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Schauder und Schrecken erregenden Umstände bei der Gesetzgebung deuten auf die innerste Natur des Gesetzes selbst hin, daß es ein heiliges und unverletzliches Gesetz ist, dessen Ueber.' tretung nur Tod und Verderben bringen kann, und so sollten sie dahin wirken, einen um so vollständigeren Gehorsam zu erzeugen. Ganz anders, freilich wohl Staunen und Verwunderung, aber doch nicht Entsetzen erregend, waren die hörbaren und sichtbaren Erscheinungen bei der Ausgießung des heiligen Geistes, Apostg. 2. Auf die innern herrlichen Vorzüge des N. Bundes vor dem A., auf das Liebliche und Einladende des Gnadenreiches, was es vor dem Schrecklichen der Gesetzgebung voraus hat, wird Hebr. !2, 18—24. hingewiesen; und auf diese Gnade gründet der Apostel die Forderung, Gott zu dienen, mit Zucht und Ehrfurcht, um ihm zu gefallen, denn eben dieser gnädige Gott sei ein verzehrendes Feuer dem muthwilligen Sünder, und wenn jene, die das Gesetz empfingen, der Strafe ihrer Uebertretung nicht hätten entfliehen können, so würden noch viel weniger diejenigen ungestraft bleiben, welche sich weigerten, der Gnade Gottes folgsam zu werden und ihm treu zu bleiben.

2. Das Gesetz selbst, welches Gott durch Moses gab, ist in den zehn Geboten enthalten, und lautete also: Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Egyptenland, aus dem Diensthause, geführt habe. Du sollst keine andre Götter haben neben mir. Dies erste Gebot fängt mit dem Zeugnisse Gottes an, wer er sei und was er den Israeliten schon Gutes gethan habe; als Herr erinnert er sie an seine Oberherrschaft, dann an den Beweis seiner Güte, und daß er daher als höchstes Gut, als der beste Freund, als der größte Wohlthäter von ihnen erkannt und ver.' ehrt werden solle, und sie sollten in ihrem Herzen keine andre Götter neben ihm haben, auf nichts so sehr vertrauen, was es auch immerhin sei, als nur allein auf ihn, und ihm ihre ganze Liebe schenken.

Du sollst dir kein Bildniß noch irgend ein Gleichniß, weder dis das oben im Himmel, noch des das unten auf Erden, oder des, das im Wasser unter der Erden ist, machen. Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! denn ich der Herr, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der da heimsucht der Väter Missethat an den Kindern, bis in das dritte und vierte Glied, die mich hassen; und thue Barmherzigkeit an vielen Tausenden, die mich lieb haben, und meine Gebote halten. Durch die Vorstellung seiner strafenden Gerechtigkeit und zugleich auch seiner unergründlichen Barmherzigkeit will der Herr die Empfindungen der Furcht und Hoffnung erwecken, und vermittelst dieser das menschliche Herz dem Gehorsam geneigt machen. Er nennt sich einen eifrigen, d. h. eifersüchtigen Gott, der fortan in dem Bunde der Israeliten mit ihm jeden Ungehorsam, wie einen Treubruch, ansehen, behandeln und bestrafen werde, an denen jedoch nur, die desselben sich schuldig machten: denn wenn es hier heißt, daß der Väter Missethat an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied gezüchtigt werden soll, so steht doch dabei: die mich hassen, also nur, wenn die Kinder in der ungehorsamen, feindseligen und gehässigen Gesinnung ihre Väter gegen Gott verharren, nur dann sollen sie nicht ungestraft bleiben, wie sich das deutlich ergibt aus Ezech. 18, 2. ff. und 5 Mose 24, 16. Neben der Strafandrohung steht aber die Verheißung Gottes, welche die Größe seiner Barmherzigkeit und Treue vorhält, wie sich deutlich aus 5 Most 7, 9. ergibt, wo es heißt: So sollst du nun wissen, daß der Herr, dein Gott, ein Gott ist, ein treuer Gott, der den Bund und Barmherzigkeit halt denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, in tausend Glied. An vielen Tausenden verheißt Gott den Gehorsam zu belohnen, d. h. so viel, wie bis in das tausendste Glied; wie unermeßlich Gottes Barmherzigkeit sei, zeigt sich aus dieser Beschreibung, denn es umfassen tausend Glied eine unübersehliche Zeit, indem von Adam bis Christus, also in 4NNN Iahren, nur 42 Glied gelebt haben, Matth. 1, 17. — Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht. — Gedenke des Sabbathtages, daß du ihn heiligest (von den andern sechs Tagen aussonderst, unterscheidest); sechs Tage sollst du arbeiten, und alle deine Dinge beschicken; aber am siebenten Tage ist der Sabbath (Ruhetag) des Herrn, deines Gottes, da sollst du kein Werk thun, noch dein Sohn, noch deine Tochter, noch dein Knecht, noch deine Magd, noch dein Vieh, noch dein Fremdling, der in deinen Thoren ist (un,' ter dir lebt). Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erden gemacht, und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhete am siebenten Tage, darum segnete der Herr den Sabbathtag und heiligte ihn. — So wurde durch dies Gebot die uralte Verordnung Gottes über die Feier des siebeuten Tages, welche er schon den ersten Eltern gab, 1 Mose 2, 2. 3., auf's Neue bestätigt und eingeschärft, den Menschen zum Besten, daß sie eine Erholung hätten von der Arbeit iM Schweiß ihres Angesichts, und zugleich eine Gelegenheit und Aufforderung, die Geschäfte ihres Seelenheils vorzugsweise und ausschließlich zu besorgen; daher sagt Iesus Mark. 2, 27: Der Sabbath ist um des Menschen willen gemacht, und nicht der Mensch um des Sabbaths willen; wodurch er einer knechtischen und fleischlichen Auffassung dieses Gebots entgegentritt, welches der lieblose Sinn so mißdeutete, daß auch nicht einmal Werke der Liebe und der Not!) an diesem Tage verrichtet werden sollten, wogegen er seine Widersacher fragte: Ist's recht am Sabbath Gutes thun oder Böses, Leben erhalten oder verderben, Luk. 6, 9.

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß du lange lebest im Lande, das dir der Herr dein Gott gibt. Paulus macht ausdrücklich darauf aufmerksam, wie dies Gebot das erste sei, an welches Gott eine besondere Verheißung von Wohlergehen geknüpft habe, Eph. 6, 2. — Du sollst nicht tödten. — Du sollst nicht ehebrechen. — Du sollst nicht stehlen. ',- Du sollst nicht falsch Zeugniß reden wider deinen Nächsten. — Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Haus. Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Weibes, noch seines Knechts, noch seiner Magd, noch seines Ochsen, noch seines Esels, noch alles, das dein Nächster hat. —

Nachdem Gott dem Moses diese Gebote gegeben hatte, kam dieser zum Volke (2 Mose 24, 3. ff.) und erzählte ihm alle Worte des Herrn und alle Rechte. Da antwortete alles Volk mit einer Stimme und sprachen, wie früher, ehe das Gesetz selbst noch bekannt gemacht war: Alle Worte, die der Herr gesagt hat, wollen wir thun; und hierauf folgte nun 3. die Errichtung des Bundes.

Moses schrieb alle Worte des Herrn auf, und machte sich bei frühem Morgen auf, bauete unten au dem Berge einen Altar (von Erde und ungehauenen Steinen nach Cap. 2N, 24.25.) und errichtete zwölf Säulen für die zwölf Geschlechte Israel. An diesen Säulen sollten die Opferthiere, wenn sie zum Brandopfer zugerichtet waren, aufgehängt werden, daher befanden sich später im Tempel Salomonis ebenfalls solche Säulen neben dem Brandopferaltare. Hierauf sandte er hin die jungen Männer aus den Kindern Israel (das waren die erstgebornen Söhne aus allen Stammen, welche damals Priester waren, weil sie sich aber späterhin mit dem goldenen Kalbe so schwer versündigten, so wurde seit der Zeit der Stamm Levi und das Geschlecht Aarons zum Priesterthum erwählt, 4 Mose 3, 41. 45.), daß sie Brandopfer darauf opferten, und sie schlachteten Rinder, und brachten sie dem Herrn zum Dankopfer. Und Moses nahm die Hälfte des Bluts und thats in etliche Beb ken, die andere Hälfte aber sprengte er auf den Altar. Und nahm das Buch des Bundes (das war dasjenige, worin Moses alle göttlichen Verordnungen, alle gottesdienstlichen Vorschriften und Landesgesetze, wie sie Cap. 21—23. verzeichnet stehen, geschrieben hatte) und las es vor den opfern des Volkes; und da sie sprachen: Alles, was der Herr gesagt hat, wollen wir thun und gehorchen: da nahm Moses das Blut, mit Wasser gemischt, und vermittelst eines Isopstengels, an dem sich ein Büschel Purpurwolle befand, besprengte er das Buch und alles Volk damit, und sprach: Sehet, das ist das Blut des Bundes, den der Herr mit euch macht über allen diesen Worten. Die Besprengung mit Blut war eine sinnbildliche Handlung zur Bezeichnung der Gemeinschaft zwischen Gottes Gesetz und dem Volke, daß das Volk nunmehr zum Gehorsam gegen das göttliche Gesetz verpflichtet sei. Im Briefe an die Hebräer 9, 19. 2N. wird auf diese feierliche Errichtung und Einweihung des A. Bundes zwischen Gott und Israel hingewiesen, und aller Nachdruck der Gültigkeit des Bundes wird auf das Opfer gelegt, bei welchem das Blut der Opferthiere vergossen wurde. So wie nach dieser Opftrfeierlichkeit und durch dieselbe der A. Bund dergestalt geschlossen war, daß er volle Gültigkeit hatte und unverletzlich war, so daß jede Uebertretung strafbar machte, eben so ist auch der N. Bund durch ein Opfer geschlossen, und das ist der blutige Tod Iesu Christi. Jedes Testament, d. h. jeder Bund, bedarf einer Versiegelung, und die geschieht durch den Tod dessen, der ihn macht; so war es im A. Bunde, er wurde nicht ohne Blut gestiftet (V. 18.), denn ein Testament wird fest durch den Tod, anders hat es noch nicht Macht (Gültigkeit), wenn der noch lebet, der es gemacht hat (V. 17.). Bei dem A. Bunde waren es nun nur Opftrthiere, durch deren Tod er besiegelt ward, nach göttlichem Befehl; wenn aber auch die'Vorbilder der himmlischen Dmge auf diese Weise befestigt wurden, so müssen doch sie selbst, die himmlischen Dinge, bessere Opfer haben, denn jene waren. Und es ist bei dem wahrhaftigen Gnadenbunde Gottes mit den Menschen, wo es auf geistige Gemeinschaft ankommt, in dem der Mensch ganz Gottes Eigenthum werden soll, wirklich auch ein vorzüglicheres Opfer gebracht worden; Iesus Christus selbst hat sich für uns dargegeben, ist für uns gestorben, sein Tod stiftet den N. Bund. Daher bezeugt er selbst, als er zum letzten Mal das Passahlamm mit seinen Iüngern aß und nun das heilige Abendmahl stiftete', indem er ihnen den Kelch gab: Trinket alle daraus, das ist mein Blut des N. Test., welche« vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden, d. h. so wie das A. Test, durch Blut gestiftet ist, so wird auch der 'N. Bund durch Blut, und zwar durch mein Blut, gestiftet, und wenn es in jenem auf Gesetz und Gehorsam ankam, so sollen in diesem Vergebung der Sünden und damit Gnade, allen Genossen desselben, gegeben werden.

4. Das Wesentliche des A. Bundes bestand in folgenden Punkten: 1) Gott, der Retter Israels, offenbart sich ihm als sein König und Gesehgeber; 2) Israel wird vor allen andern Völkern sein Eigenthum; 3) Gehorsam gegen den im göttlichen Gesetz geoffenbarten Willen Gottes ist des Herrn Forderung und Israels Pflicht; 4) Israels Wohlergehen wird an sein Wohlverhalten als unmittelbare Folge an geknüpft, so wie Straft an den Ungehorsam.

Wenn es bei jedem Bunde auf treue Erfüllung der gegenseitigen Gelöbnisse ankommt, Gott seinen Willen an Israel bekannt gemacht und das Volk Gehorsam gelobt hat, wie dies geschichtlich feststeht: so ist es keinem Zweifel unterworfen, daß der Gehorsam bei diesem Bunde das Wesentliche ist, welches auch durch viele unzweideutige Stellen bezeugt wird,

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