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Ereignisse aufgenommen. Marcellin benutzt zwei verschiedene Consultafelannalen, nämlich neben denen von Ravenna auch die constantinopolitanische. Aus den letzteren hat er seine Consulnliste genommen, wie es für einen Oströmer natürlich war. Die Fasten von Constantinopel sind repräsentirt in den sogenannten idatianischen Fasten und dem Chronicon paschale. Ihre Vergleichung mit Marcellin zeigt, dass er dieselbe Quelle benutzt hat, aus welcher jene beide geflossen sind, und zwar reicht die Benutzung dieser Quelle über die Mitte des fünften Jahrhunderts hinaus, etwa bis 465, denn so weit reicht die Uebereinstimmung mit Chron. pasch. ') Auch Kaufmann1) bemerkt die Verwandtschaft dieser drei Quellen, wenigstens bis etwa 400, sie würde ihm aber klarer geworden sein und er hätte sie zwischen Marcellin und Chron. pasch, weiter nachweisen können, wenn ihm die Thatsache bekannt gewesen wäre, dass das letztere hauptsächlich aus zwei Bestandtheilen in diesem Abschnitt zusammengesetzt ist, nämlich einmal aus constantinopolitanischen Consultafelannalen, zweitens aus grossen dem Joannes Malala entnommenen Stücken, und wenn er diese letzteren bei der Vergleichung ausgeschieden hätte. Ich habe mich in einem besonderen Aufsatz mit der Chronik Marcellins und ihrem Verhältniss zu den constantinopolitanischen und ravennatischen Fasten3) beschäftigt und komme zu dem Resultate, dass diese beiden Quellen das zu Grunde liegende chronologische Gerüst sind, in welches Notizen aus anderen Quellen eingefügt wurden. Diese eigenthümliche und leicht zu erkennende Arbeitsweise Marcellins ist auch sehr lehrreich für die Kritik anderer gleichzeitiger Chroniken. Kaufmann läugnet die Benutzung der ravennatischen Annalen in Marcellins Chronik gänzlich ab4), doch ist sein Hauptgrund dafür nur der, dass M. nicht die ravennatische, sondern eine oströmische Consulnliste benutzt hat. Es leuchtet aber Jedermann ein, dass M. seine Consulnliste aus oströmischen Fasten nehmen und dennoch daneben Nachrichten aus den ravennatischen schöpfen konnte5). Das Exc. Sang. setzt uns in den Stand, gerade für die früheren Abschnitte der Chronik Marcellins die Benutzung der ravennatischen Fasten bestimmter nachzuweisen, als es früher möglich war. Zum Beweise diene die Vergleichung folgender Notizen:

1) In den Fasti Idatiani reichen die constantinopolitanischen Fasten nnr bis etwa 395. 2) Fasten S. 261 ff. 3) Etwa seit Mitte des vierten Jahrhunderts besteht keine Uebereinstimmung mehr zwischen ihnen. 4) Fasten S. 268. S. 285 ff. 5) Es tritt hier ein oben bemerkter Fall ein.

390. Valentiniano IV. et Neoterio coss..

Marcellin. Ind. III. Signum in coelo quasi columna pendens ardensque per dies

Exc. Sangall.
Signum apparuit in caelo
quasi columna pendens per dies
XXX1)- fXXX. apparuit

383. Merobaude II. et Saturnino Ind. XI.
Anon. Cusp.
His coss. Gratianus occisus est
a Maximo Leudimo2) VIII.
Kai. Sept.

Gratianus Imp. Maximi tyranni do 1 o*) apudLugdunum occisus est VIII. Kai. Sept.

393. Theodosio Aug. III. et Abundantio. Ind. VI. His coss. tenebrae facte suntiHonorium pater suus Theodosius die solis hora III.4) VI. Kai. in eodem loeo quo fratrem») Nov. Et levatus est Honoriusjejus Archadium Caesarem fecit, Imp. Constantinopoli in miliario id est septimo ab urbe regia IV.5) a Theodosio patre suo X. milliario. Tunc quippe hora diei Kai. Nov. tertia tenebrae factae sunt').

418. Honorio XII. et Theodosio VIII. coss. Ind. I.
Exc. Sangall.

Sol eclipsim fecit XIIII. Kai. Aug. et a parte Orientis apparuit Stella ardens per dies X""'

Solis defectio facta est. Stella • ab Oriente per Septembrem . mensem8) surgens ardensque apparuit.

Marcellin sucht die Fastennachrichten stylistisch etwas zu glätten, doch kann man noch immer an der Form allein erkennen, was er den Fasten entlehnt. Dadurch zum Theil, aber auch durch die Möglichkeit, aus noch anderen, später kennen zu lernenden Fastenableitungen zahlreiche Stellen zur Vergleichung herbeiziehen zu können, rechtfertigte sich die Behauptung, dass fast alles, was weströmische Dinge betrifft, auch im ersten Theil von Marcellins Chronik aus den Fasten genommen ist, wie das Waitz für den späteren Theil nachgewiesen hat. Von weströmischen profangeschichtlichen Nachrichten dürften nur die — abgesehen von den aus Orosius entnommenen — zum Jahre 432 über den Kampf zwischen Bonifacius und Aetius und zu 455 nicht gänzlich aus den raven

1) Wörtlich so auch im Anon. Cusp., nur steht da 'dies viginti' statt XXX, aber das ist erst gemacht aus der verdorbenen Zahl XX. Diese Notiz soll uns noch einige Male verhelfen, Fastenbenutzung nachzuweisen und immer finden wir XXX. 2) 1. Lugduno. 3) Nach Oros. VII, 34: Maximus . . . Gratianum . . . dolis" circumventum interfecit. 4) Anon. Cusp. schreibt II, das Exc. Sang., welches die Sonnenfinsterniss ebenfalls meldet, hat richtig III. 5) Verschrieben statt VII. 6) Cf. Marc. Ind. XI, Rone. II, 268. 7) Siehe über diese Sonnenfinsterniss und Claudians Erwähnung derselben (de IV. Honorii cons. v. 172 ff.) De Rossi, Bullettino 1867 p. 18 f. 8) Variante: per Septem menses.

natischen Annalen genommen sein. Da die bessere Recension des Anon. Cusp. von 403 bis 455 eine Lücke hat, da Exc. Sang, fast ausschliesslich Nachrichten über Naturereignisse bringt, so sind in dem Abschnitt bis 455 von Marcellins Chronik einige Fastennachrichten erhalten, welche wir erst durch Vergleichung mit anderen Ableitungen derselben Quelle als solche erkennen können. In dem späteren Abschnitt hat sich Marcellin bei Benutzung der Fasten einige Fehler zu Schulden kommen lassen. Er sagt zum Jahre 468'): Beorgor rex Alanorum a Ricimere rege occiditur, nennt also Ricimer irrthümlich 'König'. Aber dieser Fehler zeigt gerade, dass Marcellin von den derzeitigen weströmischen Verhältnissen wenig Kenntniss hatte und dass ihm ausser den Fasten keine anderen Quellen dafür zu Gebot standen. Auch lässt sich der Fehler leicht erklären: die Quelle hatte wahrscheinlich die Worte 'a Ricimere patricio'2); Marcellin dachte dabei vielleicht an Theoderich, der zugleich als germanischer Volkskönig und römischer Patricius im Dienste des römischen Kaisers stand, und meinte, dass Ricimer die gleiche Stellung im Westreich eingenommen habe. Nur eine Ungenauigkeit ist es, wenn er Odovachar als 'rex Gothorum'3) bezeichnet, denn die Völkerstämme, von denen Odovachar erhoben wurde, gehörten der gothischen Völkergruppe an und werden von Procop als l\oxduä yivr\' bezeichnet*). In gleichem Sinne heisst Radagais den Zeitgenossen 'König der Gothen'. Das letzte, was M. den ravennatischen Fasten entnommen hat, ist die Zusammenfassung der Kämpfe zwischen Theoderich und Odovachar unter dem Jahre 489, er giebt da nur den Beginn und das Resultat des Kampfes unter demselben Jahre an, aber er weiss sehr wol, dass er längere Zeit währte, denn er sagt: Porro (später) ab eodem Theoderico perjuriis illectus (Odoacer) interfectusque est. Der missbilligende Ausdruck 'perjuriis illectus' kann natürlich nicht in den Fasten gestanden haben, sondern das Urtheil hat Marcellin, der noch bei Lebzeiten Theoderichs schrieb, aus eigener Kenntniss beigefügt. Die Fastenbenutzung bei Marcellin bricht eben da ab, wo sie bei Cassiodor aufhört; es steht nichts der Annahme entgegen, dass beide dieselbe Fastenrecension benutzt haben, welche etwa 493 schloss. Marcellins Chronik ist eine der wichtigsten Ableitungen der ravennatischen Annalen, namentlich für deren früheren Theil bis 455, der uns leider nur so fragmentarisch erhalten ist.

1) Rone. II, 295. Ind. II. 2) Sie sind im Anon. Cusp. ausgefallen s. o. S. 248. 3) Rone. II, 298. Ind. VI. u. c. 302, Ind. XII. 4) Diese beiden Eigentümlichkeiten Marcellins führt Kaufmann S. 286 nämlich für seine Behauptung an, dass dieser Chronist die ravennatischen Fasten nicht benutzt habe.

5. Die Chronik des Marius von Avenches.

Dass der Bischof Marius von AveDches in seiner Chronik ebenfalls die ravennatischen Annalen benutzt habe, haben Pallmann') und Waitz2) angenommen und erwiesen. Dagegen ist Bindings) viel zu weit gegangen, wenn er, die Ausführungen von Waitz missverstehend, behauptet, dass alle annalistisehen Nachrichten über Burgund in dem Abschnitt von 455 bis 495 auf die Ravennater Annalen zurückgehen, und wenn er zu beweisen sucht4), dass die gallische Nachricht des Marius zu 456, des Cont. Havn. zu 457, zum Theil die des Jordanis get. c. 43 sämmtlich auf die ravennatischen Annalen zurückgeführt werden können. Waitz meint in seiner Abhandlung nicht etwa, dass alle Nachrichten des Marius bis 495 aus der ravennatischen Quelle geschöpft sind, sondern nur diejenigen, welche italische Dinge betreffen. Der Anon. Cusp. und alle anderen Fastenableitungen, welche wir bisher kennen gelernt haben, enthalten nicht eine einzige auf Gallien bezügliche Notiz, ebensowenig wie die Vorgänge in anderen Provinzen berücksichtigt werden; nur wenn Kaiser in Gallien erhoben oder gestürzt werden, so wird das in den Fasten bemerkt. Freilich repräsentiren die bisher besprochenen Fastenableitungen keineswegs die ganze ursprüngliche Quelle und wir werden noch manche Lücke durch Ableitungen ausfüllen können, aber Anon. Cusp. und Exc. Sang. geben schon einen bestimmten Massstab für den Umfang der ursprünglichen Quelle, und dem Anon. Cusp. fehlt in dem Abschnitt von 455 bis 493 nicht gar viel an der Vollständigkeit. Danach ist auch nicht der geringste Grund vorhanden, Nachrichten des Marius wie die Occupation gallischen Gebiets durch die Burgunden, die Schlacht bei Orleans zwischen Aegidius und den Gothen, die Ermordung des Westgothenkönigs Theoderich betreffend auf die ravennatische Quelle zurückzuführen. Es ist hier vielmehr eine gallisch-annalistische Quelle5), welche jedenfalls auch nach Consuln rechnete, mit den ravennatischen Annalen verbunden. Eine Notiz, wie die, welche Marius gleich zum Anfangsjahr seiner Chronik bringt 'ingressus est Theodoricus rex Gothorum Arelato cum fratribus suis in pace' •) kann nicht in einer ravennatischen, wol aber in einer arelatensischen Quelle gestanden haben. Will Binding zu viel für die Ravennater

1) Geschichte der Völkerwanderung II, 21t. 2) Nachrichten 8. 87, 110. 3) Burgund.-roman. Kgr. Excurs I, S. 274. 4) a. a. O. S. 54 f. n. 219. 5) Ueber Beschaffenheit und Herkunft dieser Quelle muss ich auf meine Dissertation S. 47 ff. verweisen. Es scheint, dass sie in Arles entstanden ist. 6) Rone. II, 402. Eine neue, auf Grund der Londoner Handschrift gemachte Ausgabe bei W. Arndt, Bischof Marius von Aventicum S. 28—88.

Fasten in Ansprach nehmen, so verfällt Kaufmann') in das andere Extrem und spricht Marius ganz Benutzung dieser Quelle ab. Aber Niemand wird zweifeln, dass Pallmann und Waitz Recht haben2), wenn man folgende Stellen mit einander vergleicht:

Anon. Cusp. | Marius.

461. His coss. depositus est His coss. deiectus est MaiuriaMaiorianus imp. a patricio Ri- nus de imperio in civitate Dercimere Dertona IIII. Non. Aug. | tona a Recemere patricio et et occisus est ad fluvium Ira'interfectus est super Ira fluvio VII. Id. Aug. Et levatus est et levatus est Sevirus imperaimp. DN. Severus XIII. Kai. [ tor Ravenna.3) Decembr.

473. Hoc cons. levatus est imp. Glycerius Ravena III. Non. Mart.

474. His cons. [depositus est]4)
de imperio Glicerius in portu
urbis Romae. Eo anno levatus
est DN. Julius Nepos VIII.
Kai. Julias.

490. His cons. ingressus est
rex Theodericus in fossato p on-
tis Sontis V. Kai. Sept.
493. Et occisus est Odoacar
rex a rege Theodorico in
palitio cum commilitibus suis.

Kaufmann behauptet (S. zwischen Anon. Cusp. und Marius bestehe nur in dem Gebrauch des technischen Ausdrucks 'levatur'6); die Vergleichung zeigt, dass das einfach nicht wahr ist, sondern dass sowohl in sachlicher Beziehung, als in dem Ausdruck der engste Zusammenhang zwischen beiden Quellen besteht. Wie jeder andere Chronist hat Marius die Daten der Quelle weggelassen. Das aber ist gerade das beweisende, dass Marius durchaus die den Fasten eigenthümlichen, stets wiederkehrenden Ausdrücke 'levatus est', 'depositus est de imperio', 'ingressus est' treu wiedergiebt. Welcher Chronist der Zeit schreibt denn in so formelhaften Ausdrücken, wenn er sie

Hoc cons. levatus est Licerius imperator Ravenna.

Hoc consule depositus est Licerius de imperio et levatus est Nepus imperator.

489. His coss. ingressus est
Theudoricus rex Gothorum in
Italia ponte Isonti.
His coss. occisus est Odovacer
rex a rege Theuderico in
Laureto5).

283), die Uebereinstimmung

1) Fasten S. 279 ff. 2) W. Arndt a. a. O. S. 26 hält an deren Ansicht fest. 3) Wir bemerkten schon oben S. 249, dass in der Quelle des Anon. Cusp. 'Kavennae' gestanden haben muss. 4) Die Lücke im Anon. Cusp. ist mit 'depositus est' auszufüllen, da dieses der formelhaft regelmässige Ausdruck ist. 5) Eine andere Fastenableitung der Anon. Vales. §55: Manu sua Theodericus eum inLauretum praeveniente gladio interemit. 6) Es heisst übrigens niemals 'levatur', sondern 'levatus est'.

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