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sebius episcopus ex imperatore episcopum faeit', so hat er die Thatsache, dass Avitus zum Bischof geweiht wurde, den Fasten entnehmen können'), aber den ordinirenden Bischof nannte diese Quelle nicht. Dieser Eusebius ist zweifellos der gleichzeitige Bischof von Mailand1), also der Metropolitan, dem das Recht, die Bischöfe von Piacenza, in welcher Stadt Avitus Bischof wurde, zu weihen zustand. Wir bemerkten oben schon, dass der Chronist von 641 wahrscheinlich in Pavia oder in Mailand heimisch war; in diesem Falle darf man annehmen, dass er für seine Notiz keine andere Quelle, als einen Bischofskatalog von Mailand benutzt hat, aus diesem erfuhr er, dass Eusebius um 456 Bischof in Mailand gewesen wäre und schrieb ihm die Weihe des Avitus zu.

Da man sonst in der Chronik die Benutzung ausführlicherer Quellen, als die oben genannten, durchaus nicht wahrnehmen kann, so wird die Vermuthung gerechtfertigt erscheinen. Und wir können sogleich noch eine Stelle in der Prosperüberarbeitung des Chronisten anführen, welche auf Mailand als seinen Heimathsort weist. Zum Jahre 452 giebt er nämlich folgende Randnotiz als Ergänzung des Prospertextes: 'Aquileja et Mediolanum et nonnullae aliae urbes ab Attilane subversae'. Die Fasten, welche auch hier Quelle des Chronisten sind, melden aber, wie wir unten sehen werden, nur die Eroberung von Aquileja durch Attila; der Chronist scheint also Mailand aus eigener Kenntniss genannt zu haben. Man weiss, dass sich die Erinnerung an den Einbruch der Hunen in den davon betroffenen italischen Städten ausserordentlich lange erhalten hat, so kann es durchaus nicht Wunder nehmen, wenn ein Chronist des siebenten Jahrhunderts dieses Schicksal auch von seiner Heimathsstadt anzugeben weiss. Es ist nur zu beachten, dass gerade auch Pavia den Hunen die Thore öffnen musste3), und wenn der Chronist diese Stadt hier nicht nennt, so darf man mit mehr Wahrscheinlichkeit vermuthen, dass er in Mailand heimisch war.

Es wird dann aber nothwendig, zu zeigen, dass auch in den Zusätzen zum Prosper die ravennatischen Annalen vom Chronisten von 641 benutzt sind, und das ist trotz der Lücke des Anon. Cusp. mit Hülfe der uns bereits bekannten Ableitungen, nämlich Exc. Sang. und Marcellin gar leicht zu erweisen. Wörtlich üereinstimmend mit der Chronik von 641

1) Vgl. oben S. 258. 2) Catal. archiepp. Mediol. in MG. SS. VIII, 103. Danach war Eusebius von 449 bis 465 Bisehof von Mailand. 3) Vgl. namentlich Iord. Get. c. 42: '[Hunni] Mediolanum qnoque Liguriae metropolim et quondani regiam urbem pari tenore devastant, necnon et Ticinum aequali sorte deiiciunt'.

liefert das Sangallener Excerpt eine Notiz, die auch bei Marcellin 0 und sonst sich findet, sie ist eine der wichtigsten: 408. Basso et Philippo coss.

Exc. Sangall. Romae in foro pacis terra mu gitum dedit per dies VII. Et Ticeno multi majores occisi sunt Id. Aug. et occisus est Stilico Ravennae XI. Kai. Septembr.

Chron. a. 641. Eodemque anno per dies VII. Romae in foro pacis terra mugitum dedit significans captivitatis exitium, quem post biennium experta persolvit. Multi nobilium apud Ticinium interfecti et apud Ra[vennam Stilico interfectus in XI. Kai. Sept. Dass die ominöse Ausdeutung des Naturereignisses Zusatz des Chronisten ist, versteht sich von selbst; die übrigen Worte der Stelle zeigen, dass dem Chronisten die Annalen auch für den Abschnitt bis 455 vollständig vorlagen. Den Ursprung derselben zeigt namentlich die Notiz zu 413, welche der Chronist zu Prospers Worten: 'Jovinus et Sebastianus fratres .... interempti' hinzufügt: 'capita eorum Ravenna perlata, simulque frater eorum Salustius occiditur'2). So wurde auch in der angeführten Stelle bemerkt, dass Stilico zu Ravenna getödtet wurde.

Wir dürfen auf die ravennatischen Annalen alle Zusätze zu Prosper der Kopenhagener Handschrift zurückführen mit Ausnahme der aus Isidors Chronik entlehnten und der beiden Notizen zu 452 und 453, welche einer gallischen Quelle angehören müssen. Dieser letzteren dürfte vielleicht auch eher als der ravennatischen die Nachricht über den Einfall der Vandalen und Alanen in Gallien3) angehören.

Die Consultafel der Chronik in dem Abschnitt von 455 bis 493 giebt die alte Quelle vollständiger wieder, als manche andere Ableitung z. B. als Marius, namentlich haben sich hier die in der alten Liste vorhandenen Formeln: iun., v. c., p. p. erhalten4); letzteres Prädikat giebt der zweite Text dem

1) Rone. II, 277. Ind. VI: 'Romae in foro pacis per dies septem terra mugitum dedit'. Es wird dann Stilichos Untergang mit den Worten des Orosius erzählt. 2) Cf. Olympiodori fragm. 19 bei Müller, Fragm. hist. graec. IV, 61. 3) Archadio et Probo coss. = 406. Hille p. 5. 4) Dagegen hat sie die Formel DN regelmässig weggelassen, wie das ganz natürlich ist. So bezeichnet das Exc. Sang, das Jahr 492 mit 'Anastasio Aug. et Rnfo', der Anon. Cusp. 'DN. Anastasio p. p. Aug. et Rufo', die Chronik von 641 'Anastasio p. p. Ag. eons. et Rufo'. Kauf» mann hätte sich durch die zweimal in der Chronik von 641 vorkommenden Consulate überzeugen lassen sollen, dass auf Differenzen in der Schreibung der Namen und das Weglassen der Formeln bei der VerKaiser Zeno beim Jahre 479, wo es im Anon. Cusp. schon ausgefallen ist. An drei Stellen, zu den Jahren 482, 484, 486, nennt die Chronik die oströmischen Consuln, welche im Anon. Cusp. fehlen; deshalb meint Kaufmann1), die Consulnliste der Chronik könne nicht aus den ravennatischen Annalen genommen sein. Dagegen ist zu bemerken: den oströmischen Consul des Jahres 484, das ist Theoderich, nennen sämmtliche Ableitungen der ravennatischen Annalen, welche überhaupt die weströmische Consulnliste geben, nämlich Cassiodor, Marius, Auct. Prosp., er fehlt allein im Anon. Cusp. Den oströmischen Consul des Jahres 48ti nennen ausser der Chronik von 641 Cassiodor und Marius, dagegen den oströmischen Consul des Jahres 482 hat die Chronik allein. Da aber die Liste der Chronik mit der des Anon. Cusp. sowohl, als namentlich auch mit der des Auct. Prosp. sonst ausserordentlich übereinstimmt, so müssen wir schliessen, dass diese dennoch aus den ravennatischen Annalen geflossen ist. In den Listen konnte jeder Schreiber die übergangenen Consuln nachtragen und das geschah häufig, wie wir an einer andern Stelle zeigen wollen. Ausserdem benutzte der Chronist von 641 gallische Annalen, die wahrscheinlich auch nach Consulatsjahren rechneten, und konnte die ravennatische Liste daraus ergänzen.

Wir können hier die Untersuchung dieser Ableitung noch nicht abschliessen, sondern die Vergleichung mit anderen Ableitungen soll uns ihre Quellen noch näher kennen lehren und zeigen, dass ihr Exemplar der ravennatischen Annalen bis in das sechste Jahrhundert reichte.

7. Gregor von Tours.

Wir bemerkten oben, Gregor von Tours benutze in seiner Frankengeschichte dieselben gallischen Annalen, welche dem Chronisten von 641 vorlagen, und mussten uns gegen eine Ansicht erklären, welche diesen Beiden gemeinsame gallische Nachrichten auf die ravennatischen Annalen zurückführen wollte; doch scheint es, dass wir auf Grund einer andern Stelle auch Benutzung dieser Quelle bei Gregor annehmen müssen. Die Chronik von 641 interpolirt den Prospertext zum Jahre 455 mit einigen kurzen Sätzen, namentlich mit genauen Datumsangaben: weil die Interpolationen sich auf italische Vorgänge, die Ermordung des Kaisers Valenti

gleichung der Consulnlisten nichts zu geben ist: von den 15 Consulaten, welche die Chronik zweimal bringt, stimmen nur ß vollkommen überein. Nur die Uebereinstimmung in Fehlern und Formeln zweier Listen nicht die Differenz darin, beweist etwas. 1) Fasten S. 292.

nian u. s. w. beziehen, so muss man von vorn herein annehmen, dass sie den ravennatischen Annalen entnommen sind, was die Chronik selbst andeutet durch die ersten Worte zu diesem Jahre: 'His coss. Ravenna arsit'. Die Interpolationen zeigen die engste Verwandtschaft mit einer Stelle bei Gregor von Tours'). Weil diese Stelle auf das lange Citat aus Renatus Profuturus Frigeridus unmittelbar folgt, so hat man wol gemeint, sie wäre noch aus ihm entnommen2), doch ist das wenigstens durchaus nicht nothwendig, denn vorher schliesst Gregor das Citat ab mit den Worten: 'Haec supradictus historiographus de Aetio narrat' und fährt dann fort:

Gregor. II, 8, (a. 454) Adultus autcm Valentinianus imperator metuens, ne se per tyrannidem Aetius opprimeret, eum nullis causis exstantibus interemit. (a. 455) Ipse postmodum Augustus, dum in campo Martio pro tribunaliresidens concionaretur ad populum, Occylla buccellarius Aetii ex adverso veniens eum gladio perfodit. Talis utrisque extitit finis.

Chron. a. 6413). (a. 454) Aetius inter palatis penetralia crudeliter interfectus est Romae XI. Kai. Oct.

(a. 455) [Valentinianum egressum]4) et in campo Martio pro tribunali in Sexto ad duos lauros residentem [et ludo gestationis intendentem] veniente ex adverso Accilane Aetii bucillario simulque veniente Trasilane genero Aetii insperatis[ictibus] confossus est5). Wir können hier leider nicht Anon. Cusp. zur Vergleichung heranziehen, da die Recension A desselben erst wieder mit den Schlussworten zum Jahre 455 beginnt, Recension B giebt die Nachricht über Valentinians Ermordung nur im höchsten Masse verkürzt und verdorben mit den Worten: 'His consulibus occisi sunt Aetius patricius et Veaetius praefectus Valentinianus imperator'6). Marcellin giebt die Nachricht ausführlicher, aber sie kann bei ihm wiederum nicht

1) II, 8 ed. Ruinart (Paris 1698 fol.) p. 57, bei Bouquet II, 163. 2) Monod, Etudes crit. p. 21 scheint das anzunehmen; Müller, Fragm. hist. graec. IV, 614 n. citirt diese Stelle als dem Profut. Frigeridus angehörig. 3) Hille p. 6 cf. Marc, chron. Ind. VII bei ßonc. II, 292 und Anon. Cusp. B, der die Notiz irrthümlich zu 455 statt 454 setzt. 4) Das Eingeklammerte ist Prosperiseh und nur des Zusammenhanges wegen gegeben. 5) Der Autor fällt hier aus seiner entsetzlish harten Construction, in die er durch Prosper gedrängt wurde, während die Fasten hier wahrscheinlich wie immer passivisch construirten. Hilles Verbesserung 'confoderunt' ist nicht zulässig. 6) Mommsen S. 666. Für Veaetius lies Boetius.

gänzlich aus den ravennatischen Annalen genommen sein. Sie lautet: 'Valentinianus [princeps dolo Maximi patricii, cuius etiam fraude Aetius perierat], in campo Martio per Optilam et Transtilam Aetii satellites, [iam pereusso Heraclio spadone], truncatus est'. Das Eingeklammerte kann nicht auf die ravennatische Quelle zurückgehen, stimmt vielmehr mit dem Berieht überein, den wir bei Evagrius, Procop und Joannes von Antiochien finden, und auch die Namensform O p tila entspricht der Schreibung 3 OjrcriXas bei Joa. Ant., während die Fasten wol Occila oder Occyla schrieben.

Wir dürfen also wenigstens nicht mit voller Sicherheit') die Stelle als ravennnatisch betrachten. Cassiodor schreibt die Nachricht aus Prosper ab, ergänzt dessen Bericht jedoch insofern, dass er das Marsfeld als Ort der Ermordung Valentinians nennt, übereinstimmend mit Marcellin, Gregor und der Chronik von 641. Diese letztere fügt nun die genauere Ortsbestimmung 'in Sexto ad duos lauros' bei und es tritt uns damit eine Schwierigkeit eigenthümlicher Art entgegen, denn der bezeichnete Ort lag nicht auf dem Marsfelde''), sondern ausserhalb der Stadt an der via Labicana, d. h. also im Südosten der Stadt. Die Chronik stellt also, so weit wir sehen, zwei sich widersprechende Lokalbezeichnungen dicht nebeneinander, und es ist nun von hohem Werth, zu ermitteln, welche Angabe die ravennatischen Fasten hatten. Dazu verhilft uns Agnellus, der, wie wir unten sehen werden, auch an dieser Stelle die ravennatischen Annalen benutzt; er hat die Angabe 'in loco qui vocatur ad Laurum'3). Ihm4) tritt die Continuatio Prosperi der augustanischen Recension, welche wir hier als ein Fragment römischer (oder selbst der ravenna

1) Die Notiz über Aetius' und Boetius' Ermordung zum Jahre 454 hat Marc, aus den rav. Ann. entnommen, und auch sein Bericht über die folgenden Ereignisse stimmt mit diesen überein, wenn er da aber sagt: 'Gensericus . . ab Eudoxia Valentiniani uxore epistolis invitatus ex Africa Romam ingressus est', so muss das wieder auf eine andere Quelle zurückgehen. 2) Vgl. Gregorovius, Geschichte der Stadt Rom I, 203. Liber pontif. vita S. Silvestri (Muratori III, 1 p. 120): 'Augustus Constantinus fecit basilicam beatissimis martyribus Marcellino presbytero et Petro Exorcistae inter duas lauros et Mausoleum (Ms. A. via Lavicana inter duas Lauros) ubi beatissima mater ipsius sepulta est Helena Augusta, in sarcophago porphyretico via Lavicana milliario ab urbe tertio. 3) Vita S. Johannis cap. 5 bei Muratori II, 1 p. 68. 4) Jordanis Get. c. 45 und Chron. (bei Muratori I, 1 p. 239) sowie Paulus Diae. haben die betreffende Stelle aus uns bekannten Quellen (Marcellin—Prosper, Beda) abgeschrieben. Cont. Prosp. ex cod. Vat. und Victor Tunnun. kommen hier nicht in Betracht, Ersterer ist zu kurz, Letzterer sagt: 'Valentinianus Imp. in campo maximo (für Martio?) dolis Maximi patritii et Heraclii praepositi porimitur'.

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