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nicht einmal ahneten, noch weniger lebhaft fühlten, so wußten sie auch gar nicht, was dem Volke noth that und was für eines Messias sie bedurften, und deshalb verstanden sie nicht, was die heiligen Propheten von der geistigen Hülfe und Rettung in irdischen Bildern verkündet und geschildert hatten. Daß sie daher einen Messias, wie Iesum, nicht mogten, darf nicht auffallen, denn sie waren Fremdlinge auf dem Gebiete des imiern Lebens, und das sagt ihnen Iesus Ioh, 5, 37. In den Bedürfnissen des Herzens zeugte der Vater vom Sohne, und eben diese waren der geheimnißvolle aber mächtige Zug des Vaters zum Sohne (Ioh, 6, 44.); den verstanden, den fühlten sie aber Nicht einmal, und hatten nie diese Stimme des Vaters gehört, weil sie nur die Eingebungen ihres weltlich gesinnten, eiteln Herzens vernahmen; und wie viel sie auch von bürgerlicher Freiheit sprachen und sie als eine Wohlthat des Messias hofften, so kannten sie doch die Freiheit nicht, welche Christus den Seinen verheißt und gibt, die Freiheit von der Macht der Sünde und des den natürlichen Manschen beherrschenden Bösen; daß sie selbst in dieser Beziehung Knechte waren, ahmten sie nicht, und verstanden das Wort Iesu nicht, Ioh. 8, 31—36. So verhielt es sich mit den Pharisäern und zum Theil auch mit den Saddueäern.

Die Saddueäer, die Reicheren unter den Iuden, unbekemnt mit der Noth des Lebens, welche oft beten, und mit der Anfechtung, welche auf das Wort merken lehrt, bestritten die pharisäische Verfälschung der mosaischen Religion, aber indem sie jene mündliche Ueberlieferung nicht anerkannten, wollten sie überhaupt die Fortbildung und weitere geschichtliche Encwicklung des Iudenthums durch die Propheten nicht zugeben, verwarfen ihre Schriften, und somit auch alle die Lehren und Wahrheiten, welche in denselben erst ausführlicher offenbart worden waren, schrieben nur den fünf Büchern Mosis göttliches Ansthn zu, und ließen auch hier bloß die buchstäbliche Auslegung gelten. Demzufolge leugneten sie die Lehre von dem andern Leben gänzlich, weil sie dieselbe nicht mit klaren Worten in Moses fanden; ganz kurz ist ihre Glaubensansicht oder vielmehr ihr Unglaube bezeichnet, Apostg. 23, 8: Denn die Saddueäer sagen: Es sei keine Auferstehung, noch Engel, noch Geist: die Pharisäer aber bekennen beides. Lange nicht so viel, wie mit den Pharisäern hatte der Erlöser mit den Sadducäern zu thun, als sie sich aber einst unterfingen, den Glauben an das andere Leben und an die zukünftige Auferstehung, durch eine, sei es eine ersonnen« oder, wirklich vorgekommene Begebenheit, anzugreifen und lächerlich zu machen, Macth. 22, 23. ff. Da sprach Iesus zu ihnen: Ihr irret und wisset die Schrift nicht, noch die Kraft Gottes; den Unglauben nennt er hier das Ir» ren der Sadducäer, denn wenn auch die Pharisäer nicht die reine Wahrheit, sondern dieselbe nur getrübt durch menschliche Zusätze hatten, so besaßen sie doch im Aberglauben Wahrheit, aber die Sadducäer befanden sich durch Unglauben in einem vollständigen Irrthum wenigstens über diese Wahrheit, besaßen gar nichts von ihr, indem sie die Auferstehung leugneten; und das hatte seinen Grund in dem buchstäblichen Verständniß der Schrift und im Verkennen der göttlichen Allmacht; die falsch« Schriftauslegung greift Jesus an, indem er aus Moses 2 Buch 3, 6. die Worte anführt Matth. 22, 31. 32: Habt ihr aber nicht gelesen von der Todten Auferstehung, das euch gesagt ist von Gott, da er spricht: Ich bin der Gott Abraham, und der Gott Isaak, und der Gott Iakob. Gott aber ist nicht ein Gott der Todten, sondern der Lebendigen. Nicht buchstäblich, sondern durch das tiefste geistliche Verständniß dieser Stelle lehrt Iesus hier die Auferstehung, als schon in den Büchern Mosis enthalten und gelehrt, denn Gotte leben alle, auch die, welche wir für todt erachten, und deswegen nennt Gott sich vor Moses den Gott Abrahams, Iftaks und Jakobs, weil er auch für diese längst verstorbenen, heiligen Erzväter Gott sei, ihr höchstes Gut, welches nicht sein könnte, wenn sie selbst gar nicht mehr lebten, sondern durch den Tod vernichtet wären. Wegen der Feindschaft der Sadducäer gegen die Auferstehungslehre werden sie, als die Apostel von der Auferstehung Iesu Zeugniß ablegen, Feinde des Evangelii, und verfolgen als solche die Bekenner desselben gemeinschaftlich mit den Pharisäer,n.

Außer diesen beiden weit verbreiteten und vorherrschenden Geistesrichtungen der letzten vorchristlichen Zeit gab es im Volke doch noch Viele, die weder die politischen noch die grobsinnlichen Vorstellungen und Erwartungen von dem Messias hatten, sondern die es anerkannten, wie die Besserung des Lebens so nothwendig sei, wenn der Mensch zu einer beseligen

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den Gemeinschaft mit Gott kommen sollte, und daher erwarteten sie von dem Messias, er werde eine sittliche neue Schöpfung vornehmen, um alsdann nachher ein Reich aufzurichten, von dem sie allerdings meinten, daß es auch mit außerlichen Gebehrden kommen werde, wogegen der Erlöser solehen versicherte Luk. 17, 2N. 21: Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebehrden, man wird auch nicht sagen: Siehe hie oder da ist es, denn sehet das Reich Gottes ist inwendig in euch; im Innern des Menschen wird es aufgerichtet, wenn das Herz sich gläubig dem Willen Gottes unterwirft. Manche Iuden, besonders die nach Egypten verpflanzten, hatten die Hoffnung auf einen persönlichen Messias ganz aufgegeben, und so fehlte ihnen ein wesentlicher Glaubenspunkt zur Annahme Jesu, als des Messias; allein auch bei diesen fanden sich zum Theil allerlei irdische und sinnliche Vorstellungen, indem man wähnte, wenn sich die Iuden einst in'Wahrheit zu Gott bekehrt haben würden, so werde sie der Messias aus allen Ländern und von allen Völkern, wohin sie zerstreut worden waren, durch ein Wunderzeichen am Himmel plötzlich nach Ierusalem zurückversetzen, dann würden sie auf immer von ihren Feinden unangetastet bleiben, und ein goldnes Zeitalter werde beginnen. Das Christenthum lehrte aber, ein solcher Zustand werde auf Erden nur im Herzen des Gläubigen vorbereitet, und erst jenseits im Himmel auch für die Anschauung eintreten.

Die dritte Periode.

Die Zeit unter der Gnade? seit der durch Iesum Christum gestifteten Erlösung.

Wenn bisher die Geschichte des Reichs Gottes auf Erden an der Geschichte des von Gott erwählten und von allen übrigen Völkern ausgesonderten, heiligen Volkes Israel betrachtet werden konnte; wenn Gottes Gnadenabsichcen, die er mit allen Menschen hat, nur in Israel durch die göttliche Offenbarung recht klar und bestimmt bekannt gemacht wurden; wenn sich Gottes Sorgfalt für die Erziehung, Besserung und Beseligung des menschlichen Geschlechts fast auf dies eine Volk zu beschränken, und er die andern Völker allesammt ihre eignen Wege gehen zu lassen schien, so daß das Walten seiner Regierung und eben damit seine Heiligkeit und Gnade, seine, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit vorzugsweise nur in den Schicksalen der Iuden hervorleuchtete: so wird das durch die Erscheinung und das Werk Zesu Christi ganz anders, und die Kirche des Sohnes Gottes ist jetzt der Verein oder die Gesellschaft, Gemeinde, welche das Himmelreich auf Erden bildet, ein Reich, nicht mehr auf ein Volk beschrankt, sondern auf alle Völker berechnet, die daher allesammt zu demselben berufen werden sollen. Die fernere Geschichte des göttlichen Reiches auf Erden ist daher eigentlich die Geschichte der christlichen Kirche, und was Kirchengeschichte, als Wissenschaft, genannt wird, soll, der höchsten Bestimmung nach, eine geschichtliche Darlegung sein, wie die Gnade und Wahrheit, welche der Heiland gebracht hat, als ein Sauerteig, die Massen der Völker und ihr ganzes Leben durchsäuert, neugestaltet und umgebildet hat in jeder Beziehung. Denn so wie das ganze Leben Israels, dem Bunde mit Gott zufolge, durch das göttliche Gesetz regiert und demselben gemäß geführt werden sollte, so soll das öffentlich-bürgerliche, das häusliche Familienleben und das innere verborgene Leben der Seele eines Christen und eines christlichen Volkes ganz und gar gemäß sein der Gnade Gottes, die er uns durch Christum erwiesen hat; und nachzuweisen, wie im Leben, in der gemeinsamen Gottesverehrung, in der Erkenntniß Gottes und der ewigen Wahrheit das Evangelium sich wirksam erwiesen, welche Veränderungen es hervorgebracht, welche Erfolge es herbeigeführt habe, das ist die große Aufgabe der Kirchengeschichte, als Geschichte der Entwickelung des göttlichen Reiches bei Völkern und bei Einzelnen.

Alle die großen Erfolge und Umänderungen, die sich da eingestellt haben und noch immer weiter entwickeln, wo das Christenthum herrschend geworden ist, welches keineswegs schon das Leben auch nur eines Volkes oder eines Menschen so durchdrungen hat, daß es nicht vielmehr noch in seiner Entwickelung bei allen und jedem stände, alle diese außerordentlichen Wirkungen haben ihren Ursprung und einzige Quelle in dem

Leben des Erlösers, daß Gott sich im Fleisch geoffenbart, daß das ewige Wort Fleiseh geworden ist und unter uns Sündern gewohnt hat. Das Leben des Erlösers, sein irdisches Leben in Niedrigkeit und sein Leben im Himmel nach seiner Erhöhung, das ist es, wodurch die neue christliche Zeit herbeigeführt und ein Himmelreich auf Erden, obwohl noch innerlich verborgen, aber doch von da heraus sich offenbarend, gegründet worden ist; dadurch sind Kräfte in die menschliche Natur gekommen, die sie vorher nicht besaß, und eine Anstalt ist dadurch zur Beseligung, Heiligung und Verherrlichung, aller Sünder gegründet, in welcher alle zum Bilde Gottes erneuert werden können. Wenn diese neue Schöpfung, die allmählig über alle Menschen sich erstrecken, ja die sogar nicht ohne Einfluß auf die Natux bleiben soll, in der wir leben, allein von dem Leben des Erlösers herzuleiten ist, so wird darunter alles zusammen.' gefaßt, was sich mit ihm zugetragen hat und von ihm ausgegangen ist, seitdem er als Mensch auf Erden zu wohnen angefangen hat, seit jenem Augenblick, wo es hieß: Euch ist heute der Heiland geboren; also die ganze Wirksamkeit des Gottmenschen, sein Lehren und Wandeln, sein Leiden und Sterben, seine Auferstehung, und was er als Erhöheter zur Rechten des Vaters, thut und in alle Ewigkeit hinaus thun wird, das ist der Lebenskeim, aus welchem sich alles entwickelt, was zum Himmelreich gehört, sei e"s nun in der Zeit und für dies Leben, oder in der Ewigkeit des jenseitigen Lebens, denn nur Iesus Christus und Er allein immerhin ist es, durel, dessen Einfluß und Gnadenwirkungen die, welche zu seinem Reiche gehören, alles werden, was sie nach Gottes ewigem Gnaoe»rachschluß durch den Eingcbornen Gottes werden sollen und können, und zu diesem Reiche gehört das ganze menschliche Geschlecht, ohne Ausnahme und Unterschied, alle, sie mögen nun als Freunde Christi seine Seligkeit schmecken und seiner Herrlichkeit theilhaftig werden, oder sie mögen als seine Feinde in beharrlicher Widersetzlichkeit sich selbst des ihnen zugedachten Heils berauben, und sich ausschließen vom Genuß der Seligkeit. Da Christus, der Gottmensch, in seiner Person, der Urheber und Herr des Himmelreichs ist; wenn es da aufgerichtet wird, wo man Mit ihm in Verbindung tritt, da gefördert wird, wo man in

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