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die Erfüllung der vom Herrn vor seiner Himmelfahrt gegebenen Verheißung Mark. 16, 17., daß sie mit neuen Zungen reden würden; eben diese Begebenheit wiederholte sich im Hause des Cornelius Apostg. 1N, 44—46.; und zu Ephesus an den Iüngern, welche allein auf Iohannestaufe getauft waren Apostelgesch. 19, 4 —6. In der Gemeinde zu Korinth fand sich diese Gabe ebenfalls, und daher gibt Paulus 1 Kor. 14. allerlei Vorschriften, wie sie in der Gemeinde bei den Zusammenkünften zur Erbauung aller benutzt werden sollte. Etwas ganz Außerordentliches war diese Gabe gewiß, aber bei näherer Srwägung der auf sie sich beziehenden Stellen ergibt sich, daß sie nicht sowol von Ertheilung der Fertigkeit, in fremden nicht erlernten Sprachen zu reden, zu verstehen ist, als vielmehr von der begeisterten Ausdrucksweise, in der sich diejenigen mittheilten, welche diese Gabe empfingen. Ergriffen von den lebhaftesten Gefühlen, hingeriffen von der beseligenden Wahrheit, voll hoher Freude über die Gnade ihres Herrn, ergossen sich die heiligen Apostel am ersten Pfingstfeste lobpreisend über die großen Thaten Gottes (Apostg. 2, 11.), und die gegenwärtige Menge der versammelten Iuden erstaunte, — indem alle und jeder wohl verstand, was gepredigt wurde, — über eine Vortragsweise, die sie nie gehört, in der sie nie die gottlichen Gegenstände des Glaubens vernommen hatte. Eine andere außerordentliche Wirkung des empfangenen h, Geistes war die Gabe Wunder zu thun, welche ebenfalls nicht blos den Apostein, sondern auch andern Gläubigen gegeben wurde; noch gehört hieher die Gabe der Weissagung, über welche sich 1 Kor. 14. auch mannigfache Belehrungen des Apostels finden, die der Gabe in Zungen zu reden vorgezogen wird V. 3—5.; es muß daher unter ihr allerdings eine Lehrfähigkeit verstanden werden, die aber wegen der Kraft und Eindringlichkeit, mit der sie geübt wurde, noch von der gewöhnlichen Gabe Lehrvorträge zu halten verschieden war.

Wenn diese außerordentlichen Erfolge, welche durch die Gabe des h. Geistes hervorgebracht wurden, in den spateren Zeiten der Kirche sich nicht gezeigt haben, so hat es doch niemals an den ordentlichen Gnadenwirkungen des Geistes Gottes gefehlt, welche den Sündern unentbehrlich sind, um zu werden was sie werden sollen, und um diejenige Geistesbeschafftnheit in ihnen zu erzeugen, die zum Eingange in das Himmelreich nöthig ist und zur Theilnahme an seinen Segnungen und zur Erlangung der ewigen und unvergänglichen Herrlichkeit, die vermittelst des Evangelii den wahren Bekennern des Erlösers geschenkt wird. Was der heilige Geist an allen wirkt, um sie zur Gemeinschaft Christi hinzuführen und in derselben zu erhalten, hat Luther sehr schön in der Erklärung zum dritten Artikel des christlich.'apostolischen Glaubensbekenntnisses ausgedrückt, wenn er sagt: Ich glaube, daß ich nicht aus eigner Vemunft oder Kraft an Iesum Christum, meinen Herrn, glauben, oder zu ihm kommen kann, sondern der h. Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten. Zuvörderst weist er in diesen Worten auf die Unfähigkeit des Menschen hin, aus und durch sich selber, vermittelst Anstrengung des eignen Nachdenkens, durch Speculiren oder Philosophie, zum Christenthum zu gelangen. Das ist aus zwei Gründen unmöglich, einmal deswegen, weil dasselbe eine geschichtliche Offenbarung ist, auf Begebenheiten sich stützend, und eine solche läßt sich niemals durch bloßen Vernunftgebrauch ergrübeln, wenn uns nicht Kunde davon mitgetheilt wird, und dann auch darum, weil ohne Erleuchtung von oben her der natürliche Mensch die geoffenbarten Wahrheiten des Evangelii nicht einmal faßt, sie nicht recht versteht, und sie ihm vielmehr ein Gegenstand der Thorheit oder des Aergernisses bleiben. In dieser Unfähigkeit des Menschen zur Selbsthülfe aus seinem geistigen Elende und in der Gnade Gottes, der den Tod des Sünders nicht will, liegt der Grund, daß die Gabe des heiligen Geistes gegeben wird, damit dem Menschen die nöthige Hülfe zu Theil werde. Was der h. Geist nun immerfort thut, die ordentlichen Gnadenwirkungen desselben, beschreibt Luther ferner in den Worten: Er beruft, erleuchtet, heiligt im Glauben, und erhält in der von ihm zu Stande gebrachten Gemeinschaft mit Christo. Es ist hiemit die Wirksamkeit des h. Geistes auf die ganze geistige Natur des Menschen, auf alle seine Seelenkräfte angegeben, denn durch die Berufung wird der erste Eindruck auf das Gefühlsvermögen gemacht, daß der Mensch seinen natürlichen Zustand und sein Elend fühlen und die Möglichkeit eines Bessern ahnen lernt; die Erleuchtung, welche der h. Geist wirkt, besteht in seinem Einflusse auf das Erkenntnißvermögen, daß der Sünder gründlich sein Verderben, zugleich aber auch in Christo seinen Helfer .und Heiland, und alles kennen lernt, was zum Seligwerden nöthig ist; damit verbindet sich alsdann der Glaube, welcher zur Heiligung hinführt, und das ist der Einfluß des h. Gelstes auf das Willensvermögen, die mogliche Hülfe anzunehmen, dem einigen Erlöser ganz und gar in völliger Hingebung sich anzuvertrauen, seinen Vorschriften nachzukommen, um in dieser Ordnung zu dem Heil zu gelangen, welches die Barmherzigkeit Gottes in seinem Sohne, Jesu Christi, allen Sündern zugedacht hat. Es richtet sich also die Wirksamkeit des h. Geistes auf den ganzen Menschen, der nach allen seinen Seelenkräften in einem Zustande des Verderbens sich befindet, und der durch dieselbe erneuert, wiederhergestellt, selig, heilig und herrlich gemacht werden soll.

Die Berufung oder der an den Menschen ergehende' Ruf Gottes ist die dem Sünder zuvorkommende Gnade, vermittelst welcher er eingeladen wird, sich das von Gott ihm bereitete Heil anzueignen; in den Gleichnissen vom großen Abendmahl (Luk. 14,) und von der königlichen Hochzeit (Matth.22.) wird uns die fortgehende Sorgfalt in immer weiter schreitender Entwicklung den Menschen Hülfe und Rettung anzubieten unter lieblichen Bildern vorgestellt; und in den beiden andern Gleichnissen vom verlornen Schaf und Groschen (Luk. 15.) ist die ganz besondere Sorgfalt geschildert, mit welcher über das Wohl jedes Einzelnen gewacht und dafür gewirkt wird. Die christliche Kirche ist da, durch die h. Taufe werden wir in dieselbe aufgenommen, Heidenboten gehen aus und verkünden da« Evangelium, das christliche Predigtamt legt Zeugniß ab von Christo, wir besitzen die h. Schrift, die Gemeinschaft mit andern' Gläubigen, die Regierung der Weltbegebenheiten im Großen wie iM Einzelnen, — dies alles gebraucht die dem Menschen zuvorkommende Gnade Gottes, um ihn auf seine Hülfsbedürftigkeit und auf die mögliche Hülfe aufmerksam zu machen, und in dem allen müssen wir den Ruf Gottes erkennen, mit welchem er uns einladet, und uns geneigt zu machen sucht, das Heil in Christo anzunehmen. So wie aber diese Gnade, welche Gott in Christo, vermittelst der Kirche, durch das Wort jedem Sünder anbieten läßt, seinerseits eine völlig freie ist, die der Mensch durch nichts verdient hat, noch sich durch irgend etwas erwerben kann: eben so bleibt auch der Mensch andrerseits frei, und wird nicht wider seinen Willen gezwungen, in die Gemeinschaft Christi einzugehen und seiner Erlösung theilhaftig zu werden. Gott sahe den Fall des Menschen und das tiefe Elend desselben vorher, aber er nöthigte den Menschen doch nicht, in seiner Gemeinschaft und der ursprünglichen Seligkeit zu verharren; er ließ, wie jener Vater im Gleichnisse Luk. 15. den jüngern Sohn fortziehen, und eben so steht es bei dem gefallenen Menschen, ob er jenen Gnadenruf annehmen, ihm folgen und der Ordnung Gottes sich unterwerfen will oder nicht. Der Mensch kann auf jene Züge der Barmherzigkeit Gottes, mit denen der Vater zum Sohne zieht, achten oder sie verachten, die Mahnungen des Gewissens, der Eltern, Lehrer, Freunde hören oder überhören, ihnen nachgeben oder sich widersetzen. Im letzten Falle ist es nun freilich eigne Schuld, wenn er verloren geht, im andern aber, wenn er gerettet wird, hat er es nicht sich selber zuzuschreiben, sondern der allwirksamen Barmherzigkeit Gottes, der, nach dem innersten Bedürfniß des Menschen die leisen Züge seiner Gnade verstärkt, und kräftiger zum Gewissen, des Sün ders redet, wenn er für die Sprache warnender Liebe kein Gehör findet. In der ganzen Heilsanstalt der Kirche ist alles auf freie, dankbare Liebe des Sünders gegen den Erlöser und den Vater, der ihn der Welt gegeben Hat, berechnet, und das Licht des göttlichen Wortes strahlt deshalb so hell in die Tiefen unsers verderbten Herzens hinein, daß bei geringem Wahrheitsgefühl die Nothwendigkeit unsrer gänzlichen Erneuerung uns nicht verborgen bleibe; ist uns das aber erst deutlich geworden, so kommt uns überall im Evangelio eine solche Fülle göttlicher Liebe entgegen, daß durch dieselbe unser Gefühl und Wille auf die kräftigste Weise gerührt werden, und wir gern und willig dieser Liebe uns hingeben. Diese freie Hingebung an ihn ist unseres Gottes und Heilands Wille, und so groß ist seine Liebe, daß er alles anwendet, solchen Willen in uns zu erzeugen und ihn so kräftig zu machen, daß der entgegengesetzte Wille unseres Fleisches und der Welt und ihrer Lust in uns überwunden werde. Es beschreibt die h. Schrift den natürli

chen Zustand des menschlichen Herzens freilich als einen Zustand, der Knechtschaft unter der Sünde, und vom Erwachen des Selbstbewußtseins an finden wir, daß die uns inwohnende Sünde eine große Gewalt über uns ausübt, aber damit ist keineswegs gesagt, daß wir nicht durch die Gnade Gottes von diesem Elende erlös't werden könnten, und wann unser Gewist sen bei jedem von uns begangenen Unrecht eine Verschuldung uns vorhält, so deutet dies unwiderleglich auf ein Ioch, das zerbrochen werden soll, wirklich aber nur dann und in denen gebrochen wird, welche die Hülfe des Evangelii allnehmen und den Wirkungen des Geistes Gottes sich hingeben, auf welche wir in der christlichen Gemeinschaft überall hingewiesen werden. In einem großen Irthume befinden sich auf der entgegengesetzten Seite diejenigen, welche die natürlichen Kräfte des Menschen nach dem Fall so beschreiben, als ob er ohne weiteres, aus eignem Vermögen, wenn er nur ernstlich wolle, alles werden könne, wozu er von Gott berufen sei. Wider alle Erfahrung überschätzen solche den Zustand des natürlichen Menschen, der, wenn ihm die Gnade angeboten ist, auch dann nichts weiter kann, als gerettet werden wollen, und nur in Kraft der ihn stärkenden und tragenden Gnade vom Sündenjoche frei wird. Zugleich findet sich da, wo diese Ueberschätzung der menschlichen Natur ist, Geringschätzung-oer Gnade, und eben daher werden auch die Forderungen Gottes, die er in seinem Worte an den Menschen macht, als übertrieben geschildert, für unerreichbar ausgegeben, und diese Anforderungen so niedrig gestellt, wie möglich, damit es dem Menschen erleichtert werde, das Ziel zu erreichen. Gerade das Gegentheil von dem allen findet sich in der Offenbarung; sie schildert das Grundverderben des Menschen sehr groß und macht doch die höchsten Ansprüche an ihn, indem sie ihm das Vorbild Iesu Christi, in seinem menschlichen Wandel, zur Nachahmung hinstellt. Was aber aus eigner Kraft zu erreichen unmöglich wäre, wird durch die Gnadenwirkungen des h. Geistes vermittelt, und durch die kräftigen Hülfsmittel, die das Evangelium anbietet; durch die Hoffnungen, zu denen es ermuntert; durch die Aussichten, die es eröffnet; durch die Triebfedern, welche es in Bewegung setzt und durch die Beweggründe, mit welchen es auf unsere Seelenkräfte wirkt, möglich gemacht. Diese Freiheit der Wahl,

welche

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