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VORWORT.

Auf dem Titel ist diese zweite Ausgabe als eine vollständig umgearbeitete bezeichnet. Der erste Abschnitt der Einleitung, über das Leben Walthers, ist weg geblieben, der über die Metrik wesentlich geändert und bereichert, an Stelle der kritischen Bemerkungen ist eine übersichtliche Darstellung der handschriftlichen Überlieferung und als Anhang ein Verzeichnis der wichtigeren Lesarten in den verschiedenen Ausgaben Walthers getreten; ein Kapitel über den Stil ist neu hinzu gekommen. Der Text und die erklärenden Anmerkungen sind revidiert, der Versuch einer chronologischen Anordnung der Lieder nur in einer Tabelle vorgelegt, der Text selbst bewahrt die Folge der Lachmannschen Ausgabe und alle Citate beziehen sich auf diese.

Diese bedeutende Umgestaltung wäre kaum nötig gewesen, wenn ich nur die öffentlich ausgesprochenen Urteile und die Aufnahme von Seiten des Publikums hätte berücksichtigen wollen; aber ich selbst war mit dem alten Werke nicht mehr zufrieden. Die Voraussetzungen, auf denen es beruhte, waren ins Wanken gekommen, und ich konnte nicht anders als den neuen Bau auf neuem Fundamente aufführen. Das Buch über Leben und Dichten Walthers von der Vogelweide, das vor einigen Monaten erschienen ist (Bonn 1882, Flittner), habe ich geschrieben, um den Grund für die Ausgabe zu legen.

Als ich vor fünfzehn Jahren die Erklärung Walthers übernahm, sah ich das Zeitalter des Minnesangs in poetisch verklärtem Licht. Das deutsche Volk, durch einseitige Verstandeskultur noch nicht verdorben, durch grosse Ereig

Wilmanns, Walther v. d. Vogelweide.

nisse glücklich angeregt, gebot über eine Fülle poetischer Begabung, die unserer Zeit überall abhanden gekommen ist. Da lebten, schon vor Hartmann und Wolfram, hunderte von Volkssängern, die ohne sonderliche Mühe epische Lieder sangen, wie sie Lachmanns Kritik aus den roberen Kompilationen des 13 Jahrh. wieder hergestellt hat, und neben diesem urwüchsigen epischen Volksgesang stand eine gleichartige Lyrik, in deren Klängen die Regungen des Gemütes gleichsam von selbst ausströmten. Wenn nicht alle ältesten Minnelieder dieser Vorstellung entsprachen, so sah ich darin die Einwirkung einer durch die Formen einer fremden Mode beengten Gesellschaft, die den frischen Trieb, wie er im Volke selbst lebte, zu freier Entfaltung nicht kommen liess; für die Lyrik eines Sängers wie Walther, glaubte ich, müsste alles das gelten, was Herder einst von der wahren Lyrik und dem Volksgesange verkündigt hatte. Ein lichtes, mit Liebe aufgenommenes und durch Zweifel wenig getrübtes Bild der Vorzeit lebte in meiner Phantasie und bestimmte die Auffassung des Einzelnen. Aber auf die Dauer vermochte ich dieses Bild gegen den Ansturm widersprechender Thatsachen nicht zu retten; es verschwand allmählich wie das liebliche Traumbild eines goldenen Zeitalters, das die Sehnsucht nach idealer Vollendung gläubig in die Vergangenheit gezaubert hatte.

Das poetische Schaffen und Können des früheren Mittelalters erscheint mir jetzt sehr viel eingeschränkter. In langer Arbeit wird erst allmählich der Born einer lebendig und reichlich fliessenden Poesie erschlossen und wie alle geistige Bildung dringt auch die Kunst aus den oberen Schichten der Gesellschaft zur grossen Masse des Volkes hinab. In dem ersten Abschnitt des Buches über Walthers Leben habe ich das Wachstum einiger Jahrhunderte in kurzen und allgemeinen Zügen darzustellen gesucht; darauf beruht die Beurteilung des Minnesanges und Walthers.

Die Einförmigkeit der Minnelieder hatte ich ehedem als den natürlichen Ausfluss des noch einförmigen Lebens angesehen. Die häufige Wiederkehr derselben Gedanken in

INHALTSVERZEICHNIS.

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Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Einleitung

Die Handschriften 1. Sammlung BC 3. AC 9. CE 13.
Verlorne Sammlungen 15. Zuverlässigkeit der Überlieferung 17.

Die Sprache 20. Elision und Hiatus 20. – Apokope und Synkope 21; nach kurzer Stammsilbe 22; nach langer Stammsilbe 27; in Puris 33; nach Ableitungssilben 33; in Ableitungssilben 35; in Vorsilben 38. – Inklination 39. – Synalöphe 41. - Einzelne Bemerkungen 41.

Die metrische Form. Betonung und Ictus 44. – Metrum 45; Senkung fehlt 46; zweisilbige Senkung 47; Daktylen 48; Auftakt 49. – Umfang der Verse, Binnenreime und Cäsuren 55. – Strophe. Wiederkehrende Formen 57. Bau der

Stil 63. Lebendigkeit und Unmittelbarkeit. Anrede 64; Beteuerung 65; Rhetorische Frage, Revocatio, Aposiopese, Parenthese, kurze direkte Rede 66; Schein der Objektivität 68. Nachdruck und Fülle des Ausdrucks. Betonung 69; Epitheton ornans 71; Parallelismus 71 (Satzglieder 71; Sätze 74; anaphorische Wiederholung 75); Antithetischer Parallelismus 77 (Satzglieder 77; Sätze 79; Wiederholung 80; Position und Negation 82); Antithese ohne Parallelismus 83; Wiederholung desselben Wortes oder Wortstammes 83). – Anschaulichkeit. Konkrete Einzelzüge 87. Umschreibung von Namen 88. Zerlegung der Persönlichkeit 89. Personifikation 89. Bilder und Vergleiche 90. Klangeffekte 96. – Anfang und Schluss 96. - Walther als Musiker 99. Text (Lachm. 3— 125) ................ 101. Seite 1. Anhang, Lieder und Strophen, die Lachmann in die Anmerkungen und in die Einleitung gesetzt hat . . . . . . .

415. 2. Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . ... .. 447. Versuch einer chronologischen Gruppierung der Lieder ..: 454. Verzeichnis der wesentlicheren Abweichungen in den Texten der

verschiedenen Ausgaben . ............. 455. Verzeichnis der Lieder und Sprüche nach ihren Anfängen ... 481. Register . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

487. Berichtigungen . . . . . . . . . . . . . . . . .

500.

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