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Histoire de la poésie provençale. Cours fait à la faculté des

lettres de Paris par C. Fauriel, Membre de l'Institut.

3 vols. Paris et Leipzig.

Die erhöhte Theilnahme, welche in neuerer Zeit sowohl in Frankreich und Italien wie unter und dem Studium der alt - provenzalijden Dichtung zugewandt worden ist, findet ihre Rechtfertigung ebenso sehr in dem eigenthümlichen Charakter und selbstständigen Werthe dieser Pocsie, wie in der einflußreichen Stellung, die sie In der geschichtlichen Entwicklung des poetischen Geistes überhaupt einnimmt. Als die der Zeit nady älteste unter den Literaturen des neuern Europa ist sie zugleich diejenige, welche auf die materielle wie auf die formelle Ausbildung ihrer jüngeren Schwestern den stårfsten und nachhaltigsten Einfluß ausgeübt hat. Man fann die Geschichte der Poesie weder bei den übrigen romanischen noch auch bei den germanischen Völfern in ihrem zeitlichen Furtidritte verfolgen, ohne auf einen Punkt zu treffen, wo sie von der jüdfranzösischen Dichtung mehr oder minder durchgreifend bestimmt wird. Die hohe Bullendung, zu weldier die leßtere in Nücksicht auf fünst

: lerische Form schon zu einer Zeit gelangt war, wo in allen anderen Theilen de christlichen Europa sie poctische Cultur noch in ihren ersten roben Anfängen stand

, erhob sie zum allgemein gültigen Muster und Vorbilde, dem überall mit größerer oder geringerer Selbstständigkeit nach sestrebt wurde.

Doch abgesehen von dieser mächtigen und weitgreifenden Einwirkung, welde sie auf den allgemeinen Entwicklungsgang der modernen Poesie gehabt hat, bietet die Dichtung der Provenzalen auch für jich selber betrachtet eine hödit bedeutsame und interessante Erscheinung dar. Denn sie ist der treue und lebendige Angeruf einer weit vorgeschrittenen Civilisation von ebenso eigenthümlichem wie scharf mar: kirtem Gepräge. (68 gewährt ein nid)t geringes Interesse, sich die verschiedenen Elemente, aus deren Zusammenwirfen dicse jüdiranzösische Bildung emporwuchs, žu vergegenwärtigen. Die allgemeinen Ideen und Strebungen, von welchen die mit

: telalterliche Welt geleitet und beherrscht wird, bilden auch hier die Grundlage und den wesentlichen Inhalt . Die besondere Form aber, in der sie uns entgegentreten

, das Maß und die Weise der Ausbildung, zu welcher sie gelangen, steht unter dem unmittelbaren (Einflusie des clasiijden Alterthums, dessen Geist und Sinn sich in Folge mannigfacher günstiger Umstände in den Landstrichen des jüdlichen Franfreich? reiner und vollítändiger hatte erhalten fönnen, wie in irgend einem anderen Theile der römischen Welt. Die lebendigen Traditionen einer curd geistige und künstlerijche Bildung ausgezeiduneten Vorzeit waren es eben, welche in Verbindung mit den glücklichen Naturanlagen eines reich begabten, nach der geistigen wie nach der fiuns lidhen Seite hin leicht erregbaren Volfcs jene rasche und glänzende Culturentfaltung möglich machten, deren (Ergebnisse uns die provenzalischen Dichtungen in einem klu: ren und anschaulichen Bilde vorführen.

Wir werden weiter unten Gelegenheit haben, den Charafter der Zeit und der Bildung, die in der in Rede stehenden Literatur ihre reinste und farbenreichste Blütbe treibt, in seinen Hauptzügen genauer zu schiltern. Hier machen wir darauf auta mertsam, daß, wenn sich dieselbe in ihr jo treu und vollständig, wie dies in der That der Fid ist, reflectirt, der Grund dieser Erscheinung in dem innigen Zujani menhange liegt, in welchem die provenzalische Poesie durchgängig mit dem Leben des

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Volfes steht, dem fie angehört. In feiner Zeit waren Leben und Dichtung so ges nau mit einander verbunden, ihre Uebereinstimmung so groß und ihre gegenseitige Wedhjelbeziehung so durchgreifend wie in der Periore, welcher die Werke der pro: venzalischen Dichter ihre Entstehung verdanken. Die Dichtungen jener Tage geben nicht aus den persönlichen Stimmungen einzelner Individuen hervor, die vermöge einer besonderen poetischen Begabung aus der Masse des Volkes heraus- und diesem gleichsamt als Wesen eigenthümlicher Art gegenübertreten. Sie sind vielmehr der Åusdruck der durch alle Classen der Gesellschaft verbreiteten, wenngleich nicht überall in gleicher Reinheit hervortretenden idealen Richtung und eben deßhalb nicht für die einsame Lecture, sondern für den öffentlichen, durch Gesang und Musik unter: stüßten Vortrag bestimmt. Durch diese ihre unmittelbare Beziehung zum wirklichen Leben der Gesammtheit gewinnt die provenzalische Poesie einen ganz besonderen Reiz, welcher ihr auch dann ein lebendigeres Interesse sichern würde, wenn dasselbe durch die vorhin angegebenen Motive nicht schon hinlänglich begründet wäre.

Man hat bisher, wo von der fürfranzösischen Literatur die Rede war, in der Regel nur einen einzelnen Zweig derselben, welcher allerdings der wichtigste und am meisten in die Augen fallende, aber doch keineswegs der einzige ist, zur Sprache gebracht. Jedermann hat heut zu Tage eine mehr oder minder flare Vorstellung von der provenzalischen Lyrik und ist wenigstens in etwas mit den kunstreichen For: men vertraut, in weldien sie das äußere und innere Leben des Ritterthums zur Darstellung bringt. Nicht ebenso allgemein weiß man, daß neben der lyrischen auch die cpische Gattung der Poesie in großem Ilmfange und mit nicht geringem Erfolge angebaut wurde und nur Wenigen dürfte es befannt sein, daß der ausschließlich den höheren Classen der Gesellschaft angehörigen Dichtung eine mehr volfsthümliche zur Seite stand, die sich zwar in formell - fünstlerischer Hinsicht mit jener nicht messen kann, ihr aber durch Mannigfaltigkeit und Originalität des In: balts vielfach den Rang abläuft. Es ist ein Hauptverdienst des vorliegenden Wer: tes, daß es sich gerade mit diesen, bis dahin fast ganz außer Acht gelassenen Rich: tungen der provenzalijchen Literatur vorzugswetje beschäftigt. Die früheren Dar: stellungen derselben erhalten damit eine wesentliche Ergänzung, die es erst möglich macht, ein völlig entsprechendes Gesamtbild von ihr zu gewinnen.

Die umfassende, auf alle seine Theile, wenn auch nicht eine ganz gleichmäßig eingebende Behandlung des in ihr erörterten Gegenstandes, ist ohne Frage einer der wichtigsten Vorzüge, durch welche sich die Arbeit Fauriels vor anderen Schriften desselben Inbalts nuszeichnet. Was ihr aber einen noch weit höheren Werth verleiht, ist der Imstand, daß bei ihrer Abfassung nicht blos der ästhetische oder literarisdie, sondern zugleich der bistorische Gesichtspunft, theilweise vielleicht mit einer zu entschiedenen Vorliebe, geltend gemacht worden ist. Der Verfasser beschränft sich nicht darauf, den poetischen Werth der zur Sprache gebrachten Dichtwerke zu ermitteln und die Stelle zu bestimmen, die sie in der geschichtlichen Entwidlung der Poesie als solcher einnehmen. Er läßt es sich vielmehr vor allem angelegen sein, das Verhältniß der Poesie zum historischen und gesellschaftlichen Leben der Zeit, in welcher sie entsteht und sich ausbildet, nach allen Seiten in's Licht zu feßen. Zu dem Ende erörtert er in einer Reihe von ebenso gehaltreichen wie in: teresjanten Abhandlungen sowohl den Inhalt und die Wirksamkeit der vorherrschenden Zeitideen wie den Charakter und die Beschaffenheit der öffentlichen Institutionen, insofern die einen und die anderen auf die Entwicklung der gleichzeitigen Literatur influirt oder von dieser mehr oder minder nadhaltige Einwirkungen erfahren haben. Zugleich ist er bestrebt, diese Entwicklung selbst bis zu ihren ersten Anfängen und lebten Quellen zu verfolgen und die verschiedenen Phasen, die sie auf ihrem fort: schreitenden Gange durchlaufen hat, aus der Gesammtheit der geschichtlichen Momente, durch welche sie begründet und bestimmt werden, zu erklären.

Herr Fauriel liebt es, bei den ersten Ursprüngen der historischen Erscheinungen zu verweilen, die Weise und den Prozeß ihrer (Entitehung möglichst genau und allseitig zu erforschen. Doch fann man ihm deßhalb nicht vorwerfen, daß er über dem Werden der Dinge die reale Beschaffenheit derselben aus den Augen verliere oder die legtere auch nur mit geringerer Sorgfalt behandele wie das erstere. Die

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Aufschlüsse, die in seinem Werfe über die verschiedenen Zweige und Richtungen der
Literatur, über das Leben und die Wirksamkeit der hervorragendsten Schriftsteller

, sowie über Inhalt und Charakter ihrer Hauptwerke gegeben werden, sind im All: gemeinen so klar und umfassend, daß sie zur Vermittlung einer gründlichen und zusammenhängenden Kenntniß des Gegenstandes vollkommen ausreichen. Fügen wir hinzu, daß die Darstellung auch in formeller Beziehung alle die anziehenden Eigens schaften befißt, durch welche sich die historischen Schilderungen der Franzosen in der Regel und zwar sehr zu ihrem Vortheile auszeichnen, daß fie selbst da, wo fie in mehr gelehrte Grörterungen über an sich ziemlid trodne Materien einzugehen hat, das Interesse des Lesers durch eine gewandte und geistreiche Diction an sich zu fesseln weiß, so wird es keiner weiteren Rechtfertigung bedürfen, wenn wir dem vorliegenden Werke unter allen, welche bisher über die Geschichte der älteren jüd: französischen Poesie erschienen sind, die unbedingt erste Stelle zuweisen.

Hebrigens wird es, bevor wir auf den Inhalt unserer Schrift näher eingehen, am Orte sein, über die Entstehung und äußere Beschaffenheit derselben eine kurze Notiz vorauszuschicken. Der berühmte Gelehrte, dessen Namen sie an der Stirne trägt, ist leider durch einen zu frühen Tod gehindert worden, die Ergebnisse eines mehr als 40jährigen Studiums, das er auf die Erforschung der allgemeinen Cultur: und Literaturgeschichte des mittägigen Frankreichs verwandt hat, wie es seine Ab: icht war, selbst vollständig dem Publicum vorzulegen. Nur zur Herausgabe des zweiten von den drei Theilen, aus welchen das von ihm projectirte umfassende Wert bestehen sollte, der ausgezeichneten Histoire de la Gaule méridionale sous la domination des conquérants Germains (Paris 1836, 4 vols.) hat er Zeit gefun: den; bei der definitiven Redaction des dritten, in welchem er die Geschichte des südlichen Frankreichs bis zum Kreuzzuge gegen die Albigenser hinabzuführen ges dachte, wurde er vom Tode überrascht. Ein langjähriger Freund des Verstorbenen, Herr Jul. Wohl, Mitglied des französischen Instituts, hat sich, durch dessen Erbin dazu aufgefordert, der Mühe unterzogen, den Nachlaß Fauriel's, soweit derselbe zur Veröffentlichung geeignet ist, dem Drud zu übergeben. Das vorliegende Wert ist die erste dieser Publicationen ; es besteht aus einer Reihe von Vorlesungen, die von Herrn Fauriel in einem zweijährigen Cursus an der Sorbonne und später an der Pariser Universität über die provenzalische Poesie gehalten worden sind. Wir er: halten diese Vorträge, nach der Versicherung des Herausgebers, genau in derselben Gestalt, in welcher sie sich in den Heften des Verfassers vorgefunden haben. Nur an einer einzigen Stelle, wo das Manuscript eine Lücke zeigte, hat sich Herr W. eine Ergänzung erlaubt. Im Uebrigen ist, abgesehen von dem Wegfalle der direcs ten Anrede an die Zuhörer und den dadurch nöthig gewordenen leidyten Aenderungou, dem ursprünglichen Terte weder etwas genommen noch hinzugefügt worden. Wir haben ohne Zweifel allen Grund, dem geebrten Herausgeber für die große und gewissenhafte Sorgfalt, die er auf die Veröffentlichung der nachgelassenen Ar: beiten feines Freundes gewendet, dankbar zu sein. Zugleich liegt der Wunsch nahe

, daß es ihm gestattet sein möge, die Vorträge desselben über die spanische und ita: lienische Literatur, deren Mittheilung er zunächst in Aussicht stedt, recht bald fols gen zu lassen. Wenn die provenzalische Literatur, wie dies gewöhnlich geschieht, mit der 14

: rischen Dichtung der Troubadours identificirt wird, so umfaßt sie im Ganzen einen Zeitraum von nur etwa 250 Jahren, indem dann ihre Anfänge an den Schluß des 11ten und ihr Ausgang in die Mitte des 14ten Jahrhunderts geseßt werden muß. Herr Fauriel hat indeß die lieberzeugung gewonnen, daß der ursprung und die ersten Erzeugnisse dieser Literatur einer viel früheren Epoche angehören und hält sich deßhalb für berechtigt, der soeben nach ihren Endpunkten bestimmten Pes riode eine ältere voraufgehen zu lassen, die um die Mitte des Sten Jahrhunderts d. h. zu der Zeit beginnt, wo seiner Ansicht nach die bis dahin herrschende lateis uische Sprache den romanischen Idiomen des Südens weichen muß. Ueber diese früheste Epoche der füdfranzösischen Literatur sind in den historischen Quellen nur sehr sparsame und wenig zusammenhängende Nachrichten enthalten. Auch ist die Zahl der literarischen Denkmale, die uns aus ihr erhalten worden sind, eine sehr

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bejdränkte. Man kann es daher nicht auffallend finden, wenn sie in ein gewisses Dunkel gebüllt erscheint, das sich troß aller dabin abzielenden Bemühungen nicht aufhellen läßt. Inzwischen tritt rod, im Verlaufe des in Nede stehenden Zeitraums eine Reihe von historischen Thatsachen erfennbar heraus, die namentlich deßhalb höchst wichtig und von besonderem Interesse sind, weil sie, wie Herr F. es treffend bezeichnet, „die Literatur des Sütens einerseits mit der antifen griechisch-römischen Bildung, und andererseits mit der schönen Zeit res zu seiner vollen Blüthe gelangten Mittelalters verknüpfen“.

Wir wollen dem Verfasser in das Detail der allgemeinen Skizze, die er im 1sten Capitel von dem Entwicklungegange der provenzalischen Literatur und damit zugleich von dem Plane und Inhalte seines Werkes entwirft, hier um so weniger folgen, da unser an den Fortgang der Darstellung sich eng anschließenver Bericht die wesentlichen Abschnitte derselben von selbst erfennen lassen wird. Auch den zweiten Vortrag, welcher sich die Aufgabe stellt, den Ginfluß der provenzalischen Poesie auf den Fortschritt der allgemeinen und dichterischen Cultur in den übrigen Ländern Europa's in großen Zügen zu sdildern, können wir hier füglich übergehen. Wichs tiger wie diese beiden einleitenden Abjchnitte ist ohne Zweifel der dritte: „Einfluß der griechischen Givilisation auf das mittägige Gallien“, mit welchem die Entwicklungsgeschichte der jüdfranzösischen Cultur eröffnet wird. Denn Herr F. bemerkt mit vollem Rechte, daß der Antheil, welchen die griechische Bildung an der Begrün: dung der altgallischen Cultur gehabt hat, im Allgemeinen kaum „geahnt“, geidweige denn nach Verdienst gewürdigt wird. (S. 60.)

Die mannigfachen Seime einer höheren geistigen und sozialen Cultur, welche die überlegene Civilisation der griechischen Colonisten besonders in den jüdlichen Theilen Galliens gepflanzt hatte, finden in der späteren Epoche der römischen Herrschaft Zeit und Naum, sich auszubreiten und allseitig z11 entwickeln. Das 4te Capitel unseres Werkes : „Die griechisch - römijde Literatur in Gallien“ ist daju bez stimmt, den allmäligen Fortschritt dieser Entwicklung zu schiltern, während das nächitfolgende Ste: „Der Süden Franfreichs unter den Barbaren“ die Veränderun: gen erörtert, welche die Besibnahme der römischen Provinzen durch die Germanen in den politischen und gesellschaftlichen Zuständen Galliens herbeiführte. Wenn wir uns bei diesen beiden Abschnitten, welche sich ebenso sehr durch eine reiche Fülle von höchst interessanten historischen Details wie durch eine geistvolle, zu manchen neuen Ergebnissen führende Auffassung der in ihnen zur Sprache kommenden Zeiten und Verhältnisse auszeichnen," nicht länger aufhalten, so unterlassen wir das nur, um für die Besprechung der Haupttheile unserer Schrift etwas mehr Raum zu gewinnen. Aus demselben Grunde gehen wir über die beiden nächsten Capitel (6 u. 7), in welchen über „den ursprung“ und „den grammatischen Bau der provenzalischen Sprache“ gehandelt wird, mit der Bemerkung hinweg, daß dieselben keineswege, wie es ihre Ueberschrift wohl vermuthen lassen könnte, nur für den Linguisten von Interesse sind.

Der Sturz der römischen Herrschaft hatte, wie anderwärts, so auch in Gallien zur nothwendigen Folge, daß die lateinische Sprache, welche bis dahin im öffentlichen und auch im Privatleben, wenigstens der gebildeten Streise des Volkes, ausschließlich im Gebrauche gewesen war, ihre frühere Geltung allmälig verlor. An ihre Stelle traten die Volksdialecte, die als mehr oder minder trümmerhafte Reste der ursprünglichen Idiome des Landes zwar unausgesegt in den niederen Schichten der Gesellschaft fortbestanden hatten, hier aber begreiflicher Weise in einem rohen und unvollkommenen Zustande verblieben waren. Kaum genügend für den Gebrauch des gewöhnlichen Lebens erwiesen sie sich völlig unzureichend, als sie nun dazu bes rufen wurden, den Bedürfnissen einer höheren Bildung zum Ausdruck zu dienen. Diese Unzulänglichkeit veranlaßte natürlich das Bestreben, sie allnälig in dem Grade zu vervollkommnen, daß sie befähigt würden, den Anforderungen zu entsprechen, welche die gebildeten Classen der Gesellschaft an das allgemeine Vehikel des Ges dankenaustausches zu stellen haben. În Frankreich war es, wie Herr F. im 8ten Capitel („Erste Anwendung des provenzalischen Idioms in der Mönchšliteratur“) näher ausführt, die Kirche, welche die Lösung dieser (dwierigen Aufgabe zuerst und mit nicht geringem Erfolge anbahnte. Was sie dazu bestimmite, auf diesem Gebiete die Initiative zu ergreifen und in welcher Weije sie hier ihren Einfluß geltend machte, darüber giebt der Verfasser in dem bezeichneten Abschnitte sehr interessante Aufschlüsse, die wir wenigstens zum Theile hier ausheben wollen.

Die Kirche des Dacirents batte den Gebrauch der lateinischen Sprache auch nach der Auflösung des römischen Reichs sowohl in ihrer Liturgie wie zum Zwede ter religiösen Unterweisung des Volkes beibehalten. Als sie aber im Anfange des Sten Jahrhunderts inne ward, daß diese Sprache von der Mehrzahl der Gläubigen nicht mehr verstanden werde, traf sie alsbald Vorkehrungen, um den dadurch her: beigeführten Hebelständen abzuhelfen. Die ersten Maßregeln, die zu dem Ende er: griffen wurden, gingen von den Concilien aus, die auf den Wunsch Carl's des Großen im Jahre 813 an fünf verschiedenen Orten des Reichs zusammentraten. Wir wissen nämlich, daß wenigstens drei dieser Versammlungen in besonderen 6a: nones den Bischöfen einschärften, dafür Sorge zu tragen, daß der religioje Unters richt dem Volfe überall in der üblichen (romanischen oder germanischen) Landes: sprache ertheilt werde, eine Vorschrift, die dann vom Kaiser zu einem für das ge: sammte Reich gültigen Staatsgeseß erhoben wurde. Herr F. glaubt nicht ohne Grund, daß durch diese Anordnung die Entwidlung und Feststellung der Volks: idiome wesentlich gefördert worden sei. Die Mehrzahl der Geistlichen war damals noch im Besiße einer, wenn auch im Allgemeinen höchst dürftigen Kenntniß der lateinisden Sprache und Grammatik. Auch bildeten sie die einzige Classe der Ge: sellschaft, in weldier ein höherer Grad von Intelligenz und ein gewisser, wenngleid sehr beschränkter Umfang des Wissens anzutreffen war. Jndem man daber gerade ihnen die Verpflichtung auferlegte, sich mit der herrschenden Bolfsspradie vertraut zu machen, wurde die Pflege derselben in die Hände eben derer gelegt, die am meisten befähigt waren, auf ihre Ausbildung fördernd einzuwirken.

Was speziell das südliche Frankreich angeht, so gab es hier noch manche an: dere Ilmstände, durch welche der Clerus veranlaßt wurde, zur Entwicklung der Volksmundarten thatig mitzuwirken. Vor Allen führte dahin die unglaubliche Ignoranz der Geistlichkeit, welche nirgendwo sonst auf einer niedrigeren Stufe der Bildung stand wie even dort. Schon war die Kenntniß des reinen und classischen Latein unter ihren Mitgliedern nur noch ausnahmsweise vorhanden. Jin Allgemei; nen bedienten sie sich der römischen Sprache in einer Form, in welcher diese durch die aus den Landesdialecten aufgenommenen Ausdrücke und Wendungen fast hvis zur linkenntlichkeit entitellt erscheint. Wir besigen eine Anzahl von firchlichen Hymnen, die wahrscheinlich dem Anfange 008 9ten Jahrhunderts ihre Entstehung verdanken und höchst merkwürdige Proben dieser „mehr als halvbarbarischen“ Münchesprache“ enthalten. Sie sind zugleich deßhalb von besonderem Interesse, weil sie zeigen, wie damals die Liturgie der christlichen Kirche mit Gesängen angefüllt wurde, deren durchaus, profaner Inhalt mit dem Charakter und Zwecke der religiösen Feier, für welche sie bestimmt waren, im schroffsten Widerspruche stand.

Die liturgischen Gesänge sind übrigens nicht die einzigen literarischen Denkmale, in welchen wir ein schon mehr oder weniger romanisirtes Latein zur Anwen: dung kommen sehen. Es eristirt neben ihnen eine große Anzahl von Legenden und fabelhaften Erzählungen in Versen und Prosa, die gleichfalls in jener Mischsprache abgefaßt sind. Hatten aber einmal die romanischen Joiome eine solche Geltung gewonnen, daß sie als wesentliche und nothwendige Bestandtheile der herrschenden Schriftspradie angesehen werden konnten, so lago es sehr nahe, fie nun auch in ihrer reinen und ungemischten Gestalt zu literarischen Zwecken zu verwenden. Auch hier ist es die Siirche, welche mit ihrem Beispiele voranging. „În der That“, sagt der Verfasser, ist der Moment, wo die romanische Voitssprache in die christ: liche Liturgie zugelassen wurde, derjenige, von welchem die Anfänge ihrer Ausbildung datirt werden können. Auch sind die frühesten literarischen Versuche, in wel

: chen man sie zur Anwendung vrachte, allem Anscheine nach religiöse Lieder, von Geistlichen zu dem Zwecke abgefaßt wurden, um vom Volke in der Kirche ges sungen zu werden.“ (S. 253.)

Wir müsjen es dein Leser überlassen, die näheren Angaben über den Inhalt

die

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