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5 Mose 1N, 12. 13. 2N., Cap 8, 6. 11, 1. In dem vollständigen Gehorsam gegen den bekannt gemachten Willen Gottes sollte fortan Israels Gerechtigkeit bestehen, denn es heißt 5 Mose 6, 24. 25: Es hat uns geboten der Herr, zu thun nach allen diesen Rechten, daß wir den Herrn unfern Gott fürchten, auf daß es uns wohl gehe alle unsere Lebtage, wie es gehet heutiges Tages; und es wird unsere Gerechtigkeit sein vor dem Herrn, unfern» Gott, so wir thun und halten alle diese Gebote, wie er uns geboten hat. Die Gerechtigkeit des Menschen vor Gott ist nichts, anderes, als das Wohlgefallen Gottes an ihm; diese Gerechtigkeit erlangte Abraham nach 1 Mose 15, 6. durch den Glauben, durch den mit Israel errichteten Bund des Gesetzes tritt hier eine große Veränderung ein, wodurch das Verhältniß der Menschen zu Gott wesentlich anders gestellt wurde; von nun an sollte nicht mehr im Glauben, sondern im Gehorsam die Gerechtigkeit derer bestehen, die zu diesem Bunde gehörten; nur wer vollständig das ganze Gesetz erfüllte und auch in keinem Stücke es übertrat, sollte sich des Beifalls Gottes versichert halten. Da nun aber niemand das Gesetz Gottes vollkommen gehalten hat, auch keiner dessen fähig ist, so mußte hierdurch das Bewußtsein der Sünde und das Gefühl, Gottes Beifall nicht zu besitzen, sehr mächtig erregt werden; und damit diejenigen, welche dies schmerzlich fühlen, auch noch unter dem A. Bunde, des Trostes der Vergebung und des frohen Bewußtseins der göttlichen Gnade in der Erlassung ihrer Schuld und wohlverdienten Sündenstrafe, in Glauben und Hoffnung gewiß werden mögten, so ordnete Gott zu dem Ende den ganzen Opferdienst an, von dem weiter unten die Rede sein wird.

Israels Glück und Wohlergehen wurde in diesem Bunde als der Lohn Gottes für seinen Gehorsam verheißen, dagegen dem Ungehorsam Strafe, Unglück und Verderben gedroht; der Stellen sind unzählige, in denen sich Gott also erklärt, es heißt 3 Mose 18, 45: Nach meinen Rechten sollt ihr thun, und meine Satzungen sollt ihr halten, daß ihr darinnen wandelt, denn ich bin der Herr, euer Gott; darum sollt ihr meine Satzungen halten und meine Rechte: denn welcher Mensch dieselben thut, der wird dadurch leben. Aehnliche Ver

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heißungen finden sich Cap. 11, 13—17; und 3 Mose Cap. 28. wird Segen und Fluch neben einander vorgehalten; als Segen wird angedeutet: Fruchtbarkeit des Landes, Friede, Sieg über die Feinde, Vermehrung des Volkes, Gottes Nahe; in dem Fluche drohet Gott mit Krankheit, Unfruchtbarkeit des Landes, Besiegung von den Feinden und andern Uebeln. Und damit dem Volke die Wichtigkeit des Gehorsams wegen des herrlichen an ihn geknüpften Segens, so wie die furchtbaren Folgen des Ungehorsams wegen des Fluches, mit dem Gott ihn bedrohte, recht eindrücklich werden mögt?n, so wurde verordnet, daß die Kinder Israel, nach der Einnahme des Landes Canaan, auf den Bergen Grisim (Garizim) und Ebal, einander gegenüberstehend, den Segen und Fluch Gottes sich zurufen sollten; auf Grisim standen die Stämme: Simeon, Levi, Iuda, Isaschar, Ioseph, Benjamin; und die Leviten huben den Segen an zu sprechen und alles Volk sprach ihn nach; auf Ebal standen: Ruben, Gad, Asser, Sebulon, Dan und Naphthali, und sprachen den Fluch 5 Mose 27, 11—14. Daher konnte denn auch Moses zu dem Volke sprechen Cap. 11, 26—28: Siehe, ich lege euch heute vor den Segen und den Fluch; den Segen, so ihr gehorchet den Geboten des Herrn, eures Gottes, die ich euch heute gebiete; den Fluch aber, so ihr nicht gehorchen werdet den Geboten des Herrn eures Gottes, und abtretet von dem Wege, den ich euch heute gebiete, daß ihr andern Göttern nachwandelt, die ihr nicht kennt (als eure Wohlthäter nicht kennen gelernt habt, wie mich). Da der ganze A. Bund eine sichtbare Gottes-Herrscha/c, eine außerliche Theokratie bildete, so sind auch die Verheißungen wie die Drohungen auf das irdische Leben hingerichtet, und betreffen das äußere Wohl und Wehe desselben, und selbst der Auedruck 3 Mose 18, 5: Du wirst durch den Gehorsam leben, bezieht sich nur auf das zeitliche Leben. Im N. Bunde sind die herrlichen Gnadenverheißungen Gottes unseres Heilandes für seine treuen Iünger vorzugsweise auf das zukünftige Leben hingerichtet, und selbst die, welche schon in diesem Leben in Erfüllung gehen, enthalten nicht sowohl das Versprechen eines äußeren Glücks, als vielmehr einer inneren Seligkeit, die theils in der Herzensgemeinschaft mit dem Erlöser durch den Besitz seines Geistes und seiner Tugenden hier schon geschmeckt, theils

durch Hoffnung noch erwartet wird im Himmel; weshalb auch das Wort Iesu, das er zu jenem Schriftgelehrten sprach, dem er das Halten der Gebote empfohlen hatte: Thue das, so wirst du leben! in einem geistigen Sinne zu nehmen ist, so daß er nicht vom irdischen Leben, dieser Verheißung des A. Bundes, sondern von der innern Seligkeit redet, welche die empfinden, die als Gottes liebe Kinder, nach dem Vermögen, das er darreicht, im Gehorsam gegen ihren himmlischen Vater wandeln. So viel herrlicher die Gnadenverheißungen sind, so viel erschrecklicher und furchtbarer sind aber auch die Drohungen über die Verachter der Gnade Gottes in Christo; es ist schrecklich in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen; wenn jemand das Gesetz Moses bricht, der muß sterben ohne BarmherzigKit durch zween oder drei Zeugen! Wie viel, meinet ihr, ärgere Strafe wird der verdienen, der den Sohn Gottes mit Füßen tritt, und das Blut des N. Test, unrein achtet, durch welches er geheiligt ist (nicht glaubt, was doch Wahrheit ist, daß Christi blutiger Tod ihm Reinigung von seinen Sünden durch Vergebung erworben hat), und den Geist der Gnaden schmäht (kraft dessen er die Herrschaft der Sünde brechen soll)? Hebr. 1N, 28. 29.

S. Von dem rechten Verständniß des Gesetzes. Das Gesetz Gottes, worunter hier zunächst nur die zehn Gebote begriffen werden mit allem, was sich sonst an Vorschriften zu ihrer weicern Erklärung und nähern Bestimmung in der heil. Schrift A. Test, findet, mit Ausschluß der Vorschriften, die den Gottesdienst betreffen, ist in sich selbst freilich klar und deutlich; aber in seiner ganzen Tiefe und seinem ganzen Umfange nach, wie es das Innerste des Menschen in Anspruch nimmt, ist es doch erst durch Iesum Christum enthüllt worden. Ie mehr eine fleischliche, bloß äußere Auffassung desselben bei den Iuden bis auf Christi Zeiten, ungeachtet der Belehrungen der Propheten, statt fand und sich noch immer bei dem argen Herzen wiederholt, das sich gern den Gehorsam gegen Gott durch bloß äußere Werke erleichtert und durch solche alles, was verlangt wird, gethan zu haben meint: desto nöthiger ist es, das Gesetz recht kennen zu lernen, was aber nur in dem Lichte des Evangelii geschehen kann, und daher müssen hier die Belehrungen des Herrn und seiner Apostel vorweg genommen und erwogen werden, um theils den wahren Sinn des Gesetzes, theils die Endzwecke Gottes, warum «r es gegeben hat, zu erkennen. Es ist eine solche Betrachtung um so weniger zurückzuweisen, da Gottes Gesetz, wie er selbst, unwandelbar und ewig gültig ist, es also auch für die wahren Iünger Iesu noch gilt, obwohl das Verhaltniß des Wiedergebornen, der vom Geiste Gottes geleitet wird, zum Gesetze ein ganz anderes ist, als das des Unwiedergebornen, der noch nicht durch die Kraft der Erlösung in die Lebensgemeinschaft seines Heilandes eingegangen ist.

Di« Summe des Gesetzes. Die Summe oder der Hauptinbegriff des ganzen Gesetzes ist das Gebot von der Liebe; alle Vorschriften, die das Verhalten des Menschen gegen seinen Gott und Schöpfer betreffen, sind in dem Gebot von der Liebe zu Gott zusammengefaßt, und was der Mensch sich selbst und seinem Nächsten schuldig ist, wird in dem Gebote gefordert, daß man den Nächsten lieben soll, wie sich selbst; daß der Erlöser die Forderung der Liebe als den eigentlichen Geist des Gesetzes angesehen habe, erkennt man aus Matth. 22, 35—4N. Also Liebe zu Gott über alles, aus allen Kräften der Seele, und LieFe zu dem Nächsten in dem Grade, wie man sich selbst liebe, erklärt Iesus für den Inbegriff aller gesetzlichen Vorschriften, die ursprünglich in dem von Gott durch Moses gegebenen Gesetz und in den späteren Erläuterungen desselben durch die Propheten enthalten sind. So entschied der Herr die Frage des Schriftgelehrten, welche in böser Absicht ihm vorgelegt war, um ihn etwa einer Geringschätzung anderer gesetzlichen Vorschriften zu zeihen, wenn er einer oder der andern den Vorrang vor den übrigen zugestände; aber durch die siegreiche Wahrheit dieser Antwort, die selbst der feindselige Sinn des Schriftgelehrten anerkennen mußte, schnitt der Herr alle fernern Streitfragen ab, die unter den Gesetzes-Lehrern und Erklärern statt fanden, welche 613 einzelne Gebote zählten, über deren Wichtigkeit und Vorrang sie heftig zu streiten pflegten, mit einem für die Hauptsache verblendeten Gemüthe. Ia so mächtig erwies sich die von Iesu ausgesprochene Wahrheit an dem Herzen dessen, der ihn zu versuchen gefragt hatte, daß (nach Mark. 12, 32—34.) der Schriftgelehrte zu ihm sprach: Meister, du hast wahrlich recht geredet, denn es ist Ein Gott und ist kein andrer außer ihm; und denselbigen lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüthe, von ganzer Seele und von allen Kraft ten, und seinen Nächsten als sich selbst, das ist mehr denn Brandopfer und alle Opfer. Da aber Iesus sahe, daß er vernünftig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht ferne von dem Reich Gottes, denn wer diese Pflichten als die wichtigsten mit voller Herzenszustimmung anerkennt, und folglich auch mit der Willigkeit, ihnen nachzukommen, der ist nicht mehr so fern von der seligen Gemeinschaft mit Gott, wie die, welche wähnen, es könne Gott mit äußern Werken zur Genüge gedient werden. Aber auch schon vor Iesu hatten solche Israeliten, die sich vom Geiste Gottes in das tiefere Verständniß Moses und der Propheten hineinführen ließen, diese beiden Gebote, als die vornehmsten und wichtigsten erkannt, daher war es gewohnlich, sie, auf Denkriemen verzeichnet, an sich zu tragen, und so konnte jener Schriftgelehrte, der den Herrn versuchend fragte: Was muß ich thun, daß ich das ewige Leben ererbe? auf seine Gegenfrage: Wie stehet im Gesetz geschrieben? Wie liesest du? sehr leicht antworten: Du sollst Gott deinen Herrn lieben von ganzem Herzen u. s. w. (Luk. 1N, 25—28.); denn man pflegte die beiden Stellen 5 Mose 6, 4. 5: Höre Israel, der Herr, unser Gott, ist ein einiger Herr, und du sollst den Herrn lieben u. s. w., und 3 Mose 19, 18: Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst! stets zusammenzufügen. Das Gebot von der Nächstenliebe wird dem andern von der Got.' tesliebe gleich gesetzt, weil beide nicht von einander getrennt werden können, denn sonst ist das Gebot von der Liebe zu Gott in sofern noch höher und darum das Erste, weil in dieser Liebe die Quelle der Nächstenliebe liegt. Die unauflösliche Verbindung dieser beiden Gebote lehrt der heilige Iohannes 1 Brief 4, 2N. 21. Daß die Liebe des Gesetzes wesentlichste Forderung sei, und daß ohne sie kein ächter Gehorsam gegen dasselbe statt finde, lehrt, dem Sinne und den Erklärungen Iesu gemäß, der heilige Paulus Römer 13, 8 —1N. und Gal. 5, 6. .

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