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an zweiter Stelle richtig 'Majoriano', wo Anon. Cusp. fehlerhaft 'Apollonio' setzt. Die Stellung der Consulnamen zu 464 ist dieselbe wie im Auct., die Cont. schreibt aber richtig 'Rusticio'') für 'Rustico' im Anon. Cusp. und Auct.

Wäre die Liste des Auctarium auch nicht aus den ravennatischen Fasten genommen, sondern gleichzeitig durch Eintragung von Jahr zu Jahr entstanden, so bliebe es doch immer möglich, dass ein Schreiber des sechsten Jahrhunderts aus den ravennatischen Annalen einige Notizen beifügte.

12. Theophanes.

Am passendsten schliessen wir der Reihe der Fastenableitungen jetzt den byzantinischen Chronisten Theophanes an. Man wird nicht leicht bei ihm die ravennatischen Annalen suchen und doch ist es unzweifelhaft, dass er aus ihnen geschöpft hat, und zwar hat er sie in für uns sehr dankenswertner Weise benutzt, indem er einfach mehrere Nachrichten aus ihnen abschrieb, ohne sie in seine sonstige Erzählung zu verweben. Um das zu veranschaulichen, vergleichen wir die drei letzten ravennatischen Notizen, welche sich bei ihm finden, mit anderen Ableitungen der Quelle:

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1) Vgl. die Inschrift bei de Rossi I, 358. 2) Corpus scriptt. hist. Byzant: Theophanis chronographia (ed. Jo. Classen) I, 174. Es ist zu bemerken, dass Theophanes' Reehnungsweise um 8 Jahre hinter der unserigen zurückbleibt. 3) Der Name Esqjieviios kehrt allein im Chron. pasch., d. h. in den constantinopolitanischen Fasten wieder. Das Jahr 462 heisst dort nämlich: Vit. Atovcog Avyoiaxov xo ß' xcu Eeq itsvTtou, der zweite Consul des Jahres 476 ist aber eben der weströmische Augustus Libius Severus. Sollte er auch den Namen Serpentius geführt haben? oder ist das nur eine Verderbniss für Severus? Es ist sicher, dass Theophanes Fasten von Constantinopel benutzte, er könnte so den verdorbenen Namen überkommen haben. Merkwürdig ist auch sein Datum vcovatg 'IoaiXiaig, das man zunächst für eine Verderbniss aus dem ersten Datum des Anon. Cusp. 'IUI. Non. Aug.' halten sollte. Merkwürdigerweise sagt aber auch Victor Tunnun.: Severus imperium Non. Jnl. sumit. (Rone. II, 343). 4) Die Notiz ist hier ein Jahr zu spät angesetzt.

xai \it&' ^(lEQas lvixr\Sr\ i palatio Classis XV. Kai. Octo

"Aßixos viro cpeh(xov, xcu yeyo-jbres. Et captivus est imp. •vev1) tic, noXiv lUctxEvuav Eis ! Placentia a mag. mil. Ricimere.

a. 445 p. 165. Gregor Turon. II, 7.

Toüru xw Etei . . .J) 3 AtTiXas Aquileja a Chunis capta, inExaxiflEr TT|r jtöXir'AxuMav. ,censa atque diruta est.

Die Notizen, wie man auf den ersten Blick sieht, zweifellos unserer annalistischen Quelle entnommen, sind zum Theil sehr verderbt. Das wird zum Theil an der mangelhaften Ueberlieferung des Theophanestextes liegen, andererseits wird die Verderbniss darauf beruhen, dass hier die Fasten in einer fremden Sprache vorliegen. Jedenfalls benutzte Theophanes schon eine griechische Uebersetzung der ravennatischen Annalen, wie wir ja auch von den Annalen von Constantinopel in den sogenannten Fasti Idatiani eine lateinische Recension — nicht Uebersetzung — haben. Wie schon gesagt, macht es uns der Autor ausserordentlich leicht, seine aus den ravennatischen Annalen genommenen Notizen zu erkennen, da er sie nie, wie es z. B. Paulus Diaconus thut, in die Erzählung verwebt, sondern einfach herübernimmt, höchstens etwas weglassend oder zur Erklärung hinzufügend. Ja er compilirt seine Quellen so mechanisch, dass er häutig ein und dasselbe Factum zwei bis dreimal berichtet: so hat er nach den ravennatischen Annalen in richtiger Reihenfolge die weströmischen Kaiser Avitus, Majorian, Severus genannt, fast unmittelbar vorher aber berichtet er über deren Regierun

ten in der Reihenfolge: Majorianus, Avitus, Severus. An einer ritten Stelle (p. 183) endlich folgt Majorian auf Olybrius, der 472 zur Regierung kam, während Majorian schon 461 ermordet wurde. Diese Bemerkungen sind zu beachten, wenn man bei Theophanes nach den Resten der ravennatischen Annalen sucht. Das erste Erforderniss, um ihnen eine seiner Nachrichten zuzuschreiben, ist, dass die Fastenform darin gewahrt ist, da aber der Autor gleichartige Fasten von Constantinopel, vielleicht auch von Alexandrien und Antiochien benutzt, so wird man nicht die Form allein entscheiden lassen können; z. B. die Notiz (p. 170): Tw S'aikü) Etei Ev8o!;ia T| {hjyaxriQ 8so8oöiod Tov ßaöiTiws, yvvf\ 8e OucdEruviavoii Tov Tqitou fistd Um5s OvyaTQos ÜJ-axiSiag ytivaixös 'CUußQio'u Eitavri^ÖEV ig 'AcpQtxrjg, beruht nicht auf den ravennatischen, wol unzweifel

1) Es scheint Ejuöxojios zu fehlen, sonst ist der Satz nicht recht verständlich, cf. Marius, Chron. a. 641 etc. zu diesem Jahre; sig TaJ-Xiov; muss als eigener Zusatz des Theophanes betrachtet werden, wobei seine Geographie aber irrte. 2) Es steht eine alexandrinische Fastennotiz dazwischen.

haft aber auf constantinopolitanischen Annalen. Es kommt sogar vor, dass eine und dieselbe Notiz einmal aus den ravennatischen, einmal aus eonstantinopolitanischen Annalen genommen ist, z. B. (p. 130) a. Theoph. 411: 'Tw S'avtw Im sysvvri&t] Ow^EvTinavoc; 6 vioe, KtovOTartiov xal rdAX,T]g IU.axiSlas Iv 'PaßEwviQ' und wenige Zeilen weiter: 'Tw 8'avTw Im i\twr\dr\ Ova^EvTtviavös vioc, KiovöravTiov Ev 'Pa|3svrT) s§d8eX<pos ©eosoöiou'. Die Angabe der verwandtschaftlichen Beziehung Valentinians zu dem oströmischen Kaiser Theodosius in der zweiten Notiz scheint mir auf den Orient, also auf Constantinopel zu deuten, während die Fassung derselben Nachricht bei Marcellin') 'Valentinianus junior apud Ravennam patre Constantio et Placidia matreVI.2) Nonas Julias natus est' zeigt, dass die erste Notiz des Theophanes ravennatisch ist, nur lässt er das Datum weg, das er sonst häufiger als andere Ableitungen zu erhalten pflegt. So giebt er allein das Datum der Erhebung und des Todes des Kaisers Constantius, des Gemahls der Placidia (p. 170). Er hat das meiste — und das ist von nicht geringer Wichtigkeit — dem früheren Theile der ravennatischen Annalen entnommen: manches bringt er nebst anderen Ableitungen, manches allein, wenigstens allein von den Ableitungen, welche wir bis dahin kennen gelernt haben. So ergänzt er z. B. einen Einsatz der Chronik von 641 in den Prospertext (a. 413)3): '. . . capita eorum Ravenna perlata simulque frater eorum Salustius occiditur' durch seine vollständigere Fastennotiz4): Tovcw Tw B'tei sö<priyr)öav Et ra?J,icus 'Ioußiavös xai ZEßaöTiavos ol ÄaujtQÖTaToi. xal r\l$ov al XE<faXai criktov iv 'Pü!ur]5) xal usf/ Tjuifjag Jievte sö<pdvT]öar 2aXoiJöTios xal 'HQaxXEiavos. Dagegen des Theophanes Fastennachricht des Jahres 4086): 'Tovrw Tw l'Tsi iv Twut] ifivxrßr\ rj yfj litt TjuiQas Eitra, xal EöcpdyT) Stemxwv 6 Ä.aujtQÖTaTog iv 'PaßEvvrj xal aXXoi SwdaTai' haben wir bereits im Exc. Sang., in der Chronik von 641 und theilweise bei Marcellin gefunden. Theophanes hat sie nur gekürzt erhalten, denn es fehlt das Datum der Hinrichtung des Stilicho, auch Ticinum, der Ort, wo die d'Aloi SuvdöTai (multi nobilium, multi majores) fielen, wird nicht genannt. Hinter 'ev'pwht]' fehlt die Angabe 'in foro pacis'. Die erste Notiz, welche Theophanes aus den Fasten entnommen hat, ist höchst wahrscheinlich die über des Usurpators Maximus Besiegung durch Theodosius I'). Wenn

1) Ind. II bei Rone. II, 280. 2) So Scaligers Text, und das ist das richtige Datum, nicht V. Nonas, wie gewöhnlich. 3) Hille p. 6. 4) I, 127. 5) Hier wie in einigen andern ravennatischen Fastennotizen steht Rom fälschlich für Ravenna. Auch in anderen Quellen ist die Verwechselung nicht selten. 6) Bei ihm a. Chr. 400, p. 124. 7) a. Chr. 388, bei ihm a. Chr. 380, I, 111.

Neues Archiv etc. I. 20

sich nach dem Jahre 461 keine Fastennotiz weiter findet, so darf man daraus doch keinen Schluss auf die Beschaffenheit seines Fastenexemplars machen; es mochte möglicherweise weiter reichen, aber Theophanes hatte Quellen genug, um beliebig in der Benutzung derselben abwechseln zu können. Seine übrigen Fastennachrichten werden wir gelegentlich noch anzuführen haben.

Johannes von Antiochien.

Noch einen andern griechischen Chronisten hat man mit Fastenableitungen in Verbindung gebracht. Binding1) glaubt nämlich, dass Joannes Antiochenus, Cassiodors Chronik und die Historia Romana des Paulus Diaconus an einer Stelle eine gemeinsame Quelle benutzen. Er kennt den Aufsatz von Waitz über die ravennatischen Annalen2), man sieht dann nicht, warum er nicht ausspricht, welche gemeinsame Quelle diesen drei Autoren nur vorgelegen haben kann, da doch in jenem Aufsatz nachgewiesen worden ist, dass Cassiodor und Paulus die ravennatischen Annalen benutzt haben. Binding muss an die Ausführungen jenes Aufsatzes nicht gedacht haben, sonst würde er nicht gerade auf die Worte Cassiodors Uebereinstimmung mit anderen Quellen begründet haben, welche nur stylistische Erweiterungen der Ravennater Annalen sind3). Zwischen Fragment 209 des Johannes5), welches über die Vorgänge, namentlich über die Kämpfe in Italien von 472 bis 474 berichtet, und den betreffenden Abschnitten bei Cassiodor und Paulus soll nach ihm solche Uebereinstimmung herrschen, dass man Benutzung einer gemeinsamen Quelle — also der ravennatischen Annalen — annehmen muss. Nur als Interpret derselben soll Johannes in Betracht kommen. Sein Bericht über den Zwist und Kampf zwischen Anthemius und Ricimer ist nun der ausführlichste und vorzüglichste, welchen wir besitzen, wie denn Johannes überhaupt auch für italische Dinge zum grossen Theil Hauptquelle für uns ist. An dieser Stelle erfahren wir nun gar viele höchst interessante Dinge, von denen kein Wort in den Annalen gestanden hat, z. B. dass Ricimers Gemahlin, des Anthemius Tochter, Alypia geheissen hat; dann über den Kampf zwischen dem Kaiser und seinem übermächtigen Schwiegersohn, dass auf des Anthemius Seiten die römische Einwohnerschaft, auf Ricimers Seite die germanischen Truppen standen, dass Odovachar mit seinen Brüdern Onulf und Harmatius schon für letzteren mitfocht, endlich über den Ausgang des Kampfes so genaues, dass hier

1) Burgundisch-romanisches Königreich, p. 82 f. n. 333. 2) Er citirt ihn p. 104 n. 383 und p. 274. 3) Vgl. Waitz, Nachr. p. 84. 4) Müller, Fragm. hist. graec. IV, 617.

von Interpretation 'der Fasten keine Rede sein kann, sondern dass man sagen muss, hier ist eine bestunterrichtete, möglichst gleichzeitige Quelle benutzt. Es ist dem Anschein nach Priscus'). Es ist wol kein Zufall, dass Fragment 209 mit der Erhebung des Nepos im Jahre 474 endigt, soweit schrieb gerade Priscus. Ehe man auf die unbekannten Quellen eines Autors Schlüsse macht, wird man — geht es an — sich erst überzeugen, wie er seine uns bekannten Quellen behandelt. Da wird man nun finden, dass Johannes seine Quellen seitenlang wörtlich ausschreibt; am besten können wir das verfolgen an den aus Socrates' Kirchengeschichte2) abgeschriebenen Abschnitten, die für ganze Kapitel fast einen zweiten Text des Socrates geben3). Danach wird man auch an der fraglichen Stelle des Johannes nicht Compilation zweier Quellen annehmen dürfen, die in der That sehr kunstvoll gemacht sein müsste, da die Stelle gänzlich wie aus einem Guss erscheint. Die Paragraphen 2 und 3 desselben Fragments, welche die Ereignisse von Anthemius' Tode bis zu Nepos' Erhebung behandeln, geben nicht so viel mehr als die Fasten, aber von der eigentümlichen Fastenform ist dort keine Spur zu finden. Joannes Antiochenus berichtet kurz über die kurzlebigen Kaiser jener Jahre, von denen auch gar wenig zu melden war, ausser ihrer Erhebung und Absetzung; die ravennatischen Annalen sind immer kurz und präcis: da beide Quellen in ihrer Art vorzüglich sind, müssen sie eine gewisse Uebereinstimmung zeigen, ohne mit einander verwandt zu sein. Nun hat aber Johannes doch auch hier manches, was nicht in den Annalen stand. Er erzählt, dass Ricimer seinem ermordeten Schwiegervater Anthemius ein kaiserlich Begräbniss zugestanden, dass Ricimer bald darauf in Folge eines Blutsturzes, der letzte von ihm erhobene Kaiser Olybrius kurz danach an der Wassersucht gestorben sei und desgleichen mehr. Die Annalen sagen nur 'et defunctus est Ricimer', 'et defunctus est Olybrius imperator', sie geben nicht die Todesart an, also

1) Vgl. Köcher, De Joannis Antiocheni fontibus etc. (Dias. Bonn 1870.) 2) Vgl. namentlich Fragm. 190 und Müllers Note dazu; vgl. auch Köcher 1. c. 3) Desshalb ist so gar viel einzuwenden, wenn Pallmann II, 269 f. Johannes wol schon um das Jahr 476 schreiben lassen möchte, weil er der Blüthezeit der byzantinischen Geschichtschreibung angehören müsse, die von 450 bis 560 reiche. Der grosse Werth des Johannes beruht eben darin, dass er seine Quellen mit unglaublicher Treue wörtlich ausschreibt, doch pflegt eine derartige Quellenbehandlung nicht das Zeichen der höchsten Blüthe der Geschichtschreibung zu sein. Der gute Styl des Johannes (Pallmann 1. c.) löst sich danach in viele gute Style auf. Müller, den P. für seine Ansicht citirt, spricht IV, 538 vom gutem Styl des Joannes in einem bestimmten Abschnitt und führt ihn eben auch auf gute Quelle zurück.

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