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hüten, als ob jeder bildliche Ausdruck (selbst vorausgesetzt, dass wir ihn als solchen empfinden) die volle Anschauung des Bildes wecke; sie ruht vielmehr, der Empfindung bald mehr bald weniger verhüllt, im Hintergrunde, und es ist eine Aufgabe der Kunst, diese schlummernden Anschauungen zu vollem Leben zu wecken. In dem Mangel an ausgeführten Bildern und Vergleichen verrät die ältere deutsche Poesie eine Schwäche der Phantasie, auch Walther bietet nicht viel (vgl. Wigand S. 10 f.). Zwar ist er reich an bildlichen Vorstellungen, und darunter sind manche gut geprägt und lebendig ausgeführt; aber sie bekunden doch weniger die Kraft einer üppig schaffenden Einbildungskraft, die sich daran vergnügt, den Gegenstand mit lieblichen Bildern zu schmücken und zu beleben, als die Freude an sinnvoller Allegorie, die das Bild an die Stelle des Gegenstandes setzt und in dem Wesen der mittelalterlichen Theologie Wurzel und Nahrung hat. Hierher gehören seine Personifikationen und allegorischen Figuren, ferner 31, 3 die Freunde als Schwerter, 80, 3 der Hoffärtige als Sechs, König Heinrich als ungeratener Schüler 101, 23, der ungetreue Gefährte als Gaukler 37, 24, der Hofstaat als Krautgarten 103, 13, die Reichsrechte als Spiefsbraten 17, 11, das Leben als Tanz 102, 29, als gefährliche Reise 26, 13, das nahende Weltende als Sturm 13, 12. Auch der hübsche Anfang des Liedes 45, 37, der sich durch sinnliche Lebendigkeit auszeichnet, ist kein Gleichnis; die Frauen und der Frühling werden nicht verglichen, sondern nur ihre Wirkungen abgewogen.

Die Gebiete, aus denen Walther seine bildlichen Ausdrücke nimmt, sind mannigfach; am liebsten wählt er sie aus dem Bereich der Natur (Leb. S. 211 f.), aber auch Kampf und Recht,2 geselliges Leben, Kleidung, Waffen, Kunst und Gewerbe geben ihre Beisteuer. Nach diesen Gebieten hat Wigand den Stoff geordnet; wir wollen deshalb einen andern Weg einschlagen, und ihn nach Mafsgabe der Gegenstände gruppieren, zu deren Veranschaulichung die bildlichen Ausdrücke dienen.

Die Bilder, unter welchen Walther das Wesen und Walten der Gottheit darstellt, wollen wir nicht im einzelnen anführen; sie dienen nicht sowohl dem poetischen Schmuck der Rede, sondern dem natürlichen Bedürfnis, und lassen sich in den betreffenden Abschnitten aus Walthers Leben (S. 216 f.) leicht übersehen. Gott ist der Vater, Christus der Sohn; wir alle sind Gottes Kinder, unter uns Brüder 22, 3. Gott wird verehrt

2) Vgl. AfdA. 7, 147. Burdach s. v. Rechtssprache.

als Herr, als König, als Richter, als Heerfürst, die Getreuen sind sein Volk, das er in den Kampf führt, Palästina sein Erbland, das Leben der Zins der ihm entrichtet wird 76, 38. Der Schöpfer erscheint als Bildgiefser 45, 25 und Maler 53, 35; Gott als Urquell der Barmherzigkeit, Christus als das Lamm, dessen Blut uns reinigt; der heilige Geist als Bote Gottes, als Seelenarzt, der das kranke Herz labt. Die Dreieinigkeit wird unter dem Bilde eines glatten Stabes dargestellt 15, 32. Zahlreich

sind die Bilder für die jungfräuliche Geburt der Maria. Der Teufel als Scherge 33, 2, als Sämann des Übeln 31, 34, als Seelenräuber 3, 10 f.; der Tod als ein Feind, der eine wehrlose Schar belagert 77, 34.

Christentum und Christenheit sind an einander gepafste Gewandstücke 7,3; die Sünde eine Last 7, 39, ein Fleck 7, 40. 4, 30; eine Schwertwunde 6, 14; die rechte Lehre ein Labetrunk 6, 32, die Reue läuterndes Feuer 6, 25, ein reinigendes Bad 7, 39.

Das Leben ist wie eine gefährliche Reise 26, 13, wie ein Traum 124, 2, wie ein Schlag ins Wasser 124, 16. Die Freude der Welt ist wie ein kurzer Sommer 13, 22; sie vergeht sam der lichten bluomen sehîn 42, 12; sie ist süfs, aber giftig, birgt Galle im Honig 124, 35. 25, 18. Wer ihr nachtrachtet, setzt sich gleichsam zwischen zwei Stühlen nieder 13, 20; verfährt wie die Grille, statt mit der Ameise der trüben Winterszeit zu gedenken 13, 27.

Der menschliche Leib als Kerker der Seele 68, 4. bewahrt werden mufs 87, 11. 82, 20. Der Mut erscheint als kühner Jagdvogel: daz der muot nách hôher wirde ûf swinget 47, 9. Dieselbe Vorstellung wohl auch 76, 13 mîn herze swebt in sunnen hô, und 6, 26 ein wildez herze er alsô zamt. Auch als ein galoppierendes Pferd erscheint das Herz 99, 18 und ebenso 37, 25.

wird als ein schönes Bild aufgefafst 67, 32, Der Mund ist das Haus der Zunge, das wohl Der unstäte Blick erinnert an Affenaugen

Der Papst ist der Vater der Christenheit 33, 12, Gottes Kämmerer 33, 28, der Hirte, der zum Wolfe geworden ist 33, 30; ein zweiter Judas 33, 20 und Zauberer Gerbreht 33, 22; er ist ein Kerkermeister der Deutschen 34, 10; ein Handschriftenfälscher 33, 8, der aus dem schwarzen Buch des Teufels seine Ratschläge nimmt 33, 7; seine Worte sind Teufelsstricke, durch die er Pfaffen und Kardinäle bindet 33, 1. Die habsüchtigen Kardinäle sind Baumeister, die nur darauf bedacht sind, ihren Chor zu decken 33, 9. Das Christentum liegt im Siechhaus und erwartet vergeblich einen Labetrunk von Rom 6, 32. Die irdischen Besitzungen sind ein Gift für die Kirche 25, 17.

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Der Kaiser ist Gottes Vogt auf Erden 12, 9; die Krone ist ein Bild seiner Macht 19, 36 und des Reiches 83, 26, ein Leitstern der Fürsten 19, 4; die Cirken bezeichnen die Fürsten 9, 13; König Philipp erinnert den Sänger an den dreieinigen Gott 19, 9, seine Gemahlin an die Jungfrau Maria 19, 13; König Heinrich an einen zuchtlosen Schüler 101, 23; der Erzbischof Engelbert heifst mit Bezug auf die Kölnischen Reliquien: drîer künege

und einlif tûsent megede kamerære 85, 8. Die Reichshofbeamten sind Köche 17, 11; die Rechte und Güter des Reichs ein Spiefsbraten 17, 14; die hohen Fürsten, die von der Teilnahme an der Regierung ausgeschlossen sind stent vor der kemenâten 83, 20; der unbeliebte König muoz vor die tür (wird abgesetzt) 17, 21. Dem uneinigen Deutschland wird das Reich der Tiere als Spiegel vorgehalten 8, 28 f., die Deutschen liegen im Stock des Papstes, ihre beiden Könige sind unter eine Krone gesteckt 34, 7 f.; ihr Altar steht unter der Traufe 33, 10. Der Hofstaat vergleicht sich einem Garten; der Fürst ist der Gärtner, die Guten sind Blumen, die Bösen Dornen 103, 13. Die Klätscher bei Hofe sind Hofhunde 32, 27, sie gebaren, wie Mäuse mit Schellen 32, 27.

Der Sänger vergleicht sich dem Vöglein, das in finsterer Nacht schweigt 58, 27; sich der Nachtigall, die schlechten Sänger den Fröschen im See 65, 21; sich dem Weizen, jene der Spreu 18, 6; sich dem Mond, einen andern dem Arsch 18, 10. Sie schreien schlimmer als der Mönch im Chore 104, 1; ihre Weise ist das Knarren des Mühlrades 65, 13; Herr Wîcman jagt wie ein Leithund ins Leere 18, 14. Der Sänger fügt sein Werk wie ein Künstler 106,4;1 seine Rede geht entzwei 104, 6; wird entzwei geschlagen 61, 33. Der Schönheit seines Lobes fällt der Kalk ab, wenn man sich nicht darum kümmert 28, 30. Anderseits belegt er seine Kunst mit Ausdrücken des Waffenhandwerks 84, 23. 32, 35. Übertriebenes Lob ist gewagtes Hasardspiel 111, 23. Die Worte stecken in der Kehle 28, 28; ruhen im Verschlufs des Mundes 87, 11.

Die Frauen sind gleich Engeln 57, 7. Die Herrin verdunkelt ihr Gefolge, wie die Sonne die Sterne 46, 15, sie ist schöner als Helena und Diana 119, 10, sie schiefst mit Liebesstrahlen 54, 23, wundet und heilet 98, 34. 54, 36, ihr Preis schlägt andere Frauen in die Flucht 121, 10. Ihr Leib ist ein kostbares Kleid, in das Sinn und Sælde gesteppt sind 63, 1; dem die innere Tugend als Futter dient 121, 11; ihr Haupt ist dem Himmel gleich 54, 27; ihre Augen den Sternen 54, 31; ihr freundlicher Blick rührt an das Herz 112, 17; ihr roter Mund gleicht der Rose im Tau 27, 29; die Lippen einem Küssen 54,7; ihr Atem dem Balsamduft 54, 13; ihre Gestalt ist wie ein Bildwerk Gottes 45, 23; ihr farbenfrisches Antlitz wie ein Bild von göttlicher Hand 53, 35. Ihr Herz ist eine Wohnung des Geliebten 114, 19. 72, 18; ein Haus des Sinnes und der Liebe 55, 8; eine wohlverwahrte Burg 55, 32. 23.

Der Liebende ist der Diener der Geliebten, sie küniginne (s. Leb. S. 189). Ihre Unbilligkeit veranlasst vor dem Publicum 74, 12 oder der Frau Minne 40, 19. wundet und heilet, schiefst Liebesstrahlen, macht jung Leben und Tod (s. Leb. S. 195).

1) Ebenso der Erzieher 101, 36.

seine frouwe und gerichtliche Klage Sie bezwingt ihn, und alt, gewährt

Die Liebe wird aufgefafst als Bürde oder Wunde oder Rechtshandel (Leb. S. 198); Liebesgenufs bezeichnet durch Rosenlesen und Blumenbrechen (Leb. III, 337); die falsche Minne ist wie eine falsche Münze 82, 3.

Die Freude erscheint als innere Erhöhung (hôher muot, hôhgemüete); man steigt in ein hôhgemüete 20, 3; die Sinne steigen höher als der Sonnenschein 118, 29; vor Freuden schwebt man in den Lüften 42, 34; das Herz erhebt sich zur Sonne 76, 13. Der Unglückliche hingegen ist swære alsam ein blî 76, 3. Der Ausgelassene hüpft wie ein Kind 58, 5; der Glückliche schreitet mit stolzen Kranichsschritten einher 19, 31; der Unglückliche schleicht wie ein Pfau 19, 32, steht wie eine Weise vor dem Thor der Sælde 20, 32, wie eine Schreckgestalt unter seinen Nachbarn 28, 37, sitzt zwischen zwei Stühlen 13, 20. Die trauernde Frau vergleicht sich den Vöglein im Winter 89, 23. Der Glückliche ist gesund: an froiden wol genesen 112, 9, von dem Bekümmerten heifst es: sîn froide ist tôt 23, 4. Das Unglück ist ein angeslîcher slac 115, 1. Der Bedrängte sitzt in der Falle 76, 19. Besonders wird die Freude aufgefafst als ein Hort, den die Geliebte hat (Leb. S. 193) 97, 12; sie macht reich an Freuden 113, 4, giebt hôhen muot 113, 8. 19, sendet fröide und hôhgemüete 109, 8. 113, 15. Der Kummervolle borgt Freuden 48, 6. 52, 15. 115, 8. Die Freude ist eine Stütze des Trostes 93, 28. Das trûren ist ein innerer Brand 27, 33. 24, wie die Reue 6, 25.

Unmut wird als ein Geschwulst aufgefafst 32, 16; der Unverdrossene bindet sein Leid an den Fuss 101, 31. Das Erröten der Scham vergleicht sich der Heide im Frühling 42, 20; der Rose neben der Lilie 74, 30. Das Gefühl der Rache sucht nach geschwindem Gegenschlag 32, 35. 11, 2.

Gut, Ehre und Gottes Huld sind Kostbarkeiten, die man in einem Schrein bergen möchte 8, 18. Die Ehre ist wie ein Jagdvogel der hoch aufsteigt 85, 3, wie eine Blume, die auch im Schnee blüht 35, 14; aber auch wie welkende Pflanzen 35, 12, wie Rosen mit Dornen 102, 33. Sittliche Eigenschaften werden als schapel und gebende bezeichnet 185, 31. 111, 21. 122, 35; die guten alten Sitten als altmodisches Gewand 90, 27. Der treue Mann vergleicht sich dem zuverlässigen Schwert 31, 3; sein Mut ist fest wie ein Stein, schlicht und eben wie ein Stab 30, 28; einlætic und wol gevieret 79, 38; sein Wort ist ein zuverlässiges Pfand 82,6; sein Lachen süss wie Abendrot, das heiteren Tag verspricht 30, 15. Der zuverlässige Mann verlässt den Freund nicht unterwegs 30, 26; der Treue entweicht keinen Fufs breit 60, 10. 33, 14. Den Meifsner vergleicht der Dichter wegen seiner Reichstreue mit einem Engel 12, 5. Dagegen der Untreue ist ein seltsæne kunder 29, 4; schlüpfrig wie Eis 79, 33; glatt wie ein Aal 30, 24; sinewel an sîner stæte 79, 29; er ist wie ein Ball 79, 35 und behandelt andre wie einen Ball 79, 34. Sein Mut ist vêch gezieret 80, 1; seine Zunge honigfüfs; sein Herz voll Galle 30, 13; in seinem Honig verbirgt sich der Stachel 29, 12; er beifst ohne es vorher anzukündigen

29, 9; er trägt zwei Zungen im Munde 29, 11; sein wolkenloses Lachen birgt scharfen Hagel 29, 13; sein Lachen ist wie gefälschtes Metall 29, 7. Trügerische Herren sind den Gauklern gleich 37, 34; die intrigierenden Fürsten wie Diebe 105, 22; ungerechte Richter heifsen krump 85, 31.

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Der Hoffärtige ist wie eine Sechs, die gerne Sieben sein möchte 80, 3. Die Selbstbeherrschung ist ein sicherer Hafen 81, 11; weibliche Zucht und Stolz ein festes Schlofs 93, 30. Das Sinnbild der Geduld ist der fromme Klausner 62, 10. Der Nachsichtige will die Missetat verbrechen 105, 4. Saumseligkeit schadet der Saat und dem Schnitt 85, 24.

Die Milte ist wie eine lohnende Saat 17, 3; der freigebige Fürst eine schone wol gezieret heide 21, 4; eine Blume, die im Winter und Sommer blühet 35, 15; ein erquickender Mairegen 20, 35, ein Märtyrer um Ehre 32, 32. Seine Hände sind gleichsam durchlöchert 19, 24; er schenkt, als ob er nicht länger leben wolle, Silber als wäre es gefunden, und Pferde wie Schafherden 25, 30 f. Die milde Gabe wird als eine Kerze dargestellt 18, 15. 84, 33. Friedrich II wird hinsichtlich der Freigebigkeit einem Riesen, Otto einem Zwerge verglichen 27, 2 f., der Karge ist an gebender kunst verschraget 80, 12; wer unbeständig ist in der Freigebigkeit gleicht dem vergänglichen Klee 35, 14.

Der gesellige Verkehr wird als ein Spiel aufgefafst: ich wil niht mêr dîn blâsgeselle sîn 38, 8, als ein gemeinsamer Tanz 103, 3; wer sich aus der Gesellschaft zurückzieht, verschliefst gleichsam sein Haus 62, 5. Frauenlob ist eine Vergoldung anderer Tugenden 37, 33. Der unhöfische Ritter erscheint als ein wilder Esau 76, 15; ein unerzogenes Kind als krummes Holz 101, 23.

Wem es an Einsicht und Erfahrung gebricht, der gleicht einem Kinde 99, 8. 121, 27, oder dem gouch (10, 7. 22, 31. 79, 2); er ist blind an allen Sinnen 121, 29 (69, 27); (ein rint guoter sinne 123, 36; er greift wie ein Thor in die Glut 123, 21). Der Überlegsame hingegen wird mit einem Wägenden verglichen 23, 8.

Gefahr ist schâch 31, 31; Niederlage mat 111, 31. 114, 22.

Ebenso werden Eigenschaften und Verhältnisse durch Vergleiche sinnlich belebt: rot wie die Rose 27, 29. 53, 37. 74,31; weifs wie die Lilie 53, 37. 74, 31; fest wie ein Stein 30, 27; schwer wie Blei 76,3; slipfic als ein îs 79, 33; sleht und ebener danne ein zein 15, 32; kündic als mîn

ander hant 124, 6.

Die Negation wird verstärkt: niht ein hâr 118, 14. niht ein blat 103, 36. Das Nichtige wird bezeichnet durch kleiner als ein bône 26, 26; daz ist gar ein wint 56, 17. 116, 11; das Höchste in seiner Art durch krône 43, 30 (vgl. krænen 49, 11); der Kaiser würde darum werben 63, 5; ein Kaiser es kaum geben 63, 29; ein Kaiser nicht besser machen 15, 35. Vom Unvollkommenen heifst es: ez si niht visch unz an den grât 67, 31. Die Zusammengehörigkeit bezeichnet ein passend zusammengesetztes Gewand 7, 4. 43, 6. Die Vereinigung guter Eigenschaften: baz danne gesteine

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