صور الصفحة
PDF
النشر الإلكتروني

trauen zu seiner Macht und Liebe, als die trostreiche Ueberzew gnng, er könne und werde gewißlich helfen, und wie der Herr so gern und bereitwillig auch wirklich da half, wo er solchen, wenn auch nur schwachen Glauben fand: so ist der seligmachende Glaube an Iesum Christum kein anderer als der, daß man seiner Macht und Liebe Errettung von der Schuld und Strafe und Herrschaft der Sünde zutraut, daß man das Verdienst seines Leidens und Sterbens, als einigen und ewig gültigen Grund der Begnadigung aller Sünder und der eignen Rechtfertigung ansieht, daß man, sich in Zeit und Ewigkeit alles Guten zu dem erhöheten Menschensohne versieht/ und von seiner Barmherzigkeit den Eingang in das himmlische Gnadenreich erwartet. Wo dieser Glaube, hervorgebracht durch die Wirkung des h. Geistes vermittelst des Wortes, ein Herz erfüllt, da schmeckt und erfährt es die Freundlichkeit und Leutseligkeit seines Gottes und Heilandes, da wird es der Sünden vergebenden Gnade des Herrn gewiß, und fühlt sich, so weit es auf Erden und in diesem Leben geschehen kann, schon selig, weil da Leben und Seligkeit ist wo Vergebung der Sünden ist. Deshalb knüpft der Erlöser überall das Seligsein an den Glauben, nicht als eine späte Folge desselben, die sich erst in der Ewigkeit offenbaren werde, sondern er redet davon als von zwei unzertrennlichen, in der Seelenerfahrung stets verbundenen Thatsachen Ioh. 5, 24.; das schließt indessen eine Erhöhung und Vermehrung der Seligkeit in dem zukünftigen Leben nicht aus, wo alles Hemmende fortgeschafft sein wird, was hier noch die ungetrübte Seligkeit hindert. Dieser Glaube ist daher der geistige Sinn, mit dem wir alle die himmlischen Gnadengüter empfangen, die Christus uns zufließen läßt, und diesen Sinn zu erwecken, zu dem in jedem menschlichen Herzen die Fähigkeit liegt, deswegen werden tms die Zeugnisse Gottes vorgehalten. Denn so wie der Erlöser dem Blindgedornen (Ioh, 9.) das Augenlicht schenkte, und sich so an ihm verherrlichte, eben so ist er noch immerdar bereit denen, die von Natur nicht zum Glauben geneigt sind, diesen nothwendigen Sinn zu geben, damit sie, wie auch jener Blindgeborne in ihm den Sohn Gottes und ihren Seelenhelfer erkennen mögen; deswegen sagt Paulus, er sei in der Verwaltung des apostolischen, Amtes, durch die Predigt des Evangelii, berufen. aufzuthun die Augen der Ungläubigen, daß sie sich bekehren von der Finsterniß zu dem Licht (Apoftg. 2«, 18.). Der Sinn, dessen 1 Ioh. 5, 2N. gedacht wird, ist nichts anders, als die Fähigkeit Gott zu erkennen, und das ist der Glaubenesinn, denn wir erkennen Ihm Christum nicht anders als durch den Glauben, welcher eine lebendige Erfahrung von dem allwirksaml'n Heilande macht. Alle Erkenntniß von Christo, die nur mit den Kräften des natürlichen Verstandes geschieht, ist höchst unvollständig und verhält sich zu der durch den Glauben entstehenden Erfahrungserkenntniß gerade so wie die Kenntniß von einer Gegend oder von den Schmerzen einer Krankheit, die wir durch Schilderung erlangen, zu der Kenntniß, welche Folge einer unmittelbaren Anschauung oder des lebendigen Gefühls ist. Der Glaube schließt daher die, Erkenntniß, welche, wir mit dem natürlichen Erkenntnißvermögen erlangen, gar nicht aus,, aber er ist mehr als diese Erkenntniß allein, er kommt zu Stande durch eine Beistimmung unseres Willens zu den im Worte uns gegebenen Zeugnissen und Verheißungen Gottes, und wird vollendet durch die Erfahrung der Wirkungen des Geistes Gottes auf unfern Geist, welche da nie aus' bleiben, wo jene Beistimmung und Willigkeit des Gemüthes sich vorfinden.

Wenn nun der Geist Gottes unsere Wiedergeburt bewirkt hat, und Buße, Bekehrung und Glaube bei uns sich finden, so wird dem also beschaffenen Herzen auch die Liebe nicht fehlen, welche die Frucht des Glaubens ist und reichlich von dem heiligen Geiste über die Gläubigen ausgegossen wird. Diese Liebe ist ihrer Natur nach zunächst Gefühl, Empfindung, und geht bann in die Werke über; sie richtet sich zuerst auf den, von welchem sie geliebt worden ist, auf den Sohn Gottes und auf den himmlischen Vater, und dann auch auf die, welche von ihm mit gleicher Liebe geliebt worden sind, auf das ganze Geschlecht der theuer erkauften Sünder, insonderheit aber auf die, welche in Christo schon ihren Mittler und Erlöser erkennen, welche Mitglieder der Gemeinde, Brüder in Christo sind. Die Liebe zu Gott und Iesu stellt sich im Leben des Christen als Heiligung dar; diese ist das stetige Fortschreiten im Guten, zur Aehnlichkeit Gottes, wie er sich in Christo offenbart hat; wenn in der Bekehrung der Sünder den rechten Weg betritt, so ist er noch nicht am Ziele, durch weiteres Fortwandeln auf dem betretenen rechten Wege gelingt es ihm, sich seinem Ziele zu nähern, das er durch Gottes Gnade einst auch wirklich erreichen wird. Man psiegt diese Heiligung auch die tägliche Buße zu nennen, weil wir es nöthig haben, täglich an der Reinigung unseres Herzens von den ihm noch anklebenden Sündenftecken zu arbeiten: denn wenn uns auch die göttliche Gnade in der Rechtfertigung für rein erklärt und uns ihres Wohlgefallens versichert, so ist es doch noch erforderlich, daß die Glaubensgerechtigkeit zur Lebensgerechtigkeit werde, daß wir uns das Wohlgefallen Gottes, welches er nnserm Glauben schenkt, bewahren, indem wir so wandeln, wie es Kindern Gottes geziemt in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Iener Vater verzieh dem in Buße und Glauben zu ihm zurückkehrenden Sohne, überhäufte ihn mit LiebeSerweisungen, und gab ihm die unzweideutigsten Beweise seines vaterlichen Wohlgefallens, doch wohl in der Absicht, daß das fernere Verhalten des Sohnes zu seiner Zufriedenheit und Freude werde von ihm eingerichtet werden; und des Sohnes Pflicht und Aufgabe war es, mit der größten Sorgfalt über sich zu wachen, damit er die eingewurzelten Sünden, Laster, Untugenden und übeln Gewohnheiten, die sich unfehlbar in seinem Herzen werden geregt und ihn versucht haben, in Kraft der ihm widerfahrnen Liebe überwinde. So ist es mit dem Christen; seine herzliche Liebe zu Gott und Iesu, die Frucht seines Glaubens, soll wiederum Quelle der Heiligung werden; er muß mit Wachen und Beten in stetem Kampfe gegen die Sünde stehen, und sich sorgfältig vor dem Rückfall in dieselbe hüten, denn mit diesem hätte sein Glaube und somit auch sein Gnadenstand aufgehört. Bei der Heiligung kommt es vornämlich darauf an, daß wir sanftmüthig und von Herzen demüthig werden, denn das sind die beiden Haupttugenden des Christen, die er von seinem Heilande lernen soll, sie stehen den beiden verkehrten Richtungen unseres Geistes entgegen, dem Zorn und dem Hochmuth, die beide ihre Quelle in der sündlichen Eigenliebe haben, von der wir durch die Gnade Gottes in der Liebe zu Christo erlöst werden sollen. Die dem Christen gebotene Heiligung, deren Ziel Heiligkeit ist, geht nicht in's Unendliche fort, so daß die Heiligung ein unendliches Streben nach einer nie erreichten Heiligkeit wäre, sondern es ist unsere Heiligkeit die uns erreichbare Aehnlichkeit mit dem im Fleisch geoffenbarten Sohne Gottes, welches Ziel aber in. diesem Leben nicht erreicht wird, wie die heiligen Apostel ausdrücklich erklären 1 Ioh. 1, 8; Philip. 3, 12—14; 2 Kor. 7, 1.

Die L«be, insofern sie sich auf die Mitmenschen richtet, ist der Inbegriff aller Pflichten, die wir gegen dieselben auf uns haben, wir können diese daher ohne jene gar nicht erfüllen; sie selbst aber ist eine, wie treu wir sie auch üben, un abzahlbare Schuld Nöm. 13, 8, Die Innigkeit und Zartheit christlicher Liebe kann sich freilich in allen Verhältnissen offenbaren, insbesondere aber zeigt sie sich in ihrer Herrlichkeit ge< gen Feinde und gegen die, welche schwach sind im Glauben. Ukber diese Liebe gegen Schwachgläubige gibt der Apostel Paulus die beherzigungswerthesten Ermahnungen. Es sind Schwachgläubige solche Christen, die hinsichtlich auf Mitteldinge, welche an sich dem göttlichen Gesetz nicht zuwider sind, allerlei Bedenken tragen, ob sie wohl mit der Glaubens- Ueberzeugung eines Christen so vereinbar seien, daß er sich dieselben erlauben könne, oder ob er sie nicht vielmehr als unvereinbar damit meiden müsse. Ie schwacher nun der Glaube ist, desto stärker und gewichtiger werden diese Bedenklichkeiten, desto mehr wird der Schwache vieles für unerlaubt, und mit dem Glauben unvereinbar halten, und einen Anstoß daran nehmen, wenn andere, die starker in ihrem Glauben sind, eben das thun und genießen, was ihm als so unzulässig erscheint. Wenn uns der heilige Geist, der Geist der Wahrheit, noch nicht so weit in die Erkenntniß der Wahrheit hat hineinführen können, daß diese Wahrheit uns frei gemacht hätte, wenn über das Wesen des wahren Glaubens und sein Verhälmiß zu unsern Handlungen, wenn über die Natur des Himmelreichs unser Auge noch nicht so erleuchtet ist, daß wir Wesentliches und Außerwesentliches, Hauptsachen und Nebendinge unterscheiden können, dann wird die darin begründete Glaubensschwachheit eine Menge von Zweifeln über Erlaubtes und Unerlaubtes herbeiführen. So war es im Anfange der christlichen Kirche bei den ersten Bekennern des Evangelii, und dieselbe Erscheinung wiederholt sich noch immerdar, aber unter andern Formen, so daß nur die Gegenstände, über welche die Schwachgläubigen, als über erlaubte oder unerlaubte zweifelhaft sind, nach Zeit, Ort, Verhältnissen und Landessitte andere sind. Nach Rom. 14. und 1 Kor. 8. 9. 1N. hatten die Schwachgläubigen vornämlich Bedenken über den Genuß des Fleisches der Opferthiere, das öffentlich verkauft zu werden pflegte, und über die Feier gewisser Tage, in wie weit der Christ dazu verpflichtet sei oder nicht. Der Genuß des Opferfieisches schien den Schwachen im Glauben eine sündliche und strafbare Theilnahme an dem heidnischen Opfer selbst, und je mehr sie sich von allen Greueln des Heidenthums los zu machen suchten, desto größer war auf diesem Gebiete ihre Gewissenhaftigkeit und Ängstlichkeit; andere, die entweder wirklich stärker im Glauben waren und einsahen, daß der Genuß solchen Fleisches sie unmöglich vor Gott strafbar machen könne, oder solche, die diese ängstliche Gewissenhaftigkeit vielleicht auch deswegen nicht hatten, weil sich überhaupt nicht eine so ernste Richtung des Gemüths auf Heiligung bei ihnen fand, genossen nicht nur solches Fleisch ohne Bedenken, sondern gingen sogar noch weiter und nahmen an den heidnischen Gastmählern Theil, wozu ihnen ihre früheren Verbindungen mit heidnischen Verwandten so viel Aufforderung gaben, und worin zugleich für sie selbst eine Reizung zu sündlichen Ausschweifungen lag, für andre aber das Aergerniß eines für einen Christen unwürdigen Betragens. Aus diesen wichtigen Gründen untersagte der Apostel die Theilnahme der Christen an den heidnischen Opfermahlzeiten als etwas ganz Unstatthaftes 1 Kor. 1N, 21., was aber den Genuß des Götzenopfer-Fleisches betrifft, so äußert er sich darüber 1 Kor. 8, 7. Weil dadurch niemand in den Augen des Herrn einen Vorzug hat, daß er vermöge seines stärkeren Glaubens solches Fleisch ißt, dessen sich der andere bei schwächerem Glauben enthalten zu müssen glaubt, und dieser darum nicht weniger bei dem Herrn gilt, so soll der erleuchtetere Christ, der richtig über den Gebrauch und Nichtgebrauch der Mitteldinge urtheilt, seine Freiheit, sich derselben zu bedienen, unter die Leitung der Liebe stellen, und lieber auf Erlaubtes Verzicht leisten, als durch rücksichtslosen Gebrauch seiner christlichen Freiheit dem Bruder einen Anstoß geben, und ihn durch sein Beispiel reizen, mit Beschwerung des Gewissens etwas

« السابقةمتابعة »