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Memel schaffen Me, und wollte er ohne die iocz Rchlr. ihm noch jedes Pferd bezahlen, welches auf dem Wege umfallen würde: so denn auch geschehen, indem eines umgefallen seyn scll, «ie der jaquais berichtete, welcher von Königsberg gleich wieder zurückkam. Auf welche Art denn leicht zu reisen, und geschwind fortzukommen ift. Am folgenden Morgen paßirte durch Mietau, allwo sich Jhro königl. Hoheit der Herzog ohngefehr 14 Tage, unter dem Titel eines Fähnrichs, auft gehalten hallen, indem sie daselbst des Zaren Ankunft zu Riga erwartet, und wäh> render Zeit mit ihrem alten Wirth tausend Spaß gchabt hatten. Nachdem mich borten einige Stunden aufgehalten, begab mich wieder auf den Weg, und kam denselben Abend, als den zgsten May nach dem neuen, oder

den 171m nach demalten Stil, zu Riga glücklich und-wohl an. Ich nahm mir alsobald einen Kerl, durch welchen ich mich nach des Herrn geheimen Raths von Bassewitz Hause fühlen ließ, nllwo ich vor der Thür zum ersten den Herrn Kammerralh Negelein und den Assessor Surland antraf, und ihnen zu ihrem neuen Avancement gralulirte. Der Herr geheime Rath, welcher vor dem Fenster stand, nölhigte mich hineimukommmcn, bey welchen, ich den Herrn General Stenflicht, den Herrn Knvoz^e Slamke und den Assessor Surland antraf. Es war der Herr geheime Rath, so wie auch alle die andern Herren, über die Massen freundlich, und fragten, wie es käme, daß ich so lange ausg< blieben wäre? indem sie mich schon längstens vermuth« hätten; worauf ich ihnen denn meine Ursachen erzählce, und die mir aus Hamburg aufg> tragen« Grüsse bestellece. Nachdem ging ich mit dem Herrn geheimen Rath besonders und wies ihm alle die Briefe, welche ich mir hatte, unter weichen er die seimgen aussuchte, und mir befahl, diejenigen, so ich an Jhro königl. Hoheit hätte, gleich selbsten noch Hose zu bringen, welches gleich zu thun ich mich vors erste in «was weigerte, und sagte, ob ich nicht unmaßgeblich müßte warten, bis daß der Kuffer käme, in welchem ich meine Kleider Hölle, weil ich nicht gar wohl im Stande wäre vor Jhro H heit zu erscheinen; worauf er erwiederte, solcbes hatte nichts zu bedeuten, indem Jhro Hoheit mich je eher je lieber fehen, und Dero Briefe haben würden. Und da der Page Hecklau eben bey dem Herr» geheimen Rath war, so befahl er ihm, mich nach Hofe zu begleiten, allwo ich zu« erst den Herrn Obriften !orch und denn den Herrn Obristlieutenant von Salder» antraf, welcher erst?re gleich darauf zu Jhro königl. Hoheit binei» ging, und mich anmeldete. Also kamen sie gleich selbsten heraus ins Vorgemach, und machten mir das allergnädigste ^cceuil von der Welt; worauf ich mir die Freyheit nahm Dero Rock v> küsscn, und rschgchends die Hand, welche sie mir auf eine sehr grweul« Weise darreicheten, und fragten, w e es mir so lange gegangen, und ob ich Paris gerne verlassen habe? Welches ich mit einer profunden Keverence beantwortete und sagte, mir sey die parisische !uft so wohl bekommen, daß ausser dem Glück und der Gnade, Jhro königl. Hoheit meine untttthänigste Kev«reu« zu machen, und

ohne »hne die hohe Gnade zuhaben Jhro königl. Hoheit auf Dero Reise zu folgen, es mir ohnstreitig vors erste sehr lenlible würde gewesen ,seyn, Paris so bald wieder zu verlassen, welches mir aber jetzt nicht die geringste Mühe gekostet habe. Nach diesem überreichste ich die Briefe, und vermeldete den unterchanigsien Respect von dem Herrn Oberkammerherrn, von dem Herrn geheimen Rath von Claussenheim, von dem Herrn Luvo^S äu Ktonr, Platen, und von vielen anderen Cavalieren mehr, die mir solches aufgetragen und hart anbefohlen hatte»; wofür sich Jhro königl. Hoheit bedankten, und fragten, wo ich denn den Herrn Oberkammerherrn angetroffen, und wann ehr ich aus Paris gereiset sey? Worauf ich antwortete, ich wäre den 25sten April nach dem neuen Stil, oder den i4ten nach dem alten, aus Paris gereiset, hatte mich aber wegen der Abwesenheit des Herrn geheimen Raths von Claussenheim Key acht Tage zu Hamburg aufhalten müssen, weil mir die Frau geheime Räthin versichert hätte, daß er viele Briefe und Kammersachen, um das Postgeld zu sparen, aufgesammlet hätte, zu welchen sie aber nicht kommen könnte. Als ich aber von Hamburg gereiset wäre, hätte ich es an meinem Fleiß nicht fehlen lassen. Den Herrn Oberkammerherr» hätte ich gestern Morgen mit dem Tage l8 Meilen von da ange» troffen, und ihm so viele Briefe gegeben, daß er gewiß bis halb nach Hamburg daran zu lesen haben würde, indem er über die Massen geschwind reise, und darzu keine Unkosten spare. Ja ja, antworteten Ihre- königl. Hoheit, ich bin versichert, daß er sich auf der Reise nicht säumen, noch Unkosten ansehen wird, wo ich ihn nur sonst recht kenne. Nachdem sich nun Jhro königl. Hoheit nach ein und der ander» Sache erkundiget hatten, sagten sie den Cavaliers von der Wache gute Nacht, und begaben sich wieder nach Ihrem Zimmer; ich aber ging wieder nach dem Herrn geheimen Rath von Äajstwitz, wo ich die Tafel gedecket fand, Key welcher wir uns denn auch bald niedersetzten, und ich insonderheit ließ mir die Mahlzeit gar sehr «ohl schmecken, indem ich seit Königsberg nicht viel Gutes gegessen hatte. Nach der Mahlzeit begab ich mich bald nach dem Quartier, welches mir angewiesen war vor der Stadt. Es war selbiges, nicht weit von des Herrn geheimen Raths Hause, und bey einem Kaufmann, der Heidvogel hieß.

Den i8ten fuhr ich des Morgens frühe mit dem Herrn geheimen Rath nach dem Herrn General Jagusinsky, welchem ich das Paquetgen überlieferte, welches mir der rußische Minister, Graf Golloffkin zu Berlin, an ihn mitgegeben Hatte. Er empsing mich auf das allergrsneusett«. und ist ein überaus artiger Cavalier, wie alle teute ihm den Ruhm in der That geben müssen. Er war erst neulich wieder zurück aus Wien gekommen, allwo er sich einige Zeit als großzarischer Minister aufgehalten, und allda grosse Freundschaft mit dem Herrn geheimen Rath von Bassewitz gemacht hatte. Sonsten saget man auch, daß er ungemein für Jhro königl. Hoheit.porriret sey« soll. Nachdem ich von ihm den Herrn geheimen Math wieder nach Hause begleitet hatte, gab die Visit« dem Herrn Conferenzrath Alefeld, dem Herrn Brigadier Ranzau und dem Herrn Generalmajor Stenflichr, worauf ich mich nach Hofe begab, um die Betstunde mit anzuhören. So bald felbige vorbey war, setzten Ihre königl. Hoheit sich an die Tafel, weil sie dem Zar zugesa» gel hatten, an demftiben Nachmittag mit ihm die sechs vor der Stadt herumcampirende Regimenter exerciren zu sehen. Nach dem Essen setzten sich Jhro königliche Hoheit zu Pferde, und ritten nach dem tager mit den meisten dortigen Cavalieren. Der Cammerrath Negelein, her Herr Assessor Surland und der Herr Hofprediger Ltemarius aber folgeten in des Herrn geheimen Rath von Bassewih Wagen. Sie baten mich sehr, mit ihnen zu fahren, weil ich doch in der Eile kein Reitpferd bekom« men könnte, auch ohnedem noch ein Platz in ihrem Wagen ledig wäre; welches ich ihnen aber wider meine« Willen abschlagen mußt«, indem mir der Herr geheime Rath befohlen, noch demselben Nachmittag das Paquetgen, welches ich für den Herr» geheimen Rath von Tolstoi hatte, selbst ju überreichen, weil die Kaiserin schon unterschiedene male fragen lasse», ob ich noch nicht angekommen sey, indem der Graf Gollostin aus Berlin geschrieben, baß er selbiges an mich abgegeben habe. Die Mühe aber, welche ich mir gab, zwey-bis dreymal den Tag nach ihm hinzugehen, war vergebens, indem er, wie ich zuletzt erst zu wissen bekam, mit hinaus nach dem tager war. Gegen Abend kamen Jhro königl. Hoheit wieder zu Hause, und schienen sehr eont«»r zu seyn, von dem was sie gefthen hatten. Es konnten mir die Herren, die mit hinaus gewesen, nicht genug beschreiben, wie obligesnt Jhro Majestät der Zar und die Zarin sich gegen Jhro königl. Hoheit erzeiget, indem so bald sie nur die Regimenter exerciren gesehen, als welche auch Hernachmals 8,1» ven gegeben, und durch die Granadirer Granaten geworfen worden, so haben die gesammten Herrschaften mit den vornehmsten Anwesenden sich nach einem gros» sen Gezelt des Fürsten Repnin begeben, allwo sie eine grosse Tafel mit kalter Küche besetzet gefunden, (worauf aber kein Tischlacken gewesen,) bey welcher sie sich gleich gesetzet und gegessen. Es erzählte mir der Herr Hofprediger unter andern, daß die Zarin im Zelte Jhro königl. Hoheit merken lassen, daß sie beobachtet hätten, Jhro Majestät der Zar wären in schwedischer oder blauer, und hingegen Jhro königl. Hoheic in rußischer oder grüner Couleur gekleidet. Worauf Jhro königl. Hoheit geantwortet, er hoffe daß mit Gottes gnädiger Hülfe diese beyden Couleuren bald würden mit einander vereiniget werden. Jhro Majestät der Zar, welcher sehr viel über der Mahlzeit soll mit Jhro königl. Hoheit gesprochen haben, habe ihnen eine Isbsnere gewiesen, welche sie mit eigener Hand von Schildpatte mit schönen erhabenen Figuren gedrechselt, und nachdem Jhro königl. Hoheit selbige sehr sclmiriret, hätten sie ihnen ein Geschenk damit gemachet. Der Fürst Repnin hat selbigeömol gleichfalls Jhro königl. Hoheit ein Präsent gemachet mit dem Pferde, welches er ihnen den Tag zu reiten geliehen, und welches ein hübsches apfelgraues Pferd war. Der Zar ist nach seiner Gewohnheit in einer Cariole, die Zarin aber mit

Büschltigs Magazin X!X. TM 6 «men einem grossen Train, und sehr kostbar gekleidet, da hinausgefahren, welches ich aber zu sehen versäumen müssen.

Den 19len mar ich bey dem Herrn Tolstoi, und überreichte ihm das, was ich ihm von Berlin mitgebracht hatte; ich war auch bey dem Kanrmerjunker Hecklau, der sich nicht wohl befand, indem er vor einigen Taqen von einem Feldschergesellen, der ihm hatte sollen die Aver auf dem einen Arm öffnen, dermassen mit der tänzelte gestochen war, daß er den ganzen Arm nicht rühren konnte.

Den «Osten kam der dänische Minister, Namens Westphalen, zu Jhro königl. Hoheit noch vor der Betstunde, und blieb zum Essen borten. Es hatte sich selbiger fihon eine geraume Zeir am rußischen Hofe anfgehalten, war aber im Begriff, über einige Tage wieder nach Dännemark zu gehen. ^

Den z i sten speisecen Jhro königl. Hoheit des Abends bey dem Herrn geheimen Rath von Bassewitz, und machten selbigeSmal den Cornet Reinke (welcher 1714, wie wir aus Sr. Petersburg kamen, bey dem Herrn geheimen Rath Stallmeister war, und die Reise nach Mecklenburg mit uns that,) zum tieutenant; indem er sonst «icht hätte sich auf seines Vaters Guth in Üefland bis zum Frieden aufhalten dürfen, weil Jhro Majestät der Zar neulich ein Edict ausgehen lassen, worinn sie befohlen, daß alle schwedisch« Officiere, welche nach Ihrem iande gekommen, um Dienste zu nehmen, sich sollten innerhalb gewisser Zeit aus dem tande wieder machen; und da er mit unter denselben begriffen war, so bat er den Herrn geheimen Rath, die Gnade für ihn zu haben, und ihn, in unsere Dienste zu verhelfen, indem er alsdenn frey z» seinem Vater wieder ziehen dürfte, welches denn auch geschähe. Man sagte, daß Jhro Majestät der Zar diese eben gedachte Ordre ausgehen lassen, weil auf einmal eine sehr grosse Menge schwedischer Officiers angekommen , auch überdem das Gerücht gegangen, als wenn sich darunter sehr viele Spionen befänden.

Den 22sten, gegen Mittag versammlere sich die ganze Bürgerschaft, sowohl mit dem Ober-als Unlergewchr, und besetzte alle Strassen, durch welche Jhro Majestät der Zar und die Zarin paßiren mußten, um noch Reval zu gehen. Den Nachmittag um 4 oder 5 Uhr kamen Jhro Majestät der Zar zu Jhro königl. Hoheit, «m von ihnen Abschied zu nehmen. Jhro königl. Hoheit empfingen den Zar vor der HauSthür, und küsseten ihm die Hand, worauf der Zar sie umarmete, und auf den Mund küssete: nachdem küsseten Jhro königl. Hoheit ihm wieder die Hand, und führten ihn nach dem Gemach, woselbst eine Tafel stund mit kaiter Küche, - bey welcher sie sich gleich fetzten und assen. Währender Mahlzeit fuhren Jhro Majestät die Kaiserin weg, und wir vernahmen solches durch !ösung einer grossen Menge Canonen. Nachdem nun Jhro Majestät der Zsr eine gute Weile bey Tafel gesessen, und sich sehr gnädig gegen Jhro königl. Hoheit bewiesen hatten, stunden sie auf, und nahmen m grosser Geschwindigkeit, ihrer Manier nach, Abschied, und

baten tattn Jhro königl. Hoheit bald nach Reval zu folg«« , welches sie versprachen, und

den Zar bis an der mit 4 PferdeMpanneten Reifecariole führeten, allmo sie sich noch« mals embrsilirttn und Abschied nahmen. Gegen die Glocke acht fuhren Mo Majestät der Zar von Riga unter lösung der Canonen und läutung aller Glocken, ab, und machten den sammtlichen Burgemeistern und Rathsheven, welche am Thor versammlet waren, ein sehr gnädiges äceeuil; welches denn nicht wenig Freude bey ihnen allerseits verursachte. . , .

Den 2zsten ging die Fürstin von Curland, (welche eine Schwester ist von der ihigen Herzogin von Mecklenburg, und Tochter von der verwitweten Zarin, des jetzigen Zarens leiblichen Bruders Gemahlin,) unter iösung einiger'Canonen, von Riga nach Curland.

« Den aasten folget«« Jhro königl. Hoheit dem Zaren nach Reval, und nahmen mit sich von Cavalieren den geheimen Rath von Bassewitz, den geheimen Räch Heepen, (welcher erst den vorigen Tag zu Riga von Wien angelanget war,) de« Slamke, den Cammerrach Negelein und den Assessor Surland. Bey ihnen im Wagen fassen der zarifche Kammerherr NariSkinZ, welcher allezeit die Aufwartung bey ihm hatte, der Oberjagermeister Ahlfeld und der Obrist torch. Bey dem Wagen an ritten der Obristlieutenant von Saldern, zwey Pagen und ein Com, merlaquais. Sonst hatten Jhro königl. Hoheit zur Llcorte einen Lieutenant mit S oder lo Dragoner bey sich, und wie sie zur Stadt hinaus fuhren, wurden zz Canonen gelöset, eben als wie für den Zar selbst.

Den 2jjsten ging der Generalnzajor Stenflicht zu Pferde nach, des Mittags um 1 Uhr, und kam den 29sten gegen 4 Uhr Nachmittags nach Reval.

Den ,Ssten fuhr der Brigadier Ranzau mit dem Kammerjunkcr und mir nach des Regierungsraths vonVittinghoff Garten, und nachdem mir eine Zeitlang da gewesen waren, und uns nach den zur Reise für die Bagage benörhigten Pferden erkundiget hatten, nahmen wir Abschied, und der Brigadier, welcher schon alles zur Reise fertig hatte, fuhr von da gleich nach Reval, wir aber begaben uns wieder nach der Stadt.

Den z ästen wurde der Geburtstag des Zaren «leKriret, an welchem er i» sein z istes Jshr trat, und hatte der Fürst Repnin alle dortige vornehme Personen bey sich zum Essen. Die Officiers von den da herum campirenden Regimentern tractireten ihre Gemeinen mit Bier und Brandtewein, und auf dem Rathhause, wie auch auf dem schwarzen Haupter Hause, ward den ganzen Tag auf Paucken geschlagen, und mit Trompeten geblasen; kurz, die ganze Stadt war in iusi und Freuden. Denselbigen Tag besähe ich den Rest der Pelrikirche, welche ein Paar Tage vor meiner Ankunft vom Blitz entzündet, und fast ganz abgebrannt war. Sie soll vorher die schönste Kirche in der ganzen Stadt gewesen seyn; am meisten aber wird der hohe Thurm mit dem schönen Glockenspiel bedauret.

C 2 De»

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