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zum

praktischen Handgebrauch.

Die Heilige Schrift

Alten und Neuen Testaments

in übersichtlicher Nebeneinanderstellung des Urtextes, der Septuaginta, Vulgata
und Luther-Ueberseßung, so wie der wichtigsten Varianten der vornehmsten

deutschen Ueberseßungen

bearbeitet von

R. Stier, und
meil. Dr. D. Theol. 11. Surerint. in Gisleben.

K. G. W. Theile,
meil. Dr. u. Prof. der Tbeologie in Leingia.

Zweiten Bandes zweite Abtheilung:
Die prophetischen Bücher des Alten Teftaments.

Dritte verbesserte Auflage.

Bielefeld.

Verlag von Belhagen & Plasing.

1864.

נביאים אחרונים

Die prophetischen Bücher

des

Alten Testaments.

In übersichtlicher Nebeneinanderstellung des Urtextes, der Septuaginta, Vulgata und Luther-Uebersezung, so wie der wichtigsten Varianten

der vornehmsten deutschen Ueberseßungen

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BSI
1863
r.2:2
MAN

W o r r e de

Wenn es überhaupt eine noch immer dringend berechtigte Klage bleibt, auch in der evangelischen, doch auf das ganze Wort Gottes in der ganzen heiligen Schrift an, gewiesenen Kirche, daß das Alte Testament viel zu sehr vernachlässigt wird, so muß man das vollende bei dem prophetischen Worte desselben schmerzlich wahrnehmen und beklagen. In die Geschichte führt uns, Gott sei Dank! als Christenfinder schon der Schulunterricht ein; die freilich mitunter, fogar bei Gebildeten, hernach wieder eintres tende unglaubliche Unwissenheit auch auf diesem Gebiet ist noch die Ausnahme, dagegen eine allgemeine Bekanntschaft mit den biblischen Geschichten, auch den alten, sich selbst bei den Ungläubigen im Spott oder Mißbrauch erkennen läßt. Hier das rechte Ver's fåndniß zu fördern, sind in der neuern Zeit fast reichlich die gemeinnüßigen Handbücher für Schule und Haus dargeboten. Ganz anders leider stehet es mit dem prophetischen Theile des Alten Testamentes, wiewohl grade dieser doch das Hauptstud der vorbereitenden Offenbarung ist, recht eigentlich der Grund, auf welchem das Neue Testament ruhet. Unser Herr Jesus Christus verweiset als Auferstandener mit ganzem Ernst seine Jünger, damit uns Alle, die wir das sein wollen, auf die Weifsagung von seiner Person und seinem Reich; die ganze apostolische Lehre und Predigt, aus dieser durch den heis Ligen Geist fortgeführten Schule des höchsten Meisters herkommend, weiß es nicht anders; überall ist am Ende die Erfüllung, deren wir im Glauben uns freuen, nur aus der Weifsagung, die volle Gnade Christi nur aus dem, was die Propheten von dieser zufünftigen Gnade gezeuget haben, gründlich zu verstehen. Darum ermahnt auch schließs lich der Apostel Petrus im zweiten Briefe, neben dem Verfündigen der Kraft und Zus kunft unseres Herrn Jesu Christi so nachdrüdlich bedeutsam, wohl zu achten auf dasselbe prophetische Wort, von dem er desgleichen im ersten Briefe voran geredet. Darum ift so viel Mangel an tieferem Verständniß der neutestamentlichen Grundbegriffe, so viel Unklarheit über das im Neuen Testamente selbst flar gegebene System Chriftlicher Lehre vorhanden, weil man die Wurzeln für Alles nicht aus dem Studium der Propheten holt. Nicht blos die Gleichgültigen, die mit einem bequem praktischen Halbglauben in dürftiger Erfenntniß Beruhigten, sogar die sonst forschend um gewissen Grund der

Lehre Bemühten, die des prophetischen Wortes Wichtigkeit und Bedeutung im Saß
anerkennen, versäumen dennoch, wenn man genau nachfragt, sich den Inhalt des
selben, wie er geschrieben steht, nach Gebühr anzueignen, fortgeseßt fleißig damit
umzugehen.

Wie viel praktische Geistliche insonderheit mag es wohl geben, die so recht in den
Propheten zu Hause sind? Kernsprüche, Hauptstellen, wiederkehrende Rebensarten ihres
Sprachgebrauches, namentlich wo sie ins Neue Testament übergegangen: etwa darauf
beschränkt sich Vieler Runde. Wie selten wird von dem reichen, immer noch für christs
liche Gemeinden sehr brauchbaren, ja zur vorbereitenden Unterlage hochnöthigen Inhalte
der prophetischen Bücher in öffentlicher Predigt Gebrauch gemacht! Wie vermißt man
juweilen bei den tüchtigsten Männern, wenn sie hineingreifen, das von wunderlicher
Vermischung mit dem neutestamentlichen Standpunkt in spielender Eregese wie von
Verflachung des prophetischen Sinnes gleich weit entfernte, theologische Verständniß des
Einzelnen aus dem Ganzen, den Einblid in Plan und Zusammenhang der Weissagung!
Freilich, wo sou das herkommen? möchte man fragen, so lange zugestandener Maaßen in
der wissenschaftlichen Schule die prophetische Theologie noch sehr darniederliegt, ihrer
endlichen Ausbildung auf dem Grunde des Glaubens harret. Die Schuld solches
Mangels, den wir beklagen, weil seine traurige Folge fich tief in das kirchliche Leben
erstreďt, sei denjenigen Theologen aufs Gewissen gelegt, welche wohl die Rüstung und
den Beruf haben, hier das Rechte herauszubilden, aber statt entschiedenem Durchbruch
lieber mit der ungläubigen Kritik und Gregese buhlen, von dieser sich gefangen nehmen
und zurüdhalten lassen. Bei solchem Stande der Sache wird es allerdings den prafs
tischen Geistlichen schwer, selbstständig vorzudringen, um so schwerer, als hier Luthers
Uebersepung mehr als irgendwo sie verläßt, abschredt und irre führt.

In der That wer kann es leugnen, der irgend mit jeßigen Hülfømitteln Hes
bräisch gelernt hat? ift Luthers Ueberseßung der Propheten das unvollfommenfte
Stüd seiner Bibel. Auch in den Psalmen und Sprüchwörtern verfehlt er oft noch den
Sinn des Grundtertes, doch hilft ihm das entgegenfommende Verständniß des Inhaltes
im Grund und Ganzen öfter noch glüdlich über die sprachliche Schwierigkeit hinweg:
was namentlich bei dem Psalter, den er durchlebt und durchbetet hat, fast wunderbar
herrlich vor Augen liegt. Allein diese Beihülfe verläßt ihn, wenn auch nicht gang, doch
bedeutend mehr in den Propheten, deren zum Theil höchst schwierige Sprache damals
kaum ein wenig entziffert war, deren theologische Deutung und Aneignung vollends noch
in der Wiege lag. Wir preisen den Herrn für die Gabe, wodurch sein Knecht bei dem
Adem die nie zu verlassende Grundlage der Verdeutschung und geben konnte; wir wollen
aber unsere Augen ja nicht verschließen vor der Thatsache, daß, wenn überhaupt Bes
richtigung unserer Volfes und Kirchenbibel nach dem Grundterte stets unabweislicher

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