafs wir jetzt noch eben mit dem überreste eines geschlechtes

verkehren können, welches, wo es nicht abgehört wird, in bälde zahlreiche und wichtige kundschaften mit ins grab nimmt.

Auch die dem niederdeutschen beigemischten fremdwörter nahm der verf. auf, was für die in älteren quellen gebrauchten gewifs zu billigen ist; in bezug auf die grofse masse der jetzt in den mundarten umlaufenden scheint sehr sparsame berücksichtigung wohl angebracht.

Eben so würde man die aufnahme von eigennamen, so weit dieselben bemerkenswerthes enthalten und sich zumal andern hier behandelten wörtern anreihen, ungern vermisst haben.

In der anordnung seines stoffes verfährt der verf. so, dafs er nach aufstellung des stammworts und vergleichung dessen, was sich in älteren germanischen dialecten verwandtes findet, die abgeleiteten wörter folgen läfst. Damit aber bei dieser dem sprachstudium handlichen einrichtung die schwierigkeit wegfalle, welche das aufsuchen eines wortes darbieten würde, soll ein streng alphabetisches register den schlufs des werkes bilden; vorläufig sind schon auf dem umschlage eines jeden heftes sämmtliche darin abgehandelte wörter verzeichnet.

Das auf etwa 6 lieferungen zu 22-23 bogen berechnete werk ist vom verleger gut ausgestattet; namentlich thun die fetten deutschen typen der angeführten niederdeutschen stellen dem auge wohl. Die übrigens nicht eben haushälterische raumbenutzung mag wenigstens denen zu gute kommen, welche sich nachträge hinzuschreiben wollen.

Der anzeige dieses sich selbst empfehlenden werkes erlaube ich mir ein paar bemerkungen zuzufügen.

Seite XIV ist von der schreibung des u in niederdeutschen urkunden die rede. Auch in manchen südwestfälischen des 14. jahrhunderts findet sich der kreis über dem u, aber nur bei gewissen wörtern, von denen ich hier kund, vulbort, vursat, vursetten, lutterlichen und besonders sun (j. suen, suån sohn) namhaft mache. Es scheint doch, die hiesigen schreiber haben ein uo ausdrücken wollen. Auch das u mit zwei pünktchen finde ich in einigen hiesigen urkunden des 14. jahrh.; es trifft aber ganz andere wörter, z. b. nut (nutz), hus (haus). Im 15. und 16. jahrh. kommen schriftstücke vor, in denen jedes u mit zwei acuten bezeichnet ist, ein gebrauch, woraus später das u mit einem striche hervorgieng, welches noch jetzt in deutscher currentschrift von manchen älteren personen statt des krummen striches angewendet wird.

Zu s. 17 owe aue läfst sich, denke ich, mnd. oye, nnd. oege fügen oder wäre es oede? Eine Lenne-aue wird um 1400 als Oye apud Limburg bezeichnet; jetzt heisst sie „de Oege“, f. Oye gieng aber auch bei uns zuweilen in ey über: so Ekkesoye (urk. v. 1296, Kindl. Volm.), s. Eckesey bei Hagen.

S. 19 äbaks ist, wie es auch der verf. erklärt, ä baks, nur vielleicht kein subst. compos. Bei uns wird den kindern mit „dat es bâks, bakke, akke, aá" etwas unreines bezeichnet; diese ausdrücke werden sämmtlich verwandt

sein.

âks,

babá,

Zu s. 38 achel egel tritt unser échelte, f. mit geschlosse

nem e.

S. 39 Achen: so schäif as de wiägh nå Oaken. Öäker mark eine zu Achen geprägte silbermünze.

S. 58. 59 acht, ener achte bidden. Hier war anführung der no. 24, 26, 27 und 28 des Herv. RB. (Wig. arch. 2. p. 34-38) zu wünschen, wo dem angeklagten drei fürsprecher und mit jedem derselben ein dreimaliges abtreten in die achte bewilligt werden. Man vergl. besonders auf s. 38: so bidde de vorspreke derde warve ener achte unde kome weder na der achte in dat gherichte". Vielleicht liegt dem worte achte im sinne von berathung, berathungsfrist, frist ein localer begriff zu grunde. Achte mag für afte (vergl. engl. subst. aft) stehn und als ort der berathung die seite der gerichtstätte meinen, welche für die hintere angesehen ward. Man vergl. hier auch Soest. schrae no. 53 (Seib. II. p. 393), welche verordnet, der bürge solle stehn in seiner bürgschaft, bis der angeklagte zu gerichte gekommen sei unde achte unde vorspreke ghenomen hevet". Ferner no. 111 (ebend. p. 398): kein rathsglied soll, wenn eine klage vor den rath gebracht ist, zu der zeit an (in) de achte ghayn dey van der sake is (abtreten und sich mit einer parthei besprechen), wantte sey richtere sint der claghe".

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Zu s. 70 weder achten konnte für die vom Teutonista in seinem averti angedeutete geltung abkehren, sich von etwas abwenden aus p. 652 der Soest. fehde (Emm. mem. susat.) angeführt werden: „de arme man wuste keynen rath tho wederachten sodann jammer und quath". Ferner für die bedeutung umwerfen, rückgängig machen ibid. p. 595: wente wan dey kor (wahl des herz. v. Cleve zum schutzherrn, kor hier masc.) wer vullenbracht, so worde hey (sc. kor) doch nycht weder acht (= we

derachtet)" d. i. haben wir Soester unsere wahl einmal fest vollzogen, so wird sie doch nicht wieder umgeworfen werden.

S. 88 bei achten hinten wird das präpositionale to achten vermifst. Im Herv. RB. p. 33 steht to achten den (dem) dynghe neben to voren und to midden dem dynghe.

S. 92 echters abermals steht auch Münst. chron. p. 316 unten. S. 96 westf. etter bietsk wird zu unserm etter, n. (seltener: edder) eiter gehören, vgl. ags. attor, engl. atter. In unserm ieterbiet eiterbifs, nieterbietsketterbietsk, nieterkop eiterkopf, hitzkopf ist brechung eingetreten; das n in den beiden letzten formen rührt vom artikel her. Bei adder otter wäre zu bemerken, dass im südlichen Westfalen auch otter, f. in gebrauch ist: hûsotter kellerschlange; 'stinked as 'ne otter. otterlaie, f. heifst bei Iserlohn faules gestein, vielleicht weil schlangen dazwischen ihren versteck finden. otter, m. ist fischotter.

S. 116 westf. harken, arken ist schwerlich aus aderkouwen zusammengezogen. Es hat bei uns die bedeutung räuspern, schleim heraufwürgen, wie dän. harke und wird mit nord. hraki zusammenhangen.

S. 126 aderjân frosch (Brem. wb.) war wohl unter adel sumpf zu reihen. Wie im bremer räthsel den frosch ein schraderjân (maus) begleitet, so geht neben unserm aderjoan ein uederjoan, welches wort für udderjoan steht, wie fluederjoan für fludderjoan (lump), und sich aus udder (ûder) euter deuten läfst; also säugethier im gegensatz zum frosch. Die uralte gesellschaft von frosch und maus läfst die bei uns gänge auflösung: frosch und maulwurf als unrichtig erscheinen. Simr. no. 415 hat die obigen poetischen thiernamen nicht, dafür aber andere: hüppop (aufhupfer) und happop (aufschnapper), wo wieder der frosch am deutlichsten bezeichnet ist. Iserlohn.

Fr. Woeste.

III. Miscellen.

1) δάπεδον.

Man hat δάπεδον gewöhnlich als nebenform von γήπεδον angesehn, wobei die kürze des a höchst auffallend wäre, da Sã

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