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Vorsitzenden und den Leitern der einzelnen Abtheilungen Rechnungen abgelegt, und der Etat des folgenden Jahres festgestellt.

§. 8. Nach Schluss der jährlichen Zusammenkunft der Zentraldirection erstattet der Vorsitzende über die gefassten Beschlüsse, die Rechnungsablage und den neuen Etat einen Bericht, welcher durch die Akademie zu Berlin dem Reichskanzler-Amte mit dem Ersuchen um Mittheilung auch an die österreichische Regierung überreicht wird.

§. 9. Die in Berlin ansässigen Mitglieder der Zentraldirection bilden den permanenten Ausschuss derselben, versammeln sich auf Einladung des Vorsitzenden unter Vorsitz desselben und erledigen.die Geschäfte, welche nicht bis zur nächsten Zusammenkunft der Zentraldirection zu vertagen sind. Die nicht in Berlin ansässigen Leiter einzelner Abtheilungen können zu den Sitzungen des Ausschusses eingeladen werden. Die Beschlussnahmen des permanenten Ausschusses unterliegen denselben Normen wie die der Zentraldirection (§. 6). Von den gefassten Beschlüssen erhalten sämmtliche Mitglieder der Zentraldirection Mittheilung.

Wahlen, Zuweisung der Abtheilungen, sowie die Feststellung des Etats bleiben einer Plenarversammlung der Zentraldirection (§§. 7 u. 10) vorbehalten.

§. 10. Der permanente Ausschuss beruft in dringenden Fällen eine ausserordentliche Zusammenkunft der Zentraldirection.

§. 11. Die auswärtigen Mitglieder der Zentraldirection erhalten, wenn sie zu einer Plenarversammlung nach Berlin berufen werden, für die Dauer ihres Aufenthalts in Berlin an Tagegeldern für den Tag 20 Mark und ausserdem Entschädigung für die Reisekosten. Dieselbe Vergütung erhalten die nicht in Berlin ansässigen Leiter einzelner Abtheilungen, wenn sie auf Einladung (§. 9) zu einer Ausschussversammlung sich begeben.

§. 12. Die Leiter der einzelnen Abtheilungen wählen ihre Mit- und Hülfsarbeiter. Die Bedingungen ihrer Betheiligung werden, wenn es sich nicht um vorübergehende Arbeiten handelt, nach allgemeinen, von der Zentraldirection festzustellenden Normen schriftlich vereinbart und der Zentraldirection mitgetheilt.

§. 13. Für die wissenschaftlichen Arbeiten, sowohl die der Directoren, als die der Mit- und Hülfsarbeiter werden theils Honorare, theils Jahrgehalte (fixirte Remunerationen), theils Beides neben einander gewährt. Die näheren Bestimmungen darüber werden von der Zentraldirection festgestellt.

§. 14. Die Zahlungen geschehen auf Anweisung des Vorsitzenden der Zentraldirection.

§. 15. Für die Benutzung der vorhandenen Sammlungen und Vorarbeiten ist die Genehmigung des Vorsitzenden der Zentraldirection und des Leiters der betreffenden Abtheilung, für eine Publication aus denselben die der Zentraldirection erforderlich.

Nachdem auf Grund dieses Statuts die Wahlen der drei Akademien vollzogen, ward die erste Zusammenkunft der neuen Centraldirection anberaumt, über deren Verlauf und wichtigste Beschlüsse sofort ein kurzer Bericht veröffentlicht ist, der hier sich anschliessen mag.

In den Tagen vom 7—11. April hat die Constituirung und erste Versammlung der neuen Centraldirection der Monumenta Germaniae in Berlin stattgefunden. Sämmtliche Mitglieder waren anwesend: aus der alten Centraldirection Geh. Begierungsrath Pertz in Berlin und Justizrath Euler in Frankfurt a. M., neugewählt von der Berliner Akademie Prof. Mommsen in Berlin und Geh. Regierungsrath Prof. Waitz in Göttingen, von der Wiener Akademie Prof. Sickel in Wien und Prof. Stumpf-Brentano in Innsbruck, von der Münchener Akademie Geh. Rath Prof. von Giesebrecht in München und Prof. Hegel in Erlangen. Für die durch den Tod des Geh. Justizrath Prof. Bluhme erledigte Stelle ward Prof. Wattenbach in Berlin erwählt, ausserdem die Direction durch Prof. Dümmler in Halle und Prof. Nitzsch in Berlin verstärkt, so dass sie in Zukunft aus 11 Mitgliedern besteht, von denen die in Berlin ansässigen den Localauschuss bilden. Nachdem die Versammlung von Prof. Mommsen als Socretär der zuletzt mit der Leitung beauftragten Berliner Akademie eröffnet und einige geschäftliche Angelegenheiten erledigt waren, ward Prof. Waitz zum Vorsitzenden erwählt und die Wahl von demselben unter der Voraussetzung angenommen, dass es ihm möglich sein werde, wie es das von dem Reichskanzlcramt bestätigte Statut fordert, seinen Wohnsitz demnächst in Berlin zu nehmen.

Die Versammlung beschäftigte sich dann vorzugsweise mit der Feststellung des in Zukunft zu befolgenden Arbeitsplanes. Es ward dabei im allgemeinen an den früher gemachten Abtheilungen festgehalten, doch so dass weitere Theilungen und Aenderungen vorbehalten blieben, auch gleich für die Schriftsteller aus der Periode des Uebergangs aus der Römischen in die Germanische Zeit eine besondere Abtheilung gebildet ward, in der die verschiedenen Werke der einzelnen Autoren möglichst vereinigt werden sollen: ihre Leitung übernahm Prof. Mommsen. Die Geschichtschreibcr der späteren Zeit wurden wenigstens vorläufig unter Einer Leitung be

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lassen und diese Prof. Waitz übertragen. Es gilt da einmal die begonnene Reihe der Scriptores, zunächst der Staufischen Zeit, nach dem bisherigen Plane fortzuführen, wobei jedoch beschlossen ward, die Deutsch geschriebenen Chroniken auszusondern und als selbständige Sammlung mit Deutschen Einleitungen und Anmerkungen zu veröffentlichen; ein erster Band davon wird sehr bald zum Druck gelangen können. Demnächst ist die Lücke der früher übergangenen Bände 13—15 auszufüllen, wofür Nachträge zu den 12 ersten Bänden (XIII), die historisch wichtigen Streitschriften aus der Zeit des Investiturstreites (XIV) und die Papstleben von der ältesten Zeit bis zum Schluss der Staufischen Periode (XV) in Aussicht genommen sind. Als besondere Sammlung sollen untpr dem Titel Scriptores rerum Francicarum die Fränkischen Geschichtschreiber der Merovingischen Zeit erscheinen, woran sich wahrscheinlich ein besonderer Band Scriptores rerum Langobardicarum anschliessen wird, während die Quellenschriften der Gothischen und Vandalischen Reiche der Sammlung der ältesten Schriftsteller überwiesen sind, die Angelsächsichen wie bisher von dem Plan der Monumenta ausgeschlossen bleiben. Auch ein Neudruck der älteren im Buchhandel vergriffenen Bände mit den nöthigen Ergänzungen und Verbesserungen ward in Aussicht genommen, doch zunächst gegen die Fortsetzung des begonnenen grossen Werkes zurückgestellt. Dagegen sollen die Separatabdrücke einzelner Werke, deren Auflage erschöpft, neu und, soweit es nöthig ist, verbessert herausgegeben, auch in Zukunft weitere Abdrücke der Art mit vollständigeren kritischen und erläuternden Anmerkungen gegeben werden. — Für die Abtheilung der Leges ward für jetzt kein besonderer Leiter bestellt, dagegen dem Vorsitzenden übertragen, sowohl für die Fortsetzung der begonnenen Bände wie für die erforderliche Neubearbeitung der beiden ersten, ebenfalls vergriffenen Bände mit geeigneten Gelehrten Unterhandlungen anzuknüpfen. Eine Ausdehnung des Werkes auch auf die Sammlung der Stadtrechte blieb späterer Zeit vorbehalten'). — Die Leitung der anderen Abteilungen ward so vertheilt, dass Prof. Sickel die Urkunden (Diplomata), Prof. Wattenbach die Briefe (Epistolae), Prof. Dümmler die bisher unter dem Titel Antiquitates vereinigten Denkmäler übernahm. Es blieb späterer Entscheidung vorbehalten, ob zunächst die Urkunden der älteren Karolinger oder die der Deutschen Könige und Kaiser erscheinen sollen, während bei den Briefen mit denen der Fränkischen Zeit

1) Vgl. was zur Erläuterung dieser Beschlüsse gegen einige laut gewordene Einwendungen im Juniheft der Preussischen Jahrbücher bemerkt ist.

begonnen werden wird. In der letzten Abtheilung sollen zunächst die historischen Gedichte Berücksichtigung finden und unter besonderem Titel erscheinen; woran sich später eine Sammlung von Necrologien, Handschriftencatalogen, Verzeichnissen von Kirchenschätzen, Inschriften u. a. anschliessen wird. — Während die begonnenen Reihen der Scriptores und Leges in der bisherigen Form fortgeführt werden, ist für die neuen Sammlungen und den Neudruck vergriffener Bände sowie des ersten Bandes der Diplomata ein kleineres Format in Aussicht genommen. Auch soll das Streben der Centraldirection darauf gerichtet sein die Preise möglichst zu ermässigen und so gerechten Wünschen zu entsprechen. — Für Berichte über Reisen, vorbereitende Untersuchungen und andere kritische Arbeiten über Quellen der Deutschen Geschichte des Mittelalters ist die Zeitschrift bestimmt, die unter Prof. Wattenbachs Redaction als Neues Archiv der Gesellschaft für ältere Deutsche Geschichtskunde erscheinen wird.

Das grosse von dem Freiherrn vom Stein begründete, lange Jahre ruhmvoll von Pertz geleitete Unternehmen tritt so in eine neue Periode ein. Wie Bedeutendes bisher geleistet, noch liegt ein weites Gebiet umfassender Arbeiten vor, das zu bewältigen es nicht geringer Zeit, nicht unbedeutender Geldmittel, vor allem einer Vereinigung der hierfür vorhandenen Arbeitskräfte bedarf. Möge es der neuen Centraldirection gelingen diese zu erreichen und sie so in den Stand gesetzt werden die gehegten Wünsche und Erwartungen zu befriedigen.

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