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wesen verknöchert war, blieb in Gewerkschaft und Knappschaft ein gesunder Keim, aus dem sich Formen entwickelten, die zunächst für eine Hausindustrie, welche der Ergänzung durch den Hausirhandel bedurfte, völlig genügten. Dieser Entwicklungsgang gewinnt durch den hartnäckigen Widerstand, welchen z. B. die Bauern der Herrschaft Triberg dem Zunftwesen leisteten, noch eine besondere Beleuchtung.

Der allgemeine Zusammenhang war mir wohl schon klar; nirgends aber hätte ich mehr eine Ansfüllung des Schemas durch die Erkenntniss des Einzelnen gewünscht als hier. Wenn ich dieselbe schliesslich erlangt, so habe ich dies allein der Liebenswürdigkeit des Herrn F. J. Faller in Lenzkirch zu verdanken, der mir sowohl das in seinem Besitz befindliche Material überliess, als mir einiges fremde verschaffte, wie die Statuten der grössten der Compagnien, der Elsassträger. Mit dem 18. Jahrhundert beginnen schon die Schreib- und Rechenhefte, die Formel- und Ceremonienbücher der Träger, die uns die Menschen selber leibhaftig vor Augen führen. Weitaus am wichtigsten ist jedoch die ausführliche, musterhafte Monographie, welche in den 30r Jahren dieses Jahrhunderts Herr Johann Faller für seine Nachkommen über die Geschichte jener Strohhut- und Uhrenhändler-Compagnie aufgesetzt hat, die noch unter dem Namen Faller, Tritscheller und Compagnie besteht. Die Entstehung, die innere Verfassung, der Geschäftsbetrieb, das Verhältniss zur Heimath und zum Ausland treten uns hier so anschaulich entgegen, alle nur irgend wünschenswerthen Zahlenangaben sind so reichlich vorhanden, dass hier ein vollständiges Bild einer vergangenen Wirthschaftsperiode gegeben ist. Der Vertrieb der Waaren durch die Trägercompagnien ist übrigens so massgebend auch für die Verhältnisse der Arbeit gewesen, dass ich es verschmerzen kann, über die Uhrmacherei selber nur wenig gefunden zu haben. Die in ihrer Art trefflichen Beobachtungen von Zeitgenossen wie Steyrer, Jäck u. a. m. werden wohl hier für mich die Grundlage der Untersuchung bleiben müssen.

Karlsruhe, im Oktober 1885.

Beilage B.

Bericht über die Ordnung und Repertorisirung des Stadt

und des Spitalarchives zu Ueberlingen

erstattet von Prof. Dr. Roder in Villingen.

Durch den am 28. Januar 1884 mit der badischen historischen Commission abgeschlossenen Vertrag habe ich die Ordnung und Repertorisirung des Stadt- und des Spitalarchivs in Ueberlingen übernommen, mit der Verpflichtung, diese innerhalb zweier Jahre zu Ende zu führen. Nach der Uebersiedlung von hier nach Ueberlingen begann ich meine diesbezügliche Thätigkeit am 10. Juni, und zwar mit dem Stadtarchiv.

Bis in die ersten Decennien unseres Jahrhunderts befand sich dasselbe im dritten Stocke des sog. Pfennigthurms, eines Anbaues des Rathhauses, wie es scheint in ziemlich gutem Zustande. In Folge der – übrigens nicht sehr sorgfältigen – Aushebung der Ueberlingen als Reichsstadt betreffenden Archivalien für das Landesarchiv nach dem Anfall der Stadt an Baden, dann der Verbringung des Archivs in den jetzigen Raum, den vierten Stock des genannten Thurms, und der gewissenlosen Verwüstung und Plünderung durch unberufene einheimische Geschichtsliebhaber“ war das Ganze in eine völlige Verwirrung gerathen. Da die sechs alten Kästen für die Aufnahme alles Vorhandenen nicht ausreichten, so verwahrte man damals einen beträchtlichen Theil von Acten in der 1832 durch Dekan Wocheler gestifteten LeopoldSophienbibliothek, anderes warf man planlos in die auf dem unteren Hausflur des Rathhauses stehenden Schränke zusammen.

Nach einer mit Herrn Archivar Dr. Baumann, als Vertreter der historischen Commission, gepflogenen Besprechung liess ich die zuvor von Schmutz und Staub gereinigten Archivalien des Pfennigthurms mit ihren Laden in das vom Stadtrath mir eingeräumte Arbeitslokal im Spitalverwaltungsgebäude überführen, ebenso alle Urkunden und Acten aus der LeopoldSophienbibliothek, von welch letzteren viele, hauptsächlich die

Ueberlingen nicht berührenden, aus dem Stift - Salemischen und dem Bischöflich - Constanzischen Archive stammen und s. Z. durch Dekan Wocheler gesammelt und der Bibliothek einverleibt worden sind.') Mein Verfahren bei der eigentlichen Ordnung und Repertorisirung war folgendes: Nach vorläufiger Sichtung und Gruppirung der Archivalien fertigte ich von den Pergament- und Papierurkunden bis zu Anfang des 16. Jahrhunderts und von den wichtigeren späteren Regesten mit alter und reducirter neuer Datirung, häufig mit wörtlicher Mittheilung des Originaltextes - immer bei Eigennamen, ausgenommen den gewöhnlichsten wie Konstanz, Lindau – und mit kurzer Beschreibung der Siegel; die vom 16. Jahrhundert an sich häufenden Papieracten vereinigte ich in chronologischer Anreihung des Zusammengehörigen zu Faszikeln, sofern solche nicht schon vorhanden waren. Der Inhalt des Faszikels wurde jeweils kurz mit der Jahreszahl auf dem Vorlageblatt desselben angegeben, ausführlicher jedoch mit Hervorhebung der bedeutsameren Stücke im Regestenzettel. Insbesondere fanden Nachrichten und Bemerkungen von kulturgeschichtlichem Interesse, auch scheinbar unbedeutende, wie Namen von Schulmeistern, Münz- und Massbezeichnungen, ungewöhnliche Gewannbenennungen, Angaben über Bauten in der Stadt, sprachliche Eigenthümlichkeiten, oder solche, die sich auf die Genealogie oder die Vermögensverhältnisse hervorragender Familien beziehen, genauere Beachtung. Dann kam die Urkunde oder der Faszikel einstweilen in eine -Lade, nach Notirung der Nummer der letzteren mit Bleistift auf den Regestenzettel.

Bis Anfang März d. J. hatte ich das Material der 6 Kästen des Stadtarchivs durchgearbeitet. Es folgte hierauf die Eintheilung der Regestenzettel nach den aus ihrem Inhalte gefundenen Gesichtspunkten, innerhalb jeder Abtheilung in chronologischer, einigemal, zur Erzielung einer bessern Uebersichtlichkeit, in alphabetischer Ordnung (z. B. in Abtheilung XXXVII, XXXVIII, XXXXVIII ff. LXI). Die Classificirung des alten Repertoriums (siehe Abtheilung LXXXX Nr. 1116), das mir im Spätjahr 1854 auf der Leopold-Sophien bibliothek in die Hände gerathen war, konnte nur in wenigen Fällen beibe

) In den Regesten sind sie durch B gekennzeichnet.

halten werden, da eine grosse Menge von Archivalien des 17. und 18. Jahrhunderts in demselben nicht aufgezeichnet ist, manche andere aber verschwunden sind.)

Sofort wandte ich mich nun dem Spitalarchiv zu. Dasselbe, früher im Spitalamtsgebäude am See gut verwahrt, war nach dessen Abbruch im Jahre 1857 in Folge mehrfacher Transferirungen ebenfalls in Unordnung gekommen.) Im Frühjahr 1884 brachte man es endlich im untern Stock des jetzigen Spitalverwaltungsgebäudes bleibend unter in einem eigens hergerichteten Raume, der zwar nicht vollständig feuersicher ist, immerhin aber wegen der soliden Beschaffenheit des eichenen Gebälks, der Trockenheit der Wände und des Fussbodens und der dem Zutritt von Luft und Licht günstigen Lage für diesen Zweck wohl passend erscheint.

Da hier die zu bewältigende Masse von Archivalien merklich geringer war, so brachte ich das Ganze gleich Anfangs in Gruppen, wie dieselben in beiliegender Uebersicht aufgeführt sind, wobei mir der Umstand zu statten kam, dass manche zusammengehörigen Pergamenturkunden noch in Packeten bei einander und einzelne Papieracten, hauptsächlich solche, die sich auf Lehen beziehen, faszikulirt waren. Leider konnte ich keine Spur mehr von dem alten Repertorium auffinden, obwohl dasselbe vor wenigen Jahren sicher noch vorhanden gewesen ist.).

Bezüglich der Regestirung der Urkunden und Aufzeichnung der Acten, die bis Anfang August währte, befolgte ich dasselbe Verfahren wie beim Stadtarchiy. Im Allgemeinen sind hier die Urkunden mit ihren Siegeln viel besser erhalten als

1) Man sieht aus diesem Repertorium, dass auch im 16. Jahrhundert (das Repertorium wurde 1560 angefangen) der Bestand des Stadtarchivs an Pergamenturkunden des 13. und 14. Jahrhunderts ein verhältniss mässig geringer gewesen ist und dass die Bemerkung in einer von Jakob Reutlinger in seinen Kollektaneen mitgetheilten Urkunde vom Jahr 1279: „anno inquam, q110 fuit civitas pro parte majori per incendium devastata“, auf grosser Wahrscheinlichkeit beruht.

2) Im Januar 1884 sah ich es im Erdgeschoss des sog. Steinhauses aufgehäuft.

3) Herr Lehrer Locher aus Sigmaringen, der im Laufe dieses Sommers im Spitalarchiv zu Ueberlingen Erhebungen über die Herren von Hohenfels machte, erklärte mir, dass er vor etwa 15 Jahren das genannte Repertorium, einen Folianten, zu Auszügen benützt habe.

dort, wohl desswegen, weil ein grosser Theil derselben noch bis in die 50r und 60r Jahre unseres Jahrhunderts, die Zeit der Zehntablösungen, Rechtskraft besass und das Archiv von Verwüstern mehr verschont geblieben ist.

Die in den Kästen auf der Hausflur des Rathhauses aufgehäuften, im Ganzen nicht eben sehr werthvollen Acten des Stadtarchivs, von denen ich schon vorher die Pergamenturkunden ausgeschieden hatte, sammelte seit Mitte Juli d. J. der auf mein Ersuchen vom Gemeinderath mir als Hilfsarbeiter beigegebene Herr Kommissionär Stiehle unter meiner Aufsicht. Auch sie wurden nach Aufzeichnung ihres Inhalts in die übrigen Acten des Stadtarchivs eingereiht.

Unterdessen hatte auch der innere Archivraum im Pfennigthurm eine seiner Bestimmung entsprechende Ausstattung, durch Ausweissen des Gewölbs, Cementiren des Fussbodens, Anbringen eines Büchergestells und eines Tisches etc. erhalten; da die vorhandenen 148 Laden in den 6 Kästen sich als nicht ausreichend erwiesen, so war ein siebenter Kasten mit 24 Laden als Aufsatz neu angefertigt worden.

Mit Anfang August erfolgte die genaue Zusammenstellung der Urkunden und Acten des Stadtarchivs nach den Hauptabtheilungen, hierauf die Nummerirung und das definitive Niederlegen derselben in die Laden.^)

Der mangelhafte Zustand der für die Geschichte Ueberlingens äusserst schätzbaren Missiv-, Raths- und Gerichtsprotocollbücher etc. (siehe Abtheilung LXXXXI) in den nicht staubdicht verschliessbaren Kästen auf dem untern Hausflur des Rathhauses rechts am Eingang zum Rentamt machte ebenfalls eine Aenderung nothwendig. Ihren neuen Platz fanden sie nach der Ausbesserung der Einbände und Kennzeichnung durch Jahrzahlen in chronologischer Ordnung in dem geräumigen schönen Kasten vom Jahre 1598 rechts am Haupteingang; nur ein kleiner Rest verblieb in den bisherigen ausgebesserten zwei Kästen.

Nach Verbringung der 172 nummerirten Laden des Stadtarchivs in den Pfennigthurm und Einreihung derselben in ihre Fächer sowie nach beendigter Nummerirung und Nieder

1) Bei Kasten II beginnen die Nummern von neuem und laufen dann fort bis zu Ende mit Kasten VII.

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