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gegebenen Kreuziger 206: in der tür halb hin în und halb her vür sold man uf der swelle daz lam nach der stelle (in dieser Stellung?) tôten. Nicht zu bestimmen vermag ich, ob hierher oder zu lat. stella gehört dîn untirmic stelle bei Frauenlob, Kreuzleich 2, 5; dasselbe gilt von steil, steille, einem Theil des Galgens, in den Weisthümern II, 70, Z. 1 und 340, Z. 16 u. 17.

ZEITZ, October 1886.

FEDOR BECH.

ULRICH VON LICHTENSTEIN UND STEINMAR.

In einem interessanten Verhältnisse stehen diese beiden Dichter des 13. Jahrhunderts, der Steirer Lichtenstein und der Schweizer Steinmar.

Die Gedichte des Letzteren nämlich, der, wie wir wissen, 1276 im Gefolge König Rudolfs von Habsburg nach Österreich kam (s. Bartsch, Liederdichter Nr. LXXII), sind vielfach offenbare und wohlgelungene Parodien oder wenigstens Reminiscenzen Lichtenstein'scher Stellen.

1. Die von Lichtenstein bis zum Überdrusse geführte Schilderung der Liebessehnsucht, der Gier seines Herzens, das nicht ruhen kann, sondern immer und immer an die Brust stößt, da es gerne zur Geliebten möchte (bei Lachmann 579, 10 ff. im verbindenden Texte, 580, 21 ff. im Liede u. ö.), mit der Verwendung des komischen Gleichnisses vom vederspil (579, 14) ist durch Steinmar MS 2, 155 b (Str. 15) parodirt.

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2. Die bei Steinmar unmittelbar vorhergehenden Worte in Str. 14 mit dem Gedanken, daß die Augen daran schuld sind, daß die Geliebte in sein Herz eingedrungen, gehen ersichtlich auf Lichtenstein 281, 25 zurück:

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4. Steinmars V. Lied

(MS 2, 155 b) geht auf Lichtenstein 509, 14 ff. zurück, ist eine hübsche und witzige parodistische Antwort auf Lichtensteins Versuch, den Wächter aus der alten Gattung des Tageliedes zn entfernen.

gang!

Lesen wir Lichtensteins Stelle, verfolgen wir seinen Gedanken

Er findet es nicht begreiflich, wie nur die Vorfahren stets singen mochten, daß sich der Ritter des Tagliedes von einem gemeinen, dem Bauernstande angehörigen Wächter am Morgen habe wecken lassen; denn einmal müsse durch den Ruf des Wächters der Schmerz der Trennung um so unmittelbarer, gäher dem Ritter vor die Seele treten und zweitens müsse er sich so der beständigen Furcht, durch den Verrath des Wächters, dessen art niht verdagen kann, seine und der Geliebten Ehre aufs Spiel zu setzen.

Wenn ihm, sagt Ulrich, von vrowen liep geschehen sollte, des liez er ungern wizzen iht für war an gebiurschen lip... müezt ez iemen wizzent sîn, der müeste reineclich geborn sîn. Da es aber gar keine edelen wahter gäbe, so sieht Lichtenstein den einzigen Ausweg darin, einer werden vrowen maget das Amt des Wächters zu übertragen (wie er das im folgenden Taglied, S. 512, wirklich durchführt).

Es sei ja vor Zeiten doch oft genug geschehen, daß die Liebenden vom Tagesanbruch überrascht worden seien und doch sei die Sache geheim geblieben.

Wehe aber auch demjenigen, den man entdeckt hätte: er het vi, übel liht gevarn. So müsse es im Interesse beider Liebenden liegen auf alle Weise ihren Liebesumgang geheimzuhalten.

Steinmar nun geht in der ersten Strophe seines Gedichtes auf Lichtensteins Bedenken ein:

Swer taugenliche minne hât,

der sol sich wenic an den lân,

den man sô grôze missetât

an sînem herren siht begân,

dem er bewachen guot und êre sol:

lât er den gast ûf schaden in, wie solt er dem

getrûwen wol?

Die Beziehung auf Lichtenstein ist nur zu deutlich. Zeigt sie nicht schon das so des dritten Verses? so groze missetât, will Steinmar sagen, wie sie Lichtenstein mit Recht betont, den Verrath des Wächters, der eigentlich Gut und Ehre seines Herrn behüten sollte.

Die 2. und 3. Strophe bei Steinmar sagen nun in recht witziger Weise, wie sich er aus der Sache heraushelfen wollte er brauchte überhaupt einen Wecker nicht,

waer ich sô minneclich gelegen

bî liebe tougen ûf den lîp,

sô wolt' ich wenic slâfes pflegen;

er würde gar nicht schlafen!

mir selbem sô wollt' ich getrûwen baz,

danne iemen, der mich wechen solte;

und dabei stellt sich der Dichter die üble Lage desjenigen vor, den man entdeckt hätte:

sû wê im des man dâ vergaz!

Also das Verschlafen hätte Steinmar nicht zu fürchten. Aber auch ebenso wenig die Aufpasser; denn:

waer' ich zuo liebe alsô geladen,

daz ich dâ hôhe fröude solte hân,

sô müest' er sîn ein staeter vriunt, den ich daz

wizzen solte lân.

Die Beziehung zwischen Steinmars Lied und Lichtensteins. gedachter Stelle scheint mir so unbestreitbar, daß ohne die Annahme. derselben das Steinmarsche Gedicht seine ganze Klarheit und Pointe verlöre.

5. Was führte Steinmar zur Gattung des Herbstliedes, wie wir es a. a. O. S. 154 a von ihm erhalten haben?

Was gab ihm die äußerliche Anregung dazu, der alten Tradition des Minnesangs so bewußt und entschieden den Rücken zu kehren, jener Tradition, die Mai und Minne so oft gepriesen?

Ich glaube wieder Ulrich von Lichtensteins Dichtung und zwar insbesondere dessen Stelle 504, 22 ff., die in ihrer Art ganz jener oben besprochenen vom Wächter im Tagliede an die Seite zu setzen ist.

Ulrich zieht hier die alte, tiefe Grundlage des höfischen Minnesangs, die Übereinstimmung der Natur mit dem fühlenden Herzen des Menschen in das Gebiet seines grübelnden und meisternden Rationalismus und damit weg von der wahren Poesie zur Parodie hinüber: die so dichten, wie es unsere Vorfahren gethan, sagt Ulrich, deren Brust dann voll Freude ist, wenn der Sommer im Lande waltet, und die ungemuot sind, swenn daz weter übel tuot, die seien mit Recht wetersorger zu nennen, da sie ihre Stimmung nach dem Wetter einrichten.

Ein solcher will Ulrich nicht sein; er hat von nun an keinen Natureingang mehr. Die Geliebte ist nunmehr allein sinen freuden meyen zit (505, 5).

swie ez witer ze aller zît,

ir güete mir die freude gît,

die mir daz weter swendet niht (505, 31).

Sein Herz ist von nun an swie ez witeret, vrô vrô vrô (507, 23 u. a.). Nachdem also der Lichtensteiner den großen Schritt von der alten Tradition des absterbenden Minnesangs hinweg gethan, thut Steinmar den nächsten und besingt ihn, der ihm tuot sorgen rât,

herbest.

Ulrich von Lichtenstein, dessen Frauendienst" schildert, wie sein Verfasser sich sein Lebtag vergeblich um Frauengunst geplagt hat, ist ein warnendes Exempel, was für ein marteraere ein armez minnerlîn ist denn sicherlich hat Steinmar bei dieser Stelle Lichtenstein im Auge - so will ich, sagt Steinmar, die, lân, zu denen auch ich nicht gehörte, unt wil inz luoder treten. – So hat Steinmar in Österreich aus der verstiegenen, abstracten, innerlich lebensschwachen letzten Minnedichtung Lichtensteins die Anregung zu seiner realistischen Reaction empfangen.

In Österreich konnte Steinmar auch die weitere Voraussetzung für sein Herbstlied finden: Neidharts höfische Dorfpoesie, öster reichische Ess- und Trinklieder (es ist darauf hinzuweisen, daß die ersten Producte deutscher Weinpoesie, Gedichte wie der Weinschwelg", um jene Zeit entstanden sind).

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6. Was ist endlich Steinmars XIII. Lied (MS 2, 159 a) anderes, als abermals eine Parodie des ganzen Minnesangs überhaupt und, mit seinem Refrain, Lichtensteins insbesonders!

Ich wil grüenen mit der sât,

diu sô wunneclîchen stât,
ich wil mit den bluomen blüen,
unt mit den vogelîn singen.
Ich wil louben, sô der walt,

sam diu heide sîn gestalt,

ich wil mich niht lâzen müen,

mit allen bluomen springen.

Ich wil ze liebe mîner lieben frouwen

mit des vil süezen meien touwe touwen.

Dêst mir allez niht ze vil,

ob si mich troesten wil.

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