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April »72!..^

en izten April bekam ich durch den Herr« geheimen Rath vonClaussenß Hein, von Ihrs königl. Hoheit, dem Herzog von Holstein, Befehl, Ihnen nach Riga zu folgen. Den 22sten war ich mit dem^nvo^e 6u ^lont bey dem Baron Bentenrei» ter, (derzu Paris als Xlinittre plevipokealisire Jhro Majestät des Kaisers ist,) um von ihm einen Paß zu begehren, und zugleich von ihm Abschied zu nehmen.

Den 2zsten nahm ich Abschied von dem groß «zarischen Ambassadeur, dem Prinzen Dolgoruky, und von dem hollandischen Ambassadeur, dem Herrn Baron Hoop, der mich auch mit eine« Paß beehrte, um so viel leichter durch Holland koms men zu können, welcher mir den« auch viel geholfen hat.

Den 24sten habe ich zum letztenmal bey dem Lnvo^ö 6u ülont gespeiset, und von meinen guten Freunden Abschied genommen, auch die Sachen, die ich für den geheimen Räch von Claussenheim und fü - meine Routine, gekaufet , dem Kaufmann David gebracht, um sie über Rouen zu Wasser nach Hamburg zu senden.

Den 25sten ritt ich von Paris mit der Post nach Brüssel, woselbst ich erft den 27st«n April ankam, weil mich fast einen ganzen Tag zu Valencienne aufhal» tm müssen, um das alte französische Geld gegen neues zu verwechseln. So bald ich aus dieser Stadt ritt, kam ich an einen Flecken, Namens Coevrin, wo die französische und bravantische Tranze ist. Es waren an selbigem Ort kaiserliche Visitirer, welche eine über die Massen scharfe Ordre hat««/ keine neue Sachen, die aus Frankreich kamen, durchpaßiren zu lassen, von was Art und Gattung sie auch wären, und wem sie auch zugehören mögten, ohne besondere Ordre aus Wien, oder von dem brüsselschen Gouverneur, dem X4srquis cle?r>6, der sie auch treulich nachlebten, und keinen ohne ihn zu visitiren durchgehen liegen. Hierbey kamen viele Passa« giere zu kurz, indem vor ihren Augen alles, was sie an neuen Sachen bey sich führten, verbrannt und conklcin wurde. Maßives Gold - und Silbergeschirr war hiervon ausgeschlossen; die Gallonen oder silberne und j goldene Spitzen aber liefen eben die Gefahr, welche die Seidenzeuge, Tücher und andere neue ungebrauchte Sachen borten laufen mußten. Man glaubte daß solche Ordre gegeben war aus Vorsicht wegen der Pest, die in Provence graßirte. Ich meines Theils konnte -von Glücke sagen, indem ich diesen Ort paßirte, ohne einmal recht visitiretzu werden, worzu der Paß von dem kaiserl. Minister zu Paris, dem Baron Bentenreiter, «in grosses bentrug. Die Visiteurs wollten gleich bey meiner Ankunft anfangen zu visitiren, da ich ihnen aber meine eilfertige weite Reise vorstellete, und alle meine Passe zeiget«, auch versicherte, daß nichts neues an contrebanden Waaren bey mir führet«, auch überdem versprach, alles freywillig anzugeben, wofür ich Zoll bezahlen müßte: so liessen sie sich perlusäiren, und glaubten meinen Worten, worbey ich denn auch gewiß keinen Schaden hatte, indem ich ohnfehlbar hatte zwey neue Kleider ein» Hussen müssen, wenn sie meinen Kuffer bis auf den Grund visitiret hatten, indem selbige noch ganz neu, und gar nicht einmal getragen waren. Also kam unverletzt und mit gar wenigen Unkosten endlich aus ihren gefährlichen Händen (os, und ritt? nun gerade nach Brüssel, woselbst ich den 22sten April des Mittags ankam, und nachdem ich meinen Wechsel gezogen, und d« Abends die französische Comödie gesehen, (welche sehr schlecht in Vergleichung mit der parisischen war,) fuhr des Nachts um 12 Uhr ganz allein mit der Treckfchuyte nach Antwerpen, weil mein Kerl krank wurde, und ich ihn dort zurücklassen mußte. Von Antwerpen ging ich zu tande mit einer Cariole nach Morwick, von bannen mit einer eigenen Jacht nach Rotterdam segelte. Zu Rotterdam erfuhr ich, daß an demselbigen Morgen schon die Amste« dammer Post nach Hamburg abgegangen war, mit welcher ich gedachte zu gehen, also wurde ich gezwungen, die Extrapost zu nehmen, mit welcher dann auch über Utrecht und Bremen, bis ganz nach Hamburg ging, allwo ich glücklich am Htm May anlangte. > .,

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Maymonat 172 k. .

Den i2te», des Abends um n Uhr kam ich nach Berlin, und loglrte nicht weit vom Posthause.

Den izten fuhr zu unserm Minister, dem Herrn Obristen Plate«, und nach dem Herrn Negelein, welchen letzten),aber.nicht Mressen.konnte, weil er schon zeitig ausgegangen war. "'> -' . Den

Den k4ten war wieder bey dem Herr« Obrisien Platen, allwo ich den Herr» Negelein fand, und bey ihm speisete. Nach dem Essen besähe ich Jhro Majestät der Königin Sommerhaus, welches nahe vor dem Thor liegt, und Ktonbijoux genannt wird. Es ist ein sehr lustiger und artiger Ort, und halt die Königin, wie man mir gesaget, borten des Sommers ordentlich zweymal die Woche öffentliche Assembler. Gegen Abend fuhr ick) nach der ordinalren Promenade, welche zwar an sich selbst sehr schön ist, allein so ledig von Wagen war, daß, ohngeachtet de« schönen Wetters ich mich borten ganz allein befand, und also gezwungen wurde, bald wieder umzukehren. Auf dem Rückweg besähe ich das Zeughaus und die ausser» ordentlich grosse Canone. Beydes verdienet gesehen zu werden.

Den >5ken May des Vormittags bejahe ich die Kunst- und Rüstkammer! die erste wurde mir durch einen Hofrath, welcher darüber die Inspektion hat, ge« zeiget; sie ist auf dem neuen msgniliquen, aber noch nicht ganz fertigen Schloß, und mit vielen schönen Sachen und Raritäten angefüllet. Unter andern findet man den verstorbenen König und unterschiedene kleine junge Prinzen in Wachs xoulZZret, und sehr wohl getroffen. Es sitzet der König in iebensgrösse auf einen, Stuhl, und mit einem von seinen eigenen Kleidern und völligen Anzug gezieret. Die Rüstkammer wies mir einer von den dazu bestellten teuten. Gleich unten an her Treppe war eine CKsloupe zu sehen, die vom Zar geschenket, und mit seiner eigenen Hand verfertiget war. Oben auf der Treppe war ein schöner ausgestopfter weisser Bär, «elcher gleichfalls vom Zaren kam. In dem vordersten Zimmer/ gleich beym Anblick, war das preußische Wapen an der Wand, auf Sammet mit Gold, Silber und Perlen auf das allerfchönste gearbeitet. In selbigem Zimmer stunden unterschiedene schöne und prächtige Rennschlitten, welche noch bisweilen bey Winterzeit gebrauchet wurden. Nachgehends führte man mich in eine Gallerie, die aus drey Flügeln bestand, und worinn man mir erstlich einige prächtige Wagenund Schlittengeschirre auf einigen darzu ausgestopften Pferden zeiget«, wovon «ine sehr grosse Quantität noch in dem darben stehenden Kasten lag. Nachgehends stunden noch etwa zwölf ausgestopfte Pferde, welche sehr wohl gemacher, und mit unterschiedenen Arten von schönen Sätteln, Schabarracken und Zäumen suSgezieret waren. Hinter diesen lagen noch in grosser Menge die kostbaren Handdecken und übrige Schabarracken. Auf der andern und dritten Seite der GalKrie sähe man eine unbeschreibliche Quantität von allerhand schönen und raren Gewehren, so daß ich bekennen muß, Zeit meines lebens nicht eine so fehr vollständige und wohl rangirte Rüstkammer gesehen zu haben. In der mittelsten Seite der Gallerie sähe man unter andern Sachen die Kleider für ,2 Botsleute, welche vom Zaren mit der ckuwupe geschenket, und gänzlich von der rußischen Gold-und Sammetfabrik waren. Sie sind von grünem Sammet, mit goldenen Tressen besehet, und sehen recht artig aus. Der Rüstmeister, wie auch der Hofrath auf der Kunstkammer,

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konnten mir nicht gnugsam beschreiben, mit wekchem grossen Fleiß Jhro Majofiat der Zar, wie er da gewesen, alle Aachen in Augenschein genommen, und nach allem ausdrücklich gesraget harre, ja sie schwuren mir zu, daß sie sich nicht erinnerren, baß sie jemalen bey sich jemand gehabt hatten, der auf alles so wißbegierig gewesen, «och der sich mehr Zeit gegeben alles wohl zu besehen, wie er. Desselbigen Mittages, wie dieses vorher alles besehen hatte, fuhr ich mir dem Herrn von Plaren zu sei« nem Vetter, dem schwedischen Minister Grafen Posse, und blieb Key ihm zum Essen. Nach der Mahlzeit fuhr ich mit Pisten wieder nach dem rußischen Minister Grafen Golloffkin, weil er gesaget, daß er gern etwas mit mir an die Zarin schicken wollre. Allein ich war so unglücklich, daß ich ihn weder dieseemal, noch gegen Abend, »der am folgenden Morgen antreffen konnte. Er sendete deswegen endlich an de» Obrisien Plaren die beyden Päckchen, welche ich mitnehmen sollte, wovon «ins a» die Zarin mit Orden unter dem Couvert von Tolstoy, und das andere a» den Generalmajor Jagusinsky war. Am Tage vor meiner Abreise schickte er einen von seinen ieuten zu mir/ ließ mir ein Complimenr machen, und versichern, daß es Ihm leid wäre, daß er nicht in Person mir die. beyde» Packele übergehen können, ließ mir inzwischen eine glückliche Reise wünschen, und mich ersuchen, daß wen» ich etwa wider Vermuthe» eine Contraordre kriegte, oder sonsten verhindert würde, Meine Reise forthuschen, seine Commißionssachen mit der nächsten sichern Gelegenheit forrzusenden, weil Jhro Majestät die Zarin alles schon erwarteten, und ihnen viel daran gelegen wäre.

Den l6ten des Morgens ganz frühe sshe ich die Cadetten zu Fuß und die Qens ä'^rmes zu Pferde und zu Fuß exerciren, welches unvergleichlich anzusehen war, theils wegen der schönen Mannschaft und Pferde, theils wegen der Egalität, mit welcher sie ihre Handgriffe machten. Nachher nahm ich Abschied von dem von Placen, von welchem ich nach dem Herrn Negelein fuhr, um bey ihm, meinem Versprechen gemäß, vor der Abreise zu frühstücken, woraus aber eine vollkommene Mahlzeit wurde. Unter der Zeit, da das Essen verfertiget wurde, wechselte er mir einige Duralen in Sllbergeld um, bey welcher Gelegenheit er mir feinen Schatz an alten raren goldenen und silbernen Stücken zeigte: und dieses war ein grosses Zeichen seiner in so kurzer Zeit gegen mich gefaßten C»nnsnes und Freundschaft, indem man mir für gewiy sagte, daß sich wenige diefes sogenannten Glücks rühmen könnten. Ich wüßte mich nicht zu erinnern, daß neulich oder gar jemalen (ausser bey dem Abt von tocrum zu Hannover) bey einem Particulier so viele schöne und rare alte Stücke gefunden hat«. Nachher frühstückte ich mit ihm, bis der Postillion kam, und mir ankündigte aufzusitzen.

Den -Osten kam ich mit der Post nach Danzig, allwo ich die Rostgarte» und den jüngsten Hecklau nicht weit von dem Posthause antraf, indrm ich ihne» «US Berlin geschrieben hatte, daß ich am «Osten May nach dem neuen Stil

gege» gegen Mittag borten mit der Post ankommen würde, und gleich mit derselbigen Post wieder von da gehen müßte, weil meine Reise gar pressant sty. Hecklau, nxlcher mich nun vorbey fahren sähe, kam, gleich zu mir/und führte mich in das Haus, in welches die Rostgarlen so lange gegangen war, um mich zu sprechen, und so bald sie mich erblickte, lief sie mir entgegen, fiel mir um den Hals, und küsseke mich herzlich, worauf denn , nach unterschiedlichen anderen Fragen, sie endlich von mir wissen wollte, was man in Hamburg von ihr sagte? Worauf ich antwortete, daß das Gerücht Korten für gewiß ginge, sie sey mit dem Hecklau nach Danzig gegangen, und wäre schon mit ihm verheirathet, «der wenigstens würkiich versprochen, und wann sich solches also befände, so gratulirte darzu von Herzen; sollte es aber nicht so seyn, so mögte sie mir aus den Traum helfen, und ihre 8entimens offenbaren. Solches soll gar gern geschehen, sagte sie, indem ich schon längst gewünschct, mit ihnen desfalls persönlich zu sprechen. Was das erste anbelanget, so ist es wahr, daß Hecklau mich bis nach Danzig begleitet hat, was aber die beyden letzten Puncte anlanget, so kann ich versichern, daß sie gänzlich falsch und ungegründet sind, indem ich niemalen daran gedacht, und werde ichs mir auch niemalen in den Sinn kommen lassen. Er fing darauf an, ihr ins Wort zu fallen, und fragte mich, ob ichs mißbilligte, daß er dem Fräulein das Geleite gegeben habe, indem sich kein Mensch ihrer an« genommen; überdem habe er und seine ganze Familie so viel Gutes von meinem seligen Vater genossen, daß es ja seine Schuldigkeit wäre, den Unsrigen auf alle Art und Weise wieder zu dienen, wüßte also nicht, welche Urfachen die Seinigen hätten, ihn zu verlassen, indem man ja wohl eher Exempel gehabt, daß ein Ca« vallier ei» honnettes Fräulein wohin begleitet hätte/ ohne einige Gefährde, auch überdem hätte ja seine eigene Mutter ihm befohlen, auf eine Zeitlang Hamburg zu verlassen, und hinzureisen wohin er wollte, indem sie nicht gerne sähe, daß so viele von seinen Brüdern auf einmal gewissen teuten auf dem Hälfe lagen. Da er als» doch allenthalben hätte für sein Geld leben müssen, so hätte er kein Beden« ken getragen, diese Reise zu unternehmen, wäre such ohnfehlbar innerhalb brey Wochen zu Lübeck oder Hamburg wieder gewesen, ohne daß fast jemand darvon das geringste wissen sollen. Da aber sein Bruder, der Etatsrath, wäre zu tübeck zu ihm gekommen, und hätte ihn gleich mit Gewalt wieder zurücke mit sich nehmen wollen, als wäre er sein Unterthan, so hätte er sich geweigert, und gesaget, er hätte einmal seine karoie engsgiret, welche er nicht widerrufen könnte; inzwischen mögte er nur sicher glauben, daß er eben so ledig und frey wiederkommen «ür« de, als er wegreisete, indem er ja schon vorher zum öfter« feiner Mutter auf Seele und Seligkeit versichert, daß er die Rostgarken nicht Heirathen würde, noch daß er sich solches je in den Sinn kommen lassen. Worauf ich ihm antwortete, ich mißbilligte solches gar nicht, und wünschte nur, daß er sich bald mögte wieder mit

BüschmgS Magazin XiX. Theil. B sei.

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